Einmal Prinzessin

Die kleine Landspitze rund um St. Gildas, wo die Côte d’Amour auf die Côte de Jade trifft, eignet sich wunderbar, um die wilde Küste zu erwandern. Und für alle, die es ruhig mögen, ist die Pêcherie – funktional und sehr gut ausgestattet – ein günstiger Ausgangsort, um die nähere Region zu erkunden.

Mittlerweile befinde ich mich schon wieder auf dem Weg Richtung Zürich. Als einen letzten Höhepunkt wollte ich an der Loire mal selber in einem Schloss nächtigen. Es handelt sich um eine weiteres chambre d’hôte und ich wurde von der Gastgeberin begrüsst wie eine alte Freundin.

Und da sitze ich nun, am offenen Fenster meines Zimmers, vor mir die Allee, die zum Schloss führt, während mir die Urahnen des Hausherrn von ihren Portraits über die Schulter gucken. Ausser mir ist noch ein junges Pärchen von der Isle of May hier und da es in einem anderen Flügel untergebracht wurde, fühlte ich mich praktisch als Schlossherrin. Den Garten nur teilweise zu begehen dauert eine gute halbe Stunde, und auf meinem Spaziergang stiess ich sowohl auf Rapunzels Turm als auch auf einen malerischen Fluss – beides gehört zum Schloss – in dem ein sehr glücklicher Biber herum schwamm. 

So ruhig wie heute Nacht war es nirgends sonst – überhaupt nichts störte meinen Prinzessinenschlaf, nicht mal, wie erwartet, ein Geist.
Besser kann es kaum werden. Ich muss mir deshalb gut überlegen, ob ich einen weiteren Zwischenhalt einschalten soll oder direkt nach Hause fahre.

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Hätte sich der Prinz mal an die Vorschriften gehalten…

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Immer wieder mal was Neues

Natürlich hätte ich länger bleiben können. Zumal das Wetter in der Bretagne nicht immer so schön ist. Es gäbe noch so viel zu sehen, nebst den eindrücklichen rosa Granitfelsen, den herrlichen Stränden und den frabenfrohen Häfen.

Doch das Weiterziehen reizt mich ebenso. Wo werde ich demnächst schlafen? Wo essen? Wird es mir dort auch gefallen? Das letzte mögliche Abenteuer in unserer Zeit, zumal ich mich wenig bis gar nicht vorbereite, sondern ins Blaue fahre. Aber klar –  selbst diese Art von Reisen ist bequem geworden.

Unterdessen bin ich bei St. Nazaire ehrfürchtig über eine Wahnsinnsbrücke gefahren und habe zuvor Obelix’ „Hinkelsteine“ besichtigt. Mein Zimmer ist gross, schon fast luxuriös, aber ein bisschen düster, was vom hauseigenen Sitzplatz direkt über der am Abend verlassenen Strandpromenade wettgemacht wird. Von hier kann ich den Sonnenuntergang picobello geniessen und habe bloss das Rauschen der Wellen und das Kreischen der Möwen im Ohr. Meine Zimmernachbarn, die für drei Wochen hier sind, haben mich eben begrüsst. Als Beziehungsmensch fühle ich mich da gleich zu Hause.

Der Strand vor meiner Tür taugt nicht unbedingt für den Hochglanz-Ferienprospekt. Wo kein feiner grauer Sand liegt, sind die Felsen mit Algen, Seegras und Muscheln übersät. Dazwischen zu treten empfiehlt sich nicht, sonst läuft man Gefahr, im Schlamm stecken zu bleiben. Auch der Geruch ist nur etwas für Meerliebhaber. Es riecht nicht nach Sonnencreme, sondern nach Seetang. Es gibt sie bestimmt auch, die breiten Sandstrände der Atlantikküste, wo sich die Touristen tummeln.
Fürs erste bin ich aber sehr zufrieden mit diesem hier.
Bei Sonnenuntergang kann ich mir keinen schöneren wünschen.

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Psst…

Schon als ich mit meinem Auto durchs schmale Tor fuhr und den schönen Garten sah wusste ich: In diesen Mauern würde ich mich wohl fühlen. Der Gastgeber arbeitet gerade im Garten und nachdem er mir alles erklärt und mich zu meinem Zimmer geführt hatte, wusste ich, dass er und seine Frau jahrelang in der Welt herum gereist waren, bevor es sie wieder in ihre Heimat zurückgezogen hatte.

Ich wusste auch, dass ich mich in einer ehemaligen Schwesternschule befand, die mittlerweile renoviert worden ist, aber immer noch schöne alte Details aufweist. Jedes der komfortablen Zimmer ist in einem anderen Stil eingerichtet. Meines mit Namen „Charme“ war einst das Domizil der Schwestern und dass nun ein King Size Bett darin steht finde ich witzig.
Die Unterkunft war von anderen Reisenden hoch gelobt worden und ich wurde nicht enttäuscht. Die Lage, die Atmosphäre, der Komfort, vor allem auch das freundliche Gastgeberpaar – ich habe mir vorgenommen, eines Tages zurückkomme, um länger in dieser schönen Gegend zu verweilen.

Ein Geheimtipp – exklusiv für das Lesepublikum der Schreibschaukel.

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Tapetenwechsel

Mein neues vorübergehendes Zuhause ist genauso schön wie mein letztes – von der Lage her aber noch besser. In der Nähe eines belebten Hafenstädtchen, zu Fuss aber nur einen Katzensprung von der naturbelassenen Bucht entfernt, wo der „Sentier des Douaniers“ entlangführt. Den ich demnächst unter die Füsse nehmen werde.

Mal so…

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und mal so…

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Vive la France

Obwohl es sich anfühlt wie im tiefsten Süden, was einerseits an den Temperaturen und andererseits am französischen Flair liegt, befindet sich meine momentane Bleibe nördlicher als mein Zuhause. Das merke ich daran, dass ich kurz nach zehn Uhr  noch draussen ohne Licht schreiben kann.

Ich hatte grosses Glück mit meiner aktuellen Unterkunft. Würde man von weit oben hier drauf gucken, käme man nicht im Leben auf die Idee, daselbst zu nächtigen, fast direkt an einer Hauptstrasse, nicht weit entfernt von einem Kernkraftwerk, von dem sich gewaltige Stromleitungen über die weitläufigen Felder ziehen. Doch das kleine und erfreulich günstige Hotel ist ein Glücksfall. Ein bisschen zurückversetzt von der Strasse ist es nachts sehr ruhig, das Zimmer geschmackvoll eingerichtet, sauber und mit einem sehr bequemen Bett ausgestattet. Jedes der paar ebenerdigen Zimmer hat einen eigenen Sitzplatz neben dem Swimmingpool. Die Lage ist perfekt, um einige der bedeutsamsten Schlösser der Loire zu besuchen, was ich in den vergangenen Tagen ausgiebig getan habe. Eine schöne Gegend ist das hier; kein Wunder haben die feinen Leute ihre Schlösser an der Loire gebaut.

