Kann sein – kann auch nicht sein

Im Traum sitzen an diesem frühen Freitagabend fast ausschliesslich Frauen, bloss einen Mann erspähe ich weiter hinten. Vielleicht wollen sie alle zu „dem“ Event? Oder aber sie haben, so wie ich, einen Team Anlass? Oder sie kommen von der Arbeit? Obwohl…

Die Stimmung ist ein bisschen gespannt, seit die letzte Fragende vom Tramfahrer ziemlich rüde abgekanzelt wurde. „Jetzt haben Sie doch Geduld! Sobald ich Genaueres weiss, gibt’s eine Durchsage!!“ Die nächste Frau steigt ein, wird nicht schlau aus den verschiedenen Handzeichen mit begleitender Mimik und – wendet sich fragend an den Tramfahrer. 

„ …?“ „ … !!“ „ … !!!“ 

Einige schmunzeln, andere sind genervt, man wartet. Nun kommt ein junger Mann ….NICHT!!…doch zu spät, schon streckt er seinen Kopf ins Tramführerhäuschen.

 „ …?“ „ … !!!“ „ … !!!!“

Der junge Mann setzt sich konsterniert neben ein junges Mädchen und weil alles nicht so ist wie sonst, beginnen sie miteinander zu reden. Wer weiss? Vielleicht, in zwanzig Jahren, werden sie liebevoll und augenzwinkernd zueinander sagen: „Weisst du noch? Damals?“

Kann sein. Kann auch nicht sein. Vielleicht werden sie sich auch über einen Berg von Alltagsmühseligkeiten grimmig anblicken, beide am Ende ihrer Nerven, und zueinander sagen: „Verdammter Frauenstreik!“

Nachtrag: Während ich noch darauf wartete, dass der entnervte Tramfahrer das Handtuch werfen und ins Mikrofon schreien würde: „Dann seht doch selber, wie ihr in die Stadt kommt – dort geht gerade gar nichts mehr, und zwar wegen EUCH!“, löste sich plötzlich alles in Wohlgefallen auf. Es kam eine Durchsage in heiter freundlichen Ton („Ich darf Ihnen mitteilen, dass die Strecke wieder offen ist“) und das Tram setzte sich in Bewegung. Alle atmeten erleichtert auf, lächelten einander zu und das zukünftige Pärchen vor mir unterhielt sich weiterhin angeregt.

Ich hoffe auf die erste Zukunftsvariante. 

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Ruhe vor dem Sturm

Frühstück auf dem Balkon – gelobt seien meine unterrichtsfreien Tage. Schon fast fühlt es sich an, als wäre ich in den Ferien. Da kratzt mich die Sommerhitze nicht, ganz im Gegenteil. Ich kann mich dann schon mal auf mehr einstellen. 

Die Temperatur zu dieser Zeit noch angenehm, Vogelgezwitscher, dass sich mit klassischer Musik aus einem offenen Fenster mischt, das Hupen der Autos im Stau dringt nur von weitem an mein Ohr – ich befinde mich im Auge des Sturms. Es ist einer der letzten geruhsamen Tag vor dem Endspurt. Sporttag, Zeugnisse machen, Klassenlager, Schuljahresende… in etwas weniger als drei Wochen ist’s geschafft (und ich werde es wohl auch sein). Ein weiteres ereignisreiches, manchmal zwar stressiges, aber dafür auch lehrreiches Schuljahr geht seinem Ende entgegen.
Ich bin angekommen. Und steige deshalb frohgemut für eine vorläufig letzte Runde in den Ring

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Fernsehmarathon

Yesss, ich habs wieder mal getan. 

Ist schon eine Weile her seit dem letzten Mal, wie meine Recherche ergeben hat. Und ich bin stolz darauf, bis zum Ende durchgehalten zu haben, auch wenn ich jetzt in den Seilen hänge.

Geholfen hat die Tatsache, dass der Eurovision Contest in Tel Aviv ausgetragen wurde. Da gab’s kein wenn und aber – wir positionierten uns mit viel Knabberzeugs und Getränken vor dem Fernseher, um den Abend zu überstehen. 

Der begann überraschend gut, denn zuerst gab’s eine Doku über die Stadt unseres Herzens und selbst wenn die etwas eindimensional daherkam; man konnte sehen, dass auch Sven Epiney angetan war von der pulsierenden Metropole und ihrer offenen Atmosphäre. Mit wachsender Vorfreude auf die Sommerferien stellte ich mich anschliessend der Herausforderung. 

