Angst essen Seele auf

Ohne den Film selber gesehen zu haben kam mir dieser Titel heute in den Sinn und das hat natürlich seine Gründe.

Ich hätte darauf vorbereitet sein müssen, hätte ich mich selber ein bisschen ernster genommen. Der Wetterwechsel, die graue Hochnebel Decke und die unangenehme Kälte hatten bereits ein Novembertief vorausgeschickt, ein Zustand, der mir nicht ganz unbekannt ist. Ich mag diesen November nicht. Zu frostig. Zu düster. Zu feucht. Der Sommer noch zu wenig lange her als dass man sich bereits auf seine Rückkehr freuen könnte und die Weihnachtslichter noch nicht in Betrieb.
Dieses Jahr wird das richtig fein, hatte ich gedacht, wenn ich nicht arbeiten will, muss ich nicht, schliesslich hab ich mir ein Semester Pause verschrieben. Dann kann ich gemütlich zu Hause sitzen und schreiben oder all die anderen Dinge tun, die mir so viel Freude bereiten.
Irrtum – die Rechnung ist nicht aufgegangen.
Das erwähnte Novembertief streckte seine langen Finger nach mir aus. Ich schreibe wenig bis nichts und vermisse je länger je mehr meine ehemaligen Kollegen. Ist eben doch schön, wenn man irgendwo dazu gehört.
Analytisch korrekt folgerte ich, es sei an der Zeit, aktiv zu werden und mich nach Jobs umzusehen. Das war dann irgendwie auch einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte – Lehrpersonen sind tatsächlich immer noch gesucht – und so steht Mitte nächster Woche mein erster Einsatz als Aushilfe bevor.

Aber.
Jetzt, wo es ernst wird, ist direkt nach der ersten Euphorie eine Welle der Angst über mich hinweg geschwappt. Ich habe einen Heidenrespekt davor, in ein fremdes Schulhaus zu gehen, in eine mir unbekannte Klasse. Auch wenn es nur für ein paar Tage ist. Werde ich überhaupt in der Lage sein, eine fremde Klasse zu führen, so ganz allein, ohne mein ehemaliges Team im Rücken? Oder werde ich total überfordert sein? Wird alles drunter und drüber gehen oder werde ich den Überblick behalten? Werde ich Herrin der Lage sein oder mich total blamieren?

Interessant hatte ich mir das vorgestellt und lehrreich. Vermutlich wird es das auch sein, aber als ich meine Komfortzone verliess, war die Realität noch in weiter Ferne und jetzt, wo sie unmittelbar vor der Tür steht – jetzt hab ich den Salat.
Jetzt habe ich Angst, um nicht zu sagen Schiss.
Angst zu versagen. Angst, der Herausforderung nicht gewachsen zu sein. Angst, andere zu enttäuschen. Am meisten Angst aber habe ich davor, mich selber zu enttäuschen.
Jetzt komme ich nämlich nicht mehr umhin, mich den Ängste zu stellen, die zu verdrängen mir eine Weile gelungen ist.

Wer auch schon von solchen Ängsten heimgesucht wurde weiss; es ist nicht sehr lustig, ganz besonders, wenn man wie ich ein beachtliches Talent darin hat, sich hineinzusteigern und die wildesten Katastrophen Szenarien auszumalen, sich aufs Schönste selbst zu sabotieren.

Ein bisschen seltsam mutet das den Twenager an. Seine Kollegen, die nach einem Jahr Studium berechtigt sind, Vikariate zu machen, die würden sich nicht so viel überlegen, die fänden es einfach geil, Erfahrungen sammeln zu können und dabei noch so viel Kohle zu verdienen. Ich würde mir viel zu viele Gedanken machen, findet er, und ein Teil von mir nickt beifällig. Der andere aber holt tief Luft, bevor die nächste Welle kommt und mir den Atem nimmt.

Was soll man da machen? Ausser darüber schreiben? Ein Teil von mir (gefühlte 99%) setzt auf Flucht – vielleicht könnte man ja noch absagen. Der andere Teil aber, der darauf insistiert, sich durchzusetzen, der argumentiert rational. Wenn ich mich der Herausforderung nicht stelle, dann werden meine Ängste ins Unermessliche wachsen. Es nicht zu wagen wäre der sichere Misserfolg, während ein Versuch zumindest die Möglichkeit eines Teilerfolgs zulässt.

So wie’s aussieht habe ich ein paar sehr unangenehme Tage vor mir, nicht zu reden von den Nächten. Entspannen werde ich mich paradoxerweise wohl frühestens, wenn es ernst wird, ich übernächtigt und mit flauem Magen in diesem Schulzimmer stehe und mich irgendwie durchwursteln muss.

Dann werde ich nämlich keine Zeit mehr haben, mir all diese blöden Gedanken zu machen.

Advertisements
Veröffentlicht unter dazwischen, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 5 Kommentare

Novemberkoller

Das war knapp! Fast wär’s ins Auge gegangen. Weder spannende Bücher noch gutes Kino und auch angenehme Gesellschaft hätten nicht mehr geholfen, wenn …

…noch länger das graue, nasskalte, stürmische, in jeder Hinsicht scheussliche Wetter mein Gemüt verdrossen hätte. Man hat ja schon seine Grenzen, und nicht immer sind sie da, wo man sie vermuten würde.

Im letzten Moment kam die Sonne als strahlender Retter, um mich aus dem Novembertief zu retten, indem sie freundlich auf die gezuckerten Hügel und die gefluteten Felder schien. 
Aber immerhin hab ich meinen Teil zur Verbesserung der Stimmungslage auch geleistet. Von nichts kommt nichts. Einmal rundherum (aber nicht zurück).

                      

 

Veröffentlicht unter Uncategorized, auf | Verschlagwortet mit , , , | 5 Kommentare

Sicher nicht!