Wie gut, dass ich mir einen Schubs gegeben und mal NICHT nach Südfrankreich gefahren bin, obwohl dort jetzt gerade die Lavendel Felder blühen.
Was mir hier besonders gefällt ist „la table d’hôte“ am Morgen, wo sich die Gäste zusammen um den von der Gastgeberin liebevoll gedeckten grossen Tisch setzen, so dass man zwanglos ins Gespräch kommt. Und darum geht es mir ja, bin ich doch mit dem Vorsatz auf die Reise gegangen, mein aufs Eis gelegtes Französisch zu reaktivieren. Statt einen teuren Sprachkurs zu besuchen – was mir vor Jahren nur mässigen Erfolg beschert hat – ziehe ich es vor, ein bisschen herumzureisen. Das kostet weniger und macht mehr Spass. Wenn man das alleine tut, klappt es mit dem Parlieren, wie ich zu meiner Zufriedenheit feststellen kann. Auch wenn mir ab und zu noch die Worte fehlen. Aber da ich noch mindestens eine Woche unterwegs sein werde, wird das schon noch.

Allerdings – in der Bretagne dürfte es mit dem Hörverständnis noch einen Tick schwieriger werden.

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Der Buchsaumzünsler scheint hier kein Problem zu sein. Womöglich liegt’s an der Sprachbarriere?

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Imageprobleme

Ich bin offen zu dir, sagte die Kollegin: „Sie waren jetzt nicht so begeistert.“
Autsch.
Das sass und sorgte für ein, zwei schlaflose Nächte. Zu streng hatten mich die Kinder gefunden, als ich als Aushilfe an zwei Tagen die Klasse übernommen hatte. Das war gewesen, bevor ich mich für die Stelle, die kurz darauf ausgeschrieben wurde, beworben hatte. Wenn man als Aushilfe kommt, dann ist das Hauptziel (in meinen Augen) nicht, sich möglichst beliebt, sondern den Job zu machen. Was nicht immer ganz einfach ist. Und wenn die erste Frage lautet: „Kann ich du sagen?“, dann tut man gut daran, bestimmt aufzutreten, wenn man es gern anders hätte.

Trotzdem war ich alarmiert, um nicht zu sagen: betrübt.
Selber hatte ich die zwei Tage in guter Erinnerung, was mit ein Grund war, dass ich mir vorstellen konnte, auch langfristig dort zu arbeiten. Am Schulhaus, das altmodisch, zu klein und bar jeden technischen Komforts auskommen muss, mit Abstand meine ungünstigste Erfahrung in diesem Jahr, lag es nicht. Aber an der Arbeit an sich, am Team und an der Klasse – da hatte mein Bauchgefühl den Daumen hochgehalten.

Eigentlich bin ich doch gar nicht so streng (sagt mein inneres Ich)…aber soviel Selbstkritik muss sein, um das zu hinterfragen. Es ist ja nun so, dass mir die sogenannte natürliche Autorität abgeht. Auf den ersten Blick wirke ich ziemlich … äh … nett. Ich gehöre jedenfalls nicht zu denen, die sofort alle durchs blosse Eintreten ins Zimmer zum Schweigen bringen. Darum muss ich mich aktiv bemühen und schon möglich, vielleicht übertue ich mich dabei ja ab und zu. Ziemlich sicher sogar.

Um rund um die gegenseitige Sympathie wieder annähernd einen Gleichstand zu erzeugen, machte ich bald darauf einen Besuch bei der Klasse. Ich erzählte ein bisschen von mir und anschliessend durften sie mich alles fragen, was ihnen in den Sinn kam und ich bemühte mich, ehrlich zu antworten. Kinder mögen es nicht, wenn man um den heissen Brei herumredet. Selber tun sie das im Übrigen auch nicht.

Sind sie verheiratet?
Ja, schon, aber wir mein Mann und ich sind getrennt und wohnen nicht zusammen.
Wieso nicht?! (Unausgesprochene Frage: Waren Sie mit dem auch zu streng!?)

Haben Sie schon mal Kampfsport gemacht?
Ja, aber ich bin nur bis zum gelben Gurt gekommen; ihr braucht also keine Angst vor mir zu haben.

Letzte Woche ergab sich die günstige Gelegenheit, meine zukünftige Klasse auf die Schulreise zu begleiten. Wir waren vier Lehrpersonen – die zwei jetzigen und die zwei zukünftigen – und ich genoss den Tag sehr, zumal ich noch ganz unbeschwert, da nicht verantwortlich war. Während der Stunden, die wir zusammen unterwegs waren, ergab sich genügend Gelegenheit, erste Kontakte zu knüpfen, die Namen zu lernen und schon ein bisschen zu erahnen, wer wie tickt. 

Ich weiss nicht, ob mich die Kinder jetzt besser mögen. Ich weiss aber, dass ich sie mag. Und das ist ja schon die halbe Miete.

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Kein Bettmümpfeli

Eigentlich wollte ich eine Weile nichts mehr über Israel schreiben. Nach mehreren Texten im Zusammenhang mit meinen letzten Ferien dachte ich, ich lasse es mal gut sein für eine Weile.

Vielleicht, so dachte ich ebenfalls, ist meine Strategie ja aufgegangen. Von einer anderen Seite hatte ich  ich es mal angehen wollen. Die schönen Seiten des Landes hervorheben. Darauf hinweisen, wie viel dort geschaffen wurde und wird, der misslichen Umstände zum Trotz. Hervorheben, wie wohl es mir dort ist. 

Aber jetzt habe ich kurz vor dem Zubettgehen noch diesen Text gelesen, nach ein paar Tagen zurück in der beschaulichen Schweiz, nach der Schulreise mit meiner zukünftigen Klasse, nach einen schönen Abend mit der guten Freundin, satt und zufrieden.
Dieser Text hat eingeschlagen wie eine Bombe. Er spricht mir aus dem Herzen, er macht mich betroffen, er geht mir unter die Haut.

Und ich habe sofort wieder Sehnsucht nach Israel, was angesichts der Umstände schon fast absurd ist. 

Vor allem aber wünsche ich mir sehr, dass möglichst viele diesen Text lesen. 

 

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Wieder daheim

Es gäbe noch mehr zu schreiben über meinen diesmaligen Besuch in Israel. Zum Beispiel über Igael Turmarkins eindrücklichen Skulpturengarten im Nationalpark Kokhav Hayarden (Stern des Jordans) und die Überreste der Kreuzritterfestung. Über das Museum für islamische Kunst und die temporäre Ausstellung über die Hamsa (Hand der Fatima), von denen eine mir schon seit längerer Zeit als Schlüsselanhänger dient. Vom grossen Markt in Jerusalem und dem kleinen Künstlermarkt am Donnerstagabend in Jaffa. Und vom Essen. Von dem ganz viel! Vom alten Hafen, von malerischen Gässchen und nächtlichen Freiluftkonzerten, die zum Mittanzen einladen.
Von israelischer Gastfreundschaft und davon, dass Israelis sich nicht extra darum bemühen, höflich zu sein, man sich aber auch als Neuling in einer Gruppe immer sofort willkommen fühlt. Von dem schönen Umstand, dass einem das Bloggen zu neuen, netten Bekanntschaften verhelfen kann, was nur indirekt (aber in diesem Fall auch) mit dem Land zu tun hat.