Die Musik war grösstenteils nicht nach meinem Geschmack, leider, immer noch nicht oder je länger je weniger, aber darum ging’s ja letztlich auch nicht (nur). Es war schön zu sehen, wie so viele verschiedene Länder miteinander können, und dass „wir“ ganz vorne mitmischten, schadete der Motivation dranzubleiben auch nicht.

Ausserdem gaben die Teilnehmenden wie immer ihr Bestes, und auch im schlechtesten Fall kann man das, wie ich finde, estimieren. 

Ein bisschen verstörend war einzig der Auftritt der Isländer, der durch ausserordentlich Hässlichkeit auf allen Ebenen herausstach, und bei dem ich mich im Nachhinein auch noch fragen muss, wo die Truppe ihr Hirn gelassen hat. In Gaza würden sie in ihrem Kostüm nämlich keine fünf Minuten überleben, Palästinenserflagge hin oder her.

Es wurde viel geschrieben und palavert im Vorfeld dieses Grossereignisses. Ich für meinen Teil freue mich darüber, dass der Wettbewerb in Israel ausgetragen wurde und einige der vielen Millionen Zuschauer vielleicht eine Ahnung davon erhaschen konnten, dass dieses Land eine Oase in Bezug auf Toleranz und ist.
Auch wenn ihnen was anderes erzählt wird.

Immer noch eins meiner Lieblingslieder eines ESC (2010). Dieses Jahr hätte das Lied des Themas wegen bestimmt gepunktet.
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Schon komisch…

…die Bilder, welche die Berichten über den neusten Konflikt rund um Gaza und Israel illustrieren. Ein Beispiel aus der heutigen NZZ online, die noch am ausgewogensten durchgehen mag.

Das erste Bild zeigt eine nächtlich beleuchtete Stadt mit glitzernden Linien am Himmel (Raketen aus Gaza) .
Sieht richtig nett aus. Könnte auch ein festliches Feuerwerk sein. Von Einschlägen ist nichts zu sehen. Die haben schliesslich einen Iron Dome (der aber leider nicht alles abfangen konnte, was zu Toten, Verletzten und beschädigten Häusern führte).  Und überhaupt – wieso haben die sowas? Wie unfair!!! Die bräuchten sich doch überhaupt nicht zu wehren…

Das zweite Bild zeigt eine schwarze Rauchsäule nach einem Einschlag in Gaza.
So sieht richtiger Krieg aus. Nicht mit Glitzereffekt, sondern drohender, schwarzer Rauch, der zum Himmel steigt Es ist schon jetzt wieder klar, wer hier der Bösewicht ist.

Das dritte Bild zeigt einen Mann, der auf einem riesigen Trümmerhaufen thront. 
Das Bild weckt den Anschein, es könnte sich um sein Haus handeln. Die Bildunterschrift spricht aber von „ein“ Haus und nicht von „sein“. Wäre es seins, so würde das breitgeschlagen. Ich zweifle gar daran, dass das ein „frisches“ Trümmerfeld ist… (der schwarze Rauch fehlt!) Ausserdem posiert der Mann so gut da oben, dass er glatt zu GNT könnte.

Ja, ich weiss, jetzt werde ich fies. Dabei tun mir die Menschen in Gaza ebenso leid wie die in Israel. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, weil die Hamas kürzlich bei einer Säuberungsaktion x Leute umbrachte und weitere folterte. Das interessiert die Welt dann nicht so.
Aber wenn’s hart auf hart kommt, dann stehe ich auf der Seite derjenigen, die in meinen Augen ein Recht darauf haben, sich zu verteidigen.
Kein anderes Land auf der Welt würde sich das so bieten lassen…

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Ich hänge dran

Die Ferien neigen sich dem Ende zu. Eigentlich wollte ich hier noch was Lustiges schreiben und meine gestrige Einladung unter einen fremden Schirm launig in Szene setzen.
Nun brauch ich aber einen Schirm anderer Art, denn die Berichterstattung im Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen lässt mir gerade den Humor vergehen. 

