Leben ist Lernen

Nach ein paar wunderschönen und entspannenden Tagen mit dem Twenager im Tessin (gelernt: Ich sollte öfters mit dem Zug reisen!) dachte ich eigentlich, Silvester würde ich alleine verbringen. Optionen hätte es zwar gegeben, aber bloss um nicht allein zu sein an einer Party teilzunehmen wo ich sonst im Leben nicht hingehen würde, darauf hatte ich keine Lust. (gelernt: Ich mag keine Kompromisse mehr machen).
Die Telefongespräch mit zwei meiner besten Freundinnen öffnete mir das Herz. (gelernt: Freundschaft ist unbezahlbar.)
Der letzte Tag des Jahres zeigte sich von der schönsten Seite und auf meinem ausgedehnten Waldspaziergang wurde ich mal wieder von Dankbarkeit geflutet, dass ich in einem so guten Leben gelandet bin. (gelernt, einmal mehr: Ich habe ein verdammtes Glück.)
Daran ändert auch der Umstand nichts, dass ich den Jahreswechsel nicht mit dem Humus erleben konnte. Es genügt, dass ich weiss, unser gemeinsamer Weg ist noch nicht zu Ende. (gelernt: Nähe hängt nicht von der räumlichen Distanz ab.)

Am Schluss war ich dann doch nicht allein, weil der Twenager und das Schätzi auch keine Lust auf Megaparty hatten. Also gemütlicher Abend zu Hause. (gelernt, mal wieder: Es kommt meist anders als man denkt.)
Weil der Twenager an Bräuchen hängt (woher er das wohl hat?), improvisierten wir kurzerhand unsere eigene Miniparty. Nicht mal die Luftschlangen und die Tischbombe fehlten – wenn schon, denn schon! – und die von meinem mittlerweile psychologisch bewanderten Kind ausgedruckten Fragen bescherten uns ein paar tiefsinnige Momente und vor allem aber viel Gelächter. (gelernt: Das Kind ist keins mehr. Obwohl es für mich immer eins bleiben wird. Und ich jetzt sogar zwei habe!! Wie schön!)

Das Feuerwerk über dem See, wozu wir auf den nahe gelegenen Hügel gingen, war diesmal zu sehen, obwohl es viel tiefer gehalten wurde (weil es letztes Jahr weder oben noch unten zu sehen gewesen war), und obwohl es so weniger fulminant war, hatten wir unsere Freude daran. (gelernt: Nicht die Grösse macht es aus.)

Als ich gestern Rückschau hielt, auf meinem Spaziergang, erkannte ich, dass das letzte Jahr für mich ein gutes gewesen ist. Es hat sich vieles enorm gebessert (physisch) – noch immer kann ich mich nicht „sattlaufen“ – , ich habe Herausforderungen gemeistert und eine wichtige Entscheidung getroffen. Noch ist nicht ersichtlich, wohin sie mich führt und die Unsicherheit ist nicht einfach auszuhalten. Sie macht mir zu schaffen. In einem Jahr werde ich mehr wissen und was auch immer kommt – es kommt. (noch am Lernen: Nicht zurückschauen – vorangehen! Etwas mutiger vielleicht…)

Auf ein Neues! Und euch allen von Herzen alles Gute.

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Jeder nach seiner Façon

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„Jesses!“
So der hier unzensiert wiedergegebene Kommentar der Freundin angesichts unseres Christbaums, beziehungsweise seiner näheren Umgebung.

Ja, wir mögen Weihnachten. Dem Moment, wenn wir zum ersten Mal die Kerzen anzünden, wohnt noch immer ein besonderer Zauber inne und: Es kann gar nicht genug Päckchen unter dem Baum haben. Dass meist nicht viel drin ist, spielt keine Rolle – es geht ums Prinzip und für einmal verdrängen wir umweltrelevante Gedanken, übertrumpfen die äusseren die inneren Werte.

Natürlich hat sich einiges geändert. Während ich vor zwei Jahrzehnten fix und fertig vorm Baum sass, damit die Überraschung für das Kind perfekt war – Hat alles das Christkind gemacht! – ist der Ablauf heutzutage deutlich entspannter. Das Kind hilft mit. Den Baum schmücken wir schon ein paar Tage vorher, damit wir uns länger an ihm erfreuen können und die Vorbereitung des Weihnachtsmenüs ist zum trauten Muki-Event in der Küche geworden, gemütlich und ohne Stress.

In diesem Jahr, aufgrund der Umstände, hatte ich sogar soviel Musse an Heiligabend, dass ich auf die Idee kam, vorher noch schwimmen zu gehen. Es war dann leider zu, aber nur schon die zeitliche Möglichkeit dazu versetzte mich selber in so grosses Erstaunen wie ehemals den Twenager der Anblick der Bescherung nach dem Klingeln des Glöckchens.

Die Zeiten ändern sich. Aber einiges bleibt gleich. Die Päckchen werden immer noch hinter verschlossenen Türen gemacht und nach und nach verstohlen unter den Baum geschmuggelt.
Und ja, darum geht es nicht an Weihnachten, aber ganz ehrlich – ohne wäre nur halb so schön.

Ein frohes und entspanntes Fest euch allen!
Oder auch keins. Ganz wie’s beliebt.

 

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Geschafft

Wir sind geschafft.
Weihnachten kann kommen.

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Pragmatisch

Wie ich neigt der Twenager dazu, sich zu viele Gedanken zu machen. Was ist wenn… falls …unter diesen oder jenen Umständen…
Womit andere sich keine Sekunde aufhalten, bringt uns dazu, unzählige Szenarien durchzudenken, obwohl 99 Prozent davon gar nie eintreten werden. 
Es muss in den Genen liegen. 