Unsicherheit sei eine schöne Eigenschaft, sagt die junge und gefeierte Schriftstellerin, aber anstrengend sei sie. Dies im Zusammenhang mit ihrer Angst vor dem zweiten Buch, und weil sie jetzt unter beträchtlichem Erfolgszwang steht.

Ich kann ihr, zumindest was die zweite Aussage betrifft, mit heftigem Kopfnicken beipflichten. Verdammt anstrengend ist es, unsicher zu sein, ob es jetzt ums Schreiben oder sonst was geht. 

Aber schön? Wer sollte das schön finden? Der eigenen Unsicherheit kann kaum jemand Schönes abgewinnen, und in der Gesellschaft wird Unsicherheit heutzutage nun auch nicht gefeiert. Da gilt es vielmehr, sie gekonnt zu überspielen und Stärke zu markieren, wo vielleicht gar keine ist. 
Was wiederum sehr anstrengend ist.



Also einmal nein und zweimal ja von meiner Warte aus.

Veröffentlicht unter dazwischen | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Bloss in der Fantasie

Nicht erst kürzlich, aber ganz besonders jetzt ist mein kleiner Laptop mein bester Freund. Nicht nur, dass ich darauf schreibe, nein,er liefert mir Informationen aller Art und beantwortet drängende Fragen auch zu später Stunde. Recherche wird damit zum Kinderspiel, wenngleich nicht unbedingt zeitsparender. Zu viele Ablenkungen säumen den Wegrand und sie zu ignorieren gelingt nicht immer. Trotzdem ist es überaus praktisch, nicht zuletzt weil die Hemmschwelle, eine bestimmte Frage zu stellen, bedeutend tiefer liegt, wenn man sie nicht an eine reelle Person sondern an das anonyme Internet richtet. Man würde ja nicht glauben, was man da entgegnet kriegt!!

Allerdings. Das mit der Anonymität hat natürlich zwei Seiten und während es mein „Gegenüber“, das untergründliche WWW, für mich ist – ich bin es vermutlich nicht. Oder nicht für lange.

Dieser unbequeme Gedanke ist mir heute nicht zum ersten Mal, aber ein bisschen feixender als sonst durchs Hirn gehuscht, was an meiner spezifischen Recherche lag. Ob ich jetzt auf einer roten Liste bin? Irgendwo in den Untiefen des Webs einen Fahnder auf mich aufmerksam gemacht habe, der sich fragt: Wozu will die solche Informationen? Da müssen wir mal genauer hinschauen!

Wenn ich am Schreiben bin, mache ich mir nicht so viele Gedanken über solches. 

Ich habe eine Frage.

Ich will eine Antwort. 

Sofort.

Nachher mache ich mir dann umso mehr Gedanken. Und nein, die Herren Fahnder, ich hab keine Absichten, nach Basil al-Assad in Latakia zu fliegen.
Im Leben nicht.

 

Veröffentlicht unter dazwischen, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Buch einer Weisen

Es war für uns beide, den Twenager und mich, ein Rückblick der besonderen Art. Und wir waren nicht die einzigen, die in Erinnerungen schwelgten. Wie der Twenager, so waren wohl auch viele andere zeitgleich mit den Protagonisten des Films, und zwar sowohl im wahren wie im fiktiven Leben, durch ihre Teenagerjahre gegangen.

Bewusst hatten wir uns für den ersten Film entschieden und wir bereuten unsere Wahl nicht. Von neuem verzauberten uns die drei niedlichen Kids, packte uns die spannende Geschichte wie beim ersten Mal. Der Twenager, der erst kürzlich alle Bücher wieder gelesen hatte, wusste noch über die kleinsten, auch die zukünftigen Details Bescheid und war voller Bewunderung für die geniale Schriftstellerin. Wie logisch sich doch von Anfang an alles zusammenfügt!

Dass der Film live von einem Sinfonieorchester begleitet wurde und die vertrauten Klänge minutiös zum Filmgeschehen passten – der Dirigent Ernst van Tiel schaffte es, auf die Sekunde genau zu enden – machte das Erlebnis zu einem speziellen und unvergesslichen Event.

„Es wird eine Zeit geben“, sagte Hagrid in einer Szene zu dem kleinen Jungen, der ihn verblüfft anblickte, „da wird jedes Kind den Namen Harry Potter kennen“. „Wie wahr!“, dachte ich voller Anerkennen für J.K. Rowling, die es in meinen Augen wie keine andere verstanden hat, eine Verbindung von Realität und Fiktion herzustellen. Dass ich ein erklärter Fan der Buchreihe bin und warum das so ist, darüber habe ich, falls das wen interessiert, hier schon vor Jahren geschrieben:

Gut oder schlecht? – Eine persönliche Rezension der Buchreihe über Harry Potter.

Im Kultur- und Kongresszentrum (KKL) Luzern, das schon wegen der Aussicht ein Besuch wert ist, werden noch andere Filme live vertont. Wer sich dafür interessiert, findet hier die Infos.

Die Musik für den ersten Film (sowie die beiden nächsten) und damit das bekannte Hauptthema komponierte der Amerikaner John Williams, der auch andere berühmte Filme prägte.

 

Veröffentlicht unter auf, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Fremdbestimmt oder selbstbestimmt?

Die neue Gewohnheit nervt.
Ich kann’s mir nicht verkneifen, täglich auf die Stellenbörse zu gucken, wo jetzt immer mehr Angebote aller Art erscheinen. Kurze, lange, solche ab sofort und solche fürs nächste Jahr. Einerseits will ich noch nicht, andererseits nimmt’s mich wunder für den Fall, dass ich plötzlich wollte und früher oder später ja auch wollen müsste.
Obwohl ich mir im Hinblick auf meinen Ellbogen noch ein paar Wochen Rekonvaleszenz verordnet habe, stelle ich eine wachsende Unruhe fest und in Teil von mir sähe gern einen Fixpunkt in der Zukunft, um sich dann entspannt nochmals zurücklehnen zu können.
Wie tief verankert doch das in den tiefsten Hirnregionen implantierte Sicherheitsbedürfnis ist, selbst im wohlüberlegten, geplanten Rahmen, selbst in einem Land, wo man sowieso vor lauter Absicherung nur sehr wenig zu fürchten hat. Wie machen das eigentlich die vielen Menschen in anderen Regionen der Welt, die heute nicht wissen, wovon sie morgen leben werden? Die zwangsläufig einen Tag um den andern nehmen, weil der nächste noch ungewisse und unplanbare Zukunft ist? Es müsste doch möglich sein, die Aussicht vom Hochseil etwas unbeschwerter zu geniessen, zumal ich ja nicht ohne Netz unterwegs bin.