Vom Humus, der noch im Land weilt, wusste ich schon von den gestrigen ununterbrochenen Raketenbeschüssen aus dem Gazastreifen. Sie hatten Tote und Verletzte gefordert und einmal mehr wird die Bevölkerung, die in den Schutzräumen ausharren muss, in Angst und Schrecken versetzt. Im Süden blieben zudem die Schulen heute, am ersten Tag der Woche, geschlossen. Und ja, auch in Gaza gab es aufgrund der Reaktionen Opfer, nicht wenige sogar, obwohl nicht klar ist, aus welchen Quellen die Zahlen stammen, und obwohl die israelische Armee im Gegensatz zur Hamas nicht gezielt auf Zivilisten hält. Ein riesengrosser Schlamassel ist das wieder mal.

Ich wusste natürlich schon, was mich erwartet, und als ich den ersten Artikel heute Morgen las, verging mir die Lust auf weitere. Ulrich W. Sahm, Nahost-Korrespondent, hat ebendiesen Artikel analysiert und mir aus der Seele geschrieben.

Vor drei Tagen noch habe ich anlässlich des Holocaust Memorial Day’s Berichte von Überlebenden gelesen und Videos geschaut. Eins davon, das mich aus verschiedenen Gründen persönlich berührt hat, hiess „lust for life“. Diese Lust aufs Leben ist es, was dieses Volk am Leben erhält, trotz all der Widrigkeiten, mit denen es sich konfrontiert sah und sieht. Diese Lust aufs Leben ist es vielleicht jeweils, die mich so beeindruckt und mich durchdringt, wenn ich dort bin. Diese Lust aufs Leben wird Israel vorgehalten. In Tel Aviv ist „business as usual“ angesagt (Zitat aus der heutigen Tagesschau). Pfui. Wie kann man nur. Wo doch weiter südlich und in Gaza gerade mal wieder der Krieg tobt.
Ja, man kann. Man muss sogar. Sonst könnte man sich auch sofort die Kugel geben.
Dass gerade jetzt wieder die Post abgeht, ist nun ja kein Zufall. Vor drei Tagen Memorial Day, in weiteren drei Tagen Independence Day und irgendwann dann auch noch der Eurovisions Contest – das gefundene Fressen für die Hamas. Es ist ein altbekanntes Muster.  Egal was läuft oder nicht läuft – Israel wird sowieso an allem Schuld haben.

Heute wollte ich mich von der ganzen Misere ablenken und stürzte mich in Vorbereitungen für die Schule. Bei einer Recherche zur nächsten Klassenlektüre stiess ich aufs Ölboykott von anno 1973. Da ich mich vornehmlich an den mir damals äusserst willkommenen autofreien Sonntag erinnere, an dem ich mit den Rollschuhen kreuz und quer durchs Dorf sausen konnte (das Ölboykott also gerne noch länger hätte dauern sehen), wollte ich es noch etwas genauer wissen.
Allein – mir war keine Ruhe vergönnt, denn siehe, wessen Schuld war das Ölboykott letztlich?
Natürlich war Israel schuld. Wer sonst? Wie kam dieses Land auch dazu, sich zu wehren, als es am Abend von Yom Kippur, dem höchsten Feiertag, überraschend angegriffen worden war.
Der Humus, ein paar Jahre älter als ich, aber auch noch sehr jung, musste in den Krieg und konnte sich in den darauffolgenden Tagen von seiner unbeschwerten Jugend verabschieden. Einige seiner Freunde  hatten weniger Glück und verabschiedeten sich vom Leben.
Aber die, die noch da sind, die hängen dran.
Und ich, ich hänge an Israel. Was will man machen?

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Entspannt gespannt

Dass ich in diesem Leben nochmal an den Punkt komme, wo ich ganz entspannt bin, das habe ich mir abgeschminkt. Eigentlich dachte ich ja mal, ich würde ruhiger werden mit den Jahren, aber es zeigt sich, dass dem nicht so ist. Noch immer bringen mich Kleinigkeiten von der Rolle, mache ich mir zu schnell und zu viele Gedanken über alles Mögliche, steigere mich aufs Schönste in vermeintliche Probleme hinein, die gar keine sind. Es gelingt mir sogar noch besser als früher.

