Darf man?

Karfreitag, ein Tag der Kontemplation.
Zeit, mich auf die Schaukel zu setzten, bringe ich doch durchs Schreiben oft etwas Ordnung in meine Gedanken. Diese befinden sich selbst auf einer Schaukel, und da bin ich bestimmt nicht die Einzige – scheint doch grad alles wieder mal hopszugehen auf der Welt.

Was so natürlich nicht stimmt. Es passieren ständig schlimme Dinge auf unserem Planeten, nur kriegen wir sie häufig nicht mit, weil sie uns nicht interessieren. Weil sie weit weg sind. Weil sie nicht uns geschehen. Weil wir damit nichts zu tun haben.

Und jetzt ist plötzlich das böse Wort «Krieg» überall, weil er direkt vor unserer Haustüre stattfindet und weil immer mehr Flüchtlinge in unser Land kommen. Das Paradoxe  daran: Sie sehen nicht aus, als wären sie welche, überhaupt nicht. Sie wollen so gar nicht zu dem Bild passen, das wir bisher von ihnen hatten. Das uns von ihnen unterscheidet. Aufgrund dessen wir uns in unserem gemütlichen Gärtchen in Sicherheit wägen konnten. Unser ganzes Weltbild wurde während der letzten Wochen auf den Kopf gestellt, nicht nur durch die auf uns einhämmernden Schreckensnachrichten, sondern auch durch diese untypischen Flüchtlinge, wo man sich plötzlich bang fragen muss: Und wenn das jetzt mir passieren würde?

Was, bitte schön, spricht eigentlich dagegen?
Tja, da habe ich wohl das Recht, mich auf die Schaukel zu setzen, auch wenn Karfreitag ist und man sich da eher ruhig zu verhalten hätte.

Was mich aber wirklich beschäftigt, während ich so ein bisschen vor mich hinschaukle, ist nicht, warum die Welt so abgrundtief schlecht ist, sondern, warum es mir immer noch so gut geht. Mental, meine ich. Eigentlich müsste ich mich Zähne klappernd verkriechen, statt das Leben zu geniessen. Und doch: Wie herrlich ist das Leben gerade jetzt, wo wieder alles blüht, man sich wieder mit Freunden treffen kann, man im Restaurant draussen sitzen und bei einem feinen Essen das Bad in der Menge geniessen kann.
Darf ich das? Lachen, scherzen, singen, tanzen, geniessen, träumen, im Überfluss schwelgen, während andere gerade vor den Trümmern ihrer Existenz stehen und nicht wissen, wie IHR Leben weitergehen soll? Müsste ich nicht vor lauter Mitleid am Boden sein, statt einen frühlingshaften Höhenflug zu machen?

Ich finde: Ich darf. Mich des Lebens erfreuen, meine ich. Einerseits hilft es niemandem, wenn ich mich in einen Trauerkloss verwandle. Andererseits habe ich umso mehr die Verpflichtung, für mein Klasse Leben (das ich mir durch nichts verdient habe, sondern einfach grosses Schwein hatte, hier und in die Nachkriegszeit geboren worden zu sein, die wohl bestmögliche, wie ich in letzter Zeit oft denke) dankbar zu sein. Sehr, sehr dankbar zu sein. Es zu feiern. Solange das eben geht. Jeden einzelnen Tag.

Gut, habe ich das für mich klären können. Es geht doch nichts über ein bisschen zielloses Schaukeln.

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Speedliving?

Der Artikel bringt mich zum Nachdenken. Es geht darum, dass sich heute viele Inhalte online in einem schnelleren Tempo abspielen lassen, was offenbar auch rege genutzt wird. Man kann sich so seine Lieblingsserie in kürzerer Zeit anschauen, die Musik schneller hören, Nachrichten turbomässig abspulen, kurz – man kann Zeit sparen.
Das kommen mir sofort die garstigen grauen Männer aus «Momo» in den Sinn. Wie waren wir uns doch einig, dass Zeitsparerei Blödsinn ist und wir vielmehr das Leben geniessen sollten!
Und heute?
Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich nichts dagegen hätte, wenn mein Gegenüber bei seinen ausführlichen Erklärungen einen Zacken zulegen würde, weil ich es für mich schon auf den Punkt gebracht habe. Oder dass ich mich umgekehrt bei einer Teamkollegin entschuldige, weil …«In meinem Alter dauert das eben bisschen länger…» Oder noch schlimmer: Ich höre eine whatsapp Nachricht von mir und raufe mir die Haare, weil ich mich mehrmals wiederholt und so unnötige Sprachminuten angehäuft habe. Was für eine Zumutung für die Adressatin, schäme ich mich.

Diesbezüglich kann ich mich entspannen. Mein auditives Gegenüber kann meine Infos schneller laufen lassen. Zumal es – laut der Forschung – fürs Hirn sogar bekömmlich ist. Ein bisschen Stress schadet nichts; dieses Prinzip kennen wir ja schon.

Trotzdem behagt mir die Möglichkeit der Beschleunigung nicht und ich stelle mir vor, ich könnte und würde die Funktion in meinem realen Leben anwenden. Wenn es langweilig und mühsam ist, wähle ich das Tempo 1.5 bis 2 und wenn der Spassfaktor hoch ist, verlangsame ich (Achtung an allfällige SuS, die hier mitlesen – das ist dann ein UMGEKEHRTER Dreisatz!).

Wir hätten so die ganze Sch…pandemie schneller durchspulen lassen können und auch mein eigener kleiner Mini Lockdown während der letzten drei Wochen wäre im Nu vorbei gewesen.

Nur. Was hätte das letztlich gebracht? Hätten wir denn die Zeit danach bewusster genutzt und genossen? Oder ist es eher so, dass es die zeitweilige Verlangsamung braucht, um wieder in die Gänge zu kommen? Und – würden die Highlights in unserem Alltag so glänzen, könnten wir sie künstlich verlängern?
Ich finde diese Frage für mich nicht einfach zu beantworten und kaue noch daran herum.

Vielleicht gucke ich die Serien auf Netflix fortan mit Faktor 2. Speedwatching. Nicht unbedingt, weil ich dann zwei in derselben Zeit gebacken kriege, sondern um mein Hirn zu trainieren und mir dereinst vielleicht über die wirklich grossen Fragen des Lebens klar zu werden. Oder auch nicht.

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Ertappt

Während das Internet oft zum nervigen Zeitfresser wird, ist es derzeit meine Rettung. Hat man viel Zeit, dann spielt es keine Rolle, wie viel man vernichtet. Und ab und zu findet man zwischen all dem Zeugs ja auch die eine oder andere Perle.

Momentan bin ich auf dem Talk-Trip und schaue bzw. höre mir unzählige Gespräche mit ganz verschiedenen Menschen an. Das ist sehr lehrreich. Es kann zwar ein bisschen ans Selbstbewusstsein gehen; wieso sind andere so talentiert, während ich für alles ein YouTube Tutorial brauche?! Es ist inspirierend, lustig, berührend, auch mal irritierend aber eigentlich nie langweilig. Und wenn doch – zack – bin ich ganz schnell draussen und nicht mal jemandem auf die Zehe getreten, denn die anderen sehen mich ja nicht.

Obwohl – manchmal fühlt man sich ertappt.

So wie gestern, als das Multitalent im Gespräch mit dem Moderator dessen Frage, ob es eigentlich IRGEND ETWAS gäbe, wofür es sich nicht interessieren würde, zur Antwort gab, es brenne schon nicht für alles und könne sich beispielsweise nicht vorstellen, jemals häkeln zu lernen.

Autsch.