Und dann die Sache mit der Jahreszeit.
Nickte mein innerer Coach mir im Sommer und auch während der heute leider zu Ende gegangenen goldenen Herbsttagen noch anerkennend zu, so sehe ich ihn jetzt stirnrunzelnd aus dem Fenster gucken. Er tut sich schwer damit, dass ich mir zu dieser Jahreszeit freinehme, denn: Was bringt das?
Die Erklärung, es sei ein Luxus, an einem grauen und kalten Tag zu Hause bleiben zu können, sich zum Schreiben niederzusetzen, statt in der Kälte das Eis von der Windschutzscheibe kratzen zu müssen, lässt er nur bedingt gelten und fragt zu Recht: Was hast du denn schon geschrieben, in den letzten Wochen? So überaus produktiv warst du jetzt auch wieder nicht… du könntest viel mehr leisten. Und da ist es schon wieder, das böse Wort.
Au Backe!

Die Auszeit wünschte ich mir nicht zuletzt, um mal für eine Weile nicht mehr fremdbestimmt zu sein. Und jetzt stelle ich fest: Wer mir öfters einen Strich durch die Rechnung macht, sind nicht etwa „die andern“, das bin ganz alleine ich. Um wirklich „frei“ zu sein, muss ich nämlich auch den hausgemachten Ballast über Bord werfen können.
Und davon gibt es noch eine ganze Menge.

Veröffentlicht unter dazwischen, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Blick in den Spiegel

Weil ich Zeit habe, gucke ich mehr Filme als auch schon. Als Nutzniesserin von des Twenagers Vorliebe für Serien kann ich das auf Netflix tun. Im Moment habe ich eine Schwäche für die Folgen von „Black Mirror“, von denen ich glücklicherweise immer nur eine aufs Mal verdauen kann. Der imaginative Ausblick auf eine von der Technik geprägte Zukunft ist ganz schön schauerlich.

Seit ich Zeit habe, bin ich auch öfters mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Aufgrund meiner aktuellen Entschleunigung und der damit einhergehenden geschärften Wahrnehmung beobachte ich dann alles mögliche und komme nicht umhin festzustellen, dass die „Black Mirror“-Geschichten, Science Fiction hin oder her, direkt aus dem Leben gegriffen sind.
Zum Beispiel wenn ich im Tram sitze und die einzige Person bin, die nicht in ihr Handy schaut. Keine Ahnung, was die Leute alle machen, sie sind jedenfalls voll auf ihr Gerät fixiert. Ein zaghaftes „Darf ich?“ bevor man sich neben wen setzt, erübrigt sich damit, weil das ohne Augenkontakt keinen Sinn macht. Ob sie gerade eine wichtige Mail beantworten, die Wetterprognose studieren, einen Bestseller lesen, die letzten Posts auf Facebook scannen oder endlich auch mal einen „MeToo“ oder „IHave“ Hashtag ins Universum schicken?

Apropos: In Bus, Zug oder Tram ist die Gefahr für sexuelle Belästigung deutlich geringer geworden, finde ich, denn Kontakte zu menschlichen Wesen im Allgemeinen und zum anderen Geschlecht im Speziellen halten sich in engen Grenzen. Was vielleicht ganz gut ist, denn wenn man nicht miteinander kommuniziert, kann man auch nichts falsch machen. Die Möglichkeit für unliebsame Interaktionen ist dann deutlich geringer. 

Die für wünschenswerte leider auch.
Aber vielleicht sehe ich das zu eng und während ich mich frage, wie das eigentlich heute läuft mit dem Flirten und sich kennenlernen, chattet die schwarzgelockte Schönheit schräg gegenüber bereits mit dem Anzugträger hinter mir, weil sie beide ein Tinder Profil haben, und verhandeln, ob sie sich bei ihm oder bei ihr oder notgedrungen in einem Hotel treffen.
Man weiss es nicht.
Man würde sich vielleicht wundern. 


IMG_0384

 

 

Veröffentlicht unter dazwischen, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Nach aussen gekehrt

Man zeigt ja nicht gern sein Innerstes, auch nicht in einem Blog, obwohl man gerade da oft so tut als ob. Auch wenn man sich den Anschein gibt, ehrlich, authentisch und gnadenlos offen zu sein – meist sind die Informationen so getrimmt, dass man selbst nicht zu schlecht wegkommt.
Selbstdarstellung und so weiter.
Ich bin da keine Ausnahme und in Wahrheit nicht halb so nett und witzig, wie ich mich hier gebe. Weil: Im Alltag habe ich ja keine Delete Taste, da passiert alles in Echtzeit, und da geht dann auf sozialer Ebene schon mal was in die Hose.
Was an sich nicht schlecht ist, denn natürlich eignen sich gerade die kleinen und grossen Katastrophen sehr gut, um darüber zu schreiben. Wenn ich aber darüber schreibe, dann wird ein bisschen geändert, über- oder untertrieben (immer zu meinen Gunsten natürlich), beschönigt, poliert; das Stückchen Leben wieder zum Glänzen gebracht.
Ein grosser Beschiss sozusagen.