 

Aber.
Das ist ja kein Reiseblog hier. Und – obwohl es manchen vielleicht so erscheinen mag – auch kein Propagandablog für den Zionismus. Wenngleich ich diesem wohlgesonnen bin, das lässt sich nicht verleugnen.
Nein, in meinem Blog schreibe ich einfach über das, was mich aktuell bewegt. Sofern es mich gerade danach gelüstet.

Mittlerweile sitze ich aber wieder auf meinem heimatlichen Balkon, habe heute morgen den Wald begrüsst und schlage mich nunmehr nicht mehr mit Kakerlaken, dafür aber mit Zecken herum. Das Thema Israel wird deshalb wieder etwas in den Hintergrund treten. Obwohl ich das Land bereits vermisse und wehmütig an die herrlichen Sonnenuntergänge und Strandspaziergänge zurückdenke. 

Lehitra’ot.
Bis zum nächsten Mal…

Aber gut, grüner Wald ist auch sehr schön. Trotz der Zecken.

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Unpassender Name

Dschuk. So nennt man sie in Israel. Was für ein niedlicher Name. Und wie unpassend für die hässlichen Biester. Auch wenn mir Kafkas Gregor Samsa enorm leid tat – ich ekle mich vor den Dingern. Und da bin ich ja nicht die einzige, wie diese überaus witzige Erzählung einer Bloggerkollegin zeigt.

Meine erste Kakerlake sah ich in Houston. Sie krabbelte mir unter dem Türspalt durch direkt vor die Füsse. Das entbehrte nicht einer gewissen Ironie. Ich war 27, zum ersten Mal allein so weit weg von zu Hause und ein Bekannter hatte mich im Vorfeld zu meinem Leidwesen gebrieft: „In Houston wimmelt es von Kakerlaken.“ Offenbar hatte er nicht gelogen. Vielleicht war das aber auch bloss ein schönes Beispiel selbsterfüllender Prophezeiung. Jedenfalls blieb es bei dieser einen Kakerlake und am nächsten Morgen flog ich weiter.

Mein zweites Exemplar sah ich in Tel Aviv. Es hatte unter der Rolle Toilettenpapier ein Nickerchen gemacht und erschrak wohl genauso wie ich. Und wie der Humus, der nach meinem durchdringenden Klagelaut sofort angerannt kam, um mir beizustehen. Zum Glück kannten wir uns da schon eine Weile. Es war jetzt nicht die romantische Szene per se.

Immerhin war das eine Ausnahme gewesen. Des Klimas wegen wird in Tel Aviv regelmässig gegen Ungeziefer gesprüht – ich möchte nicht wissen, was für ein Gift das ist – und so ist man normalerweise vor unliebsamen Überraschungen gefeit. Irgendwann lässt aber ja die Wirkung nach und genau in dieser Phase traten wir diesmal unseren Urlaub an.

Interessanterweise – und zum Glück – war es immer nur der Humus, der die Kakerlaken sah. Aufgrund seiner Schilderungen begab ich mich nachts nun mit der nötigen Vorsicht aufs Klo: Nie barfuss gehen, Licht machen, ein bisschen Lärm auch …die Tierchen sind ja ziemlich scheu. Irgendwie spüren sie, dass man sie nicht mag. (Vielleicht ist es aber auch umgekehrt und sie mögen uns nicht.)

Soweit so gut. Man gewöhnt sich an alles, in Israel sowieso, also auch an drohende Begegnungen mit Kakerlaken.

Offenbar waren aber auch andernorts Kakerlaken unterwegs und so kam nach ein paar Tagen der Kammerjäger und nahm sich der Sache an. Und was dann kam, konnte einem wirklich den Appetit verderben. Während der nächsten zwei Tage lagen nämlich im Eingang des Hauses immer wieder unzählige Kakerlaken-Leichen, obwohl sie regelmässig entsorgt wurden. Sie waren aus ihren Löchern hervorgekrochen, um zu sterben. Traurig eigentlich. Aber kein schöner Anblick!
Und ich mag mir nicht vorstellen, wie viele davon vorher nachts Party gemacht hatten, bevor es ihnen an den Kragen ging.

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In feuchtwarmem Klima gedeiht allerhand.

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So oder so

In meiner Jugend lag ich oft in der Badi und las. Das tat ich damals nämlich am liebsten. Unter all den Schmökern die ich verschlang waren auch solche, in denen es um die Gründung Israels ging. In der brütenden Hitze war es nicht schwer, mich in die mutigen und tapferen Sabres hineinzuversetzen, die um das Land kämpften, das sie als ihre zukünftige und einzig mögliche Heimat ansahen – und nicht selten auch um ihr Leben. Dagegen sah meine Realität doch sehr anders aus. Schule, Schwimmtraining, hie und da noch etwas Zeitung austragen und sonst – in der Badi lesen. Ich weiss noch, dass ich mich dabei ein ganz kleines bisschen schämte. 

Die Gründer des Kibbuz Gescher waren kaum älter gewesen. Es waren Mitglieder einer jüdischen Jugendbewegung aus Palästina und deutsche Einwanderer, die 1939 auf dem von Edmond de Rothschild gekauften Gebiet an ihrer Zukunft bauten. Nicht ganz zehn Jahre Frieden (gemessen an den damaligen Massstäben zumindest…) waren ihnen vergönnt, bevor der Kibbuz im Unanbhängigkeitskrieg unter irakischen und jordanischen Beschuss kam.
Im kibbuzeigenen Bunker stehend und mit den zum Teil noch vorhandenen Einschusslöcher in den alten Gebäuden vor Augen, hatte ich ein Flashback zur Geschichte der Helden meiner Jugend.
Das hier war aber nicht bloss eine spannende Geschichte – das war die ehemalige Realität.

Wie muss es den Eltern zumute gewesen sein, als sie sich entscheiden mussten, wer blieb, um den Kibbuz zu verteidigen und wer mit den Kindern ging! Ein Elternteil ging mit, damit die Kinder nicht zu Waisen wurden, der andere blieb.
Die Kinder, 50 an der Zahl, wurden mitten in der Nacht evakuiert, da es tagsüber zu gefährlich war. Sie fanden Unterschlupf in einem leerstehenden französischen Kloster in der Nähe von Haifa, wo sie fast zwei Jahre lang lebten. Der Kibbuz fiel schliesslich und in nordwestlicher Richtung wurde später ein neues Kollektiv gegründet, das in den Neunizgerjahren jedoch zunehmender Privatisierung wich.

Nach dem Friedensvertrag mit Jordanien entstand auf dem ehemaligen Kibbuzgelände ein Museum zu Gesher und dem Wasserkraftwerk. Unter anderem sind dort zwei Filme zu sehen, die die geschichtlichen Ereignisse zusammenfassen.

Man vergisst immer wieder, dass im Zuge der Gründung Israels und den damit verbundendenen kriegierischen Auseinandersetzungen fast so viele Juden ihre Heimat verlassen mussten wie Palästinenser. Sie haben das Beste aus der Situation gemacht und sich woanders ein neues Leben aufgebaut. Für die palästinensischen Flüchtlinge war und ist das nicht vorgesehen. Ihre Anzahl hat sich mittlerweile versechsfacht hat, weil auch Kinder und Kindeskinder den Anspruch geltend machen, auf „ihr“ Land zurückzukehren. 


Ein Unikum in der Weltgeschichte.

Für mich war es seltsam, an der Grenze zu stehen. Sie wird von jordanischen Soldaten von einem nahen Turm aus bewacht und da ich mir dachte, dass die bestimmt einen Feldstecher haben, winkte ich ihnen freundlich zu. Schliesslich bewachen sie die Grenze für beide Seiten, wie uns die Führerin lächelnd erklärte. 

 

IMG_2972Dank der Tafel auf der rechten Seite kommen auch chinesische Touristen nicht auf die Idee, über den Zaun zu klettern.

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Visionen

Ich bewundere Leute, die eine Idee haben und sie unbeirrt verfolgen, auch wenn alles dagegen spricht. In der Geschichte der Menschheit gab es immer wieder solche Pioniere. Oft wurden sie von der Gesellschaft für irre erklärt und auch im Nachhinein gingen die Meinungen über das, was sie der Welt vermachten, auseinander. Einerseits: Was wäre die Schweiz ohne den Gotthardtunnel! Andererseits hat er viele Opfer gefordert, die Postkutsche ins Museum verbannt und damit einen ganzen Berufszweig zum Erliegen gebracht.  Alfred Escher würde sich vermutlich die Augen reiben, sähe er, was heutzutage am Gotthard abgeht.

Im Nahen Osten gehörte Pinchas Rutenberg zur Gattung der Unbeirrbaren ,obwohl auch ihm vom Schicksal der eine oder andere Stein in den Weg gelegt wurde. Der alte Mann – so wurde er genannt, weil er sage und schreibe schon 50 war – gab auch nicht auf, als kurz vor der Eröffnung seines Wasserkraftwerks ein übles Unwetter Teile davon wegspülte. Ab 1932 war das Kraftwerk Naharayim (zwei Flüsse) in Betrieb und versorgte 90% des englischen Mandatgebiets Palästina mit Strom. Die Energie dazu lieferten der Jordan und der Yarmuk sowie bei Trockenheit auch der See Genezareth. Im Jahr 1948, kurz nach der Gründung Israels, wurde es im Unabhängigkeitskrieg von jordanischen und irakischen Soldaten zerstört. Ein Eigengoal sozusagen, weil grosse Teile Jordaniens auch davon profitiert hatten.

1994 trat Israel das Land an den zwei Flüssen im Zuge der Friedensverhandlungen an Jordanien ab. Jordanien wiederum verpachtet das Land seither an israelische Bauern des Kibbutz Ashdot Ya’acov. Auch wurde ein Grenzübergang errichtet, der es israelischen Besuchern ohne Pass und Visa und nur mit der Identitätskarte ermöglicht, die „Insel des Friedens“, wie das Gebiet nunmehr heisst, zu besuchen.

Drei Jahre später fiel nochmals ein dunkler Schatten auf  die Idylle, als ein fanatischer jordanischer Soldat sieben Mädchen – sie waren auf einem Schulausflug – erschoss und sechs weitere verletzte. König Hussein kam darauf höchstpersönlich nach Israel zu den betroffenen Familien um sich zu entschuldigen, was ihm hoch angerechnet wurde. Weniger schön ist die Tatsache, dass der Mörder, der zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt wurde, letztes Jahr entlassen und in seinem Heimatort als Held empfangen wurde.

Trotz dieser schrecklichen Geschichte steht die Insel des Friedens weiterhin als Symbol für ein friedliches Zusammenleben im Nahen Osten.
Die Welt braucht Visionen.

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Foto: Ella Faust
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Eine Parade für alle

In Tel Aviv findet heute die alljährliche Pride Parade statt. Sie feiert ihren 20. Geburtstag.
Da etwa eine Viertel Million Teilnehmer erwartet werden und wir es nicht so mit Menschenmassen dieses Ausmasses haben, meiden wir heute die Innenstadt. Trotzdem freue ich mich über diesen Anlass und auch darüber, dass er hier, mitten im Nahen Osten, möglich ist.

Nicht weit von hier nämlich sind Homosexuelle ihres Lebens nicht sicher, während sie in Israel gefahrlos feiern können. Das tun sie auch, und wie!
Während an der Grenze zu Gaza weiterhin „friedlich“ demonstriert und Quadratkilometer um Quadratkilometer abgefackelt wird, wird in Tel Aviv heute Frieden auf eine andere Art zelebriert.

Die Freunde, mit denen wir uns zum Frühstück trafen, bekamen schon ein erstes Bild von einem befreundeten Paar. Zusammen mit ihren Zwillingen sind die zwei Männer an der Parade. Der Kinderwagen ist mit einer israelischen Flagge in Regenbogenfarben geschmückt. In vielen europäischen Ländern und auch in Amerika wäre das ein Risiko. Dort wurden in der Vergangenheit Israelis, die sich als solche geoutet hatten, schon mal von der Gay Parade weggeprügelt.

Hier ist die israelische Flagge selbstredend vorherrschend, aber es sind auch ganz viele andere zu sehen. Und niemand wird daran gehindert, am Umzug teilzunehmen, sofern er oder sie in friedlicher Absicht kommt und nicht eine Knarre oder ein Messer mitführt.

Es ist eine Parade für Gay’s aus allen Lagern. 
Und das sollte sie ja auch sein, oder?

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Zapperlot!

Es geht nichts über ein Konzert im „Zappa“.

Die Türen öffnen sich kurz nach acht Uhr, beinahe zwei Stunden vor Konzertbeginn. Obwohl es recht eng ist – vier Leute werden um einen kleinen Tisch platziert – spricht nichts dagegen, die Wartezeit mit einem Essen zu überbrücken. Bisher wurden wir auch kulinarisch nie enttäuscht. Nach Joni Rechter in Herzlia und Matti Caspi in Tel Aviv, zwei grossartigen Konzerten, entschieden wir uns diesmal für Avi Singolda and Friends. Wie gut!

Avi Singolda ist ein israelischer Gitarrist, der auf seinem Instrument – bzw. auf den verschiedenen Gitarren, die er während des Konzert zur Hand nimmt – ein Virtuose ist. Es ist kaum zu glauben, wie er, während er etwas Lustiges erzählt (ich verstehe leider praktisch nichts, aber das Publikum amüsiert sich sehr), von einem Song zum anderen springt, den er kurz anspielt (weil er sich nicht für einen von den unzähligen, die er meisterhaft zu spielen versteht, entscheiden kann?) um dann schliesslich zum nächsten zu kommen, so dass die „Friends“, allesamt auch ausgesuchte Musiker und Musikerinnen, einsetzen können. Die Übergänge samt Lichtshow sind perfekt und in diesen Momenten steigert sich die Stimmung im Saal, wo sowieso schon Glücksgefühle in geballter Form die Atmosphäre anreichern, nochmals und das Publikum tut das, was hierzulande üblich ist: Es singt mit.