Aufgrund meiner beschränkten Möglichkeiten hatte ich tags zuvor mein Nähkästchen durchwühlt und dort wie vermutet einen Rest grünen Garns sowie eine Häkelnadel gefunden. Beides war bisher nur zweckentfremdet benutzt worden, aber in Notsituationen wird man erfinderisch und ein entsprechendes Tutorial dazu gibt es natürlich. Ausserdem hört es sich sehr gut zu, wenn die Finger beschäftigt sind.

Und darauf hänge ich jetzt meine …äh …Spitzenblusen.

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Nachhaltige Belohnung

Als der Twenager kommt, packt er erstmal aus. Aus seiner Wundertüte holte er: drei Frauenzeitschriften, ein Buch (samt Entschuldigung, der zerfledderte Zustand sei darauf zurückzuführen, dass er es am Strand gelesen hätte) und eine Packung Schokolade.

Fast schöner als Weihnachten ist das, denn die Mitbringsel haben symbolischen Charakter.

  • 1. liest der Twenager gerne. Hurrah!
  • 2. ist der Twenager aufmerksam. Es hat sich gemerkt, welches meine Lieblingsschokolade ist. Wie lieb von ihm.
  • 3. hat der Twenager gute Erinnerungen an früher. Uff. (Die anderen hat er verdrängt).

Frauenzeitschriften habe ich mir schon länger keine mehr gekauft. Auf meinen erstaunten Blick folgt sogleich die Erklärung: «Weisst du nicht mehr? Immer, wenn ich krank war, hast du mir «Heftli» gekauft. Das war immer schön.»

Ich finde es auch schön. Selbst, wenn ich gar nicht krank bin, sondern der Situation geschuldet daheim parkiert, mit hochgelagertem Fuss.

Am schönsten aber finde ich es, ein solch fürsorgliches Kind zu haben. Also – nicht irgendeins, sondern den Twenager. Da hat sich der ganze …äh … Aufwand doch mehr als gelohnt.  

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Kein aparter Bericht

Nun soll Israel also ein Apartheid Staat sein. Ich darf mich wundern.
Es gibt nichts, was ich dazu schreiben könnte, was nicht schon geschrieben worden wäre, drum werfe ich hier bloss ein paar spontane und unzusammenhängende Gedanken in die Runde.

Wo würde ich in der ganzen Region des Nahen Ostens, hätte ich arabische Wurzeln, am liebsten wohnen, könnte ich auswählen?

In welchem Land kann ich – im Gegensatz zu den umliegenden – auf ein einigermassen greifendes Rechtssystem zählen?

Wieso wird der äusserst komplexe Nahostkonflikt immer auf das scheinbar unadäquate Verhalten des Staates Israel reduziert?

War die Schweiz zu Zeiten meiner Kindheitstage auch ein Apartheid Staat? Ich kann mich gut daran erinnern, wie Menschen italienischer Herkunft behandelt, betitelt und oft auch gemieden wurden. Menschen, die als hilfreiche und bitter nötige Arbeitskräfte ins Land geholt worden waren und sich tadellos benahmen. Sie hatten aber gesellschaftlich nichts zu melden und verfügten über keinerlei politische Rechte. Man stelle sich vor!

Wie sieht es in so vielen anderen Ländern aus punkto Gleichbehandlung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen?

Wie muss man sich als ehemaliges Opfer des Apartheidstaates fühlen, wenn der Begriff jetzt in einem völlig anderen Zusammenhang gebraucht wird?

Wieso wird Israel ständig mit anderen Ellen gemessen als andere Länder. Ist der Staat Israel der übrigen Welt etwas schuldig? Oder … hätte die Welt das gerne?

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Von armen Menschen

Es ziept empfindlich, trotz der Schmerzkiller.
Immerhin beginne ich bereits die Tatsache zu geniessen, dass ich für die nächste Zeit mal an gar nichts denken muss, ausser meinen Fuss brav hochzulagern. Nada. Ein mentaler Reset sozusagen.
Im Spital fragte mich die fürsorgliche Pflegefachfrau noch, ob ich jemanden zum Herumkommandieren hätte. Und ja – hab ich. Macht sogar ein bisschen Spass, wie ich gestehen muss.

Überhaupt könnte man so eine Operation beinahe einem Wellness Treatment gleichsetzen, wenn man davon absieht, dass ich für meine Verhältnisse unmenschlich früh aufstehen musste. Das liegt nicht daran, dass alle wahnsinnig nett mit einem sind, was sonst ja nun nicht immer der Fall ist. Nein, ich vermute, sie mischen ins Narkosemittel auch noch etwas in der Art von Ecstasy. Ein bisschen irritierend ist es zwar, dass einem ein Stück Lebenszeit abhandenkommt – es ist, als wäre dieses Stück nie gewesen – aber taucht man nach einem gefühlten Wimpernschlag wieder auf, so kümmert einem das nicht. Alles ist warm. Alles ist weich. Alles ist gut. Alles ist liebevoll. Alles.

Das war auch gut so, sonst hätte ich mich womöglich über den Geschäftsmann in der Nachbarkoje aufgeregt, der sein Büro in Form seines Handys kurzerhand mit in die ambulante Tagesklinik genommen hatte. So, dass es die ganze Abteilung auch wirklich mitbekam, diskutierte er mit wechselnden Gesprächspartnern (alle auf Lautsprecher gestellt) über irgendwelche Powerpointpräsentationen – was auf welche Folie muss und wie viele es sein müssen und ob man nicht doch … – und zwar pausenlos. Lange Zeit. Wo ich mich doch einfach zu gerne diesem süssen, dösigen Afternarkoseschlummer hingegeben hätte. Ging aber nicht.

Aber eben. Sie mischen einem da was rein und man ist richtig gut drauf. Drum schrie ich auch nicht F…y.. nach drüben, sondern lächelte nur milde und ein wenig bedauernd in mich hinein und dachte mit mehr Nächstenliebe, als in dieser Situation angebracht gewesen wäre: Was für ein armer Mensch muss man sein, wenn man sich nicht mal für eine Operation eine kurze Pause gönnen kann.

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Das Grossmünster Zürich in wechselndem Kleid – Happy New Year

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Aufgeschreckt

Ferien sind wenn ich, anstatt die geplante Arbeit zu erledigen, noch im Pyjama meinen Laptop anwerfe um zu schreiben. Um meine Gedanken in eine Form zu bringen – noch keine Ahnung in welche – weil ich gerade etwas gelesen habe, das einen Nerv getroffen hat.
Es ist das Interview mit der Geschlechtsforscherin Franziska Schutzbach, das mich aufgeschreckt und in einen – obwohl das jetzt paradox ist – angenehmen, weil eben nur in den Ferien so richtig möglichen, Alertmodus versetzt hat.

Das Genderthema.
Ich muss gestehen, dass mir deswegen ab und zu ein heimlicher Seufzer entwischt und ich in meiner Haltung ambivalent bin. Und das, obwohl ich doch zu 100 Prozent mitgekriegt habe, wie sehr das hiesige Frauenstimmrecht selbst 1971 noch auf der Kippe stand. Obwohl ich aus meinem Alltag weiss, wie oft sich Mädchen unterschätzen (und Jungs zum Gegenteil tendieren). Vielleicht sind es all die Sachen drum herum, die mich etwas nerven. Gendersternchen, Doppelpunkt oder doch lieber Schrägstrich versus umständliche Doppel- oder Mehrfachformulierungen?   

Aber.
Das Interview hat bei mir deshalb einen Nerv getroffen, weil es mal nicht primär um Berufs- und Karrierechancen von Frauen geht, sondern um alles, was im Hintergrund steht, nämlich um die Zuständigkeit für die Sorgearbeit in einer Gesellschaft. Die sehr erschöpfend sein kann. Und die nach wie vor zum grössten Teil uns Frauen obliegt.