Heute präsentiere ich deshalb mal etwas 1:1 aus meinem Innern. Okay, es wurde offensichtlich auch zum Glänzen gebracht, aber nicht von mir. Ich hab es bloss aus der Plastiktüte genommen, die mir kürzlich überreicht wurde und die ich als stolze Trophäe heimgetragen habe.
Aber von tief drinnen kommt’s, Ehrenwort!


Ich bin übrigens richtig begeistert von dem Teil und finde, es könnte glatt als Anhänger durchgehen. In den Schmuckauslagen hab ich jedenfalls schon Schlimmeres gesehen. Selbst die Schrauben sehen ganz putzig aus.
Und mein Ellbogen, der hält jetzt auch ohne all das wieder zusammen. Der wurde nämlich noch ein bisschen getrimmt…

IMG_2437

Veröffentlicht unter auf, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Feuerprobe

Nach fast fünf Wochen konnte ich mich als motorisierte Verkehrsteilnehmerin heute entspannen. Endlich darf ich wieder selber ans Steuer. Es wurde auch Zeit. Nicht nur für meine eigenen Nerven, auch für die meiner Mitmenschen.

Ich bin eine schlechte Beifahrerin, davon konnte schon der Handyman ein Lied singen, was einer gewissen Ironie nicht entbehrt, weil er es war, der mir vor langer Zeit das Fahren beigebracht hat. Vorher hatte ich zwar auch schon einen Führerschein, fuhr aber nur, wenn es sich nicht vermeiden liess und sprach vorher für alle Fälle noch ein Gebet.
„Dich hat einzig zu interessieren, was vor dir passiert“, schärfte er mir ein, „die hinter dir können dir nämlich Wurscht sein.“ Als ich diesen Grundsatz mal verinnerlicht hatte, reichte die Kapazität sogar noch, um etwas weiter voraus zu schauen, womit die Fahrerei plötzlich sehr entspannt vonstatten ging.

Ich wünschte, ich wäre im restlichen Leben so gelassen wie in meinem Auto auf dem Weg von A nach B, wo mich fast nichts erschüttert und ich nur in Ausnahmesituationen hysterisch werde. Es ist, als sei ich ein anderer Mensch, wenn ich Auto fahre.

Das gilt aber eben nur, wenn ich das Steuer in der Hand habe. Ich bin ein Kontrollfreak. Als Beifahrerin ängstige ich mich vor jeder Kurve, bei jedem sich verringernden Abstand, vor Fussgängerstreifen und Verkehrsampeln, wenn es regnet oder wenn die Sonne blendet und beim Twenager halte ich zusätzlich noch nach sich ins Auto verirrten Spinnen Ausschau, weil das unseren vorzeitigen Tod bedeuten könnte. Ich leide, und die Fahrer, die leiden mit. Weil ich meinen Mund nicht halten kann. Weil ich zwar weiss, dass es daneben ist – und auch nicht nötig – und es aber trotzdem tue. Meinen schlimmsten Feinden würde ich keine Beifahrerin wünschen wie ich es bin und meinen Lieben …denen rechne ich es hoch an, dass sie es trotzdem ab und zu ertragen.
Gut, dass ich jetzt wieder selber fahren darf.
Man will es sich ja nicht mit ALLEN verscherzen!

Veröffentlicht unter dazwischen, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

Aus alt mach jung

Yep, es hat geklappt. Auf meinem im Handy integrierten Notfallpass hat die Zahl gewechselt. Das geht automatisch, ohne dass man was macht. Im richtigen Leben ist es ja auch so. Älter wird man von ganz allein.
Witze wie „Wenn du über 50 bist und dir am morgen nichts weh tut…“ findet man dann nur noch halb so lustig, weil in (fast) jedem Witz ja auch ein Körnchen Wahrheit steckt. Glücklicherweise vergeht einem das Lachen trotzdem nicht, was vermutlich an der Diskrepanz zwischen dem inneren und dem äusseren Ich liegt. Während bei letzterem die Fassade zu bröckeln beginnt, fühlt sich das innere Ich immer noch jung, ja, fast scheint es sich sogar wieder zu verjüngen. Das könnte daran liegen, dass man mit den Jahren etwas milder wird. Dorian Gray’s Gegenpart sozusagen.

Dass man sich auch mit 80 noch jung fühlen und nach wie vor eine Heidenspass daran haben kann, durch herbstliche Blätter und auch sonst munter durchs Leben zu schlurfen, weiss ich aus mehreren verlässlichen Quellen und aus erster Hand. Das beruhigt mich. Ich mag mir ein Leben ohne Spass nicht vorstellen, ganz gleich in welchen Alter.
Ich sage das natürlich von einer sehr privilegierten Warte aus, schon klar, denn die optimalen Voraussetzungen für mein persönliches Spassmass wurden schon vor langer Zeit geschaffen, grösstenteils ohne mein Zutun. Glück gehabt! Wie oft sagt man das und wie selten denkt man darüber nach, wie wahr das ist.

Und dann gibt es natürlich auch noch diesen einen Menschen, der während der letzten Jahre nicht unerheblich zu meinem „Ich fühle mich wieder wie ein Teenager“-Gefühl beigetragen hat. Und obwohl er mir, weil er was davon versteht, erklärt hat, dass das ja bloss eine hormonelle Geschichte ist und maximal zwei bis drei Jahre anhält, muss ich ihn an dieser Stelle zwar nicht Lügen strafen, komme aber nicht umhin zu bemerken: Auch studierte Leute können sich mal irren.
Ich fühle mich nämlich je länger je mehr wie ein Teenager.

Und das wird heute gefeiert.
Leider ohne den Menschen, der am meisten dazu beiträgt.
Der ist leider grad woanders, weil er schon wieder …
… Grossvater geworden ist.

Mannomann!