Aber was soll’s – ich bin nun mal die, die ich bin und die Kehrseite der Medaille ist, dass mich Kleinigkeiten enorm glücklich machen können, ich aus allem Möglichen beflügelnde Gedanken ableiten kann und die Probleme, haben sie sich einmal in Luft aufgelöst (was sie glücklicherweise meist tun) eine Blase geballter Lebensfreude hinterlassen. Durch das stetige Auf und Ab bin ich öfters etwas angespannt, aber langweilig wird mir dabei nicht.
Meinen Liebsten übrigens auch nicht…

Es gibt sie aber, die Inseln der entspannten Musse und wenn ich auf einer bin, so wie gerade jetzt, dann blicke ich trotz Zickzack Kurs zufrieden auf mein Leben im Allgemeinen und aufs letzte Jahr im Speziellen zurück. 

Dass ich mit den vergangenen Jahrzehnten im Reinen bin, auch wenn letztlich in meinem Privatleben nicht alles so gekommen ist, wie ich es mir vorgestellt hatte, zeigte mir kürzlich die spannende und vergnügliche Lektüre des Buches, das ein segelfliegender Abenteurer, den zu kennen ich das Glück habe, geschrieben hat. Da wurden viele Erinnerungen wach an meine Jahre als Gefährtin eines anderen leidenschaftlichen Segelfliegers, der notabene im Buch öfters vorkommt. Fazit: Ich habe das Buch mit Hochgenuss verschlungen und bin weder betrübt noch nostalgisch sondern einfach bloss dankbar und glücklich, dass diese Jahre Teil meines Lebens waren und sind.

Das letzte Jahr wiederum hat mich beruflich ziemlich gefordert.
„Ich finde das ziemlich mutig“, hatte mein ehemaliger Schulleiter gesagt, als ich ihn über meine Kündigung informierte, weil ich mich beruflich verändern wollte. Damals wusste ich nicht recht, was er meinte, aber ich sah ja auch vor allem das kommende Jahr mit sehr viel Freiheit vor mir. Ein Jahr später begann ich zu ahnen, wovon er gesprochen hatte. In meinem Alter nochmals woanders anzufangen, mich auf eine neue Aufgabe, ein neues Team, neue Kinder, neue Eltern, vor allem auch einen neuen administrativen Apparat einzulassen, das war nun wirklich nicht ohne und hat mein oben genanntes Talent zur Hochform auflaufen lassen. 

Es steht ausser Frage, dass ich weiterhin gefordert sein werde – das ist aus verschiedenen Gründen absehbar –  aber mittlerweile bin ich an meinem neuen Arbeitsort angekommen, trällere bei der Fahrt zur Schule wieder vor mich hin wie vor dreissig Jahren und vor allem: Ich habe in den vergangenen Monaten tüchtig dazu gelernt. Das beste Rezept gegen das Altwerden, wie ich finde. Und ein Punkt, an dem ich mich festhalten werde, sollte es wieder anders kommen. 

Ganz nebenbei übe ich mich darin, etwas von meinem Kontrollfreak Dasein abzulegen. Dass der Hummus nun in meiner kleinen Küche angerührt wird und ich zwar – wie angenehm – bekocht werde, aber dafür anderweitig ab und zu ein Auge zudrücken muss, ist auch eine Herausforderung, manchmal. Ich hab ja jetzt nicht soviel Erfahrung mit nicht segelfliegenden und häuslichen Männern. Ist etwas gewöhnungsbedürftig.
Aber ich lerne dazu.

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Klimaschutz

Der Vorsprecher tut sein Bestes, um die Masse zu mobilisieren und ihnen die wichtigsten Sprüche beizubringen, die sie auf dem folgenden Marsch skandieren sollen. Die Menschen sind in Scharen gekommen, mit Kind und Kegel, der ganze Helvetiaplatz ist voll. Während dem Vorsprecher schon nach wenigen Minuten die Stimme einbricht, kommt die Menge langsam auf den Geschmack. Sprachlich darf man keine zu hohen Anforderungen stellen – ich finde es in einem Anflug von Grössenwahn sehr schade, dass man nicht mich gefragt hat, denn die etwas hölzernen Sprüche schmerzen mich in meinem Autorenherz – aber die Stimmung ist ausgelassen und schliesslich ist es ja für einen guten Zweck. 