Ich kann da aus eigener Erfahrung sprechen. Es gab ein Jahr, wo es mir ziemlich schlecht ging, wo ich permanent am Rande der Erschöpfung stand. Das war das Jahr, bevor ich meinen Mann verliess und nochmals neu begann. Der Vorsatz war klar ausgesprochen und zwischen Verabschiedungsritualen (das letzte Mal diesen Baum blühen sehen…) und Wohnungssuche versuchte ich noch ein paar letzte Monate, die perfekte Familienfrau zu sein.
Das sah in der Praxis dann so aus, dass ich im Auto, auf dem Weg zur oder von der Schule meinen Gefühlen freien Lauf liess, um sonst die Starke zu markieren. Am Arbeitsort eine befriedigende Leistung abliefern (der einfachere Teil). Auf dem Heimweg bei meiner Mutter im Pflegeheim vorbeigehen, um sie etwas aufzuheitern und auf dem Weg durch den Korridor noch hier und da ein Lächeln und ein gutes Wort zu verschenken. Sämtliche Hausarbeiten erledigen. Vermutlich aufgrund eines unrationellen schlechten Gewissens wollte ich bis zum letzten Tag alles perfekt machen, damit die unterschwelligen Spannungen nicht Oberhand gewinnen konnten. Die Stimmung zu Hause trotz der heiklen Situation im grünen Bereich halten. Mein Bestes geben, damit es dem Teenager gut ging und er nicht unter meiner Entscheidung leiden musste.

Dieser Exkurs dient nicht dazu, mich als Alltagsheldin darzustellen.
Er soll deutlich machen, dass die meisten Frauen es sind. Nach wie vor sind sie es, die – oft neben ihrem Job, der heute glücklicherweise Standard ist – den Alltag organisieren: An alle Geburtstage denken, Einladungen organisieren, sämtliche Termine der Familie koordinieren, Eltern und Grosseltern betreuen, Kinder trösten und besänftigen, mit der Katze zur Tierärztin gehen, ein offenes Ohr für Leute haben, denen es gerade dreckig geht, die Kinder zu ihren Freizeitaktivitäten begleiten, sich schöne Ferienorte ausdenken und dann alles ein- und wieder auspacken und – nicht zu vergessen – dabei immer noch entspannt, glücklich und hübsch aussehen. Das ganz besonders.
Es sind gute Voraussetzungen für ein Burnout.

Man stelle sich nur vor, wenn die Frauen einfach mal die Hände in die Hosentaschen stecken würden und die ganzen unbezahlten und ungewürdigten Arbeitsstunden, die sie leisten, nicht machen würden. Sich mal bloss auf ihre Karriere konzentrieren würden. Das «Heute stehen den Frauen doch alle Türen offen» ganz wörtlich nehmen und durch die nächste hinaus spazieren würden.
Wie würde dann unserer Gesellschaft aussehen?

Dieser Artikel hat mich aufgerüttelt. Ich werde mit dem Twenager darüber sprechen. Er ist mein Kind und hat womöglich ein paar ungünstige Haltungen verinnerlicht.
Und in Zukunft werde ich etwas weniger seufzen, wenn es um Gleichstellung geht. Noch sind wir nicht am Ziel.

Woman In Multitasking Situation Free Vector Download 441025 | CannyPic
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Ich bin entspannt

Normalerweise bin ich in einem Zustand der äussersten Gespanntheit, immer in Startposition für alle möglichen und unmöglichen Ereignisse. Um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, bedarf es, jedenfalls wenn man in meiner Haut steckt, einer sorgfältigen mentalen Vorbereitung. Zusammen mit meinem Hang zu einem gewissen Überaktionismus kostet mich das deutlich mehr Energie, als mich die Bewältigung der im Leben doch immer überraschenden Ereignisse in unvorbereitetem, dafür aber gelassenem Zustand kosten würden.
Die Rechnung ist einfach, das Ergebnis, welches nicht zu meinen Gunsten ausfällt, eindeutig und obwohl mir das so klar ist wie ein Bergsee im Frühsommer – ich bin meist sehr unentspannt.

Die Ferien haben mir gutgetan. In Ruhe die nötigen Arbeiten erledigen, vor allem aber auch: abschalten. Das geht am besten woanders und die Suche nach dem verlorenen Sommer war in unserem Falle erfolgreich und wohltuend.

Jetzt bin ich entspannt.

Nach drei Jahren gehöre ich an meiner Schule schon zu den Alteingesessenen. (Ganz zu schweigen davon, dass mir mit Schrecken klargeworden ist: Ich bin von jetzt an die Älteste!! Wie konnte es DAZU kommen??) Der Klassenzug ist nach einem Jahr auf Kurs. Nun können wir auf der Arbeit des vergangenen Jahres aufbauen. Ich habe anfangs Ferien schon einiges vorbereitet und kann den gemeinsamen Team Tagen nächste Woche gelassen entgegenschauen. Mein Schulmailprogramm habe ich seit zwei Wochen nicht geöffnet – ein neuer Rekord.

Kaum wieder zu Hause beginnt aber auch schon wieder das Gedanken Karussell. Wie geht es nach den Ferien weiter? Gibt es neue Massnahmen oder werden wir irgendwann wieder normal unterrichten können? Was wird mit unserer immer kleiner werdenden Klasse passieren? Wie können wir diejenigen Kinder, die sich schwer tun, besser unterstützen? Wie allen gerecht werden?

Noch bin ich entspannt.

Was wäre, wenn ich in diesem Zustand verharren würde? Wenn ich endlich einsehen würde, dass ich einen recht guten Job mache, niemandem mehr etwas beweisen muss und mir die Freiheit herausnehmen darf, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren? Auf die schönen Seiten meines Berufs? Lernen würde, die lästigen Seiten vermehrt zu ignorieren?

Dafür ist es nie zu spät. Aber viel Zeit habe ich nicht mehr. Ich bin nämlich im Endanflug, da dies voraussichtlich mein letzter Klassenzug sein wird.

Der Endanflug, nun im fliegerischen Sinn, kann sehr schön sein. Hat man sein Ziel erreicht und ist auf sicherer Höhe, dann kann man es so richtig geniessen. Die Luft ist ruhig, die Aussicht wunderschön und man hat Zeit, sich alles etwas genauer anzusehen. Sanftes Abgleiten ist angesagt.  Ein bisschen aufpassen muss man natürlich schon, denn gerade wenn der Stress nachlässt, läuft man auch Gefahr, Fehler zu machen. Ist man sich dessen aber bewusst, dann findet man im besten Fall zu diesem Zustand wonniger Erhabenheit, den ein Endanflug in den Abendhimmel mit sich bringt.

Mein Mantra für kommende Stresssituationen wird deshalb sein: Entspann dich – du bist im Endanflug.

Bin mal gespannt, ob mir das gelingt!

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Das Schweigen der Leute

Zum Konflikt selber im Nahen Osten möchte ich hier nichts schreiben, davon handelt der letzte Post und meine eigene Meinung habe ich schon mehrmals kundgetan.

Sagen tue ich allerdings ab und zu etwas und dann gibt es für gewöhnlich zwei mögliche Reaktionen. Die bessere besteht in betretenem Schweigen.

Geschwiegen wird mehrheitlich auch angesichts der zunehmenden Fälle von steigendem Antisemitismus und das wiederum veranlasst mich, es hier nicht zu tun.

Egal, wie man zu den jüngsten Ereignissen steht – auch in Israel selber gehen die Meinungen weit auseinander – es ist völlig unverständlich, wenn in verschiedenen Städten der Welt wieder Angriffe auf jüdische Institutionen und jüdische Menschen stattfinden. Wenn Leute zusammengeschlagen werden, weil sie eine Kippa tragen. Wenn in London anlässlich einer Anti Israel Demo Fahrzeuge mit Lautsprechern zirkulieren, aus denen dröhnt «Kill the jews – rape their daughters!» (für nicht englisch Sprechende: Tötet die Juden und vergewaltigt ihre Töchter).