Worüber ich allerdings immer wieder staune ist des Twenagers Pragmatismus, von dem er mir heute beim Frühstück mal wieder eine Kostprobe geliefert hat.

„Ich verstehe die Leute nicht, die jahrelang Fleisch essen, damit aber von einem Moment auf den anderen aufhören, nachdem sie Bilder vom Schlachthaus gesehen haben“, sagte er. Und schob trocken nach: „Man weiss doch, dass die dort nicht zu Tode gestreichelt werden.“

Der Pragmatismus ist vermutlich auch vererbt. Wenn auch nicht von mir.

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Weihnachtsstimmung

 

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Vor dem Fenster wirbeln weisse Flocken, aber am allerschönsten ist es vor Weihnachten nicht an einem Weihnachtsmarkt – obwohl das durchaus seinen Reiz hat! – sondern zu Hause in der Küche mit passender Musik.

                                                  Es lebe die Vorweihnachtszeit!

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Nächstes Jahr in Jerusalem – hoffentlich

Ich muss gestehen, dass ich alles andere als begeistert war, als ich von Trumps neustem Schachzug hörte, Jerusalem offiziell als die Hauptstadt Israels anzuerkennen. Das gibt Ärger, so mein erster Gedanke. „Man kann nicht immer der Gewalt nachgeben“, so die pragmatische Antwort des Humus, als ich ihn nach seiner Meinung fragte.

Trotzdem war ich mir selber unsicher. Muss das jetzt sein? Und wie ist das denn überhaupt mit Jerusalem, der Stadt, die am meisten umkämpft ist in der Geschichte der Menschheit. Jerusalem, die für alle drei monotheistischen Weltreligionen eine besondere Rolle einnimmt. Jerusalem, die schönste Stadt auf der Welt, als die sie mir einst ein viel gereister Schweizer Geschäftsmann angepriesen hat. Jerusalem, wohl auch die blutigste Stadt der Welt. 
Aus dem Bauch heraus ist es mir deutlich lieber, Israel hat die Kontrolle über die Stadt, weil dann alle Zutritt zu den heiligen Stätten haben und ein rechtsstaatliches System greift, auch wenn das gern anders dargestellt wird. Trotzdem war ich mir nicht sicher – ich fand, ich wisse zu wenig über die Hintergründe. Ausserdem, Hand aufs Herz – das nun mal für Israel schlägt –  bin ich auch nicht neutral in der Sache. 

Der Artikel von Alan Posener hat mir meine eigene Meinungsbildung erleichtert. Er bringt, so finde ich, die Faktenlage auf den Punkt.
Ich hoffe sehr, dass die Gewalt nicht eskaliert. Jedes Opfer, auf welcher Seite auch immer, ist eines zu viel. 

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Neue Buslinie

Ich wohne am Rande der grossen Stadt und seit heute – darüber freuen sich alle – fährt ein Bus von hier direkt bis an den Hauptbahnhof. Nicht irgendein Bus ist es, sondern just die Nummer 31, eine Linie, die für mich sowohl symbolträchtigen als auch emotionalen Charakter hat. War es doch im 31er, dass sich mein Weg zum zweiten Mal mit jenem des Humus kreuzte. Was Folgen hatte, wie mein treues Lesepublikum bemerkt haben dürfte.

„Halt dich fest“, sagte der Twenager zu mir, als er zum Frühstück erschien – früher als erwartet – du glaubst nicht, was mir passiert ist. Er war auf einer Party gewesen und als sich in den frühen Morgenstunden die Müdigkeit bemerkbar gemacht hatte, war er seine Optionen bezüglich Heimreise durchgegangen. Anstatt mit Taxi und Nachtbus zu jonglieren, so sah er zu seiner Freude, würde er bloss eine Dreiviertelstunde später, kurz vor fünf Uhr, den allerersten 31er der Geschichte nehmen können, dessen Route unweit von seinem aktuellen Standort vorbeiführte und der ihn fast vor die Haustüre befördern würde. Also tanzte er noch ein bisschen weiter und machte sich dann auf zur Bushaltestelle. Es waren nur wenige Leute im Bus, die sich alle zu kennen schienen; einer von ihnen knipste beständig mit seinem Fotoapparat und die Stimmung war aufgeräumt. Als der Bus zum Hegibachplatz kam, wo er bis anhin wendete, sprach eine Frau den einzelnen Fahrgast weiter hinten an. „Fahren Sie auch mit uns bis nach W.?“, fragte sie, worauf der Twenager etwas perplex bejahte. „Dann“, so strahlte ihn die Frau an, „sind Sie der allererste Fahrgast auf dieser neuen Linie.“ Alles anderen waren offensichtlich Offizielle oder Journalisten.

„Und, kommst du jetzt in der Zeitung?“, fragte ich meinen Sprössling, doch dieser wehrte entschieden ab. So etwas hätte er sich verbeten. Es reicht ja schon, wenn er ab und zu hier erwähnt wird. Gefreut hat sich der Twenager trotzdem darüber, dass er so bequem nach Hause fahren konnte. Auch wenn es etwas Nerven brauchte. Auf der allerersten Fahrt und unter Beobachtung wollte der Busfahrer alles richtig machen und so stoppte er an jeder einzelnen Station, ungeachtet der Tatsache, dass um diese Zeit niemand aus- oder einsteigen wollte. „Es war ein bisschen stop and go“, meinte der Twenager, „aber wenigstens war es schön warm.“

Und das war ja auch der Grund gewesen, warum ich vor vier Jahren spontan und ungeplant in den 31er getiegen bin.
Zum Glück.
Es lebe der 31er!

452Endstation? Das war einmal.