250px-Oxytocin.svg

Oxytocin – das „Glückshormon“

 

Veröffentlicht unter auf, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 4 Kommentare

Lieber spät als nie

Es gibt Entscheidungen, wo ich mir aufgrund meiner Unfähigkeit, endlich mal einen Entschluss zu fassen, eine Entscheidungshilfe erschaffen muss. Ab und zu ist das dann zufallsorientiert, aber manchmal, so stelle ich fest, steckt auch viel Aufwand dahinter. So wie im vorliegenden Fall. Obwohl sich diesmal der Aufwand extrem gelohnt hat, nicht nur bezüglich der Entscheidungsfindung.

Es muss lange her sein, dass ich mir zum ersten Mal Gedanken machte über die Organspende. Ich vermute mal, das war vor über dreissig Jahren, als ich aufgrund meines damaligen Hobbys meine Unfallversicherung anpasste und einen Exit Ausweis ins Portemonnaie steckte, für den Fall der Fälle. Damit tat ich mich nicht schwer, aber die Frage mit der Organspende konnte ich für mich bis heute nicht schlüssig beantworten. Obwohl ich es eigentlich eine gute Sache fand, blieb da dieses vage, nicht zu benennende Unbehagen zurück, weshalb ich die Sache immer wieder aufschob.

Vermutlich ist es nur logisch, dass es einen sanften Schubs des Twenagers (mein eigenes Fleisch und Blut, wie man so schön sagt) brauchte. Er fand, Organspende sei eine gute Sache und füllte für sich, ohne mit der Wimper zu zucken, das Formular aus. Auf meine zaghaften Fragen und Einwände hatte er pragmatische und überzeugende Antworten parat. Er ist eben nicht nur mein, sondern auch des Handyman’s Fleisch und Blut.
Wo mein KInd so forsch voranschritt, konnte ich natürlich nicht weiter zaudern. Drum hab ich jetzt auch so einen Wisch. Und selbst wenn ich hoffe, dass er noch lange nicht zur Anwendung kommt –  jetzt ist die Sache endlich mal vom Tisch.

Der Tewnager seinerseits brauchte zwar keine Entscheidungshilfe, aber es gab doch einen Katalysator. Und wie er haarscharf analysierte: Vielleicht ist gar nicht so wichtig, ob die Initiative zur Organspende (Widerspruchslösung) zustande kommt oder ob sie, falls das der Fall ist, dereinst angenommen oder verworfen wird. Wichtig ist, dass man darüber redet, sich damit auseinandersetzt, und diesbezüglich tut die Initiative schon jetzt gute Dienste.
Vielleicht gibt es dann mehr Leute, die aktiv eine bewusste Entscheidung treffen. Und die nicht erst ein Kind grossziehen müssen, um Organspender zu werden…

 

 

Veröffentlicht unter auf, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Glattwanderung die Dritte

Ich weiss auch noch nicht, wo mich mein Weg letztlich hinführt, dachte ich heute, als ich diese steile Treppe in Angriff nahm. Jedenfalls längerfristig.
Heute aber wusste ich es, da brachte ich mein Glatt-Projekt zu Ende.

IMG_2409

Dieser letzte und landschaftlich schönste Teil führte mich an der Stelle vorbei, wo mein Bruder und ich vor bald vier Jahren die Asche meiner Mutter dem Fluss übergaben, so wie sie sich das gewünscht hatte. Es war schon recht kühl, wir hatten ein Feuer gemacht, und während sich die Flussurne allmählich auflöste, wobei ein schönes Farbenspiel entstand, tauschten wir Kindheitserinnerungen aus. Heute sass ich in der warmen Sonne am Ufer und freute mich darüber, dass jetzt, nach vier Jahren, die schönen Erinnerungen an meine Mutter wieder stärker geworden sind und damit die anderen, die die letzten Jahre ihres Lebens mit sich brachten, immer mehr in den Schatten stellen. 

IMG_2413

Nach der besinnlichen Pause freute ich mich an der stärker werdenden Strömung der Glatt, die über unzählige Schwellen fliesst, bevor sie …

IMG_2417

…irgendwo hinter diesem Viadukt dann im Schlund des Kraftwerks verschwindet und danach in den Rhein mündet.

IMG_2418.JPG

Und weil es so schön war, schlug ich noch einen Haken und wanderte eine Weile dem Rhein entlang, nun gegen die Strömung, und da tat sich dann auch manch hübsches Plätzchen auf.

IMG_2419

Obwohl der Sommer meine erklärte Lieblingsjahreszeit ist – es lebe der Herbst!

Veröffentlicht unter auf, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Dankbarkeit

Nicht zu „egoistischer, eitler Freude“ solle uns das herrliche (Spät-)Sommerwetter verleiten, sondern uns nachdenklich stimmen, schreibt ein Leserbriefschreiber und verweist auf Gletscherschmelze, Bergstürze und den „hausgemachten Klimawandel“.



Da hat er nicht unrecht, irgendwie, und sofort meldet sich bei mir das schlechte Gewissen. 
Ich muss nämlich gestehen, dass ich mich wahnsinnig freue über das aktuelle Wetter und jeden Morgen aufs Neue in Verzückung gerate, wenn ich die Augen aufmache. Wieder ein strahlend blauer Himmel! Nochmals Temperaturen wie im Sommer!!
Egal, dass ich noch immer ein bisschen flügellahm bin – bei diesem Wetter ist Flugtauglichkeit nebensächlich, da geht man gerne auch zu Fuss. Und das tue ich täglich, an sehr schönen Orten, weil ich auf einem sehr schönen Erdfleck wohne. Das weckt in mir eine tiefe Dankbarkeit der Natur, dem Leben gegenüber und dass ich nicht Auto fahren darf, ist da nur recht und billig. ÖV ist sowieso besser.
Aber der Konflikt nun.
Einerseits meine unbändige Freude an der Welt, die mich umgibt, auch bedingt durch das aussergewöhnlich schöne Wetter, andererseits der Klimawandel.
Eine echte Knacknuss.