Der Twenager und ich profitieren von nahe gelegenen Musikboxen und nach dem langen Stehen gefällt es uns sehr, ein bisschen zu tanzen, auch wenn es uns irritiert, dass aus unerfindlichen Gründen zwei verschiedene Ghettoblaster von den entgegengesetzten Seiten des Platzes in die Gegend röhren. Eine Klima Battle? Wir befinden uns ziemlich genau dazwischen und entscheiden uns für die Oldies. Auch, weil auf der anderen Seite laut Twenager, der ab und zu in der Samsung Halle jobbt, gerade eine deutsche Band singt, die seines Erachtens Nazi Tendezen aufweist. Aber so genau hat man das wohl nicht recherchiert.

Auch unser Tag steht im Zeichen des Umweltschutzes, denn wir sind auf dem Flohmarkt. Ist ja viel umweltfreundlicher, die alten Sachen zu verklickern, als sie einfach wegzuschmeissen. Schon seit vielen Stunden sind wir hier, denn bereits kurz nach sechs Uhr mussten wir uns vor dem Tor einfinden. Normalerweise bringt mich um diese Zeit an einem Samstagmorgen nichts ausser Hause, aber ab und zu muss man über seinen Schatten springen, um eine neue Erfahrung zu machen. Diese hat es in sich, da hatte der Twenager, der das vor einem Jahr schon mal mit einer Freundin durchexerziert hatte, nicht zu viel versprochen. „Du wirst sehen, das ist eine sehr bunt gemischte Klientel“, hatte er gesagt und mich vorsichtshalber gebrieft. „Die wollen nix bezahlen – wegen des Geldes müssen wir das also nicht machen.“

Recht hatte er gehabt, denn mehr als ein Trinkgeld springt bei der Aktion nicht heraus, dafür aber jede Menge Spass. Abgesehen vom frühen Aufstehen natürlich. Man kommt mit den verschiedensten Leuten in Kontakt, hat herzerwärmende, erheiternde und manchmal auch irritierende Begegnungen. Kurz bevor sich der Klima-Demo Zug in Bewegung setzte, gingen die Emotionen am höchsten. Eine Laufkundin hielt mir einen längeren Vortrag darüber, wie schädlich die AKW’s für unsere Umwelt seinen – während sie direkt daneben gegen das CO2 anschrien – und eine andere schalt mich, weil ich ihr widersprach, als sie mir sozusagen verbot, jemals Grossmutter zu werden. Weil es zu viele Leute gibt. Und die Welt sowieso im Eimer ist. Der Blick auf den Helvetiaplatz hätte ihr zwar Recht geben sollen, aber hey – ich kann mir trotzdem vorstellen, Grossmutter zu werden!
Es war also sehr interessant, mit den Leuten zu reden und ganz nebenbei verkauften wir noch ein paar unserer alten T-Shirts, auch wenn wir sie am Ende fast gratis abgaben. Was tut man nicht alles für den Klimaschutz. Aber meine Devise ist ja sowieso: Jeder soll’s auf seine Weise tun.

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Schönes Leben am Toten Meer

In der Schweiz aufgewachsen bin ich an enge und kurvige Strassen gewöhnt. Hatte ich noch grossen Respekt vor ihnen während meiner ersten Jahre als Autofahrerin, so gewöhnte ich mich nicht nur irgendwann daran, sondern liebe es heute geradezu, über einen Pass zu fahren. Das liegt vielleicht auch daran, dass es selbst mit meinem Auto, das über einen Motor verfügt, der diesen Namen eigentlich gar nicht verdient, eine wahre Freude ist, verglichen mit den einstigen Erlebnissen als „Döschwo“fahrerin oder – schlimmer noch – zwar mit einem guten Auto, aber mit einem Segelflieger Anhänger im Schlepptau. 

Wie auch immer, ich geniesse solche Wegstrecken mit dem Auto und sie machen mir keine Angst mehr. Nichtsdestoweniger war es ein seltsames  und auch erhabenes Gefühl, ans Tote Meer zu fahren, weil alles verkehrt rum war. Der „Pass“ führt nämlich nicht hinauf, sondern hinab und etwa alle hundert Meter zeigt eine Tafel, wie nahe man dem Ziel, dem tiefstgelegenen Punkt auf der Erde, schon gekommen ist. Fast wähnt man sich auf dem Weg in die Unterwelt; ein Gefühl, das durch die mondähnliche Wüstenlandschaft noch bestärkt wird. 