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Von der Zeit

„Und? Ist das Buch geschrieben?“
Das fragte mich ein Vater gestern am Weihnachtsanlass meiner alten Schule. 
„Äh – welches Buch…?“

Ich hab natürlich kein Buch geschrieben, obwohl die Kinder zu Hause anscheinend erzählt haben, genau das sei der Grund für meine Kündigung gewesen. (Ich weiss schon, warum ich bei meinen eigenen Klassen früher am ersten Elternabend immer versprochen habe, nur die Hälfte von dem zu glauben, was die Kinder erzählten, wenn das die Eltern umgekehrt auch so hielten.)

Dass ich je ein Buch schreiben werde, ist eine Illusion, soviel ist mir klar geworden. Mir fehlt der lange Atem dafür. Anlässlich eines ehemaligen Novemberschreibens vor über zehn Jahren habe ich es zwar mal innerhalb eines Monats auf über 50000 Wörter gebracht, aber das Manuskript dümpelt immer noch unvollendet und unüberarbeitet auf irgendeinem USB-Stick vor sich hin.

Einerseits schreibe ich per se viel lieber kurze Texte (hopp und weg) – ausnahmsweise auch mal eine Geschichte – und andererseits habe ich schlicht nicht das Sitzleder für ein längeres Projekt. Man könnte das durchaus mit dem Wort „Faulheit“ betiteln. Es ist ja nämlich so, dass wirkliche Schriftsteller, zumindest die meisten, harte Arbeiter sind, denen ihre Werke nicht einfach so aus der Feder fliessen.
Ganz allgemein kann ich nach den letzten vier Monaten sagen: Die Quantität an Geschriebenem hat – bei mir jedenfalls – nicht die Bohne was mit der Menge an verfügbarer Zeit zu tun. Es ist im Gegenteil so, dass ich umso effizienter werde, je mehr ich zu tun habe. Ein Paradox, das ich noch nicht entschlüsselt habe.

Von daher besteht die Chance, dass ich im ersten Monat des neuen Jahres schreibmässig etwas produktiver sein werde. 
Da wird mir nämlich die Arbeit bis zum Hals stehen.
Aber bis dahin – geniesse ich die schöne Weihnachtszeit.
Eine ebensolche wünsche ich auch all meinen Leserinnen und Lesern.

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Schnittpunkt Fiktion – Realität

Spannend zu lesen war das Buch „The Circle“, in dem sämtliche Internetdienste von einer Monopolfirma vernetzt werden und es zu guter Letzt kein Fitzelchen Privatsphäre mehr gibt. Spannend und auch beängstigend, weil wir ja schon auf dem besten Weg zu dieser Dystopie sind.

Zufall oder nicht, aber einen Tag nachdem ich das Buch fertig gelesen hatte, muckte mein Laptop auf und ich machte mir Sorgen um sein Wohlbefinden. Ich brauche meinen Laptop. Ohne ihn werde ich ziemlich schnell ziemlich nervös.
Flugs nahm ich ihn unter den Arm und steuerte den Shop an, in dem ich ihn einst erstanden hatte, in der vagen Hoffnung, dass dort vielleicht jemand Zeit hätte, mal kurz einen Blick drauf zu werfen. Ich hatte Glück und kam in die Warteschlange für ein Date mit einem Techniker. Während ich auf diesen wartete, fiel mir auf, dass ich nicht die einzige war, die mit sorgenvollem Gesicht dasass. 
Genau wie ich harrten auch die andern, das spürte ich, bang der Dinge, die da kommen würden. War das Gerät noch okay? Hatte es einen Schaden? Falls ja, war es noch zu retten? Und was war mit all den Daten, die drauf waren? Es war lustig zu beobachten, wie die Kunden die Techniker mit offenen Armen empfingen, sie bezirzten, mit ihnen flirteten, ihnen bei günstigem Verlauf der Dinge fast um den Hals fielen. „Wie ist dein Name? Pietro? Ich liebe dich heiss Pietro!!“ , sagte die Dame schräg gegenüber überschwänglich zu ihrem Retter in der Not, und ich schwöre, es war genauso – ich hab bloss den Namen geändert. 
Genau wie ich waren auch die anderen in irgendeiner Form auf ihren Laptop oder ihr Tablett oder Handy angewiesen und der Gedanke, dass es den Geist aufgeben würde, war erschreckend.
Genau wie ich waren sie von diesen Geräten abhängig geworden. Wie sehr wir uns alle doch auf sie verlassen!

Die Diagnose meines Laptops ergab schliesslich: Alles in Ordnung. Vermutlich war er kurzzeitig überlastet gewesen und das kann jedem passieren, nicht wahr? Fast ist man gewillt zu glauben: Auch Computer scheinen eine Seele zu haben, irgendwie.

Dankbar packte ich ihn wieder ein; mein Tag war gerettet. Aber auf dem Nachhauseweg kam ich nicht umhin, gewisse Parallelen zum gelesenen Buch zu ziehen. 
Hoffen wir, dass sich der Kreis noch nicht zu bald schliesst.

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Erfahrungen sammeln

Dreimal habe ich mir einen Schubs gegeben während der letzten zwei Wochen und auch wenn es objektiv gesehen nicht eine grosse Menge an Arbeit war, weil zwei der Einsätze ganz kurz waren, so hat mich das doch weitergebracht. Ich kann mir jetzt vorstellen, fürs kommende halbe Jahr gewinnbringend als Stellvertretung zu arbeiten. Damit meine ich weniger den finanziellen Aspekt, obwohl der natürlich auch eine Rolle spielt – zum Glück, sonst hätte ich mich gar nicht mehr aus meiner Höhle getraut – sondern den beruflich erfahrungsmässigen.

Wer ab und zu ins kalte Wasser springt, weiss, was ich meine. Der erste Schock wird abgelöst von der Erkenntnis, jetzt einfach schwimmen zu müssen, und wenn man wieder am Trockenen ist, wird einem nach einer angemessenen Fröstelphase wohlig warm.