Ich löse das Problem, indem ich noch ein bisschen dankbarer bin für all das Schöne, was mich umgibt. So halte ich es auch, wenn ich die Zeitung lese und mich bang frage, womit ausgerechnet ich es verdient habe, an so einem sicheren Ort leben zu dürfen (hab ich natürlich nicht, ich hab einfach verdammtes Glück gehabt, als das Schicksal Roulette spielte). Was sollte ich sonst auch tun?
Meine Dankbarkeit verhindert zwar weder Klimawandel noch Kriege, aber sie ist das einzige, was ich dem Universum momentan zurückgeben kann. Wenig vielleicht, aber besser als nichts.
Und übermorgen soll’s ja wieder regnen.

IMG_2403.jpg

Veröffentlicht unter auf, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 3 Kommentare

Glattwanderung die Zweite

Über sieben Brücken musst du gehn, heisst es im Lied der DDR Rockband Karat.
Und damit kein falscher Eindruck entsteht: Es ist mir der Brücken wegen in den Sinn gekommen. Mein persönlicher Glücksstern leuchtet zum Glück nach wie vor hell am Himmel, momentan in Form der betörenden Spätsommersonne, die mich meinen stillgelegten rechten Arm vergessen lässt.

IMG_2344

IMG_2347IMG_2369

IMG_2376IMG_2386IMG_2387IMG_2396

 

 

Veröffentlicht unter auf, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Fein gewoben

IMG_2380Die Schatten werden länger, aber mein Lieblingseis gibt es noch bis Ende Monat.
Es lebe der Altweibersommer, der übrigens nichts mit dem weiblichen Geschlecht zu tun hat, sondern von den durch die Luft fliegenden, in der Sonne silbern glänzenden Spinnwebfäden herrührt.

Veröffentlicht unter auf, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | 5 Kommentare

Links ist da wo er Daumen rechts ist

Nun gibt es ja genug, worüber ich mir als Weltbürgerin im Moment Sorgen machen könnte, man weiss gar nicht, wo man zuerst hingucken soll bei all den Problemen. Und ausgerechnet jetzt kriecht mir noch ein zusätzliches Unbehagen den Rücken hoch, von wo es dann fast täglich kalt wieder hinunterläuft.

Mich nerven lautstark polemisierende Typen. Nach meinem Empfinden waren das bis vor kurzem fast ausnahmslos ziemlich rechts stehende, in meinen Augen ewig gestrige Personen des öffentlichen Lebens. Da war für mich die Welt und meine persönliche Kategorisierung quasi noch in Ordnung.
Die genannten Exemplare gibt es immer noch, aber sie werden seit einiger Zeit von einem neuen Phänomen in den Schatten gestellt. Oder hat sich da bloss meine Wahrnehmung verschoben? Heutzutage bleibt es oft nicht beim Polemisieren, sondern es kommt zu Drohungen und Handgreiflichkeiten. Zu solchem Verhalten aber neigen nun nicht unbedingt SVP-Politiker sondern progressive Linke. Ein Redner an der ETH, dessen Ansichten nicht ins gängige Bild passen? Sein Auftritt wird zum vornherein verhindert. (Bei uns noch ein Novum, aber da wir schon immer ein paar Jahre hinter Amerika her hinkten, wohl bald die Regel). Eine verdiente Feministin outet sich als Zionistin? Sofort wird sie von anderen Feministinnen verurteilt, obwohl es mir schleierhaft ist, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Ein Autor schreibt ein unbequemes Buch pädagogischen Inhalts? Vielleicht hat er Glück und kommt mit einem Shitstorm davon. Eine Illustratorin zeichnet einen gewagten Comic? Es könnte das Ende ihrer Karriere sein. 

Der neuste Fall: Andreas Thiel. Nicht dass ich ein Fan wäre; ich kenne den Mann nur des Skandals wegen, den Rogers Schawinskis Interview mit ihm auslöste. Vermutlich würde mir sein Auftritt so wenig gefallen wie seine Frisur, aber egal. Andreas Thiel also, der in seinem Bühnenprogramm auch den Islam nicht ausklammert, der ist zum Satiriker non grata geworden und weil er als Vegetarier nun mal keine Eier mag und generell keine Gewalt, zieht er es fortan vor, nicht mehr aufzutreten. Wieder einer mundtot gemacht.
Auf einmal gibt es da eine Gilde, die nicht nur weiss, welche Werte die einzig wahren sind, sondern alle, die anderer Meinung sind, zum Schweigen bringen will. Die Andersmeinende einfach niederschreit. So uneinig ich im allgemeinen mit den rechten Politikern bin; diejenigen die lautstark Anlässe stören, sind sie nicht. Darin sind ihnen linke Aktivisten deutlich voraus. Ein richtig schöner Streit, der sich damit im besten Fall zu einer produktiven Diskussion entwickeln könnte, wird dadurch im Keim erstickt. 

Wenn’s ums Politisieren geht, dann geht es neuerdings auch um Identitäten. Wer nicht zur selben Gruppe gehört, wer etwas verlauten lässt, was „politisch nicht korrekt“ ist, mit dem will man nicht nur nichts zu tun haben, dem will man auch das Wort verbieten. Aufgrund der vielen Splittergruppnen, die dadurch entstehen, geht der Kern der Sache dann schon mal flöten. Wofür war man noch mal genau? Hauptsache gegen DIE.
Dass sich mitunter aber dann wieder die launigsten Koalitionen bilden (wenn zum Beispiel verhüllte Frauen, welche die Scharia eine gute Sache finden, neben Hardcore Feministinnen marschieren), sollte mich nicht weiter erstaunen. Ich blick nämlich nicht mehr durch. Und ich weiss auch nicht mehr, auf welcher Seite ich stehe. Ich hab sozusagen ein bisschen die Orientierung verloren.
Aber – ob ich das überhaupt noch sagen darf?