Dann aber zeigt sich plötzlich der riesige Salzsee, der in den schönsten Blau- und Türkistönen weiter unten schimmert und es sieht doch eher nach Himmel aus. Ganz abgesehen davon sind die Unterkünfte daselbst äusserst angenehm und auch wenn die Hotelstadt in En Bokek kein Hingucker ist, hat man sie wenigstens auf eine relativ begrenzte Zone beschränkt. Ausserdem war ich sehr froh, das wirklich lustige Gefühl eines Bades im Wasser des Toten Meeres im geheizten Hotelpoool erleben zu können. Man wird ja nicht jünger, und bei 18 Grad hüpfe ich höchstens für eine Rettungsaktion noch ins Wasser. Im Toten Meer wäre es allerdings direkt eine Herausforderung, zu ertrinken.

 

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Auch okay

Okay, ich gebe es zu: Ein klitzekleines bisschen reut es mich, dass ich dieses Jahr Gefahr laufe, den Winter zu verpassen. Also nicht die unerfreulichen Morgen, wo ich mit klammen Fingern versuche, mein Auto zu enteisen, wohlverstanden, denn davon hatte ich schon eine satte Portion, sondern die gleissend hellen Tage in den Bergen, wo der Schnee unter den Winterstiefeln knirscht und zig Millionen Eiskristalle die Welt in eine glitzernde Zauberkugel verwandeln.

Die zwei Tage, die ich fürs Skifahren reserviert hatte – und wo das auch schnee- und wettermässig ganz prima gewesen wäre – verbrachte ich bei Tee und Tee  und noch mehr Tee zu Hause und wartete auf bessere Zeiten. Und jetzt, wo das Wetter zu Hause NOCH besser ist und in den Bergen Schnee in Hülle und Fülle liegt, sitze ich hier in Tel Aviv, wo es für die Jahreszeit recht kühl ist, und sehne mich ab und zu nach einer gut geheizten Wohnungen. 

Andererseits.

Wenn die Sonne scheint, dann ist es hier schon richtig warm, die Strandspaziergänge noch schöner als im Sommer und da der Frühling Einzug gehalten hat, stösst man auf unerwartete Funde. Zusammen mit der nötigen Distanz von zu Hause und allem, was mit Arbeit zu tun hat, ist das Erholung pur und deshalb kann ich es verschmerzen, den Winter zu verpassen. 
Vielleicht treffe ich ihn ja im März noch an -. man wird sehen

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Virenmanege

„Meine Tochter kommt heute nicht zur Schule“, schrieb die Mutter. „Sie ist momentan wohl zu vielen Viren ausgesetzt, auch zu Hause.“ Es war bereits das zweite Mal innerhalb einer Woche, dass das Kind krank war und einen Moment verspürte ich einen Anflug von Mitleid, kann ich mich doch noch gut erinnern, wie mühsam es ist, selber krank zu sein, wenn man Kinder hat und sich selber auch mit Fieber nicht ins Bett legen kann.

Der Moment dauerte dann aber definitionsgemäss nicht lange, denn ich war damit beschäftigt, alle anderen Absenzen zu sichten. Unsere Klasse schrumpfte täglich und seit ein paar Tagen wusste ich nie, wie viele Kinder in die Schule kommen würden. Ich wusste auch nicht sicher, ob ich selber es schaffen würde. Wenn nämlich jemand zu vielen Viren ausgesetzt war, dann waren es meine Kollegin und ich, die sich schön abwechselten. Eine in der Schule, die andere krank zu Hause. Immerhin konnte ich mich dort im Gegensatz zu ihr (siehe oben) ins Bett legen und mich soweit erholen, dass ich pünktlich dann wieder in der Virenmanege bestehen konnte. 

Mir schwant, weshalb zwischen Weihnachten und Skiferien bloss fünf Schulwochen anberaumt sind. Das kürzeste „Quintal“ des Jahres, aber was für eins!

Nie hatte ich Ferien nötiger als jetzt. 

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Kein Souvenir

Wie oft war ich eigentlich schon hier während der letzten paar Jahre? Um die zehn Mal dürften es schon gewesen sein, aber so genau weiss ich es nicht mehr. Mein Pass hilft mir da auch nicht weiter, denn in Israel kriegt man bei der Einreise wohlweislich keinen Stempel aufgedrückt. Das könnte nämlich zu unschönen Folgeereignissen führen, würde man in Zukunft in eins der Nachbarländer einreisen wollen. 