Obwohl ich noch weit davon entfernt bin, mir eine gewisse Routine angeeignet zu haben, fuhr ich gestern schon deutlich entspannter ins Unbekannte als beim ersten Mal. Am Tag zuvor in einem ganz kleinen, steuerte ich nun mit Hilfe meines Navigationsgerätes das grösste Mittelstufen Schulhaus des Kantons an. Es war noch dunkel, als ich ankam und ich mich zum entsprechenden Zimmer durchfragte, das mir eine Kollegin aufschloss. Dort blieb ich dann, weil ich mich sonst verlaufen hätte, im Bemühen, mich auf die kommenden Stunden vorzubereiten.
Es ist ein seltsames Gefühl, wenn man weiss, dass gleich 23 Kinder das Zimmer fluten werden, die man nicht kennt, in einer Umgebung, die einem neu ist, in einem Setting, das man von einer fremden Person übernimmt, mit der man bloss kurz telefoniert hat.

Spannend ist es, und auch ein bisschen Angst einflössend, aber Bluffen ist alles in so einer Situation. Das Schöne ist, dass alle rundherum ziemlich froh sind, dass man da ist. Na ja, die Kinder hätten wohl lieber frei, aber das liegt heutzutage nicht mehr drin, und so nimmt man zumindest den Kollegen die Last ab, sich um die verwaiste Klasse kümmern zu müssen.

Gestern war es nicht immer ganz einfach; ich musste mir meinen Lohn verdienen. „Das ist jetzt wohl eine normale heutige Klasse“, dachte ich, als es 12 Uhr und ich schon ziemlich geschafft war. Im Lehrerzimmer wurde ich dann aber mitfühlend gefragt, wie es gelaufen sei – ich hätte eine schwierige Klasse erwischt. Obwohl das meinen Puls im Hinblick auf den kommenden Nachmittag noch ein bisschen erhöhte (Nichtwissen kann auch von Vorteil sein), tat mir das auch wieder gut. So schlecht hatte ich mich wohl nicht gehalten.

Nur schon bei diesen drei Vikariaten habe ich die verschiedensten Erfahrungen gemacht, die unterschiedlichsten Menschen angetroffen, drei ganz verschiedene Schulhäuser gesehen. Ja, es ist mit grosser Unsicherheit verbunden, und ja, ich schlafe nicht besonders gut, bevor ich mich am Morgen auf den Weg mache. Aber es bringt auch wieder Schwung in mein etwas sehr bequem gewordenes Leben, es fordert mich, und nicht zuletzt bringt es mir, neben einigen unangenehmen Situationen, auch erhebende Momente. Das anfänglich trotzige Mädchen, das sich am letzten Tag schwer damit tut, endlich zu gehen. Der Rotzlümmel, der lautstark verkündet, das Fach Religion und Kultur hasse er und er hätte seine Unti-Lehrerin schon zum Heulen gebracht, im Fall, der dann aber erstaunlich gut mitmacht. Die Team-Teacherin, die findet, ich hätte es angesichts der Umstände nicht schlecht gemacht. Und – ich muss bei der Erinnerung wieder lächeln – der junge Kollege, der findet, ich würde auch ins Schulhaus passen, ich hätte eine gute Aura.

Sie alle haben meine Schokoladenseite kennengelernt, denn nur die ist man gewillt zu zeigen bei einem beschränkten Einsatz. Aber dass ich einige Male ziemlich unprofessionell war, weiss ich selber und auch, dass meine Aura noch grosses Verbesserungspotential birgt.
Also freue ich mich über die willkommene Bestätigung und arbeite weiter an mir und meiner Aura.
Im nächsten Jahr werde ich hoffentlich noch viele weitere Erfahrungen sammeln, gute und vielleicht auch weniger gute, und am Schluss im besten Fall wissen, was ich für die Zukunft will und was nicht und einen für mich passenden Platz finden.

Wichtig ist, um es einmal mehr zu erwähnen, dass die Schaukel nicht still steht.

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Gilt auch umgekehrt!

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Ultimative Kur

Gestern war ich mal wieder in Konstanz. Ein bisschen Luftveränderung würde nicht schaden um dem Novembermief zu entkommen, dachte ich. Direkt nach dem Black Friday und noch vor dem Weihnachtsrummel wäre es vielleicht möglich, die Stadt zu geniessen, ohne auf Schritt und Tritt über andere Schweizer zu stolpern. 
Ausserdem hatte ich das dringende Bedürfnis, mal wieder Reibekuchen zu essen. Reibekuchen, die mir meine Mutter in meiner Kindheit jeweils am Geburtstag gemacht hatte sind für mich ein klasse Stimmungsaufheller. Was mich betrifft, so könnte man damit glatt die Pharmaindustrie in den Ruin treiben.

Erst verordnete ich mir aber einen Kaffee und ein köstliches Hefegebäck, dessen Namen ich leider schon wieder vergessen habe, aber: So was gibt’s nur bei den Nachbarn. Dann stürzte ich mich zusammen mit anderen Einkaufstouristen – ich war dann doch nicht die einzige – in den Drogeriemarkt, die übliche Pflichtroutine. Dort schlitterte ich an der Kasse knapp am GAU vorbei, weil ich mir nicht mehr sicher war über den Code meiner Kreditkarte, den ich schon länger nicht mehr gebraucht hatte und von dem ich aber soviel wusste: Wenn’s nicht auf Anhieb klappt, dann nimmer mehr. Es war dann zum Glück die richtige Zahl, die ich mit zitternden Fingern eintippte, hinter mir eine endlos lange Schlange und im Portemonnaie gähnende Leere, im Gegensatz zum Laufband, das mit allem möglichen bestückt war. Der vorübergehende Adrenalinschub muss sich in meiner Aura verdichtet haben, denn der junge Mann, der gleich nach mir seine Einkäufe verstaute, wünschte mir mitfühlend noch einen frohen Einkaufstag.

Anschliessend war mir nicht mehr zum Einkaufen und ich machte das, was ich sonst auch immer mache: Einen Spaziergang durch die Altstadt.
Es war grau und nass und kalt, ich schlenderte gemütlich übers Kopfsteinpflaster und sah den Schaustellern zu, die damit beschäftigt waren, ihre Stände für den Weihnachtsmarkt startklar zu machen; es herrschte eine geschäftige Stimmung. An jeder zweiten Ecke sah ich auch Männer und Frauen am Boden kauern und auf einer Decke ihre tägliche Arbeit verrichten. Sie gehören wohl zu einem organisierten Bettelunternehmen, dachte mein skeptisches Ich (es ist ja noch nicht Weihnachtszeit – da wäre es vielleicht mitfühlender). Einer hob sich von den anderen ab, weil er fröhlich da sass und laut sang, mit einer schönen Stimme übrigens, und wir winkten uns lachend zu.

Mein Spaziergang endete wie immer am Seeufer, das verlassen dalag, gesäumt von schön geschmückten Schiffen, die zur Adventsfahrt einladen. Mein Lieblingslokal war leider geschlossen, also machte ich mich auf die Suche nach einem anderen. Ohne Reibekuchen würde ich diese Stadt nicht verlassen!
Es war dann kein einfaches Unterfangen, welche zu finden. Sushi, Pizza, Döner, Thailändisch, Chinesisch, Bio Food, Irish Pub – Konstanz bietet was das Herz begehrt, aber einfache Reibekuchen gibt’s nicht an jeder Ecke.

Ich fand sie dann doch, meine persönliche Thearpiestube und die Reibekuchen waren genau so wie sie zu sein hatten: goldbraun und knsuprig gebraten. Dem Himmel sei Dank. Ich bin für zwei weitere graue Novembertage gewappnet!

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Alles bloss Zufall?

„Alles bloss Zufall“, sagen meine Nächsten und winken milde ab, wenn ich mich hin und wieder als spirituell angehauchtes Wesen oute, das an Dinge zu glauben gewillt ist, die es eigentlich nicht gibt. Wie man es auch nennen will, ob göttliche Vorsehung, Führung durchs Universum, sanfte Hilfestellung seitens mir wohlgesinnten Geistern, die Reaktion auf meine eigene Aktion oder aber einfach ein Tritt in den Allerwertesten von wem auch immer; manchmal scheint es mir einfach zu offensichtlich, dass da noch was ist.

Wie sonst ist es zu erklären dass hin und wieder genau im richtigen Moment das Richtige passiert?

Ich tat mich schwer mit der Entscheidung. Sollte ich zusagen? Den Job für Anfang nächstes Jahr, bestimmt eine grosse Herausforderung für mich, annehmen? Auf dem Waldspaziergang kreisten meine Gedanken um diese Frage und wie ich das ab und an tue, erbat ich mir ein Zeichen. Das Zeichen kam keine halbe Stunde später in Form eines Telefons, wo mir erst mal ein anderer, kürzerer Einsatz angeboten wurde. Vor lauter Überraschung sagte ich zu und hatte nun also meine Feuertaufe zu bestehen, was mich, wie treue Leser und Leserinnen wissen, vorübergehend in eine Krise stürzte. Vielleicht hat es ja etwas mit meinem Namen zu tun, dass ich mich IMMER gleich kopfüber in alles stürze, also auch in Krisen. 

Mit meinem Namen taten sich auch die Kinder etwas schwer – äh, Frau Eggensturz, oder?? – was mich beruhigte, da ich’s auch nicht so hab mit Namen. Immerhin brachte ich am letzten und dritten Tag alle auf die Reihe, so wie auch die anderen Dinge, mehr oder weniger. „Brauchst dir keine Sorgen zu machen, es wird gut gehen, du wirst schon sehen“, hatte mir der Klassenlehrer noch am Morgen gsmst, als ich schon mit weichen Knien im Klassenzimmer stand und er sollte Recht behalten. Die Kids waren so brav – es war schon fast unheimlich. Dass es so etwas noch gibt!
Nachdem meine physischen Werte sich wieder beruhigt hatten, konnte ich die drei Tage Stellvertretung dann richtig geniessen, auch wenn ich anschliessend fix und fertig war. Das lag weniger an der Arbeit an sich, als an der vorausgehenden Anspannung, die mich ganz schön geschlaucht hatte.

Und ja, für den anderen Job habe ich auch zugesagt und ich freue mich darauf. Auch wenn ich etwas bange bin. Auch wenn das ganz schön happig werden könnte. Aber was soll’s. Ich vertraue auf meine guten Geister. Und wenn alles bloss Zufall ist, dann möge mir auch weiterhin das Richtige zufallen.

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Streicheleinheit

Gerammelt voll ist unser bevorzugtes Café und das ist kein Wunder bei diesem Wetter. Wir sind nicht die Einzigen, deren geplanter Stadtspaziergang – ein bisschen frische Luft würde nicht schaden! – ein vorzeitiges Ende findet. Man sucht die Wärme.

Glücklicherweise wird soeben ein kleiner Tisch am Fenster frei und es gelingt uns ohne Kollateralschäden, uns aus unseren dicken Jacken zu schälen, diese irgendwo zu verstauen und uns niederzulassen. Es dauert eine Weile, bis das Tischchen abgeräumt wird. Kein Wunder, denn die Kundschaft wechselt laufend und ich sehe, dass zwei junge Frauen die ganze Arbeit tun. Immer wieder schaut die eine mit einem leichten Nicken zu uns herüber – ja, sie hat uns gesehen, sie wird kommen – um sich dann woanders abzuhetzen. Ich könnte das nicht, denke ich, das wäre mir echt zuviel. Wie schafft sie es bloss, noch klar denken zu können?

Als sie zum unserem Tisch kommt, mit einem leicht gequälten Ausdruck im Gesicht – wenngleich erhitzt, ein hübsches – entschuldigt sie sich. „Es tut mir leid“, sagt sie, aber bei uns sind heute gleich zwei Mitarbeiterinnen ausgefallen.“ Sie müssen sich nicht entschuldigen“, beeile ich mich zu sagen,  „Sie sind es, die mir leid tut.“ Das meine ich ehrlich. Da geht eine sichtbare Entspannung durch ihren Körper, ein Lächeln erhellt ihr Gesicht, sie tut einen tiefen Atemzug und sagt: „Ach, tut das gut – das ist wie ein Streicheleinheit.“

Wie leicht es doch manchmal ist, jemandem die Last ein kleines bisschen leichter zu machen. 
Und wie selten denke ich dran, es zu tun.

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Angst essen Seele auf

Ohne den Film selber gesehen zu haben kam mir dieser Titel heute in den Sinn und das hat natürlich seine Gründe.

Ich hätte darauf vorbereitet sein müssen, hätte ich mich selber ein bisschen ernster genommen. Der Wetterwechsel, die graue Hochnebel Decke und die unangenehme Kälte hatten bereits ein Novembertief vorausgeschickt, ein Zustand, der mir nicht ganz unbekannt ist. Ich mag diesen November nicht. Zu frostig. Zu düster. Zu feucht. Der Sommer noch zu wenig lange her als dass man sich bereits auf seine Rückkehr freuen könnte und die Weihnachtslichter noch nicht in Betrieb.
Dieses Jahr wird das richtig fein, hatte ich gedacht, wenn ich nicht arbeiten will, muss ich nicht, schliesslich hab ich mir ein Semester Pause verschrieben. Dann kann ich gemütlich zu Hause sitzen und schreiben oder all die anderen Dinge tun, die mir so viel Freude bereiten.
Irrtum – die Rechnung ist nicht aufgegangen.
Das erwähnte Novembertief streckte seine langen Finger nach mir aus. Ich schreibe wenig bis nichts und vermisse je länger je mehr meine ehemaligen Kollegen. Ist eben doch schön, wenn man irgendwo dazu gehört.
Analytisch korrekt folgerte ich, es sei an der Zeit, aktiv zu werden und mich nach Jobs umzusehen. Das war dann irgendwie auch einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte – Lehrpersonen sind tatsächlich immer noch gesucht – und so steht Mitte nächster Woche mein erster Einsatz als Aushilfe bevor.

Aber.
Jetzt, wo es ernst wird, ist direkt nach der ersten Euphorie eine Welle der Angst über mich hinweg geschwappt. Ich habe einen Heidenrespekt davor, in ein fremdes Schulhaus zu gehen, in eine mir unbekannte Klasse. Auch wenn es nur für ein paar Tage ist. Werde ich überhaupt in der Lage sein, eine fremde Klasse zu führen, so ganz allein, ohne mein ehemaliges Team im Rücken? Oder werde ich total überfordert sein? Wird alles drunter und drüber gehen oder werde ich den Überblick behalten? Werde ich Herrin der Lage sein oder mich total blamieren?

Interessant hatte ich mir das vorgestellt und lehrreich. Vermutlich wird es das auch sein, aber als ich meine Komfortzone verliess, war die Realität noch in weiter Ferne und jetzt, wo sie unmittelbar vor der Tür steht – jetzt hab ich den Salat.
Jetzt habe ich Angst, um nicht zu sagen Schiss.
Angst zu versagen. Angst, der Herausforderung nicht gewachsen zu sein. Angst, andere zu enttäuschen. Am meisten Angst aber habe ich davor, mich selber zu enttäuschen.
Jetzt komme ich nämlich nicht mehr umhin, mich den Ängste zu stellen, die zu verdrängen mir eine Weile gelungen ist.

Wer auch schon von solchen Ängsten heimgesucht wurde weiss; es ist nicht sehr lustig, ganz besonders, wenn man wie ich ein beachtliches Talent darin hat, sich hineinzusteigern und die wildesten Katastrophen Szenarien auszumalen, sich aufs Schönste selbst zu sabotieren.

Ein bisschen seltsam mutet das den Twenager an. Seine Kollegen, die nach einem Jahr Studium berechtigt sind, Vikariate zu machen, die würden sich nicht so viel überlegen, die fänden es einfach geil, Erfahrungen sammeln zu können und dabei noch so viel Kohle zu verdienen. Ich würde mir viel zu viele Gedanken machen, findet er, und ein Teil von mir nickt beifällig. Der andere aber holt tief Luft, bevor die nächste Welle kommt und mir den Atem nimmt.

Was soll man da machen? Ausser darüber schreiben? Ein Teil von mir (gefühlte 99%) setzt auf Flucht – vielleicht könnte man ja noch absagen. Der andere Teil aber, der darauf insistiert, sich durchzusetzen, der argumentiert rational. Wenn ich mich der Herausforderung nicht stelle, dann werden meine Ängste ins Unermessliche wachsen. Es nicht zu wagen wäre der sichere Misserfolg, während ein Versuch zumindest die Möglichkeit eines Teilerfolgs zulässt.

So wie’s aussieht habe ich ein paar sehr unangenehme Tage vor mir, nicht zu reden von den Nächten. Entspannen werde ich mich paradoxerweise wohl frühestens, wenn es ernst wird, ich übernächtigt und mit flauem Magen in diesem Schulzimmer stehe und mich irgendwie durchwursteln muss.