IMG_2133

Veröffentlicht unter ab | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Lichtblick

Es ist ein Traum, den wohl jede Lehrperson schon hatte. Manche träumen ihn noch Jahre, nachdem sie bereis aus dem Schuldienst ausgetreten sind.
Du stehst vor einer Klasse und hinten im Zimmer sitzen ein oder auch mehrere Besucher. Wenn du ganz grosses Glück hast, ist auch gerade Besuchstag und die Bude gerappelt voll. Die Stunde beginnt, alle Augen sind erwartungsvoll auf dich gerichtet und dir wird klar, dass du keine Ahnung hast, wie’s weitergehen soll. Weil du nicht vorbereitet bist. Oder weil du zwar vorbereitest bist, aber die Unterlagen irgendwo vergessen hast, zum Beispiel zu Hause. Oder weil du die Unterlagen partout nicht findest, obwohl sie eigentlich da sein müssten.
Egal für welche Variante sich dein Traum Avatar entschieden hast, es ist eine dieser Situation in der du eine tiptope Performance abliefern solltest, aber völlig ins Leere läufst. Du merkst, wie sich Panik breit macht, dein Puls steigt von einem sowieso schon hohen Ruhepuls ins Unermessliche und im besten Fall rettest du dich, bevor die Katastrophe in Form einer Vollblamage über dich hinweg schwappt, in den Wachzustand. 
Und da bleibst du dann auch für eine ganze Weile.

Ich hatte den Traum kürzlich auch wieder. 
Zwei Details aber haben mir gezeigt, dass meine Auszeit Früchte trägt. Erstens war ich nicht in meiner „alten“ Schule, sondern in einer neuen. Ich bin also bereit, mich von der Vergangenheit zu lösen und mit der Zukunft zu befassen. Soweit so gut.
Es war mein erster Schultag und ausser der Klasse waren auch die Eltern anwesend, die mich begutachten wollten. Während ich sie begrüsste, versuchte ich mich zu erinnern, wohin ich verdammt noch mal meine Unterlagen gelegt hatte. Mein Puls stieg proportional zu meiner Nervosität, ich konnte die Begrüssung nicht weiter in die Länge ziehen…das unschöne Ende war absehbar. Alles wie immer.
Doch diesmal lief es anders.
Irgendwo auf dem Weg zwischen Träumen und Wachen, wohin ich mich zurückzuziehen gedachte, sprach eine Stimme zu mir (und ich gehe davon, dass es meine eigene war): „Jetzt überleg mal: Wenn die Situation wirklich so ist, wie sie sich in deinem Traum darstellt, dann kannst du Gift drauf nehmen, dass die Unterlagen da liegen, wo sie liegen sollten. Nämlich auf dem Pult. Also reg dich ab und schlaf weiter!“
Und das tat ich dann auch. Was mich sogar im Nachhinein noch saumässig freut.

IMG_1975

Veröffentlicht unter auf | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Am Fluss der Erinnerungen

Ich liebe es, einem Fluss entlang zu wandern. Das hängt nicht zuletzt mit den topographischen Begebenheiten zusammen. Leicht bergab – das kommt mir sehr entgegen. Meist ist so ein Flussspaziergang auch abwechslungsreich und spannend, denn während das Wasser gleichmässig nebenher rauscht, verändert sich die Szenerie ständig. Ein schöner Gegensatz, der gleichermassen Ruhe wie neue Eindrücke beinhaltet.
Schon lange wollte ich einmal dem Fluss meiner Kindheit folgen. Ich startete auf dem unteren Uferweg nicht weit vom Greifensee, wo mir während der ersten Stunde auf Schritt und Tritt Kindheitserinnerungen begegneten. Die Sportanlage, wo jeweils der schnellste Dübendorfer auserkoren wurde (und wohl noch immer wird). Die Kunsteisbahn, auf der ich so viele Stunden Pirouetten geübt hatte. Die Minigolfanlage, wo sich die ersten Flirts abspielten. Der „Chreis“, neben dem wir jeweils Frösche beobachtet hatten. Der Hof, der früher viele Kleintiere beherbergte. Der Abschnitt, den ich abends Hand in Hand mit meiner Mutter ging, wenn ich Zuspruch nötig hatte. Der kleine Wasserfall, wo mein Bruder und ich unsere Gummigiraffen den Fluten anvertrauten, damit sie ins Meer schwimmen konnten.
Als mir die unvergessenen Gerüche der Givaudan Fabrik in die Nase stiegen, stiess ich langsam aber sicher in unbekanntes Gebiet vor. Erstens waren wir hier früher nie spazieren gegangen und zweitens hat sich auf diesem Abschnitt in den letzten Jahrzehnten einiges getan. Die Bildreihe „Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder“ von Jörg Müller nimmt sich daneben wie eine idyllische Postkartenreihe aus.

Es war seltsam, dem Uferweg zu folgen, wo noch abgeschnittenes Gras liegt, Bäume ihre Äste ins Wasser hängen und Reiher wohnen (ich sah zwei aus nächste Nähe), während die Geräuschkulisse auf die unmittelbar daneben liegende Autobahn hindeutet und durch das dünner werdende Laub all die Betonriesen schimmern. Industriequartier vom Feinsten! An einer Stelle, wo es gerade eine grosse Baustelle hat, gab ich beinahe auf, weil ich keinen Durchgang fand und dem Fluss nicht weiter folgen konnte; Autobahn, Bahngeleis sowie die riesige Kehrichtheizkraftwerk Hagenholz versperrten mir den Weg. Ich irrte ein bisschen herum, machte einen Umweg, der mich zu einem Bach führte welcher, wie ich scharfsinnig schloss, letztlich wieder in die Glatt führen musste und tatsächlich: Endlich war ich wieder auf dem Uferweg, der sich nach Auzelg wieder idyllischer gestaltet. Vorausgesetzt, man stört sich nicht an startenden Flugzeugriesen, die scheinbar knapp über den Kopf hinweg dröhnen.
In Glattbrugg beendete ich meine Flusswanderung fürs Erste. Aber ich freue mich schon auf den zweiten Teil, der mich hoffentlich bis zur Rheinmündung führen und wieder etwas weniger urban sein wird. Trotzdem möchte ich auch diesen ersten Teil mit seinen vielen Eindrücken nicht missen. „Mein“ Fluss hat seinem Namen alle Ehre gemacht – ich fand es richtig  „glatt“.

