Auf Wiedersehen

«Das ist jetzt aber komisch, Sie so zu sehen…»
Mit offenem Mund (denk ich mal) starren mich die Kinder an. Ein bisschen erschrocken blicke ich an mir herunter, kann aber nichts Peinliches feststellen. Da dämmert es mir: Die Maske! Schuldbewusst ziehe ich sie schnell über, um in der Folge wieder wie die Tante von Donald Duck auszusehen.

Mein gewohntes Accessoire hatte ich ganz vergessen. In der Mittagspause waren sich zwei Jungs an die Gurgel gegangen und einer von ihnen lag augenscheinlich in den letzten Zügen. Abgebrüht wie ich mittlerweile bin und aufgrund der einen oder anderen Erfahrung sah ich davon ab, die Ambulanz zu bestellen und rief stattdessen die Mutter an, sie möge ihren Sprössling doch bitte abholen, um mit ihm eventuell eine Stippvisite beim Arzt zu machen. Zur Übermittlung dieser frohen Botschaft war ich kurz aus dem Zimmer gegangen und hatte mich der Maske entledigt. Ich hatte auch so schon etwas Mühe, das Ganze zu erklären.

Und nun also grosses Erschrecken in den Kinderaugen vor mir. Ich schluckte schwer und rechnete kurz nach. Etwa ein halbes Jahr muss es jetzt sein, dass mich die Kids nur noch maskiert zu sehen kriegen. Ohne Ausnahme. Ein halbes Jahr in einem zehnjährigen Kinderleben ist ganz schön lang und mein Alterungsprozess nicht stehengeblieben. Schon überlegte ich, ob ich die nächsten Sommerferien in den Dienst einer Generalüberholung meines Gesichts stellen sollte – die Ferien am Strand fallen vermutlich sowieso wieder ins Wasser – da meldete sich mein vernünftiges Ich. «Den Kindern ist ja wohl egal, wie zerknittert dein Antlitz mittlerweile ist», spottete es. «Für die bist du sowieso steinalt.» Erst kürzlich hatte mich ein Schlawiner keck nach meinem Alter gefragt, um auf meine Antwort betroffen zu schweigen. (Dass man in diesem hohen Alter überhaupt noch funktionstüchtig ist…)

Nein, das Erschrecken bezog sich wohl mehr darauf, dass sie womöglich vergessen hatten, wie ich überhaupt aussehe. Hatten sie mich, ihre neue Lehrerin, doch nur ganz am Anfang des Schuljahres einige Male unvermummt gesehen.
Es liegen noch etwas mehr als zwei gemeinsame Jahre vor uns. Hoffentlich sehen wir uns bis dahin mal noch. So von Angesicht zu Angesicht.

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Stolz auf den Twenager

Die vage Idee, einen Text darüber zu schreiben, wie stolz ich auf den Twenager bin, veranlasste mich zum Googeln. Ich bin ja kaum die Einzige, die auf ihr Kind stolz ist. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Also – dass ich stolz bin auf mein Kind schon, aber ob ich das öffentlich verlauten lassen will.  Nach nur drei Klicks ist mir nämlich klar geworden: Stolz sein auf das Kind ist eher pfui als hui.

Zu meiner Ehrrettung – insbesondere zu derjenigen des Twenagers! – muss ich deshalb zumindest vorher präzisieren: Er ist nicht so wie ich. Ziemlich nicht so wie ich.

  • Er wird nicht innerhalb von Sekunden hysterisch, wenn etwas schief geht. Bei ihm dauert das deutlich länger (Darwin lässt grüssen).
  • Er kocht gerne und gut und ist ein exzellenter Gastgeber
  • Er hat eine akademische Laufbahn eingeschlagen (und läuft und läuft und…)
  • Er verfügt über eine gesunde Resilienz (die er in seinem Job gebrauchen können wird).
  • Er kann sich innert nützlicher Frist entscheiden…
  • … weil er weiss, was er will (und was nicht).

Die Liste könnte noch fortgesetzt werden, aber es ist bloss um zu zeigen: Stolz bin ich nicht auf den Twenager, weil er so geworden ist wie ich, sondern eher, weil er ganz anders ist.

Aber ja – was heisst das überhaupt, stolz auf jemand anders zu sein? Geht das überhaupt? Vielleicht ist es eher eine Mischung aus Bewunderung und grosser Zuneigung und auch einfach ein Gefühl von «WOW». Dass der so gut herausgekommen ist!

Ich bilde mir nicht ein, dass das mein Werk ist. Aber immerhin ist es mir gelungen, es nicht zu verbocken.

Vielleicht bin ich also doch auch ein klitzekleines bisschen stolz auf mich selber? Darüber muss ich noch ein wenig nachdenken, bevor ich einen Text darüber schreibe, wie stolz ich auf den Twenager bin.

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Der gewählte Weg

Grad habe ich ein Buch fertig gelesen (The Midnight Library von Matt Haig). Mir gefiel das Buch. Relativ einfach gestrickt, ziemlich vorhersehbar aber trotzdem schön zu lesen. Genau wie vom Twenager angekündigt: ein Feelgood Buch.
Eine junge Frau, am Leben verzweifelt, beendet ihres vorzeitig. Allerdings will ihr auch das nicht so recht gelingen, worauf sie sich in einer mysteriösen Bibliothek wiederfindet, in der sie ein Buch aufs andere aus dem Gestell nimmt bzw. hineinschlüpft: lauter mögliche, ungelebte Leben oder, um es wie im Buch etwas visueller zu machen: lauter mögliche Äste ihres Lebensbaums.

Das «Buch des Bedauerns», quasi das Inhaltverzeichnis der besagten Bibliothek spielt in der Geschichte eine entscheidende Rolle, was naheliegend ist (Stichwort Robert Frost, «The road not taken» oder auch mannigfaltige Umfragen unter Sterbenden).

Allerdings.

Ich hab jetzt nicht soviel Lust, in «meinem» Buch des Bedauerns zu schmökern. Abgesehen davon, dass es wohl sehr umfangreich daherkommt, ich es aber nicht auf meinen Kindle laden kann, würde es mich wohl etwas deprimieren. Viel lieber überlege ich mir, welche Entscheidungen in meinem Leben mich glücklich machten und da gibt es ja schon auch ein paar. Herausgepickt wären da:

  • meine Beharrlichkeit (dem Handyman gegenüber, der mir im Nachhinein bestimmt dankbar dafür ist), Mutter werden zu wollen
  • Die Entscheidung, einen klapprigen Döschwo einem schnittigen Schlitten vorzuziehen (sonst wär das mit dem Handyman womöglich überhaupt nichts geworden)
  • Trotzdem noch zu der Vorstellungsrunde in E. gegangen zu sein, obwohl ich sie zuerst aufgrund akuten Liebeskummers abgesagt hatte
  • Eine Weile lang einen grossen Teil meiner Freizeit in den Tanz zu investieren (obwohl es da schon zu spät für eine entsprechende Karriere war, aber es beschwingte mich zu der Zeit beträchtlich)
  • anzuerkennen, dass Schreiben mich ziemlich glücklich macht (autsch, ich bin ein Nerd)
  • etwas völlig Unvernünftiges zu machen und damit mein Leben in ganz neue Bahnen zu lenken ( The Road Taken)
  • in einem Alter, wo andere sich Designermöbel und einen SUV kaufen, nochmals bei null anzufangen und dem materiellen Luxus ein für alle Mal abzuschwören
  • trotz damit verbundener Panikattacken eine sichere Stelle zu kündigen um dereinst (vielleicht) wieder gerne arbeiten zu gehen (ein Volltreffer)
  • in den «falschen» Bus gestiegen zu sein in dieser schneereichen Samstagnacht. Es war dann, wie sich mittlerweile herausstellte, doch der richtige.

Tja, wer weiss schon, welcher Weg der richtige ist und ob ein anderer uns nicht glücklicher gemacht hätte. Vielleicht liegt das Geheimnis ja darin, den Weg, den man gewählt hat, mit wohlwollenden Augen zu betrachten, anstatt sich zu fragen, wie ein anderer ausgesehen hätte.
Ich bin mit meinem jedenfalls soweit ganz zufrieden.

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Die menschliche Psyche – eine Wundertüte


Was ist der Mensch doch für ein mysteriöses Wesen!
Nicht nachvollziehbar die Kapriolen, die die menschliche Psyche schlägt. Und ich spreche immerhin von derjenigen, die mir am nächsten steht – meiner eigenen.

Während zwei Wochen schon nagte der Ärger an mir; das ganze letzte Wochenende gelang es mir nicht, ihm zu entkommen. Ich tue mich schwer mit mir unverständlichen Entscheidungen, die von oben kommen. Meine Fähigkeit, mich vom Ursprung eines solchen Ärgers zu lösen, hat klares Verbesserungspotenzial. Gestern gar (ich sage nur: Schulkonferenz) steigerte sich mein Ärger zeitweise ins Unermessliche. Selbst der Humus, die Geduld in Person, wurde für einmal explizit (Bitte kein «…» für die nächsten zwei Tage).
Diesen Post verfasse ich nun aber nicht, weil ich ein alternatives Ventil suche, sondern – man staune – weil ich heut Morgen in bester Laune aufgewacht bin.Folgendes passierte:
Ich schlage meine Augen auf und: Das Leben ist schön. Es ist gut. Ich bin glücklich. Wie ich mein Leben doch liebe! Auch meinen Job – also den Teil mit den Kindern und den Kollegen.

Nur daran, dass es Samstag ist, kann es nicht liegen (siehe weiter oben). Auch der gestrige Abend, den ich erschlagen vor der Glotze verbrachte, hat kaum einen solchen Gefühlsumschwung bewirkt. Angelina Jolie ist zwar hübsch anzusehen, aber der Film Lara Croft nicht wirklich mein Ding.
Selbst die wohltuende Nähe des Humus kann nicht der Grund sein. Schliesslich leben wir, der aktuellen Lage geschuldet und nur von meinen Arbeitspausen unterbrochen, seit über einem Jahr auf engstem Raum zusammen. Dass wir uns immer noch hold sind anstatt uns auf die Nerven zu gehen und das ein überaus gutes Zeichen ist – diese erfreuliche Erkenntnis dämmerte mir nicht erst heute Morgen.
Warum also geht es mir heute so gut, wo doch gestern meine Hirnzellen noch im roten Bereich ihre Runden drehten?

Es gibt (für mich) keine logische Erklärung. Ausser vielleicht: Die menschliche Psyche steckt voller Überraschungen. Und heute, da mag ich diejenige, die mir am nächsten steht, wieder ganz gut leiden.

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Traumjob ade

Und ich werde mal Stewardess! Die Augen unter dem zehnjährigen Lockenkopf strahlten Gewissheit aus: Das war der Plan.
Stewardess wurde sie dann nicht, was aber bloss an der stetigen Entwicklung des allgemeinen Sprachvokabulars lag, denn die Stewardess wurde zur Air Hostess und schliesslich zum Flight Attendant.
Wie auch immer, meine Freundin blieb auf Kurs und schwebte schliesslich auf Wolke sieben, denn in ihren ersten Jahren war ihre Arbeit das, was sie sich immer vorgestellt hatte: ihr Traumberuf.

Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als sie zum ersten Mal in ihre Uniform schlüpfte. Der Zufall wollte es, dass ich aufgrund eines Ferienjobs im «Balsberg» war. Der Balsberg war die administrative Basis der Fluggesellschaft und selbst als temporäre Handlangerin übertrug sich der damalige Stolz der Belegschaft, zur Swissair Familie zu gehören, auch auf mich.  Und meine Freundin, die hier gerade ihre Ausbildung absolvierte, hatte nun ihr langersehntes Ziel erreicht, machte sich auf, die Welt zu erforschen und ich war sehr stolz auf sie.

Später war ich noch auf anderem Weg mit der Swissair Familie verbunden und als Frau eines Piloten – dessen Bekanntschaft, wie könnte es anders sein, ich meiner Freundin zu verdanken hatte – bekam ich den erst langsamen Niedergang und dann abrupten Chrash des schweizerischen Flaggschiffs hautnah mit.
Immerhin, so trösteten sich meine Freundin und mein Mann, hatten sie noch die «guten» Zeiten mitbekommen und einen Rucksack voll mit schönen Erinnerungen an unvergessliche Rotationen. Unvergesslich auch für mich der «Last Flight» meines Mannes, auf dem nebst anderen lieben Menschen natürlich auch meine Freundin dabei war und jeder Tag mit neuen Überraschungen aufwartete. Die Rotationen waren zwar schon deutlich kürzer geworden, aber da war es immer noch Sitte, den Angestellten bei solchen Gelegenheiten Wertschätzung entgegenzubringen und sich auch von der Firma aus für die langjährige Treue zu bedanken.

Es gingen weitere Jahre ins Land, meine Freundin, mittlerweile Maître de Cabine arbeitete immer noch und trotz der immer weniger attraktiven Bedingungen tat sie es nach wie vor mit Begeisterung. Ja, die Arbeit war mühsamer und ja, der Dank dafür kleiner geworden. Die Swissair Familie gab es schon lange nicht mehr, Flight Attendant war mittlerweile – vor allem für Neuankömmlinge – ein schlecht bezahlter Job, was sich teilweise auch im Commitment zeigte. Vielleicht lag es daran, dass meine Freundin trotz ihres fortgeschrittenen Alters viele Komplimente bekam, denn für sie war und blieb es mehr als ein Job und sie freute sich auf jeden Flug. Das, was sie schon immer fasziniert hatte, nämlich fremde Menschen und Länder kennen zu lernen, die Atmosphäre in einer weit entfernten Stadt zu schnuppern, in die dortige Kultur einzutauchen, das wollte sie sich nicht nehmen lassen. Auch wenn das hiess, da und dort auf Schlaf zu verzichten, weil die Aufenthalte so kurz geworden waren, dass es sich manchmal kaum lohnte, das Hotel noch zu verlassen.

Und dann kam Corona.
Eigentlich müsste meine Freundin jetzt sehr froh sein.
Im Gegensatz zu vielen anderen muss sie sich nicht mit Existenzängsten herumschlagen. Sie erhält ihre monatliche Pension und auch wenn diese etwas geringer ausfällt, weil meine Freundin nun zwei Jahre früher als geplant in Pension ging, reicht es noch. Trotzdem hadert sie und das hat viel damit zu tun, wie derzeit mit Menschen umgesprungen wird. 

Die Entscheidung, das Angebot der Frühpension zu nutzen, hatte in kürzester Zeit getroffen werden müssen und war meiner Freundin nicht leichtgefallen. Aber damit konnten Arbeitsplätze für Jüngere gesichert werden und die letzten Flüge bis Ende Februar würde sie noch ganz bewusste geniessen, hatte sie sich vorgenommen, und so von ihrem Traumberuf Abschied nehmen.
Aber dann kam alles anders.
In ihrem Einsatz waren die Flüge plötzlich gestrichen, ohne Mitteilung, und auf Anfrage beschied man ihr, es gäbe auch keine mehr. Kleines Trostpflaster: Eine unmittelbare Vorgesetzte schenkte ihr ein Schokoladenherz, das sie von ihrem eigenen Geld gekauft hatte und meinte, es falle ihr schwer, sie gehen zu lassen. Von der Firma aber: nichts. Weder einen Blumenstrauss noch eine Karte noch ein Dankeschön. Meine Freundin organisierte dann selber noch einen kleinen Abschied im «Ops-Zentrum», indem sie coronaconform vier Freundinnen zum Kaffee einlud – vor dem Kaffee Automaten.
Unmittelbar danach musste sie ihre Uniform abgeben und eine schnippische Angestellte hakte Stück für Stück auch die abgetragensten Teile ab, obwohl meine Freundin einzige der Nostalgie wegen gern das eine oder andere behalten hätte.

Und das nach vierzig Jahren, in denen sie soviel Herzblut in ihren Traumjob gesteckt hat, der heute für die meisten bloss noch eine schlecht bezahlte Beschäftigung ist.
Das ist bitter für meine Freundin und ihr ist gerade ein bisschen das Lachen vergangen. Ich hoffe – ich glaube! – sie wird es wieder finden. Es ist nämlich ein schönes und hat vierzig Jahre lang den Fluggästen ebenfalls ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

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Grenzenloses Pflichtbewusstsein?

Ich bin sehr pflichtbewusst. War ich schon immer. 

Grundsätzlich eine gute Eigenschaft, kann Pflichtbewusstsein auch lästig sein. 

Wenn ich in einer Zeit, wo Homeoffice zur Pflicht wird und ich eigentlich möglichst niemanden mehr treffen soll – nicht mal die ganze Familie aufs Mal, weil das dann mehr als zwei Haushalte sind… – ich meine Arbeitstage in einem Zimmer mit vielen Kindern verbringe. Aber ach ja, die sind ja keine Gefahr für mich. Und wenn sie es doch mal sein könnten, dann wird das tunlichst unter dem Deckel gehalten, aus Datenschutzgründen

Wenn ich nach einem Zwölfstundentag in der Schule bei dem neuen Zeiterfassungstool schummele und eine Stunde weniger eintrage. Die tatsächliche Zeit schluckt es nicht, aber eintragen muss ich und grün muss es auch sein.

Wenn ich an einem Tag, wo der öffentliche Verkehr zusammenbricht – mein Auto steht eingeschneit woanders, weil ich es nach dem Zwölfstundentag nicht bis nach Hause geschafft hatte – in aller Frühe zu Fuss durch die Schneewehen stapfe, um trotzdem pünktlich in der Schule zu sein. Was mir gelingt. So wie dem ganzen Team übrigens, von denen einzelne nicht bloss so wie ich eine Stunde unterwegs waren… 

Wenn ich nach einem weiteren langen Tag nach dem Nachhauseweg – jetzt geht es bergauf und ich hab noch schwer zu tragen – auf dem Sofa beinahe ins Koma falle. Aber was soll’s, das gesellschaftliche Leben liegt sowieso brach, weil: ich darf ja niemanden mehr treffen, in der Freizeit.

Wenn ich das Mail vom Kanton, in dem angedeutet wird, dass nun auch über 50-jährige zur Risikogruppe gehören, zusammen mit meinen ü50 Kolleginnen weglache —und lösche. Man will ja die Schule offenhalten, oder? Da braucht es uns doch, oder?

Vielleicht muss ich demnächst einen Fackel unterschreiben, dass ich mich aus freiem Willen dem erhöhten Risiko stelle. (Eine baldige Impfung kann ich mir abschminken und wir sind ja leider nicht in Israel.)

Ob ich das tue? Mal sehen. Auch mein Pflichtbewusstsein hat seine Grenzen. 
Ich arbeite jedenfalls daran.

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Trotz Turbulenzen gutes Flugwetter

Der heutige Tag verlangt schon fast unanständig danach, sich Gedanken über das vergangene Jahr zu machen, und obwohl ich dem explizit nicht nachgeben wollte, kam es auf dem soeben gemachten Spaziergang, mit Blick auf die Berge und den See, über mich: 
Es war ein gutes Jahr. Vielleicht sogar eins meiner besten.
Das bedingt natürlich einer Präzisierung: Es war ein gutes Jahr für mich. 
Ob es daran liegt, dass sich in Krisenzeiten der Blick aufs Wesentlich schärft? Mein bisheriges Leben war schliesslich auch kein Trauerspiel.  Wie auch immer; meine – sehr persönliche – Bilanz fällt ausgesprochen positiv aus. (Hier darf kurz gelacht werden…)

In Herzensangelegenheiten befinde ich mich auf Wolke sieben. Mit der Nasenspitze tatsächlich schon in Wolke acht. Wer hätte das gedacht. Damals.
Beruflich bin ich auf einer komfortablen Flughöhe angekommen mit der schönen Aussicht auf einen langen und hoffentlich sanften Endanflug. 
Mein Mutterstatus ist in eine neue Phase eingetreten in welcher der Satz „Ich liebe dich bis zum Mond und zurück“ nochmals einen neuen Sinn bekommen hat. Aber angesichts der Tatsache, dass der Start der Rakete geglückt ist, sie heil im Orbit angekommen ist und der Funkkontakt tadellos funktioniert, lautet die Message: Groundcontrol an Twenager – alles bestens. 

Ich weiss natürlich, dass es längst nicht für alle ein gutes Jahr war. Ich bin ja nicht blöd. So manche tragische Geschichte schrieb und schreibt es noch, dieses verflixte Jahr. Dennoch tue ich das, was in meinen Augen das Sinnvollste ist:
Ich bin dankbar für all das Schöne in meinem Leben. 
Ich werde mein Bestes geben, auch wenn es ein klitzekleiner Beitrag nur ist, diese schöne, schreckliche, unvorhersehbare, aber immer wieder überraschende Welt am Laufen zu halten. 
Und – ich tue meinen Teil dafür, gesund zu bleiben. Weil sich das Leben trotz allem immer noch verdammt gut anfühlt. 

Euch allen ein glückliches, gesundes neues Jahr. Möge es ein gutes werden.
Nicht nur für mich.

Dieses Geschenk von einer Schülerin
fand ich zu meiner Freude gestern im Briefkasten.
Heute Abend brennen die ersten beiden Kerzen.

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Beste Party ever

„Das ist die beste Party meines Lebens!“ Sie strahlte. 

Diese Szene ereignete sich gestern und man kann sich fragen, wer in diesen Zeiten noch eine Party feiert.

Aber.

Wenn wir wortwörtlich bis fünf vor zwölf auf relativ engem Raum arbeiten, dann liegt es zum Schluss doch wohl auch drin, dass wir in ebendieser Gruppe und an ebendiesem Ort mal kurz NICHT arbeiten.

„Du wirst noch bessere Parties feiern in deinem Leben“, nuschelte ich hinter meiner Maske. „Versprochen.“

Aber um ehrlich zu sein: Ich fand’s grad auch richtig schön.

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Als ich fast in Flammen aufging oder warum ich vielleicht für die Verhüllungsinitiative stimmen sollte…

Ein bisschen lustig ist es ja schon, dass wir in drei Monaten über eine Initiative abstimmen werden, die das Verhüllungsverbot zum Zweck hat. Für einmal könnte eine Initiative sogar eine leise Gewinnchance haben, was mit der aktuellen Situation und einem eigentlichen Überdruss an täglicher Verhüllung zu tun hat. Wenn man den Initiativtext nicht zu genau liest, dann könnte man denken, man erspare sich im Folgenden auch das Tragen der Schutzmasken und das könnte so manchen und manche zu einem Ja verleiten, selbst wenn zum progressiven Lager zugehörig und der Meinung, dass man niemandes Freiheit beschränken solle, indem man eine Frau zum Beispiel dazu zwingen würde, das Gesicht nicht unter dunklem Tuch wegzusperren.

Die Maske aber nun. Eigentlich hat man sich mittlerweile ja schon fast dran gewöhnt. Ja, sie hat sogar den einen oder anderen Vorteil.

Im morgendlichen Stress oder nach der Kaffeepause das Zähneputzen vergessen?
Kein Problem – die einzige die drunter leidet, bin ich selber. 
Gelangweilt und ständig am Gähnen? 
Mit etwas Geschick lässt sich das machen, ohne dass das Gegenüber was mitbekommt. (Einmal mehr bedauert man in diesem Zusammenhang allerdings, dass die Schüler und Schülerinnen keine Maske tragen müssen).
Im Schulzimmer herrschen mal wieder Temperaturen, die einen mit Wehmut an den letzten Sommer denken lassen? 
Immerhin hat man es um die Nase rum schön warm.
Ein fieser Pickel verunstaltet dieselbe? 
Sieht keiner ausser mir selber! (Obwohl sich hier der Gedanke ans Hühner/Eier-Problem nicht ganz vermeiden lässt).
Ich reagiere auf eine Situation zu spät, zu harsch, zu lasch oder sonst inadäquat? 
Plan a) 
Nicht meine Schuld – ich hab’s nicht richtig verstanden. (Obwohl die Maske nicht 
auf den Ohren sitzt, aber manchmal scheint sie auch diese zu beinträchtigen; vielleicht 
sind es aber nur die allgemeinen Hirnfunktionen, die im Laufe des Tages aufgrund des 
Sauerstoffmangels nachzulassen scheinen).
Plan b)
Ich behaupte einfach, ich hätte es anders gemeint. Aufgrund der fehlenden Mimik kann man fast alles behaupten.

Eine Maske hat aber durchaus ihre Tücken.
Gestern zum Beispiel.
Da hätte ich mich fast in Brand gesetzt, als ich das Zündholz, mit dem ich die Adventskerze in der Schule angezündet hatte, auslöschen wollte. Und die Maske vergass. Weil ich mich an die schon total gewöhnt habe. Wir mussten uns alle kugeln vor Lachen und ein weiterer trüber Coronaschulalltag war gerettet.
Bei all den fiesen Beschränkungen hilft nämlich nur eins: sie wegzulachen.
Das geht auch mit Maske.
Zündhölzer ausblasen übrigens nicht.

 

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Ferien auf dem Corona Karussell

Nach Israel zu fliegen ist aufgrund der Lage keine Option, was besonders den Humus, der diesbezüglich gerade einen traurigen Rekord aufstellt, hart ankommt.

Um ihn auf andere und mein Gedanken Karussell zum Stillstand zu bringen, gelüstete es uns dennoch nach Luftveränderung.

Unsere Wohnung nahe an der südlichen Landesgrenze entzückte uns vom ersten Moment an der grandiosen Aussicht wegen. Und obwohl wir uns klar in der Nachsaison befinden, was uns sowohl die tiefen Temperaturen als auch die vielen geschlossenen Grotti nicht vergessen lassen, ist es schön hier. Da unsere touristischen Skills unterdurchschnittlich ausgebildet sind- man könnte es auch einfach als Faulheit, sich entsprechend vorzubereiten, bezeichnen – tappen wir manchmal in die schönsten Näpfchen wo es richtig fett ist. So wie gestern, als wir an der angepeilten Seilbahnstation dummerweise vorbeifuhren, weit ins Centovalli vordrangen und schliesslich aber auf eine andere, ganz kleine Seilbahn stiessen, die uns zu einer lauschigen Alp hoch brachte, wo erstaunlicherweise sogar noch eine Gaststätte geöffnet hatte. Ein Zufallstreffer war das und die mag ich eigentlich am liebsten.

Da wir aber von der Alp wieder hinunter in unsere schöne Wohnung fuhren, wo es auch einen Fernseher gibt mit Nachrichten und allem, bleiben wir informiert. Man hätte es natürlich auch daran merken können, dass die Leute täglich konsequenter zur Maske greifen – im benachbarten Italien geht man damit auch spazieren. Die präsentierten Zahlen sind aber nochmals ein Schuss vor den Bug und mir schwant, dass der Härtetest nach den Ferien erst bevorsteht. 

Schon vorher hat die Maske in der Schule gewaltig genervt, nicht nur weil sie ermüdet, sondern weil sich die Kommunikation um vieles schwieriger da potenziell missverständlicher gestaltet. Inzwischen ist mir klar geworden, welche Feinheiten eine entsprechende Mimik im Schulalltag mit sich bringt und obwohl ich auch punkto Gestik nicht ganz unbedarft bin, fehlt doch etwas Entscheidendes. In Zukunft werde ich die Maske auch draussen tragen müssen, auf dem gesamten Schulareal. Kein kurzzeitiges Durchatmen mehr…Und drinnen wird es noch ungemütlicher werden, denn schon vor den Ferien beklagten sich die Kinder, wenn ich ausgiebig lüftete, es sei zu kalt.

Mir wird allmählich etwas mulmig. Werden wir den Winter gesund überstehen? Auch mental? Insbesondere der Humus, der noch ein Jahrzehnt mehr vorzuweisen hat als ich? Werden wir dereinst wieder nach Israel fliegen können? Wird das Leben sich wieder normalisieren?

Fürs erste geniessen wir die Aussicht und ich drücke auf die Stopp Taste des Karussells. 

Viva le vacanze! 

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Kein UFO

Nein, das ist kein UFO, sondern eine Spiegelung im Seealpsee, an dessen Ufern ich kürzlich meine Nerven an der frischen Luft spazieren führte, damit sie sich etwas erholen können.

Das hatten sie nämlich nötig. Sie wurden über die Massen strapaziert und das nach mehreren Monaten Lockdown, wo sie sich so richtig hängen lassen konnten. Es ging ihnen dann wie meinen Muskeln, sie waren ein bisschen ausser Form.
Das waren natürlich schlechte Voraussetzungen für den Start ins neue Schuljahr mit einer neuen Klasse, die es in sich hat. Eine kleine Klasse ist es zwar, aber sie besteht aus SEHR verschiedenen Persönlichkeiten, die Voraussetzungen mitbringen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Meine Teamkollegin und ich laufen derzeit zur Hochform auf und ich bin ziemlich sicher, eine allein könnte den Anforderungen nicht gerecht werden. Obwohl wir zusammen ja auch bloss eine 100%-Anstellung ausmachen – so steht es jedenfalls auf dem Papier.
Man würde ja denken, als erfahrene Lehrperson fiele einem der Job von Mal zu mal leichter. Ist aber nicht so. 
Woran liegt das wohl? An mir? Ich bin älter geworden, langsamer auch und kompliziert war ich schon immer.
An meinem nicht wegzukriegenden Perfektionismus und dem etwas übertriebenen Verantwortungsgefühl?
Wer hat eigentlich das Märchen verbreitet, man werde mit dem Alter gelassener? Dass ich nicht lache! Im Vergleich zu jetzt war ich vor 40 Jahren schon auf der Zielgeraden ins Nirwana.
Oder liegt es an Veränderungen in der Gesellschaft, dass eine fast doppelt so grosse Klasse früher nur halb so anstrengend war? Irre ich mich oder wird es von Klassenzug zu Klassenzug ein bisschen schwieriger und aufwendiger und werden die Ansprüche – nicht nur seitens der Kinder, sondern auch seitens der Eltern – immer höher? Vom ganzen administrativen Kram nicht zu reden…
Nun ja. Zum Glück hat der Beruf immer noch viele schöne Seiten. Die Kinder sind nicht weniger „herzig“ als vor vier Jahrzehnten, es ist NIE langweilig und trotz der Ansprüche von aussen bringt der Beruf immer noch eine gutes Mass an Selbstbestimmung mit sich. Worin eben auch wieder eine Gefahr liegt, weil einem kaum jemand sagt, wann es auch mal genug ist.
Manchmal passiert das aber doch. 
Seit ich kürzlich im Lehrerzimmer einen bühnenreifen Meldtown hinlegte, kann ich mich vor Hilfsangeboten und gut gemeinten Tipps kaum retten. Das tut gut. Ist doch schön, wenn man sich so getragen fühlt. Und die Kids, so anstrengend sie sind, habe ich bereits ins Herz geschlossen. In drei Tagen, wenn dann die Ferien beginnen, wird meine Liebe zu ihnen vermutlich ins Unermessliche steigen. Vorher gebe ich nochmals alles und werde NICHT in das UFO steigen, das mich weit weg bringen würde.

Ach – es war ja gar keins.

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Motor(ische) Schäden

Vielleicht hätte ich es da ahnen sollen: „Wir sind eben in D.“, meinte der Mann schulterzuckend, als es ihm endlich gelungen war, ein Parkticket zu lösen. Der Automat war etwas gewöhnungsbedürftig und anders als sonst musste man nicht eine Parkplatznummer sondern das Autokennzeichen eingeben, bevor die Maschine nach mehrmaligem Drücken verschiedener Tasten endlich die Quittung über die bezahlte Parkzeit ausspuckte. Da war der Mann dann schon so entnervt, dass er sie vergass mitzunehmen, weshalb ich sie ihm im Vorbeigehen unter den rückseitigen Scheibenwischer klemmte. Wer weiss, vielleicht ging es ihm dann ja wie mir und er war später froh darüber.

Nachdem ich es auch geschafft hatte, legte ich meinen Wisch aufs Armaturenbrett und ging frohgemut meines Weges. Als ich ein paar Stunden später zurückkam, klemmte eine Busse unter meinem Scheibenwischer. Das verblüffte mich ein wenig, war ich doch um einiges zu früh dran. 

Ich unterzog meine Quittung einer genauen Prüfung und eine Ahnung keimte in mir auf: Konnte es daran liegen, dass ich mich offenbar vertippt hatte und das Autokennzeichen mit ZZH statt bloss mit ZH begann? Allerdings hatte die Quittung deutlich sichtbar hinter der Scheibe gelegen und alles andere war korrekt. 

Auch wenn meine motorischen Fähigkeiten zweifellos zu wünschen übrig lassen, schien mir eine Geldstrafe über 40 Franken dafür etwas harsch. Wo ich mich doch sonst als tadellose und folgsame Bürgerin auszeichne, was die gut sichtbare Quittung belegte. Ausserdem ist mir nicht bekannt, dass es in diesem Teil der Welt ein Autokennzeichen mit ZZH gibt.

Wieder zu Hause scannte ich deshalb Quittung und Busse ein, schrieb ein charmantes Mail (ich gab mir wirklich Mühe, weil ich mir meines Fehlers bewusst war) und wartete gespannt auf Antwort. 

Die kam zwei Tage später und mit folgendem Wortlaut:

Guten Tag Frau Schreibschaukel
Nach genauer Überprüfung Ihrer Mitteilung haben wir folgendes festgestellt;
– Die Busse wurde rechtens ausgestellt
– Sie haben einen klaren Bedienungsfehler gemacht
– Sie haben nicht Ihr richtiges Nummernschild eingegeben
– Sie haben ZZH anstatt ZH eingegeben

– Die Kontrolle wird über das Einscannen des Nummernschildes gemacht
– Aus sehr grosser Kulanz und einmalig werden wir diese Busse annullieren

Freundliche Grüsse
XY
Fachmann für Sicherheit und Bewachung mit eidg. FA  (FSB)

Mitglied der Geschäftsleitung
SEEWACHE Sicherheitsdienste AG, Hämmerli 9, CH-8855 Wangen SZ

Diese Antwort machte mich sehr glücklich. Nicht nur waren jetzt alle Zweifel bezüglich meines fehlbaren Verhaltens beseitigt, nein, vor allem musste ich die Busse nicht bezahlen. Gelobt sei die Existenz einer sehr grossen, wenn auch einmaligen Kulanz.
Ich freute mich wie eine Königin.
Kurz trug ich mich mit dem Gedanken, ein kleines Dankeschön an den netten Herrn aus der Geschäftsleitung zu verfassen, sah dann aber davon ab. Der Twenager meinte zu Recht, damit würde ich ihm höchsten noch mehr von seiner kostbaren Zeit rauben. 

Und die scheint in der Firma generell knapp zu sein.

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Strandferien…

…fallen aufgrund der aktuellen Situation in diesem Jahr etwas anders aus.

 

Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil. Der Kampf um den besten Platz für den Liegestuhl entfällt.

Allerdings, so schön es hier ist – also…wäre… – weiss ich nach einer Woche Ferien in den Bergen wieder, warum ich jeweils einen Aufenthalt im Ausland, vorzugsweise südlich unseres Breitengrades,, favorisiere.

Eineinhalb Sonnentage pro Woche sind eben doch etwas dürftig. 

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Uff – Wochenende

Es reicht jetzt dann mit der Entschleunigung. Mittlerweile pflege ich zwischen neun und zehn Stunden pro Tag zu schlafen und lese soviel wie schon seit Jahren nicht mehr. Täglich mache ich wunderbare Streifzüge durch die Natur und setzte mich endlich wieder regelmässig ans Klavier.  Bloss mit dem Schreiben hapert es nach wie vor. Trotz der vielen Zeit. Viel zu erzählen gibt es natürlich nicht, denn die Tage ziehen gleichförmig dahin. Dennoch ist das keine Entschuldigung. Erwiesenermassen bildet Langeweile doch die beste Grundlage für Kreativität.

Womöglich liegt es daran, dass meine Bildschirmzeit ebenfalls stark angestiegen ist und ich sowieso schon zu oft am Laptop bin? Oder am Tablet. Oder am Schullaptop. Oder am Handy.

Ufe-füre-hindere- und abelade – fast wie in der verhassten Handarbeitsstunde vor einem halben Jahrhundert, als ich stricken lernte. Die eine oder andere Masche fällt ins Leere, aber so langsam nimmt alles Form an.

Während einiges zur Gewohnheit geworden ist, warten täglich neue Abenteuer auf mich, die meine Nerven strapazieren. Nie konnte ich mich mehr in Gelassenheit üben. Am Team-Web-Apéro funktioniert aus unerfindlichen Gründen mein Mikrofon nicht und ich brauche über eine halbe Stunde, um den Fehler aufzuspüren? Der Apéro ist zwar schon fast vorbei, aber was soll’s: Ich rede sowieso zu viel. 

Dafür kann ich jetzt in kürzester Zeit (der Zeitfaktor ist NICHT zu vernachlässigen!!) Videos aufnehmen und in die Klassenseite einbetten in der beruhigenden Gewissheit, dass nicht alle dieses peinliche Teil sehen können, sondern nur die, die müssen. Und die sind sich ja daran gewöhnt, nicht wahr. Die verkraften das. Ich wiederum finde es noch immer seltsam, mehrere Minuten sprechen zu können, ohne unterbrochen zu werden. Aber ganz ehrlich: Es macht trotzdem nicht halb soviel Spass. Ob ich mich in Zukunft noch darauf aufregen werde, wenn es im Schulzimmer zu laut ist? Oder werde ich das dann GENIESSEN? 

Fragen über Fragen. Die wichtigste: Kommen die Kids in zwei Wochen denn wirklich wieder? Und wie viele aufs Mal? Und in welcher Verfassung? Und was dürfen wir dann und was nicht? Noch ist alles sehr unklar und vorläufig arbeiten wir im Homeschooling weiter.  Man möge also entschuldigen, wenn ich am Feierabend nicht auch noch vor dem Bildschirm sitze. 

Aber …es ist ja grad Wochende. 

Yeah!!

tägliches Highlight

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Entschleunigung

Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Ich fläze bequem ihm grossen Sessel und lasse mir mit geschlossenen Augen die Sonne, die unser Wohnzimmer flutet, ins Gesicht scheinen. Eben habe ich noch mit einer Schülerin gechattet – Arbeit und Freizeit fliessen momentan ineinander. Es gibt keine festen Arbeitszeiten mehr beim Homeschooling. Die Einzelgespräche per skype oder whatsapp  und die vielen kleinen Lebenszeichen sind ein Highlight meiner derzeit computerorientierten Arbeit. Manchen Kindern fühle ich mich beinahe näher als im lärmigen Klassenzimmer, wo ich immer zu wenig Zeit für alle und alles habe. 

Der Humus hört verschiedene Versionen von „Ne me quitte pas“ und klimpert ein paar Akkorde dazu. Langgestreckt auf dem Sofa erholt sich der Twenager vom heutigen Tag: Der Vortrag per Videokonferenz fürs Forschungskolloquium lief rund und er ist erleichtert. Eine weitere Hürde ist erfolgreich überwunden.

Wir sind alles etwas schlapp, weil wir das mit einem ausgiebigen Apéro gefeiert haben. In der Sonne. In aller Ruhe. Weil wir mehr Zeit haben als sonst.

Ich spüre, wie die allgemeine Entschleunigung in meinem Nervensystem angekommen ist. Könnte es sein, dass ich dereinst einen klitzekleinen Aspekt des Shutdowns vermissen werde? Ich weiss, das darf ich nicht laut sagen, nicht mal denken. Und trotzdem…

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Neuer Jobbeschrieb

Auch meine Welt steht Kopf und das ging von null auf hundert. 

Noch während meines Seminars (Thema Pensionierung, bisschen witzig in der aktuellen Situation) überschlugen sich die Schlagzeilen und uns allen wurde klar: Die machen die Schule dicht. 

So war’s dann auch und das restliche Wochenende ging drauf für hektisches Suchen nach Inhalten fürs Homeschooling und das eilige Verfassen eines Wochenplans. Am Montag sahen wir unsere Kids nochmals,  als sie ihr gesammeltes Schulmaterial abholten. 

Und nun kann ich theoretisch im Pyjama unterrichten. Mit Ausnahme von Videokonferenzen natürlich, aber da kann man auch schummeln. 

An Arbeit wiederum fehlt es mir nicht. Gut, ich erlaube mir, etwas länger zu schlafen, denn der Arbeitsweg und das Einrichten vor Ort entfällt. Dann aber sitze ich stundenlang, und zwar nicht nur an „meinen“ Tagen, in meinem Headquarter – genauer am Esstisch – wo ich zwischen meinem MacBook und dem Schullaptop hin- und her wechsle. Hier geht das und dort jenes (nicht).

Mit meiner Begeisterung für Neues komme ich grad voll auf meine Kosten. Das Skype Konto wurde reaktiviert, ich habe ein Konto bei Zoom, mein privater Whatsapp Kanal wird jetzt auch beruflich genutzt und die Klassenseite, die am nächsten Montag um neun Uhr (von oben verordnet) online geht, sieht schon ganz ordentlich aus, obwohl da noch grosses Verbesserungspotenzial  besteht. Die begonnene Microsoft Team Planung lasse ich noch liegen …falls es länger dauert, wäre das aber ganz praktisch

Ganz nebenbei muss ich natürlich auch noch vorbereiten, und es will gut überlegt sein, welche Inhalte von den Kindern bearbeitet werden können und welche von Vorteil sind, damit sie nicht depressiv werden. Ich muss Arbeitsblätter und Lösungen bereitstellen und natürlich während genau definierter Zeiten online sein für Rückfragen und auch sonst in regem Kontakt bleiben.

Die Mailflut von oben ist nach eineinhalb Wochen etwas abgeflacht aber noch immer kommen viele Infos rein, die gelesen und verarbeitet werden wollen -Lizenzen hier und Lizenzen dort, Hinweise auf Webseiten mit Spezialangeboten, Verordnungen und to do’s der Schulpflege oder der Schulleitung. 

Die Welt steht still, aber nicht so die Bürokratie. Von der Klassenbildung bis zu den Stundenplänen geht’s bereits ins nächste Schuljahr. 

Die Termine müssen eingehalten werden.

Spannend. Und auch ein bisschen nervig, irgendwie. Aber VIEL BESSER als bei allen, die im Gesundheitswesen arbeiten. Ich will also nicht klagen und stürze mich motiviert in mein neues Projekt: Ab sofort arbeite ich im  IT-Bereich.

Ich geh dann mal spazieren. Zum Glück wohne ich am Rande eines Waldes. Da ist alles noch beim Alten.

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Hochzeit auf jüdisch

Wir sind dann zu einer Hochzeit eingeladen, hatte der Humus schon Wochen im Voraus verkündet. Bei mir hatten die Alarmglocken geschrillt. 

Hochzeit! Daran habe ich ein paar gemischte Erinnerungen. Zum Beispiel an diejenige meiner langjährigen Freundin, die mich als Brautführerin auserkoren hatte. Abgesehen von den vielen Vorbereitungen hatte ich mich sehr unwohl gefühlt in dem rosaroten Ballkleid, in dem ich für über zwölf Stunden gefangen war. 

Hochzeitsanlässe, zu denen ich bloss zum Apéro eingeladen war, die gingen ja noch, aber die anderen… na ja, es waren zum Glück nur so zwei oder drei und selber haben sich der Handyman und ich um so eine Tortur gedrückt.

Der Humus ist zwar älter als ich, aber nur daran kann es nicht liegen, dass er mindestens schon zu hundert Hochzeiten als geladener Gast war. Und das Seltsamste: Er freute sich sogar darauf.

?!?!?!?

Der Empfang zur Hochzeit begann um halb acht Uhr. Abends, wohlverstanden.
Du kannst ja einfach mal was anderes als Jeans anziehen, hatte der Humus geraten, und so kleidete ich mich in eine weite und bequeme schwarze Hose, womit ich im guten Mittelmass lag, denn von langen Kleidern bis zum Outdoor Look war alles vorhanden.

Wir stellten das Auto im Parkhaus eines Industriequartiers ab. Was für eine hässliche Gegend. Meine Neugier wuchs. 

Auf der anderen Strassenseite wurden wir durch einen Eingang gewinkt und dahinter – dahinter tat sich ein kleines Paradies auf: Ein schön bepflanzter und mit Kerzen und Lichtern geschmückter Garten, in dessen Ecke schon der Baldachin wartete, versetzte mich von null auf hundert in Feststimmung und ich wähnte mich in einer Geschichte von Tausend und einer Nacht. Dazu trug auch die teils orientalisch angehauchte Rockmusik bei, die neben bekannten Songs aus den Charts dominierte und zu der wir später tanzten.

Beim Empfang ging’s jetzt erstmal um die Begrüssung von Bekannten, speziell des Brautvaters, der uns eingeladen hatte, und das Deponieren unserer Karte mit Scheck (in Israel hat man üblicherweise ein Konto speziell für Hochzeiten…) und dann stürzten wir uns ins Vergnügen. Ringsum waren geschmückte Stände, von Fackeln beleuchtet, wo wir mit verschiedenen kulinarischen Häppchen und Getränken versorgt wurden. Pizza oder Schawarma oder Fisch oder Salate und jede Menge Cocktails … ich musste mich sehr zurückhalten, denn das war ja erst der Empfang…

Wie immer in Israel war es laut und fröhlich und natürlich fand die eigentliche Zeremonie später als geplant statt. Irgendwann hatten sich aber Familie und der Rabbi unter dem Baldachin, der „Chuppa“ in Position gebracht, die Brautleute – sie mit weissem Kleid –  wurden unter allgemeinem Applaus auch dorthin geführt und es ging los. 

Der Rabbi redete (man denke an Hochzeitspredigten hierzulande) nicht sehr lang und laut Humus hatte er Humor und machte auch den einen oder anderen Witz. Tatsächlich wurden seine Ausführungen auch immer wieder von Lachen, Jubeln und Klatschen unterbrochen.

Der Bräutigam überreichte seiner Frau schliesslich den Ehevertrag, die „Ktuba“, der fortan ihr Eigentum ist und bei dessen Nichterfüllung sie klagen kann. Ihr Mann verspricht ihr darin drei Dinge, nämlich Nahrung, Kleidung und Zeit. Und mit Zeit, liebe Leserinnen, ist ganz speziell auch sexuelle Zuwendung und Erfüllung gemeint, denn die spielt in der jüdischen Tradition keine untergeordnete Rolle. Auch das mit dem Ring gestaltet sich etwas anders als bei uns: Die Braut streckte ihren Zeigefinger hoch in die Luft und der Bräutigam steckte gut sichtbar für alle, während das Publikum einmal mehr jubelte, den Ring darauf und machte sie damit offiziell zu seiner Angetrauten. Schliesslich zertrat er noch das Glas zu seinen Füssen, was glücklicherweise auf Anhieb und ohne Kollateralschäden gelang und damit war die Zeremonie vorüber. 

Sie hatte gerade mal angenehme 15 Minuten gedauert.

Anschliessend verschoben wir uns in den Saal, wo für etwa zweihundert Leute gedeckt war. Eine eher kleine Hochzeit, wie der Humus meinte, bei dessen Kinder es etwas doppelt so viele gewesen waren.

Das Essen war ausgezeichnet, die herumwuselnden Kellner und Kellnerinnen, allesamt junge Leute, sehr aufmerksam und schon bald wurde vorne auch wild und lustig getanzt, die Braut immer mitten drin, so dass wir nicht anders konnten, als uns anzuschliessen.

Es war, auf den Punkt gebracht, eine tolle Party!
Ich hoffe, ich werde noch zu vielen Hochzeiten in Israel eingeladen.

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Woran liegt’s?

Drei, maximal vier Jahre hatte der Humus prophezeit. Länger hält die Verliebtheit nicht an, davon ist er überzeugt. Kein Wunder – schliesslich hat er sich einst beruflich mit Hormonen und solchem Zeugs auseinandergesetzt. Tatsächlich hat er sogar einen Doktortitel in diesem Zusammenhang und es schmerzt ihn ein wenig, dass ich dazu tendiere, das zu vergessen.

Warum komme ich dann immer noch so gern und so oft hierher, wo ich doch laut besagter Theorie froh sein müsste, mal eine Weile „sturmfrei“ zu haben? Irrt der Herr Doktor?

Womöglich liegt es an seinem Freundeskreis. 

Der Humus hat es am liebsten, wenn wir seine Bekannten treffen, und hier hat er EINE MENGE davon. Das Schöne daran ist, dass das nicht nur liebenswürdige sondern äusserst interessante Leute sind. Spontan kommen mir die Malerin, der Dozent für Drehbuchschreibende, die Biologin  (sie ist aus aktuellem Anlass sehr beschäftigt…), der CEO eines weltbekannten Unternehmens, die Manager der bekanntesten Kindershow im Land, eine Paartherapeutin, eine preisgekrönte Schriftstellerin (sie hat kürzlich, mit 77, nochmals geheiratet und jede um 50 Jahre jüngere Braut mit ihrer Ausstrahlung in den Schatten gestellt) und der ehemalig Kurator des hiesigen Kunsthauses in den Sinn. Ach, und ein paar andere auch noch, aber was soll’s. Ich war nie jemand, der von Titeln beeindruckt war und daran wird sich auch nichts ändern.
Beeindruckt bin ich aber von Leuten, die etwas zu erzählen haben.

Womöglich liegt es gar nicht an den Hormonen, dass ich so gerne hierher komme…

 

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Regen

Eigentlich wollte ich mich just auf den Weg machen, aber ein Blick nach draussen und das Klatschen des Regens belehren mich eines Besseren. Hätte ich keine Dusche, könnte ich mich jetzt ins Freie stellen. Sogar fürs Haare waschen würde es locker reichen.

Dieser veritable Wolkenbruch hat aber hier, in Israel, eine andere Bedeutung für mich als zu Hause, wo Regen zum Alltag gehört wie die Zahnbürste zum Badezimmer. 

      Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich während der letzten Tage wunderschöne Blumenfelder gesehen habe, manche draussen in der feien Natur, andere in unmittelbarer Nähe einer Industriezone. An einem Ort, wo es den grössten Teil des Jahres über trocken ist, geniesst man die Zeit der Blüte und „Wir gehen Blumen gucken“ ist ein beliebtes Ausflugsthema. 

   Er dauert auch selten so lange wie zu Hause (also tage-, gefühlsmässig wochenlang…) und es kann gut sein, dass schon bald wieder ein Sonnenstrahl hervor blitzt, wie es überhaupt während der letzten Tag mehrheitlich sonnig und warm war.

Ich will aber die Regensaison auch nicht beschönigen, wenngleich die diesjährige aus landwirtschaftlicher Sicht wohl ein Segen war. Der Regen, fällt er in sehr kurzer Zeit und in grossen Mengen auf trockenen Untergrund, kann durchaus gefährlich werden. Es war kein Witz, als mir mein Sitznachbar im Flugzeug vor meinem letzten Aufenthalt Ende Dezember nahe legte, mich auf allfälligen Wanderungen vorzusehen, ertranken doch  vor einigen Jahren Jugendliche beim Zelten in der Wüste nach einem solchen Wolkenbruch. Auch in diesem Winter gab es einige tragische Unfälle im Zusammenhang mit Überschwemmungen. Und wie erleichtert war ich, als wir letztes Mal für meinen Rückflug doch noch rechtzeitig in Ben Gurion eintrafen, nachdem die Autobahn nur noch ganz links und einspurig befahrbar war, während der Rest unter Wasser stand.

Schon bald wird es hier wieder heiss und trocken sein und Regenschauer nur noch eine vage Erinnerung an den Winter. Jetzt ist es grün, sehr grün sogar, und ich werde die Frühlingsgefühle mit nach Hause nehmen, wo ich mich eventuell noch ein Weilchen gedulden muss.

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Diese Oase hab ich vorgestern per Zufall und gleich um die Ecke entdeckt. Und ich nehme es dem Humus sehr übel, dass er – Citymouse die er ist!! – sie mir nicht schon vor Jahren gezeigt hat…

 

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Süsse Verführung

Die letzten Tage des alten Jahres stellten mich auf eine harte Probe.
Meiner Vorliebe für Süsses und einer damit einhergehenden fatalen Disziplinlosigkeit gewahr, vermeide ich es zu Hause tunlichst, mit „Berlinern“ in Kontakt zu kommen.
Im Supermarkt pflege ich mit geschlossenen Augen an ihnen vorbeizugehen. Nicht immer geht meine Strategie auf; es ist nicht einfach, sich mit geschlossenen Augen durch einen Supermarkt zu bewegen. Hat eine Tüte den Weg in meinen Einkaufswagen gefunden, lässt sich das Unheil nicht mehr vermeiden. Im besten Fall bin ich nicht allein zu Hause, so dass ich gezwungenermassen den Inhalt teilen muss, im schlechteren Fall aber…tja.

Hier aber, HIER!!!, werden einem die Berliner praktisch staatlich verordnet. Sie kommen mit dem wohlklingenden Namen Sufganyot daher und man isst sie zu Chanukka (und auch noch länger, wie ich zu meiner leidvollen Freude feststellen muss). Und verdammt, sind sie gut!

Bei Roladin (einer hiesigen Bäckereikette) gibt es sie in zig Ausführungen. Die beste ist und bleibt aber die ursprüngliche Variante, wie wir sie eben unter dem Namen „Berliner“ kennen.

 

 

 

 


In diesem Sinne euch allen nicht nur Shana tova (äs guets Nois) sondern Shana metuka (möge es ein süsses werden…).

 

 

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