Es sind Songs, die Leute aus meiner Generation in ihre Jugend zurück katapultieren. Gary Moore, Santana, Led Zeppelin, Chuck Berry, Nancy Sinatra, Cliff Richards, Elvis Presley, Deep Purple, The Shadows,… es war das musikalische Paradies schlechthin. Dazwischen immer wieder auch ein Block mit israelischen Songs und orientalisch angehauchtem Rock vom Feinsten.

Auch wenn es sich um Covers mit einem sehr persönlichen Stil handelte – sie waren nicht weniger gut als die Originale. Und Avi Singolda, das unermüdliche Energiebündel, der ohne Pause an die zwei Stunden spielte, konnte sich auf seine Truppe verlassen. Was für Musiker! Was für Stimmen! Was für eine Ausstrahlung! Vor allem aber: Wie viel Spass alle daran hatten, hier zusammen zu musizieren.

Mitten im Konzert tat Avi Singolda das, was er immer tut: Er holte einen jungen Nachwuchsmusiker, so um die 14 Jahre dürfte er gewesen sein, auf die Bühne. Und obwohl dieser um diese Zeit eigentlich im Bett hätte sein sollen, spielte er auf seiner Gitarre das Stück von Dire Straits so gut, dass das Publikum ihn lautstark feierte.
Es ist immer wieder beeindrucken mitzuerleben, wie hierzulande Jugendliche ermutigt und gefördert werden. Die Chancen, dass aus diesem noch etwas scheuen Jungen dereinst ein gefeierter Musiker wird, der charismatisch die Bühne rockt, stehen gut.

Eins der letzten Stücke – da waren schon längst alle am Tanzen – war „Smoke on the Water“. Ich dachte daran, dass ich erst vor kurzem in Montreux am See sass und jetzt hier im Nahen Osten bin, und wie sehr ich beides mag, die Schweiz und Israel; wie glücklich ich mich schätzen kann, vom Leben dort platziert und später hierhergeführt worden zu sein, und dann – dann dachte ich nichts mehr sondern tanzte einfach bis zum Schluss des Konzerts.

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Abenteuer aus erster Hand

Nicht zum ersten mal bin ich in den Genuss einer Off Road Tour gekommen und so hatte ich schon eine Ahnung davon, was mich erwarten würde. Trotzdem werde ich mich bei Y. entschuldigen müssen. Weil ich es aufgrund seines abenteuerlichen Fahrstils abgelehnt hatte, in sein Ultraleicht Flugzeug zu steigen und jetzt aber weiss: Das war noch gar nichts, damals.
Mit U. wird das nur halb so wild dachte ich. Jemandem, der sich zeit seines Lebens beruflich um das Wohl anderer gekümmert hat, kann ich mich bedingungslos anvertrauen.

Die Grösse des Jeeps hätte mich vielleicht stutzig machen sollen, doch nichtsahnend setzte ich hinein und gab grünes Licht für die „spannendere“ Variante, als unter den Insassen eine Abstimmung erfolgte. In der Folge bereute ich das, denn was jetzt kam, brachte mich an die Grenzen meiner Abenteuerlust.
Die atemberaubende Aussicht aus der Höhe ist nur halb so bezaubernd, wenn zwischen ihr und mir ein steiler Abgrund liegt, welcher ziemlich nah ist, nämlich unmittelbar hinter der Fensterscheibe, während ich hin und her geworfen werde im Jeep, der auf einer schmalen Piste den Berg hoch baggert. Auch dass wir uns im Rad wechseln schon vor ein paar Stunden hatten üben konnten, beruhigte mich nur bedingt, denn auf einer Geröllhalde mit der aktuellen Steigung dürfte das doch etwas schwieriger werden.

Trotzdem konnte ich die Wahl unseres Exkursionsleiters und Fahrers nachvollziehen, der es viel besser fand, von dieser Seite den Berg hochzufahren, sei es auch rumpliger, als von der anderen. Es war ein einmaliger Moment, als wir über die Krete kamen und plötzlich das ganze Jordantal mit dem See Genezareth vor uns hatten. Allerdings kamen just in diesem Moment von der anderen Seit zwei Köpfe in Sicht und ich duckte mich reflexartig, da ich es in schweizerischer Manier beschämend fand, ausgerechnet hier zwei Wanderern zu begegnen. Ein surrealer Moment!
Die beiden waren unterwegs auf dem Trail von Israel, zuckten aber nicht mit der Wimper, als sie uns sahen, sondern winkten freundlich. „Die sind sich daran gewöhnt“, sagte U. und wies darauf hin, dass er Wanderer oft frage, ob er ihren Abfall mitnehmen solle oder sie Wasser bräuchten oder er ihnen sonstwie behilflich sein könne.

Nachdem wir eine Weile die fantastische Aussicht genossen hatten, war die nächste Herausforderung, aus der Pampa wieder zurückzufinden. „Waze“ in Ehren, aber in dieser Steinwüste war weder auf Daliah noch auf Jane noch auf sonstwen Verlass und am Schluss mussten Karte und Kompass her. Die kleine Reisegruppe beriet sich angeregt in der Landessprache, was meine Nerven zusätzlich strapazierte, weil ich herzlich wenig verstand. Da mir der Humus versicherte, wir befänden uns nach wie vor auf israelischem Gebiet und die Sonne noch über dem Horizont stand, verschob ich meine übliche Hysterie auf später, obwohl ich es ein bisschen bereute, mich am Morgen für die Wandersandalen und nicht für die Turnschuhe entschieden zu haben. Damit wäre ich bestimmt besser dran, so dachte ich, würden wir die Nacht hier verbringen müssen, wo es sicher jede Menge Schlangen gab.

Kurz darauf passierten wir einen Militärstützpunkt. „Sieht aus, als gehöre das zum Iron Drome“, bemerkte der Humus und ganz ehrlich – das fand ich jetzt auch nicht so beruhigend.
Allein – vermutlich war wieder mal meine Imagination mit mir durchgegangen und alles nur halb so wild. Auch wenn ich froh war, als ich in der Ferne die ersten Häuser entdeckte und die Zivilisation wieder in greifbarer Nähe war – es war ein toller Ausflug!

Und die Einladung zu einem Tripp mit dem Ultraleichtflugzeug, die sollte ich bei Gelegenheit vielleicht doch annehmen.

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Friedliche Wohnstätte

Anders als bei meiner Ankunft, als eine Hitzewelle übers Land hinwegfegte, herrschen derzeit frühlingshafte 26 bis 28 Grad. Die vergleichsweise angenehmen Temperaturen lassen trotz ferienbedingter Faulheit Exkursionen zu und zu sehen gibt es viel in Israel, dem Land, das so viel mehr zu bieten hat als unschöne Schlagzeilen.
Über ein paar von ihnen berichte ich hier in lockerer Folge und wie immer aus persönlicher Sicht.