Das hat weder etwas mit Politik noch mit der zugegeben komplizierten Situation im Nahen Osten zu tun. Das ist ein altes und immer wieder, bei jeder Gelegenheit, aufflackerndes Übel namens Antisemitismus.

Schweigen wir dazu?

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Zurück zur Normalität?

Die Nachrichten aus Israel sind erschreckend. Ein bitterer Witz zirkuliert im Netz: Auf der ganzen Welt kämpft man noch gegen Corona, nur in Israel ist wieder alles beim Alten.

Klar, wenn man in Israel lebt, dann ist ein Raketenhagel nichts Neues. Gewöhnen kann man sich trotzdem nicht daran – zu unheimlich ist es, wenn plötzlich die Sirenen losgehen und man Deckung suchen muss. Im besten Fall hat man einen Schutzraum, aber vielleicht verbringt man auch viele Stunden im Treppenhaus, wohin man immer wieder flüchten muss (das letzte Mal vor etwas mehr als einer Stunde). Für junge Eltern – um nur ein Beispiel zu nennen – mit einem zwei Monate alten Baby (des Humus‘ jüngstes Enkelkind) kein Zuckerschlecken. Ganz abgesehen davon ist der Schrecken ungleich grösser, da die Bedrohung derzeit von zwei Fronten droht.

Der folgende Artikel von Yossi Krichely beschreibt die Hintergründe sehr gut. Er ist ein Facebook Freund der Autorin von „Blick aus dem Fenster“ und sie hat den Text online ins Deutsche übersetzt.

Wer hinter die (oft etwas einseitigen) Schlagzeilen schauen und mehr erfahren möchte, sollte diesen Artikel lesen. Es würde mich ausserordentlich freuen, wenn es einige tun.

Artikel von Yossi Krichely

Liebe Freunde, es ist kein Geheimnis, dass die letzten Tage in Israel schrecklich sind. Ich bin sicher, Sie haben davon in den Nachrichten auf CNN oder anderen Medien gehört, lokal und global. Aus früherer Erfahrung weiß ich, dass diese Berichte dazu neigen, voreingenommen und etwas kritisch gegenüber Israel zu sein und die Rolle der Hamas herunterzuspielen, indem sie die Palästinenser als Opfer des israelischen Aggressors darstellen.

Bitte nehmen Sie sich ein paar Augenblicke Zeit, um es aus unserer Perspektive zu lesen.

Die Spannungen begannen vor ein paar Wochen, zu Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan, zu steigen. Der Ramadan ist ein einmonatiges Fest, in dem die Muslime tagsüber fasten und nachts Feste feiern. Jedes Jahr ist dies eine sensible Zeit, und manchmal neigen die Feierlichkeiten dazu, gewalttätig zu werden.

Dieses Jahr kamen mehrere unglückliche Faktoren zusammen und lösten die Gewalt aus, die wir jetzt sehen.

1. Tiktok-Videos, die arabische Jugendliche zeigten, die Juden schlugen und demütigten, gingen viral. Besonders eines, das zwei orthodoxe Juden zeigt, die im Zug sitzen und sich unterhalten, als plötzlich ein arabischer Jugendlicher einen von ihnen heftig ins Gesicht schlägt. Dieses Video ging in den arabischen sozialen Medien viral und bald erstellten viele Nachahmer ähnliche Tiktok-Clips, in denen sie Juden verprügeln. Die Spannungen begannen zu steigen.

2. Die Palästinensische Autonomiebehörde sagte die Parlamentswahlen ab (die letzte war vor 15 Jahren), weil sie Angst hatte, dass die Hamas die Wahlen gewinnen würde. Die PA schob die Schuld auf Israel, aus irgendeinem erfundenen Grund. Die Hamas wurde frustriert und schob die Schuld auch auf Israel.

3. Der israelische Oberste Gerichtshof, der sehr fortschrittlich ist (manche sagen, der fortschrittlichste in der Welt) und in den meisten Fällen zugunsten der Palästinenser und anderer Minderheiten entscheidet, entschied überraschend zugunsten jüdischer Ansprüche auf Eigentum in einem Viertel namens Sheikh Jarrah und verlangte von den Arabern, die jetzt in diesen Häusern leben, dass sie diese entweder räumen oder von den rechtmäßigen Eigentümern mieten. Die Spannungen stiegen noch weiter an.

4. Seit 1968 feiert Israel den „Jerusalem-Tag“, und während dieses Festes ziehen Tausende von Juden mit Fahnen durch die Stadt und tanzen. Die Route führt auch durch die Altstadt. Dieses Jahr kollidierte das Datum mit dem Ramadan, und aufgrund von Drohungen der Araber wurde die Route durch die Altstadt abgesagt.

5. Von Zeit zu Zeit behaupten die Palästinensische Autonomiebehörde und die Muslimbruderschaft innerhalb Israels (1,2 Millionen muslimische Araber leben in Israel selbst), dass Israel Pläne zur Zerstörung der Al-Aqsa-Moschee (die sich auf dem Tempelberg befindet) hat. Solche Behauptungen tauchten vor dem Jerusalem-Tag wieder auf, Palästinenser sammelten Felsen und Steine in der Moschee und begannen zu randalieren, als die Polizei kam, um den Aufruhr zu unterdrücken, wurden sie mit diesen Steinen beschossen.

Alles, was jetzt noch fehlte, war das Streichholz, um den Funken zu entzünden.

Und die Hamas lieferte das Streichholz.

Am 10. Mai verkündete die Hamas ein Ultimatum an Israel, dass sie Raketen auf Israel abfeuern würden, wenn es die Entscheidung über Sheikh Jarrah nicht aufhebt und die Polizei den Tempelberg bis 18 Uhr verlässt.

Und das taten sie.

300 Raketen wurden in sehr kurzer Zeit abgefeuert. Obwohl Israel das Luftabwehrsystem Iron Dome besitzt, das Abfangraketen auf die Raketen schießt, beträgt die Effektivität nur 95%. Einige Raketen gehen durch.

In den letzten 3 Tagen wurden fast 1200 Raketen abgefeuert. Obwohl die überwältigende Mehrheit abgefangen und mitten im Flug zerstört wurde, kamen einige durch.

(Während ich diesen Artikel schreibe, ertönte um 1:15 Uhr eine Luftschutzsirene und ich eilte, um meine Kinder und meine Frau zu wecken und sie in den Schutzraum zu bringen).

Da die Hamas wahllos auf Zivilisten schießt, explodierten die Raketen, die durchkamen, und töteten 5 Menschen und viele andere wurden verletzt. Gestern wurde ein 5-jähriger Junge getötet, als ein Schrapnell sein Gesicht durchbohrte, während er mit seiner Mutter in ihrem Haus kauerte. Die Mutter wurde schwer verwundet.

Israel reagierte. Ich bin sicher, dass Ihr Land dasselbe getan hätte.

Seitdem hat Israel die Infrastruktur und die Agenten der Hamas angegriffen.

Da die Hamas die Raketen in dicht besiedelten Vierteln in Gaza aufbewahrt und abschießt, werden bei den Luftangriffen, wenn Israel die Abschussrampen angreift, unbeteiligte Menschen verletzt und manchmal getötet. Die Hamas benutzt ihre eigene Bevölkerung als menschliche Schutzschilde, während sie versucht, so viele Menschen aus unserer Bevölkerung zu töten, wie sie kann.

Sie haben wahrscheinlich gesehen, dass israelische Luftangriffe einige Hochhäuser in Gaza zum Einsturz gebracht haben. Diese Gebäude werden für die Infrastruktur der Hamas genutzt, für Büros und die Orte, an denen Hamas-Agenten mit ihren Familien leben. Bevor die Gebäude bombardiert werden, kontaktiert Israel immer die Bewohner und fordert sie auf, zu evakuieren.

In den letzten 48 Stunden hat Israel Hunderte von Luftangriffen auf den Gazastreifen geflogen, und bei diesen Angriffen wurden 53 Menschen getötet, hauptsächlich Hamas-Aktivisten und Terroristen. Aber leider wurden auch einige Zivilisten getötet.

Wenn Israel wollte, könnte es den Gazastreifen mit einem Bombenteppich bombardieren und es hätte Tausende von Opfern gegeben, aber so sind wir nicht. Wir schießen nicht und zielen nicht wahllos auf die Zivilbevölkerung.

Nach mehr als 20 Jahren Raketen und Raketen, die nach Belieben von der Hamas auf Israel abgefeuert werden, hat sich Israel diesmal entschieden, der Hamas so viel Schaden wie möglich zuzufügen, um sie ein für alle Mal zu stoppen.

Aber im Gegensatz zu anderen Zeiten, in denen es zu Kämpfen kam, ist es diesmal anders.

1,2 Millionen Araber leben in Israel als Bürger, die volle Rechte genießen. Sie haben Zugang zu allem, was Israel zu bieten hat. Bildung, Wohlfahrt, Reisen und Freiheiten, von denen die meisten Araber im Nahen Osten nur träumen können. Sie haben 12 Mitglieder im

israelischen Parlament (die sehr extrem sind und Israel nicht als jüdischen Staat akzeptieren und die Palästinenser vehement unterstützen), es gibt arabische Richter, Anwälte. Ärzte, High-Tech-Arbeiter, Geschäftsinhaber und was nicht alles.

Aber in den letzten 25 Jahren oder so begannen sie, sich auch als Palästinenser zu identifizieren und wurden immer extremer in ihrer Unterstützung für Gaza und ihre Feindseligkeit gegenüber Israel und seiner jüdischen Bevölkerung wuchs.

Als die jüngste Runde der Kämpfe ausbrach, begannen sie in einigen gemischten Städten wie Lod, Akko und Haifa zu randalieren, griffen ihre jüdischen Nachbarn an, brannten jüdisches Eigentum und Autos nieder, plünderten Geschäfte und brannten Synagogen nieder. In der Stadt Lod haben sie zwei Nächte lang randaliert. Viele Juden wurden verprügelt, gelyncht, verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Zu ihrer Schande tat die israelische Polizei fast nichts, um diese Ausschreitungen zu stoppen, bis nach anderthalb Tagen spezielle Polizeieinheiten eingesetzt wurden.

Einige jüdische Bewohner von Lod mussten aus Angst vor ihren Nachbarn mitten in der Nacht evakuiert werden. Genau wie vor 80 Jahren in Europa.

Letzte Nacht (3. Nacht seit Beginn der Unruhen) und nachdem sie sahen, dass die Polizei nicht viel tut, um die Unruhen zu stoppen, beschlossen viele junge jüdische Männer, die Sache in die eigenen Hände zu nehmen und in diese Viertel zu gehen, um ihre jüdischen Brüder zu schützen.

Sie fragen sich vielleicht, warum die Polizei nichts unternimmt. Nun, das verdient einen eigenen Beitrag, aber ich will nur sagen, dass das sehr fortschrittliche Justizsystem in Israel, das der wahre Herrscher dieses Landes ist, volle Autorität hat und jede Regierungsentscheidung umstoßen kann, wenn sie ihm nicht gefällt, eine große Rolle dabei spielt.

Vor zwei Nächten, während der Unruhen, versuchte ein jüdischer Mann, sich und seine Familie vor Randalierern zu verteidigen und erschoss einen von ihnen mit seiner legal besessenen Handfeuerwaffe. Der Randalierer starb. Der Mann wurde sofort verhaftet und befindet sich in Polizeigewahrsam, wo er wegen Mordes angeklagt wird. Seine Behauptungen zur Selbstverteidigung im Angesicht einer lebensbedrohlichen Gefahr beeindruckten den Richter nicht.

Als die Leute all diese Ausschreitungen, Plünderungen und Brände sahen, wurden sie sehr wütend. Sie werden überrascht sein, aber in Israel, und nicht erst seit heute, gibt es ein allgemeines Gefühl, dass Araber, da sie als Minderheit betrachtet werden, alles tun können, was sie wollen, und es würde ihnen verziehen werden, aber Juden können nichts tun. So ist es in Israel, das von progressiven Medien, dem Justizsystem, der Wissenschaft und anderen Eliten dominiert wird.

Letzte Nacht, nachdem wir gesehen haben, dass der Polizei angesichts der arabischen Ausschreitungen die Hände gebunden sind, und nachdem Nachrichten über einen jungen männlichen Lehrer bekannt wurden, der von arabischen Randalierern in der Stadt Akko gelyncht wurde und sich in kritischem Zustand befindet, beschlossen viele, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen, und es kam zu einem offenen Kampf zwischen Arabern und Juden.

Sie haben wahrscheinlich das entsetzliche Video gesehen, in dem Juden einen arabischen Fahrer brutal angreifen. Alle israelischen Regierungsvertreter und politischen Führer verurteilten diesen Vorfall aufs Schärfste, so wie ich auch.

Ich hoffe, Sie haben auch die Berichte über die arabischen Unruhen gesehen, aber ich bin mir nicht sicher, ob Ihnen das zur Kenntnis gebracht wurde.

Mit einer Ausnahme hat kein einziger arabischer Führer das gewalttätige Verhalten der arabischen Randalierer verurteilt, und einige Führer haben sie sogar ermutigt.

Das ist also die aktuelle Situation in meinem Land.

Wir haben einen Krieg an zwei Fronten.

Einen mit der Hamas, die ein langjähriger Feind ist, der auf die Zerstörung Israels aus ist. Und einen Bürgerkrieg mit den arabischen Bürgern Israels, die sich für eine Seite entschieden haben und die Hamas voll unterstützen.

Ich vermute, dass in Ihrem Land ein solches Verhalten als „Beihilfe zum Feind in Zeiten des Krieges“ bezeichnet werden würde. Ich vermute, dass die Sanktionen gegen ein solches Verhalten sehr streng sein würden.

Es ist eine sehr schwierige Zeit in Israel, ich denke, das Gefüge der israelischen Gesellschaft ist zerrissen und ich fürchte, es wird für eine sehr lange Zeit nicht geheilt werden.

(Eine weitere Sirene ging gerade an und wir hörten Bumm-Geräusche nicht weit entfernt, anscheinend wurde ein Gebäude in meiner Stadt getroffen und 5 Menschen wurden verletzt)

Ich weiß nicht, was Ihre Position oder Meinung zu diesem Thema ist. Einige von Ihnen sind wahrscheinlich nicht sehr betroffen. Aber aus irgendeinem Grund war es mir wichtig, es Ihnen aus meiner (unserer) Perspektive zu erzählen.

Yossi Krichely, 12.5.2021

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Donkey Shot

Der Humus hat aufgrund der nun schon länger anhaltenden räumlichen Trennung von seiner Heimat ein neues Ritual entwickelt. Jede zweite Woche schickt er einen musikalischen Shabbat Shalom Gruss an seine Freunde. Er greift dazu tief in den unerschöpflichen Fundus an hebräischen Liedern. Hat er eins gefunden, das seinen hehren Kriterien – historischer, soziologischer oder musikalischer Art – entspricht, dann geht’s ans Üben, bevor das Endprodukt pünktlich auf Whatsapp versendet wird. (Leider wird es auch auf Whatsapp aufgenommen…)

Der Humus hat einen grossen Freundeskreis und so gluckst sein Handy während des Nachtessens öfters: lauter wohlwollende Kommentare. Es geht doch nichts über gute Freunde!

Das gestrige Produkt war ein Duett und ja, den zweiten Part, der mit „Oh Don Quichotte…“ begann, hatte ich übernommen. Das kostete den Humus, noch viel mehr als beim ersten Versuch dieser Art, wochenlange Überzeugungskraft, bis ich schliesslich kapitulierte und ihm den Gefallen tat. Das bin ich ihm schuldig, denn er tut auch viel für mich. Ausserdem freut es mich, ihn so glücklich zu sehen. Und glücklich war er, als das Lied im Kasten war. Es sei gelungen, fand er, und ich wiederum war froh, dass das Thema endlich vom Tisch war.

Auch der Twenager kam via Homechat in den Genuss dieses musikalischen Höhenfluges und äusserste sich folgendermassen: Er möge dieses Lied «Donkey shot» sehr.

Und ich mag den Humor des Twenagers.
Shabbat Shalom.

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Auf Wiedersehen

«Das ist jetzt aber komisch, Sie so zu sehen…»
Mit offenem Mund (denk ich mal) starren mich die Kinder an. Ein bisschen erschrocken blicke ich an mir herunter, kann aber nichts Peinliches feststellen. Da dämmert es mir: Die Maske! Schuldbewusst ziehe ich sie schnell über, um in der Folge wieder wie die Tante von Donald Duck auszusehen.

Mein gewohntes Accessoire hatte ich ganz vergessen. In der Mittagspause waren sich zwei Jungs an die Gurgel gegangen und einer von ihnen lag augenscheinlich in den letzten Zügen. Abgebrüht wie ich mittlerweile bin und aufgrund der einen oder anderen Erfahrung sah ich davon ab, die Ambulanz zu bestellen und rief stattdessen die Mutter an, sie möge ihren Sprössling doch bitte abholen, um mit ihm eventuell eine Stippvisite beim Arzt zu machen. Zur Übermittlung dieser frohen Botschaft war ich kurz aus dem Zimmer gegangen und hatte mich der Maske entledigt. Ich hatte auch so schon etwas Mühe, das Ganze zu erklären.

Und nun also grosses Erschrecken in den Kinderaugen vor mir. Ich schluckte schwer und rechnete kurz nach. Etwa ein halbes Jahr muss es jetzt sein, dass mich die Kids nur noch maskiert zu sehen kriegen. Ohne Ausnahme. Ein halbes Jahr in einem zehnjährigen Kinderleben ist ganz schön lang und mein Alterungsprozess nicht stehengeblieben. Schon überlegte ich, ob ich die nächsten Sommerferien in den Dienst einer Generalüberholung meines Gesichts stellen sollte – die Ferien am Strand fallen vermutlich sowieso wieder ins Wasser – da meldete sich mein vernünftiges Ich. «Den Kindern ist ja wohl egal, wie zerknittert dein Antlitz mittlerweile ist», spottete es. «Für die bist du sowieso steinalt.» Erst kürzlich hatte mich ein Schlawiner keck nach meinem Alter gefragt, um auf meine Antwort betroffen zu schweigen. (Dass man in diesem hohen Alter überhaupt noch funktionstüchtig ist…)

Nein, das Erschrecken bezog sich wohl mehr darauf, dass sie womöglich vergessen hatten, wie ich überhaupt aussehe. Hatten sie mich, ihre neue Lehrerin, doch nur ganz am Anfang des Schuljahres einige Male unvermummt gesehen.
Es liegen noch etwas mehr als zwei gemeinsame Jahre vor uns. Hoffentlich sehen wir uns bis dahin mal noch. So von Angesicht zu Angesicht.

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Stolz auf den Twenager

Die vage Idee, einen Text darüber zu schreiben, wie stolz ich auf den Twenager bin, veranlasste mich zum Googeln. Ich bin ja kaum die Einzige, die auf ihr Kind stolz ist. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Also – dass ich stolz bin auf mein Kind schon, aber ob ich das öffentlich verlauten lassen will.  Nach nur drei Klicks ist mir nämlich klar geworden: Stolz sein auf das Kind ist eher pfui als hui.

Zu meiner Ehrrettung – insbesondere zu derjenigen des Twenagers! – muss ich deshalb zumindest vorher präzisieren: Er ist nicht so wie ich. Ziemlich nicht so wie ich.

  • Er wird nicht innerhalb von Sekunden hysterisch, wenn etwas schief geht. Bei ihm dauert das deutlich länger (Darwin lässt grüssen).
  • Er kocht gerne und gut und ist ein exzellenter Gastgeber
  • Er hat eine akademische Laufbahn eingeschlagen (und läuft und läuft und…)
  • Er verfügt über eine gesunde Resilienz (die er in seinem Job gebrauchen können wird).
  • Er kann sich innert nützlicher Frist entscheiden…
  • … weil er weiss, was er will (und was nicht).

Die Liste könnte noch fortgesetzt werden, aber es ist bloss um zu zeigen: Stolz bin ich nicht auf den Twenager, weil er so geworden ist wie ich, sondern eher, weil er ganz anders ist.

Aber ja – was heisst das überhaupt, stolz auf jemand anders zu sein? Geht das überhaupt? Vielleicht ist es eher eine Mischung aus Bewunderung und grosser Zuneigung und auch einfach ein Gefühl von «WOW». Dass der so gut herausgekommen ist!

Ich bilde mir nicht ein, dass das mein Werk ist. Aber immerhin ist es mir gelungen, es nicht zu verbocken.

Vielleicht bin ich also doch auch ein klitzekleines bisschen stolz auf mich selber? Darüber muss ich noch ein wenig nachdenken, bevor ich einen Text darüber schreibe, wie stolz ich auf den Twenager bin.

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Der gewählte Weg

Grad habe ich ein Buch fertig gelesen (The Midnight Library von Matt Haig). Mir gefiel das Buch. Relativ einfach gestrickt, ziemlich vorhersehbar aber trotzdem schön zu lesen. Genau wie vom Twenager angekündigt: ein Feelgood Buch.
Eine junge Frau, am Leben verzweifelt, beendet ihres vorzeitig. Allerdings will ihr auch das nicht so recht gelingen, worauf sie sich in einer mysteriösen Bibliothek wiederfindet, in der sie ein Buch aufs andere aus dem Gestell nimmt bzw. hineinschlüpft: lauter mögliche, ungelebte Leben oder, um es wie im Buch etwas visueller zu machen: lauter mögliche Äste ihres Lebensbaums.

Das «Buch des Bedauerns», quasi das Inhaltverzeichnis der besagten Bibliothek spielt in der Geschichte eine entscheidende Rolle, was naheliegend ist (Stichwort Robert Frost, «The road not taken» oder auch mannigfaltige Umfragen unter Sterbenden).

Allerdings.

Ich hab jetzt nicht soviel Lust, in «meinem» Buch des Bedauerns zu schmökern. Abgesehen davon, dass es wohl sehr umfangreich daherkommt, ich es aber nicht auf meinen Kindle laden kann, würde es mich wohl etwas deprimieren. Viel lieber überlege ich mir, welche Entscheidungen in meinem Leben mich glücklich machten und da gibt es ja schon auch ein paar. Herausgepickt wären da:

  • meine Beharrlichkeit (dem Handyman gegenüber, der mir im Nachhinein bestimmt dankbar dafür ist), Mutter werden zu wollen
  • Die Entscheidung, einen klapprigen Döschwo einem schnittigen Schlitten vorzuziehen (sonst wär das mit dem Handyman womöglich überhaupt nichts geworden)
  • Trotzdem noch zu der Vorstellungsrunde in E. gegangen zu sein, obwohl ich sie zuerst aufgrund akuten Liebeskummers abgesagt hatte
  • Eine Weile lang einen grossen Teil meiner Freizeit in den Tanz zu investieren (obwohl es da schon zu spät für eine entsprechende Karriere war, aber es beschwingte mich zu der Zeit beträchtlich)
  • anzuerkennen, dass Schreiben mich ziemlich glücklich macht (autsch, ich bin ein Nerd)
  • etwas völlig Unvernünftiges zu machen und damit mein Leben in ganz neue Bahnen zu lenken ( The Road Taken)
  • in einem Alter, wo andere sich Designermöbel und einen SUV kaufen, nochmals bei null anzufangen und dem materiellen Luxus ein für alle Mal abzuschwören
  • trotz damit verbundener Panikattacken eine sichere Stelle zu kündigen um dereinst (vielleicht) wieder gerne arbeiten zu gehen (ein Volltreffer)
  • in den «falschen» Bus gestiegen zu sein in dieser schneereichen Samstagnacht. Es war dann, wie sich mittlerweile herausstellte, doch der richtige.

Tja, wer weiss schon, welcher Weg der richtige ist und ob ein anderer uns nicht glücklicher gemacht hätte. Vielleicht liegt das Geheimnis ja darin, den Weg, den man gewählt hat, mit wohlwollenden Augen zu betrachten, anstatt sich zu fragen, wie ein anderer ausgesehen hätte.
Ich bin mit meinem jedenfalls soweit ganz zufrieden.

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Die menschliche Psyche – eine Wundertüte


Was ist der Mensch doch für ein mysteriöses Wesen!
Nicht nachvollziehbar die Kapriolen, die die menschliche Psyche schlägt. Und ich spreche immerhin von derjenigen, die mir am nächsten steht – meiner eigenen.

Während zwei Wochen schon nagte der Ärger an mir; das ganze letzte Wochenende gelang es mir nicht, ihm zu entkommen. Ich tue mich schwer mit mir unverständlichen Entscheidungen, die von oben kommen. Meine Fähigkeit, mich vom Ursprung eines solchen Ärgers zu lösen, hat klares Verbesserungspotenzial. Gestern gar (ich sage nur: Schulkonferenz) steigerte sich mein Ärger zeitweise ins Unermessliche. Selbst der Humus, die Geduld in Person, wurde für einmal explizit (Bitte kein «…» für die nächsten zwei Tage).
Diesen Post verfasse ich nun aber nicht, weil ich ein alternatives Ventil suche, sondern – man staune – weil ich heut Morgen in bester Laune aufgewacht bin.Folgendes passierte:
Ich schlage meine Augen auf und: Das Leben ist schön. Es ist gut. Ich bin glücklich. Wie ich mein Leben doch liebe! Auch meinen Job – also den Teil mit den Kindern und den Kollegen.

Nur daran, dass es Samstag ist, kann es nicht liegen (siehe weiter oben). Auch der gestrige Abend, den ich erschlagen vor der Glotze verbrachte, hat kaum einen solchen Gefühlsumschwung bewirkt. Angelina Jolie ist zwar hübsch anzusehen, aber der Film Lara Croft nicht wirklich mein Ding.
Selbst die wohltuende Nähe des Humus kann nicht der Grund sein. Schliesslich leben wir, der aktuellen Lage geschuldet und nur von meinen Arbeitspausen unterbrochen, seit über einem Jahr auf engstem Raum zusammen. Dass wir uns immer noch hold sind anstatt uns auf die Nerven zu gehen und das ein überaus gutes Zeichen ist – diese erfreuliche Erkenntnis dämmerte mir nicht erst heute Morgen.
Warum also geht es mir heute so gut, wo doch gestern meine Hirnzellen noch im roten Bereich ihre Runden drehten?

Es gibt (für mich) keine logische Erklärung. Ausser vielleicht: Die menschliche Psyche steckt voller Überraschungen. Und heute, da mag ich diejenige, die mir am nächsten steht, wieder ganz gut leiden.

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Traumjob ade

Und ich werde mal Stewardess! Die Augen unter dem zehnjährigen Lockenkopf strahlten Gewissheit aus: Das war der Plan.
Stewardess wurde sie dann nicht, was aber bloss an der stetigen Entwicklung des allgemeinen Sprachvokabulars lag, denn die Stewardess wurde zur Air Hostess und schliesslich zum Flight Attendant.
Wie auch immer, meine Freundin blieb auf Kurs und schwebte schliesslich auf Wolke sieben, denn in ihren ersten Jahren war ihre Arbeit das, was sie sich immer vorgestellt hatte: ihr Traumberuf.

Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als sie zum ersten Mal in ihre Uniform schlüpfte. Der Zufall wollte es, dass ich aufgrund eines Ferienjobs im «Balsberg» war. Der Balsberg war die administrative Basis der Fluggesellschaft und selbst als temporäre Handlangerin übertrug sich der damalige Stolz der Belegschaft, zur Swissair Familie zu gehören, auch auf mich.  Und meine Freundin, die hier gerade ihre Ausbildung absolvierte, hatte nun ihr langersehntes Ziel erreicht, machte sich auf, die Welt zu erforschen und ich war sehr stolz auf sie.

Später war ich noch auf anderem Weg mit der Swissair Familie verbunden und als Frau eines Piloten – dessen Bekanntschaft, wie könnte es anders sein, ich meiner Freundin zu verdanken hatte – bekam ich den erst langsamen Niedergang und dann abrupten Chrash des schweizerischen Flaggschiffs hautnah mit.
Immerhin, so trösteten sich meine Freundin und mein Mann, hatten sie noch die «guten» Zeiten mitbekommen und einen Rucksack voll mit schönen Erinnerungen an unvergessliche Rotationen. Unvergesslich auch für mich der «Last Flight» meines Mannes, auf dem nebst anderen lieben Menschen natürlich auch meine Freundin dabei war und jeder Tag mit neuen Überraschungen aufwartete. Die Rotationen waren zwar schon deutlich kürzer geworden, aber da war es immer noch Sitte, den Angestellten bei solchen Gelegenheiten Wertschätzung entgegenzubringen und sich auch von der Firma aus für die langjährige Treue zu bedanken.

Es gingen weitere Jahre ins Land, meine Freundin, mittlerweile Maître de Cabine arbeitete immer noch und trotz der immer weniger attraktiven Bedingungen tat sie es nach wie vor mit Begeisterung. Ja, die Arbeit war mühsamer und ja, der Dank dafür kleiner geworden. Die Swissair Familie gab es schon lange nicht mehr, Flight Attendant war mittlerweile – vor allem für Neuankömmlinge – ein schlecht bezahlter Job, was sich teilweise auch im Commitment zeigte. Vielleicht lag es daran, dass meine Freundin trotz ihres fortgeschrittenen Alters viele Komplimente bekam, denn für sie war und blieb es mehr als ein Job und sie freute sich auf jeden Flug. Das, was sie schon immer fasziniert hatte, nämlich fremde Menschen und Länder kennen zu lernen, die Atmosphäre in einer weit entfernten Stadt zu schnuppern, in die dortige Kultur einzutauchen, das wollte sie sich nicht nehmen lassen. Auch wenn das hiess, da und dort auf Schlaf zu verzichten, weil die Aufenthalte so kurz geworden waren, dass es sich manchmal kaum lohnte, das Hotel noch zu verlassen.

Und dann kam Corona.
Eigentlich müsste meine Freundin jetzt sehr froh sein.
Im Gegensatz zu vielen anderen muss sie sich nicht mit Existenzängsten herumschlagen. Sie erhält ihre monatliche Pension und auch wenn diese etwas geringer ausfällt, weil meine Freundin nun zwei Jahre früher als geplant in Pension ging, reicht es noch. Trotzdem hadert sie und das hat viel damit zu tun, wie derzeit mit Menschen umgesprungen wird. 

Die Entscheidung, das Angebot der Frühpension zu nutzen, hatte in kürzester Zeit getroffen werden müssen und war meiner Freundin nicht leichtgefallen. Aber damit konnten Arbeitsplätze für Jüngere gesichert werden und die letzten Flüge bis Ende Februar würde sie noch ganz bewusste geniessen, hatte sie sich vorgenommen, und so von ihrem Traumberuf Abschied nehmen.
Aber dann kam alles anders.
In ihrem Einsatz waren die Flüge plötzlich gestrichen, ohne Mitteilung, und auf Anfrage beschied man ihr, es gäbe auch keine mehr. Kleines Trostpflaster: Eine unmittelbare Vorgesetzte schenkte ihr ein Schokoladenherz, das sie von ihrem eigenen Geld gekauft hatte und meinte, es falle ihr schwer, sie gehen zu lassen. Von der Firma aber: nichts. Weder einen Blumenstrauss noch eine Karte noch ein Dankeschön. Meine Freundin organisierte dann selber noch einen kleinen Abschied im «Ops-Zentrum», indem sie coronaconform vier Freundinnen zum Kaffee einlud – vor dem Kaffee Automaten.
Unmittelbar danach musste sie ihre Uniform abgeben und eine schnippische Angestellte hakte Stück für Stück auch die abgetragensten Teile ab, obwohl meine Freundin einzige der Nostalgie wegen gern das eine oder andere behalten hätte.

Und das nach vierzig Jahren, in denen sie soviel Herzblut in ihren Traumjob gesteckt hat, der heute für die meisten bloss noch eine schlecht bezahlte Beschäftigung ist.
Das ist bitter für meine Freundin und ihr ist gerade ein bisschen das Lachen vergangen. Ich hoffe – ich glaube! – sie wird es wieder finden. Es ist nämlich ein schönes und hat vierzig Jahre lang den Fluggästen ebenfalls ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

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Grenzenloses Pflichtbewusstsein?

Ich bin sehr pflichtbewusst. War ich schon immer. 

Grundsätzlich eine gute Eigenschaft, kann Pflichtbewusstsein auch lästig sein. 

Wenn ich in einer Zeit, wo Homeoffice zur Pflicht wird und ich eigentlich möglichst niemanden mehr treffen soll – nicht mal die ganze Familie aufs Mal, weil das dann mehr als zwei Haushalte sind… – ich meine Arbeitstage in einem Zimmer mit vielen Kindern verbringe. Aber ach ja, die sind ja keine Gefahr für mich. Und wenn sie es doch mal sein könnten, dann wird das tunlichst unter dem Deckel gehalten, aus Datenschutzgründen

Wenn ich nach einem Zwölfstundentag in der Schule bei dem neuen Zeiterfassungstool schummele und eine Stunde weniger eintrage. Die tatsächliche Zeit schluckt es nicht, aber eintragen muss ich und grün muss es auch sein.

Wenn ich an einem Tag, wo der öffentliche Verkehr zusammenbricht – mein Auto steht eingeschneit woanders, weil ich es nach dem Zwölfstundentag nicht bis nach Hause geschafft hatte – in aller Frühe zu Fuss durch die Schneewehen stapfe, um trotzdem pünktlich in der Schule zu sein. Was mir gelingt. So wie dem ganzen Team übrigens, von denen einzelne nicht bloss so wie ich eine Stunde unterwegs waren… 

Wenn ich nach einem weiteren langen Tag nach dem Nachhauseweg – jetzt geht es bergauf und ich hab noch schwer zu tragen – auf dem Sofa beinahe ins Koma falle. Aber was soll’s, das gesellschaftliche Leben liegt sowieso brach, weil: ich darf ja niemanden mehr treffen, in der Freizeit.

Wenn ich das Mail vom Kanton, in dem angedeutet wird, dass nun auch über 50-jährige zur Risikogruppe gehören, zusammen mit meinen ü50 Kolleginnen weglache —und lösche. Man will ja die Schule offenhalten, oder? Da braucht es uns doch, oder?

Vielleicht muss ich demnächst einen Fackel unterschreiben, dass ich mich aus freiem Willen dem erhöhten Risiko stelle. (Eine baldige Impfung kann ich mir abschminken und wir sind ja leider nicht in Israel.)

Ob ich das tue? Mal sehen. Auch mein Pflichtbewusstsein hat seine Grenzen. 
Ich arbeite jedenfalls daran.

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Trotz Turbulenzen gutes Flugwetter

Der heutige Tag verlangt schon fast unanständig danach, sich Gedanken über das vergangene Jahr zu machen, und obwohl ich dem explizit nicht nachgeben wollte, kam es auf dem soeben gemachten Spaziergang, mit Blick auf die Berge und den See, über mich: 
Es war ein gutes Jahr. Vielleicht sogar eins meiner besten.
Das bedingt natürlich einer Präzisierung: Es war ein gutes Jahr für mich. 
Ob es daran liegt, dass sich in Krisenzeiten der Blick aufs Wesentlich schärft? Mein bisheriges Leben war schliesslich auch kein Trauerspiel.  Wie auch immer; meine – sehr persönliche – Bilanz fällt ausgesprochen positiv aus. (Hier darf kurz gelacht werden…)

In Herzensangelegenheiten befinde ich mich auf Wolke sieben. Mit der Nasenspitze tatsächlich schon in Wolke acht. Wer hätte das gedacht. Damals.
Beruflich bin ich auf einer komfortablen Flughöhe angekommen mit der schönen Aussicht auf einen langen und hoffentlich sanften Endanflug. 
Mein Mutterstatus ist in eine neue Phase eingetreten in welcher der Satz „Ich liebe dich bis zum Mond und zurück“ nochmals einen neuen Sinn bekommen hat. Aber angesichts der Tatsache, dass der Start der Rakete geglückt ist, sie heil im Orbit angekommen ist und der Funkkontakt tadellos funktioniert, lautet die Message: Groundcontrol an Twenager – alles bestens. 

Ich weiss natürlich, dass es längst nicht für alle ein gutes Jahr war. Ich bin ja nicht blöd. So manche tragische Geschichte schrieb und schreibt es noch, dieses verflixte Jahr. Dennoch tue ich das, was in meinen Augen das Sinnvollste ist:
Ich bin dankbar für all das Schöne in meinem Leben. 
Ich werde mein Bestes geben, auch wenn es ein klitzekleiner Beitrag nur ist, diese schöne, schreckliche, unvorhersehbare, aber immer wieder überraschende Welt am Laufen zu halten. 
Und – ich tue meinen Teil dafür, gesund zu bleiben. Weil sich das Leben trotz allem immer noch verdammt gut anfühlt. 

Euch allen ein glückliches, gesundes neues Jahr. Möge es ein gutes werden.
Nicht nur für mich.

Dieses Geschenk von einer Schülerin
fand ich zu meiner Freude gestern im Briefkasten.
Heute Abend brennen die ersten beiden Kerzen.

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Beste Party ever

„Das ist die beste Party meines Lebens!“ Sie strahlte. 

Diese Szene ereignete sich gestern und man kann sich fragen, wer in diesen Zeiten noch eine Party feiert.

Aber.

Wenn wir wortwörtlich bis fünf vor zwölf auf relativ engem Raum arbeiten, dann liegt es zum Schluss doch wohl auch drin, dass wir in ebendieser Gruppe und an ebendiesem Ort mal kurz NICHT arbeiten.

„Du wirst noch bessere Parties feiern in deinem Leben“, nuschelte ich hinter meiner Maske. „Versprochen.“

Aber um ehrlich zu sein: Ich fand’s grad auch richtig schön.

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