Dann werde ich nämlich keine Zeit mehr haben, mir all diese blöden Gedanken zu machen.

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Novemberkoller

Das war knapp! Fast wär’s ins Auge gegangen. Weder spannende Bücher noch gutes Kino und auch angenehme Gesellschaft hätten nicht mehr geholfen, wenn …

…noch länger das graue, nasskalte, stürmische, in jeder Hinsicht scheussliche Wetter mein Gemüt verdrossen hätte. Man hat ja schon seine Grenzen, und nicht immer sind sie da, wo man sie vermuten würde.

Im letzten Moment kam die Sonne als strahlender Retter, um mich aus dem Novembertief zu retten, indem sie freundlich auf die gezuckerten Hügel und die gefluteten Felder schien. 
Aber immerhin hab ich meinen Teil zur Verbesserung der Stimmungslage auch geleistet. Von nichts kommt nichts. Einmal rundherum (aber nicht zurück).

                      

 

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Sicher nicht!

Unsicherheit sei eine schöne Eigenschaft, sagt die junge und gefeierte Schriftstellerin, aber anstrengend sei sie. Dies im Zusammenhang mit ihrer Angst vor dem zweiten Buch, und weil sie jetzt unter beträchtlichem Erfolgszwang steht.

Ich kann ihr, zumindest was die zweite Aussage betrifft, mit heftigem Kopfnicken beipflichten. Verdammt anstrengend ist es, unsicher zu sein, ob es jetzt ums Schreiben oder sonst was geht. 

Aber schön? Wer sollte das schön finden? Der eigenen Unsicherheit kann kaum jemand Schönes abgewinnen, und in der Gesellschaft wird Unsicherheit heutzutage nun auch nicht gefeiert. Da gilt es vielmehr, sie gekonnt zu überspielen und Stärke zu markieren, wo vielleicht gar keine ist. 
Was wiederum sehr anstrengend ist.



Also einmal nein und zweimal ja von meiner Warte aus.

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Bloss in der Fantasie

Nicht erst kürzlich, aber ganz besonders jetzt ist mein kleiner Laptop mein bester Freund. Nicht nur, dass ich darauf schreibe, nein,er liefert mir Informationen aller Art und beantwortet drängende Fragen auch zu später Stunde. Recherche wird damit zum Kinderspiel, wenngleich nicht unbedingt zeitsparender. Zu viele Ablenkungen säumen den Wegrand und sie zu ignorieren gelingt nicht immer. Trotzdem ist es überaus praktisch, nicht zuletzt weil die Hemmschwelle, eine bestimmte Frage zu stellen, bedeutend tiefer liegt, wenn man sie nicht an eine reelle Person sondern an das anonyme Internet richtet. Man würde ja nicht glauben, was man da entgegnet kriegt!!

Allerdings. Das mit der Anonymität hat natürlich zwei Seiten und während es mein „Gegenüber“, das untergründliche WWW, für mich ist – ich bin es vermutlich nicht. Oder nicht für lange.

Dieser unbequeme Gedanke ist mir heute nicht zum ersten Mal, aber ein bisschen feixender als sonst durchs Hirn gehuscht, was an meiner spezifischen Recherche lag. Ob ich jetzt auf einer roten Liste bin? Irgendwo in den Untiefen des Webs einen Fahnder auf mich aufmerksam gemacht habe, der sich fragt: Wozu will die solche Informationen? Da müssen wir mal genauer hinschauen!

Wenn ich am Schreiben bin, mache ich mir nicht so viele Gedanken über solches. 

Ich habe eine Frage.

Ich will eine Antwort. 

Sofort.

Nachher mache ich mir dann umso mehr Gedanken. Und nein, die Herren Fahnder, ich hab keine Absichten, nach Basil al-Assad in Latakia zu fliegen.
Im Leben nicht.

 

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Buch einer Weisen

Es war für uns beide, den Twenager und mich, ein Rückblick der besonderen Art. Und wir waren nicht die einzigen, die in Erinnerungen schwelgten. Wie der Twenager, so waren wohl auch viele andere zeitgleich mit den Protagonisten des Films, und zwar sowohl im wahren wie im fiktiven Leben, durch ihre Teenagerjahre gegangen.

Bewusst hatten wir uns für den ersten Film entschieden und wir bereuten unsere Wahl nicht. Von neuem verzauberten uns die drei niedlichen Kids, packte uns die spannende Geschichte wie beim ersten Mal. Der Twenager, der erst kürzlich alle Bücher wieder gelesen hatte, wusste noch über die kleinsten, auch die zukünftigen Details Bescheid und war voller Bewunderung für die geniale Schriftstellerin. Wie logisch sich doch von Anfang an alles zusammenfügt!

Dass der Film live von einem Sinfonieorchester begleitet wurde und die vertrauten Klänge minutiös zum Filmgeschehen passten – der Dirigent Ernst van Tiel schaffte es, auf die Sekunde genau zu enden – machte das Erlebnis zu einem speziellen und unvergesslichen Event.

„Es wird eine Zeit geben“, sagte Hagrid in einer Szene zu dem kleinen Jungen, der ihn verblüfft anblickte, „da wird jedes Kind den Namen Harry Potter kennen“. „Wie wahr!“, dachte ich voller Anerkennen für J.K. Rowling, die es in meinen Augen wie keine andere verstanden hat, eine Verbindung von Realität und Fiktion herzustellen. Dass ich ein erklärter Fan der Buchreihe bin und warum das so ist, darüber habe ich, falls das wen interessiert, hier schon vor Jahren geschrieben:

Gut oder schlecht? – Eine persönliche Rezension der Buchreihe über Harry Potter.