Jerusalem, die eindrückliche und aufgrund eines Gesetzes ausschliesslich aus Kalkstein erbaute Stadt, ist immer wieder einen Besuch wert. Diesmal sahen wir uns die Altstadt aber nicht von innen sondern von aussen an, denn von Mishkenot Sha’ananim aus hat man einen herrlichen Blick darauf.
Mishkenot Sha’ananim ist das älteste Quartier ausserhalb der Stadtmauern, wodurch es seinem Namen (friedliche Wohnstätte) nicht immer gerecht wurde. Der englische Sir Moses Montefiori erbaute hier ums Jahr 1860 hier eine Siedlung für arme Juden. Da ausserhalb der Stadtmauern ein rauer Wind herrschte und man vor Überfällen nur schlecht geschützt war wurden die Einwohner zum Teil dafür bezahlt, dass sie in die Häuser einzogen, obwohl diese im Vergleich zur Altstadt luxuriös waren. Montefiori erbaute auch eine Windmühle zur Selbstversorgung der Einwohner um die sich zahlreiche Legenden ranken. Von arabischen Arbeitern soll sie mit einem Fluch belegt worden sei, zuwenig Wind hätte es gehabt und das lokale Getreide sei für die englische Mühle zu hart gewesen. Tatsächlich aber war die Mühle 20 Jahre in Betrieb und leistete gute Dienste.

Nachdem 1948 die Arabische Liga die Altstadt Jerusalems eingenommen hatte, wurde Mishkenot Sha’Ananim zum Niemandsland und schliesslich zum Slum, in dem nur noch wenige Juden lebten, da sie dort ihres Lebens nicht mehr sicher waren, jordanischer Scharfschützen wegen.

Nach dem Sechstagekrieg 1967 kam die Siedlung zusammen mit der Altstadt und Ostjerusalem unter israelische Herrschaft und wurde 1973 renoviert.
Neben Gasthäusern für Kunstschaffende aus aller Welt finden sich auf dem Gebiet auch ein Kongress- und Kulturzentrum sowie das Jerusalem Musik-Zentrum. Die malerischen Gässchen mit den blumengeschmückten Häusern und der grosszügige Park drum herum machen den Besuch nicht zuletzt auch der restaurierten Windmühle wegen zu einem beliebten Ziel für Brautpaare, die hier den vermeintlich schönsten Tag ihres Lebens dokumentieren. Mindestens sechs verschiedene samt Entourage konnten wir bei unserem Besuch beobachten und hören, denn je nach Herkunft wurde die Szene auch musikalische aufs Schönste untermalt, während die Braut möglichst fotogen posierte.

Mich erinnerte die idyllische Siedlung einmal mehr an Südfrankreich, nicht zuletzt der verschiedenen der südlichen Vegetation geschuldeten Bäume wegen die sie zieren. Wäre ich nicht eine Gelegenheitsbloggerin, sondern eine anerkannte Schriftstellerin, so hätte ich mich für eins der putzigen Gasthäuser beworben und während eines halben Jahres meinen nächsten Bestseller geschrieben. Vermutlich irgendwas mit einer Hochzeit am Schluss. So aber verabschiedeten wir uns wieder von der Idylle und machten uns auf den Weg zum grossen Markt von Jerusalem.

Mishkenot Sha’ananim – wahrlich eine friedliche Wohnstätte. Möge sie es bleiben.

 

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Zappenduster

Zu Fuss und in flottem Tempo sind wir zum Strand marschiert. Es ist meine liebste Zeit des Tages, gut eine Stunde vor dessen Ende, wenn das Licht der tiefstehenden Sonne die Konturen der Landschaft klar wie nie zeigt. Trotz hochsommerlichen Temperaturen ist die Strandsaison noch nicht eröffnet, und so ist es ruhig.

Im öffentlichen und frei zugänglichen Fitnessstudio, von denen es an jeder Ecke eins gibt, machen wir ein paar Übungen. Die Geräte sind einfach, aber effizient und funktionieren mit dem Eigengewicht, was ein schöner Anreiz ist, all den feinen Mezzes nicht allzu sehr zuzusagen.

Nachdem wir uns dergestalt trotz Ferien unseren Feierabend verdient haben, setzen wir uns in einen der Korbsessel, bestellen Wassermelone und lassen den Tag mit einem der wunderschönenen Sonnenuntergänge im Meer ausklingen, von denen ich nie genug kriegen kann.

Die süssen Melonenstücke, Musikklänge aus dem Lautsprecher der Bar, das entspannte Plaudern der Menschen um uns herum, die überwältigende Kulisse vor uns – wir sind glücklich. Und staunen darüber, was sich hier im Laufe von 70 Jahren getan hat.
Damals gab es hier keine blühende Zivilisation, sondern so ziemlich – nichts. Der Humus, daselbst in beträchtlicher Armut aufgewachsen, weiss es. Jetzt befinden wir uns in einem eigentlichen Paradies, das an nichts zu wünschen übrig lässt.

Und ja – nicht weit von uns befindet sich das Gegenteil; man könnte es durchaus als Vorhof der Hölle bezeichnen, denn dort fehlt es an allem.

Beim Telefonat etwas später mit dem Twenager lasse ich durchblicken, dass ich letzte Nacht nicht so gut geschlafen habe. Würden uns mitten in der Nacht Sirenen aus dem Schlaf reissen? Würde die gefährliche Situation eskalieren. Würden die Raketen bis nach Tel Aviv fliegen?

„Das ist ja interessant“, meint der Twanager lakonisch. Aus den Schlagzeilen weiss er wohl, dass Israel erneut Angriffe gegen Gaza geflogen hat, aber von den (es waren letztlich über hundert) Raketen die zuvor aus Gaza Richtung Israel abgefeuert wurde, stand da nichts. Nichts über die Menschen in den grenznahen Städten, die ihr Leben einmal mehr von einem Sirenenalarm zum andern organisieren müssen. Nichts von der Rakete, die in einem Kindergarten gelandet ist, wo zum Glück noch keine Kinder waren. Auch nichts davon, dass die von der Hamas abgefeuerten Raketen nicht lange, nachdem sie den wichtigsten Warenübergang samt Gasleitung zerstört hatten, nun auch noch mehrere Stromleitungen beschädigten, so dass Zehntausende in Gaza mal wieder im Dunkeln sitzen. Hilfe werden die Leute dort wenn überhaupt aus Israel bekommen. Auch wenn diese manchmal verunmöglicht wird, so wie letzte Woche, als die Hamas Lastwagen mit Hilfsgütern nicht durchliess.

Ja, wir sitzen hier im Paradies. Und es steht auf sehr wackligen Füssen. Und wir würden uns für die Menschen in Gaza auch eins wünschen. Wenn man es denn zuliesse. 

Nikki Haley (US- Botschafterin bei der UNO) bringt es in ihrer jüngsten Rede auf den Punkt.
Ich finde sie grossartig, aber leider und zu ihrem Nachteil kommt sie aus dem falschen Lager. Und das spielt heutzutage die grössere Rolle als die, was jemand zu sagen hat.

Für alle, die trotzdem bereit sind, ihr zuzuhören, hier ihre kurze und treffende Rede.
https://youtu.be/hD8LvECfYCs

Und für alle (andern) der Sonnenuntergang.
Gleich danach wird es zappenduster.

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Das Gute daran

Zu Hause fahre ich und hier fährt er.
Dieses Abkommen haben der Humus und ich schon vor längerer Zeit getroffen. Und obwohl wir uns weitgehend daran halten, fährt er zu Hause auch manchmal, während ich es hier konsequent unterlasse.
Meine ortsbezogene Unlust, eine Auto zu steuern, hat verschiedene Gründe.

Erstens: Mein Orientierungssinn lässt sehr zu wünschen übrig. Kurz nach einem Umzug bin ich gefährdet, mich in meiner eigenen Wohnung zu verlaufen. Wenn die Tafeln mit fremdländisch klingenden Namen geschmückt sind, die ich mir im Leben nicht merken kann, dann wäre ich verloren.

Zweitens: Die in die Jahre gekommene Karre des Humus macht mir Angst. Mal geht beim Einsteigen der Alarm los, mal scheppert hier etwas, dann klemmt es dort. Vom Aussehen ganz zu schweigen. Die Augen macht man am besten erst auf, wenn man schon drin sitzt. Also lasse ich die Finger davon und lasse mich bloss ganz, ganz vorsichtig auf dem Beifahrersitz nieder. Meine Schuld soll es nicht sein, wenn das Ding endgültig den Geist aufgibt.

Drittens: Nicht nur, aber auch im Strassenverkehr ist man hier deutlich spontaner als bei mir zu Hause. Es wird laut, lustig und oft gehupt und dazu überholt, mal links und mal rechts, was man selber auch tun muss, weil sich einige der vermeintlichen Verkehrsteilnehmer als kurzzeitig geparkte Wagen entpuppen – gern auch mal mitten auf der Strasse. Und das bringt uns schon zu

Viertens: Parkieren in Tel Aviv ist eine Wissenschaft für sich.
Abgesehen davon, dass es nie genügend Parkplätze hat, bestehen auch noch Vorschriften, die für einen Laien nicht ganz einfach zu durchschauen sind. Wehe dem, der farbenblind ist! Es kommt nämlich drauf an, wie sich die Gehsteigkante präsentiert. Ist sie blau und weiss markiert? Oder grau? Oder grau und rot? Rot und weiss? Gelb und rot? Wenn man dann vor lauter Verwirrung noch entscheiden kann, ob man eine Bus ist oder nicht, dann hilft es sehr, Einwohner zu sein, weil das auch einen Unterschied macht.
Obwohl der Humus das ganz entspannt sieht; manchmal kapituliert selbst er und wir fahren doch lieber in ein Parkhaus.

Die Parkhäuser in Tel Aviv sind toll und äusserst fortschrittlich. Das Highlight ist die Ausfahrt. Es ist nämlich nicht nötig, anzuhalten, das Fenster herunterzulassen, festzustellen, Mist! man hätte näher ranfahren müssen, sich durch die knapp geöffnete Tür zu zwängen, um das Ticket – wo, verdammt, hat man es schon wieder hingelegt?! – in den Schlitz zu schieben – und vorgängig, weil es allen anderen ähnlich geht, noch eine Weile in der Warteschlange zu stehen, NEIN, hier fährt man in aller Ruhe und entspannt auf die Schranke zu, die sich wie durch Zauberhand öffnet, weil eine Kamera mit Röntgenblick das bezahlte Ticket identifiziert hat und den Weg frei gibt. Genial.
Die Ausfahrt allerdings, die muss man sich erst verdienen.

Allein würde ich mich nie in diese Katakomben trauen, wo man nur schon aufgrund der mit jedem tiefer liegenden Geschoss steigenden Temperatur vermeintlich zur Hölle fährt, aus der ich, da die Schilder ausnahmslos mit hebräischen Hieroglyphen  beschriftet sind, nie mehr herausfinden würde. Selbst ein Eingeborener benötigt Nerven, wenn man erst im fünften Geschoss auf Parkplätze stösst, die nicht privat vergeben oder für Behinderte reserviert sind, nachdem man eine Viertelstunde gebraucht hat und x-mal zirkuliert ist, um den Abgang dahin überhaupt zu finden. Nachdem man schon dachte, man sei tatsächlich dazu verdammt, bis in alle Ewigkeit hier herumzufahren.

Das Gute daran: Hat man eine solche Parkkrise und die damit einhergehende Paarkrise überstanden, dann hat man gute Chancen, alles zu überstehen.

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Glück gehabt!

„Mann – das geht ja schnell hier“, sagt der Mann neben mir erfreut zu seiner Frau und fischt seinen Koffer vom Rollband. Da kann ich ihm nur beipflichten, denn meiner steht auch schon neben mir, obwohl ich erst gerade zum Band gekommen bin. Bei der Passkontrolle ging es heute so schnell, dass ich kaum mitgekommen bin. Gefühlsmässig stehe ich immer noch auf der anderen Seite der Grenze. Der Mann gehört zu einer grossen Reisegruppe, in deren Reihen aufgeräumte Stimmung herrscht. Es drängt sich die Vermutung auf, dass es sich um eine christiliche Reisegruppe handelt. Dass der heilige Geist bereits auf dem Flughafen seine Wirkung tut, hätte man wohl nicht gedacht.

Eine halbe Stunde später stehe ich immer noch hier. Ausser mir steht noch der Humus da und beobachtet die seit zehn Minuten immer gleichen zwei vorbeifahrenden Koffer. Seine Stimmung war schon besser. Ein Mann mit einem Putzwagen schlurft an uns vorbei, sonst ist nicht viel los.

Einer der zwei Koffer sieht demjenigen des Humus’ recht ähnlich und tatsächlich: Auf Anfrage wird bestätigt, dass sein Koffer Tel Aviv erreicht hat und eigentlich hier ist.
Offenbar hat ihn schon jemand anders mitgenommen. Immerhin: Wir gehen davon aus, dass der Koffer nicht verloren ist. Spätestens heute Abend wird irgendwo im heiligen Land eine Person den Schock ihres Lebens haben.

Der Humus kümmert sich um die Formalitäten und dann verlassen wir den Flughafen Ben Gurion, um mit dem Taxi eine Weile im vorabendlichen Stau zu stehen. Die Fahrt ist dennoch kurzweilig, was dem vielseitig interessierten Taxifahrer zuzuschreiben ist, mit dem mein Gefährte – nun endlich wieder in seiner Muttersprache – über Musik, Literatur, Politik, Gott und die Welt diskutieren kann. Worüber man halt so spricht in Israel. Unterdessen versuche ich, hier und da ein Wort aufzuschnappen. Es sind schon mindestens fünf mehr als beim letzten Mal, was mich freut.

Da seine Schweizer Klamotten hier, wo gerade „cham sin“ (in Form einer ausserordentlichen Hitzewelle) angesagt ist, völlig untauglich sind, besteht unser nächster Schritt darin, die nötigsten Sachen für einen Mann einzukaufen, damit er während der nächsten 24 Stunden über die Runden kommt.
Das ist erstaunlich wenig.
Keine Katastrophe, wenn so ein Koffer mal nicht kommt.
Es sei denn … es wäre meiner gewesen!!!

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„ahava“ – Liebe

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Erholung tut not

Mir als erklärtem Angsthasen wird man es nachsehen, dass ich mich in den vergangenen Wochen, wo sich die Lage in Israel mal wieder zuspitzte, leise fragte, ob es sinnvoll sei, ausgerechnet dahin zu fliegen, wo – man möge mir die saloppe Formulierung verzeihen, aber es ist DIE Gelegenheit, sie endlich mal zu gebrauchen – die Kacke am Dampfen ist.

Meinen Überlegungen ein Ende gemacht hat einmal mehr der unerschütterliche und weise Pragmatismus des Twenagers, der fand: „Es ist doch ganz einfach. So lange das EDA nicht explizit davon abrät, fliegst du, und sonst lässt du es bleiben. Passieren kann schliesslich überall was.“

Zusätzlich zur dergestalt schlüssig gelösten Frage kommt mein wachsendes Unbehagen im Zusammenhang mit der hiesigen Berichterstattung, von der ich mich kurzzeitig zu erholen gedenke. Und da verspreche ich mir eine Verschnaufpause, in der ich meine etwas durchgeschüttelten Emotionen wieder in den Griff kriegen könnte.
Nicht, weil im Land selber mit Kritik am Vorgehen der Streitkräfte an der Grenze über den Berg gehalten würde (in keinem anderen Land wird mit solcher Inbrunst diskutiert, gestritten und über die eigene Regierung hergezogen), sondern der rührend naiven Unwissenheit der Einwohner Israels wegen, die keine Ahnung davon zu haben scheinen, wie feindselig man ihnen in der Welt tatsächlich gegenübersteht und die in Gesprächen solche Einwürfe mit einer Handbewegung als absurd und masslos übertrieben abtun.

Wenn sie wüssten!

Obwohl es ja tatsächlich absurd erscheint.
Dass wir, deren Ärgerbarometer schon empfindlich steigt, wenn der Ast vom Nachbar über unseren Zaun hängt, einem Land das Recht absprechen, seine Grenze zu verteidigen und seine Einwohner zu schützen.
Dass die ganze Welt auf die perfide Machenschaften der Hamas hereinfällt, für die das Befinden der Einwohner Gazas ganz unten auf der Prioritätenliste steht.

Doch, mir tun die toten Menschen aus Gaza leid, und – dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen – die meisten Isreali sind sehr betroffen deswegen. Sie tun mir selbst dann leid, wenn es sich bei einem grossen Teil von ihnen, wie von der Hamas selber reklamiert, um Mitglieder einer terroristischen Organisation handelt. Eigentlich tun sie mir deswegen erst recht leid. Sie hatten das Pech, in einer Ecke der Welt geboren zu werden, wo sie von Kindheit an mit Hass genährt wurden und ihnen die Pflicht auferlegt wurde, diesen Hass höher zu gewichten als ihr eigenes Leben und das ihrer Nächsten.

Es gibt sie auch, die Artikel und Videos abseits des Mainstreams, die aufzeigen, dass die Sache nicht so einfach ist, wie man sie gern hätte. Aber wer interessiert sich für sie? Die Meinungen sind gemacht und nie wurde mir das klarer als in dem Moment, als ich das Interview mit dem israelischen Botschafter in 10 vor 10 sah. In meinen Augen war das kein Interview, sondern ein Kreuzverhör, und da konnte der Botschafter sagen, was er wollte, er lief ins offene Messer und nachträglich unterstellte man ihm Arroganz und Kaltschnäuzigkeit. Auch Berichte wie dieser hier werden nichts nützen – auch er wird ziemlich sicher zerpflückt werden und sich als Bumerang erweisen.

Von all dem erhole mich jetzt eine Weile und gehe dahin, wo man sich das schlicht nicht vorstellen kann. Wo man, so naiv es auch sein mag, davon ausgeht, ein Recht darauf zu haben, seine Existenz und sein Leben verteidigen zu dürfen.

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Auch die Freiheit hat ihren Preis

Gestern habe ich meine Tasche gepackt und den Kindern und Kollegen „Adieu“ gesagt. Ich bin froh, durfte ich mich zuletzt auch noch als Förderlehrerin versuchen, was mir nochmals eine ganz andere Sicht auf meinen Beruf gegeben hat. Obwohl ich die Kinder während der paar Wochen ins Herz geschlossen habe, fiel mir der Abschied diesmal nicht so schwer. Ich wusste ja, dass der Job nur vorübergehend war und jetzt, jetzt freue ich mich auf meinen nächsten, der hoffentlich längerfristig sein wird.
Es ist der erste Tag meiner grossen Ferien und auch wenn es sich dabei um ein déja-vu handelt, unterscheidet er sich von einem ganz ähnlichen Tag im letzten Juli.

Der Unterschied liegt im „danach“. Es ist beruhigend zu wissen, dass ich jetzt zwar nochmals lange Ferien habe, aber auch weiss, wo mein Platz anschliessend sein wird. Auch die „grosse Freiheit“ hat ihre Schattenseiten, soviel habe ich gelernt in diesem Jahr. Ich hab sie anders erlebt als vor 30 Jahren, wo ich schon einmal ein solches Jahr eingeschoben hatte. Und ja, mit hoher Wahrscheinlichkeit ist das meinem fortschreitenden Alter und dem damit einhergehenden Bedürfnis nach Sicherheit zuzuschreiben.

Wie alles im Leben hat diese Sicherheit ihren Preis: Gefühlsmässig bin ich bereits in den Vorbereitungen fürs nächste Schuljahr. Absprachen mit meiner Stellenpartnerin, laufend hereinkommende Mails mit ersten Informationen, die Links enthalten, welche wiederum auf umfangreiche Dokumente führen, halten mich auf Trab. Neuer Lehrplan, damit einhergehende online Module zum Bearbeiten, neue Lehrmittel, hier und da noch ein Weiterbildungstag, neue Fächer, neue Beurteilungsmethoden …es hört gar nicht mehr auf mit den zu verarbeitenden Informationen.
Gerade habe ich mir eine weitere pdf-Broschüre zur Ethik, welche neu Teil des Fachs Religion und Kultur sein wird, auf meinen virtuellen Schreibtisch gelegt und mit Erleichterung gesehen, dass es diesmal nur 24 Seiten sind. Statt 78 oder so. Ganz ehrlich: Obwohl alles sehr interessant und spannend ist – ich weiss nicht, wie das Vollzeitarbeitende auf die Reihe kriegen.

Trotzdem ist es ein guter Deal, finde ich. Ich freue mich auf meine zukünftige Aufgabe und sehe es zudem als Privileg, weiterhin in einen Prozess eingebunden zu sein, der mich dazu zwingt, mich weiterzuentwickeln und nicht stehenzubleiben. Ein bisschen Stress, im richtigen Rahmen, ist der Produktivität durchaus förderlich; auch das eine wichtige Erkenntnis, die ich in diesem Jahr gewonnen habe.

Erstmal gönne ich mir Ferien. Noch viermal schlafen und ab geht’s an die Sonne. Dreimal darf man raten wohin. Und warum ich diesmal noch viel mehr als sonst das Bedürfnis habe, nach Israel zu fliegen, darüber schreibe ich dann in einem nächsten Post.
Vielleicht.
Erst muss ich noch ein paar Sachen lesen.

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