IMG_2359

 

Veröffentlicht unter auf | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Drohnen für den Alltag

Den ganzen Morgen überlegte ich, was ich bei der betreffenden Firma bestellen könnte und endlich kam mir die die zündende Idee, nämlich solcherart meinen Vorrat an Kaffee aufzustocken, der aus aktuellem Anlass drastisch schwindet.
„Deals: Drohnenlieferung testen und 20% sparen“ heisst es im Betreff des verlockenden Mails und ich muss sagen, es juckte mich in den Fingern.
Drohnen sind eine tolle Sache. Selbst wenn im letzten Mai fast ein Passagierflugzeug von einer abgeschossen wurde.
Der Handyman, ehemaliger und (dafür leg ich die Hand ins Feuer) erstklassiger Berufspilot hat mir schon früh eingeimpft: Maschinen sind generell verlässlicher als Menschen. Also her mit den maschinell gesteuerten Gefährten, Flugzeugen und Schiffen. Ein paar ungünstig im Weg stehende Individuen könnten zwar dran glauben müssen, aber unter dem Strich werden’s wohl weniger sein. Auch befinden wir uns ja noch in der Versuchsphase und um Grosses zu schaffen, müssen immer ein paar Opfer gebracht werden. Sowieso bin ich der Meinung, mit der Zeit zu gehen sei die beste und einzig vernünftige Strategie angesichts der Tatsache, dass sie auch ohne mich geht.

Ganz abgesehen von solchen Überlegungen war ich kürzlich in der Stadt einer Versuchsdrohne auf den künstlichen Fersen, die sich zaghaft durchs Menschengewimmel tastete. Faszinierend. Ich war hin und weg, so putzig war sie anzusehen. Die Aussicht darauf, mein Küchenfenster zu öffnen, worauf eine schneeweisse Drohne herein schwirren würde, um mir meinen Kaffee zu reichen, liess mein Herz höher schlagen und hob meine Stimmung schlagartig.

Um mich auf das ergreifende erste Mal vorzubereiten, schaute ich mir erst noch den Werbefilm an und da, leider, offenbart sich nun der Haken. Nichts mit Fenster öffnen und Kaffeetasse hinhalten!
Die Drohne landet auf dem Dach eines Lieferwagens und die letzten Kilometer werden von selbigem zurückgelegt, der auf herkömmliche Art von einer menschlichen Person gesteuert wird. Diese letzten Kilometer denn stellen auch das grösste logistische Problem des Projekts dar, weil die Lieferzeit dann von der Verkehrslage abhängt. Und der Verkehr, der wird vorläufig noch von sehr unberechenbaren Wesen bestritten.

Ich verschiebe meine erste Drohnenbestellung deshalb noch für eine Weile, bis sich die Verkehrslage gebessert hat.

IMG_0450

Veröffentlicht unter auf | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Die beste Therapie

Ab und zu gibt es neben dem obligaten „Grüezi“ einen erstaunten Blick auf meinen rechten, dekorativ blau geschmückten Arm, der, obwohl ich mich um einen dynamischen Rhythmus bemühe, ein bisschen trübe an mir hängt. „Alle Achtung“, scheinen die Blicke zu sagen, „dass du damit im Walt herumläufst.“ Die ersten paar Male habe ich mich anschliessend zu Hause vor den Spiegel gestellt und genau hingeschaut, aber nein: Ich sehe nicht aus, als ob ich demnächst das Zeitliche segnen würde. Ich sehe im Gegenteil grad ziemlich okay aus, was den Wochen an der Sonne sowie dem Umstand zu verdanken ist, dass ich wieder mehrere Stunden am Stück schlafe und nur noch ein bis zweimal pro Woche von der Schule träume. Ich verjünge mich praktisch stündlich.
Wieso also die erstaunten Blicke? Es ist ja mein Arm, der geschient ist, und nicht ein Bein. Die Krücken, mit denen ich mich anfangs Jahr nach der Hüftopperation herumschlagen musste, sind in die hinterste Ecke des Kellers verbannt worden und da bleiben sie hoffentlich auch.

Was für ein Genuss, einfach wieder losmarschieren zu können! Ich habe das grosse Privileg, am Rand einer ausgedehnten Grünzone zu leben. Eigentlich könnte ich in jeder Richtung gehen, aber klar – ich habe meine Lieblingsroute. Sie führt fast ausschliesslich durch den Wald und obwohl ich sie fast jeden Tag gehe, erlebe ich sie immer wieder anders und jedes Mal gibt es Neues zu entdecken an Formen, Farben, Gerüchen und Geräuschen. Gerade jetzt sind die verschiedenen Grüntöne besonders intensiv; das Zusammenspiel ihrer Farbschattierungen ist wunderschön. Bereits fallen überall die Blätter, schon bevor sie sich richtig verfärbt haben und obwohl mich das immer etwas melancholisch stimmt, weil ich den Sommer nun mal lieber mag als den Winter, ist es schön, durchs am Boden liegende Laub zu schlurfen.

Wie gerne ich diesen Wald mag. Und auch wenn – nein: gerade weil – mein eingezurrter Arm ein bisschen nervt, weil nicht alles so schnell geht, wie ich es gern hätte, dann ist die ultimative Kur, um wieder gute Laune zu kriegen, ein ausgedehnter Streifzug durch den Wald. Es ändert ganz einfach die Perspektive – der Blick richtet sich wieder nah oben.

Weshalb ich jeweils fröhlich zurückgrüezie und mir ein aufmunterndes und beschwichtigendes Lächeln nicht verkneifen kann.

IMG_2103

Veröffentlicht unter auf | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare