Das Gute daran

Zu Hause fahre ich und hier fährt er.
Dieses Abkommen haben der Humus und ich schon vor längerer Zeit getroffen. Und obwohl wir uns weitgehend daran halten, fährt er zu Hause auch manchmal, während ich es hier konsequent unterlasse.
Meine ortsbezogene Unlust, eine Auto zu steuern, hat verschiedene Gründe.

Erstens: Mein Orientierungssinn lässt sehr zu wünschen übrig. Kurz nach einem Umzug bin ich gefährdet, mich in meiner eigenen Wohnung zu verlaufen. Wenn die Tafeln mit fremdländisch klingenden Namen geschmückt sind, die ich mir im Leben nicht merken kann, dann wäre ich verloren.

Zweitens: Die in die Jahre gekommene Karre des Humus macht mir Angst. Mal geht beim Einsteigen der Alarm los, mal scheppert hier etwas, dann klemmt es dort. Vom Aussehen ganz zu schweigen. Die Augen macht man am besten erst auf, wenn man schon drin sitzt. Also lasse ich die Finger davon und lasse mich bloss ganz, ganz vorsichtig auf dem Beifahrersitz nieder. Meine Schuld soll es nicht sein, wenn das Ding endgültig den Geist aufgibt.

Drittens: Nicht nur, aber auch im Strassenverkehr ist man hier deutlich spontaner als bei mir zu Hause. Es wird laut, lustig und oft gehupt und dazu überholt, mal links und mal rechts, was man selber auch tun muss, weil sich einige der vermeintlichen Verkehrsteilnehmer als kurzzeitig geparkte Wagen entpuppen – gern auch mal mitten auf der Strasse. Und das bringt uns schon zu

Viertens: Parkieren in Tel Aviv ist eine Wissenschaft für sich.
Abgesehen davon, dass es nie genügend Parkplätze hat, bestehen auch noch Vorschriften, die für einen Laien nicht ganz einfach zu durchschauen sind. Wehe dem, der farbenblind ist! Es kommt nämlich drauf an, wie sich die Gehsteigkante präsentiert. Ist sie blau und weiss markiert? Oder grau? Oder grau und rot? Rot und weiss? Gelb und rot? Wenn man dann vor lauter Verwirrung noch entscheiden kann, ob man eine Bus ist oder nicht, dann hilft es sehr, Einwohner zu sein, weil das auch einen Unterschied macht.
Obwohl der Humus das ganz entspannt sieht; manchmal kapituliert selbst er und wir fahren doch lieber in ein Parkhaus.

Die Parkhäuser in Tel Aviv sind toll und äusserst fortschrittlich. Das Highlight ist die Ausfahrt. Es ist nämlich nicht nötig, anzuhalten, das Fenster herunterzulassen, festzustellen, Mist! man hätte näher ranfahren müssen, sich durch die knapp geöffnete Tür zu zwängen, um das Ticket – wo, verdammt, hat man es schon wieder hingelegt?! – in den Schlitz zu schieben – und vorgängig, weil es allen anderen ähnlich geht, noch eine Weile in der Warteschlange zu stehen, NEIN, hier fährt man in aller Ruhe und entspannt auf die Schranke zu, die sich wie durch Zauberhand öffnet, weil eine Kamera mit Röntgenblick das bezahlte Ticket identifiziert hat und den Weg frei gibt. Genial.
Die Ausfahrt allerdings, die muss man sich erst verdienen.

Allein würde ich mich nie in diese Katakomben trauen, wo man nur schon aufgrund der mit jedem tiefer liegenden Geschoss steigenden Temperatur vermeintlich zur Hölle fährt, aus der ich, da die Schilder ausnahmslos mit hebräischen Hieroglyphen  beschriftet sind, nie mehr herausfinden würde. Selbst ein Eingeborener benötigt Nerven, wenn man erst im fünften Geschoss auf Parkplätze stösst, die nicht privat vergeben oder für Behinderte reserviert sind, nachdem man eine Viertelstunde gebraucht hat und x-mal zirkuliert ist, um den Abgang dahin überhaupt zu finden. Nachdem man schon dachte, man sei tatsächlich dazu verdammt, bis in alle Ewigkeit hier herumzufahren.

Das Gute daran: Hat man eine solche Parkkrise und die damit einhergehende Paarkrise überstanden, dann hat man gute Chancen, alles zu überstehen.

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