Im Kultur- und Kongresszentrum (KKL) Luzern, das schon wegen der Aussicht ein Besuch wert ist, werden noch andere Filme live vertont. Wer sich dafür interessiert, findet hier die Infos.

Die Musik für den ersten Film (sowie die beiden nächsten) und damit das bekannte Hauptthema komponierte der Amerikaner John Williams, der auch andere berühmte Filme prägte.

 

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Fremdbestimmt oder selbstbestimmt?

Die neue Gewohnheit nervt.
Ich kann’s mir nicht verkneifen, täglich auf die Stellenbörse zu gucken, wo jetzt immer mehr Angebote aller Art erscheinen. Kurze, lange, solche ab sofort und solche fürs nächste Jahr. Einerseits will ich noch nicht, andererseits nimmt’s mich wunder für den Fall, dass ich plötzlich wollte und früher oder später ja auch wollen müsste.
Obwohl ich mir im Hinblick auf meinen Ellbogen noch ein paar Wochen Rekonvaleszenz verordnet habe, stelle ich eine wachsende Unruhe fest und in Teil von mir sähe gern einen Fixpunkt in der Zukunft, um sich dann entspannt nochmals zurücklehnen zu können.
Wie tief verankert doch das in den tiefsten Hirnregionen implantierte Sicherheitsbedürfnis ist, selbst im wohlüberlegten, geplanten Rahmen, selbst in einem Land, wo man sowieso vor lauter Absicherung nur sehr wenig zu fürchten hat. Wie machen das eigentlich die vielen Menschen in anderen Regionen der Welt, die heute nicht wissen, wovon sie morgen leben werden? Die zwangsläufig einen Tag um den andern nehmen, weil der nächste noch ungewisse und unplanbare Zukunft ist? Es müsste doch möglich sein, die Aussicht vom Hochseil etwas unbeschwerter zu geniessen, zumal ich ja nicht ohne Netz unterwegs bin.

Und dann die Sache mit der Jahreszeit.
Nickte mein innerer Coach mir im Sommer und auch während der heute leider zu Ende gegangenen goldenen Herbsttagen noch anerkennend zu, so sehe ich ihn jetzt stirnrunzelnd aus dem Fenster gucken. Er tut sich schwer damit, dass ich mir zu dieser Jahreszeit freinehme, denn: Was bringt das?
Die Erklärung, es sei ein Luxus, an einem grauen und kalten Tag zu Hause bleiben zu können, sich zum Schreiben niederzusetzen, statt in der Kälte das Eis von der Windschutzscheibe kratzen zu müssen, lässt er nur bedingt gelten und fragt zu Recht: Was hast du denn schon geschrieben, in den letzten Wochen? So überaus produktiv warst du jetzt auch wieder nicht… du könntest viel mehr leisten. Und da ist es schon wieder, das böse Wort.
Au Backe!

Die Auszeit wünschte ich mir nicht zuletzt, um mal für eine Weile nicht mehr fremdbestimmt zu sein. Und jetzt stelle ich fest: Wer mir öfters einen Strich durch die Rechnung macht, sind nicht etwa „die andern“, das bin ganz alleine ich. Um wirklich „frei“ zu sein, muss ich nämlich auch den hausgemachten Ballast über Bord werfen können.
Und davon gibt es noch eine ganze Menge.

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Blick in den Spiegel

Weil ich Zeit habe, gucke ich mehr Filme als auch schon. Als Nutzniesserin von des Twenagers Vorliebe für Serien kann ich das auf Netflix tun. Im Moment habe ich eine Schwäche für die Folgen von „Black Mirror“, von denen ich glücklicherweise immer nur eine aufs Mal verdauen kann. Der imaginative Ausblick auf eine von der Technik geprägte Zukunft ist ganz schön schauerlich.

Seit ich Zeit habe, bin ich auch öfters mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Aufgrund meiner aktuellen Entschleunigung und der damit einhergehenden geschärften Wahrnehmung beobachte ich dann alles mögliche und komme nicht umhin festzustellen, dass die „Black Mirror“-Geschichten, Science Fiction hin oder her, direkt aus dem Leben gegriffen sind.
Zum Beispiel wenn ich im Tram sitze und die einzige Person bin, die nicht in ihr Handy schaut. Keine Ahnung, was die Leute alle machen, sie sind jedenfalls voll auf ihr Gerät fixiert. Ein zaghaftes „Darf ich?“ bevor man sich neben wen setzt, erübrigt sich damit, weil das ohne Augenkontakt keinen Sinn macht. Ob sie gerade eine wichtige Mail beantworten, die Wetterprognose studieren, einen Bestseller lesen, die letzten Posts auf Facebook scannen oder endlich auch mal einen „MeToo“ oder „IHave“ Hashtag ins Universum schicken?

Apropos: In Bus, Zug oder Tram ist die Gefahr für sexuelle Belästigung deutlich geringer geworden, finde ich, denn Kontakte zu menschlichen Wesen im Allgemeinen und zum anderen Geschlecht im Speziellen halten sich in engen Grenzen. Was vielleicht ganz gut ist, denn wenn man nicht miteinander kommuniziert, kann man auch nichts falsch machen. Die Möglichkeit für unliebsame Interaktionen ist dann deutlich geringer. 

Die für wünschenswerte leider auch.
Aber vielleicht sehe ich das zu eng und während ich mich frage, wie das eigentlich heute läuft mit dem Flirten und sich kennenlernen, chattet die schwarzgelockte Schönheit schräg gegenüber bereits mit dem Anzugträger hinter mir, weil sie beide ein Tinder Profil haben, und verhandeln, ob sie sich bei ihm oder bei ihr oder notgedrungen in einem Hotel treffen.
Man weiss es nicht.
Man würde sich vielleicht wundern. 


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