Was echt blöd ist, weil der Iran zum Beispiel auch eine Reise wert wäre und wir uns letzthin in Zürich sehr nett mit den Tischnachbarn unterhalten haben, die von dort stammen.
Aber die Realität ist nun mal eine andere, auch wenn nicht immer alles so ist, wie es scheint. Hierzulande sowieso nicht.

Da kann es schonmal passieren, so wie vorgestern, dass der arabische Taxifahrer während der Fahrt von Ben Gurion nach Tel Aviv seinen Fahrgästen enthusiastisch auseinandersetzt, warum er nur und wirklich nur für „Bibi“ stimmen wird, „wenn Sie nichts dagegen haben.“
Haben wir nicht.
Darf ja jeder stimmen, wofür er will.
In diesem Land jedenfalls. Was einer der Gründe ist, warum es mir hier gefällt. Auch wenn ich leider kein Souvenir in meinem Pass habe. 

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Jahrestag

Nein, alles weiss Facebook nicht. 

Gratulation: „Glückwunsch zum Jahrestag der Freundschaft mit I.“,  hiess es in meinem Messenger kürzlich. „Ihr seid seit drei Jahren (auf Facebook) befreundet.“

Pff! Drei Jahre… Über 50 sind es mittlerweile. Es könnten sogar noch mehr sein, aber soweit mich meine Erinnerung trügt, sind wir us bei der ersten Begegnung nicht sofort in die Arme gefallen. Dafür hat’s gehalten. Über ein halbes Jahrhundert mittlerweile. 

Aber da kann Facebook natürlich nicht mitreden. Das gibt’s erst seit schlappen 14 Jahren.

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Update

Der Grund, warum ich hier endlich mal wieder etwas von mir hören lasse: Ich sitze grad im Apple Store und warte. Mit meinem Laptop. Weil das Betriebssystem in die Jahre gekommen ist – es gibt da gewisse Parallelen – und ich ein neues brauche. Weil ich in letzter Zeit ständig Warnungen kriege und mir mein Bruder, der viel mehr von der Sache versteht, zusätzlich noch ein bisschen Angst gemacht hat. Dazu werden jetzt erst mal all meine Daten gesichert. Und das braucht seine Zeit. Hat sich ja doch schon einiges angesammelt.

Zum Glück kann ich während des Wartens schreiben, sonst wär‘ das jetzt ein bisschen öde. So aber komme ich mal wieder zum Bloggen, einer Tätigkeit, die ich in letzter Zeit sträflich vernachlässige, weil ich irgendwie immer Besseres zu tun habe. Oder jedenfalls Dinge, die Vorrang haben. Nun bin ich fast gezwungen, hier etwas herumzualbern. Ausserdem hab ich auch ein paar Minuten, um den einen oder anderen Gedanken zu wälzen und dabei komme ich wieder auf die Parallelen zurück.

Mein hauseigenes Betriebssystem ist auch nicht mehr ganz neu. Das eine oder andere Update wurde schon vorgenommen (Stichwort Ersatzteil), so dass es bisher noch leidlich läuft. Sehr gut sogar verglichen mit vor dem Update.

Hoffen wir mal, dass es mit meinem Laptop auch so kommt.

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Tanzbein

„Übrigens“, sagte der Twenager und schon sich einen nächsten Bissen in den Mund, „ am Samstag findet euer geliebter Tanzanlass statt“. Ich hatte das auch gesehen, denn obwohl ich schon eine Weile nicht mehr dort war, bekomme ich jeden Monat eine Einladung. Die Frage war natürlich, warum der Twenager mitbekommen hatte, dass demnächst die Oldies Party steigt.
„Ganz einfach“, sagte er, „ ich hab geschaut, was am nächsten Samstag so los ist. Unter all den Anlässen, die zwischen 22 und 24 Uhr beginnen, war ein einziger, wo es schon um 20 Uhr losgeht.“

Obwohl auch mir das Altern ab und zu zusetzt; manchmal bin ich doch dankbar für die Gnade der frühen Geburt. Auch wenn ich froh bin, dass ich es noch rocken kann und nicht zum gepflegten Nachmittagstee Tanz muss.

tanzbein_flyer_2019jpegDie Zahl 35+ trügt übrigens. Mit meinen 58 Jahren bin ich guter Durchschnitt. Und trotzdem tanzt es sich da voll locker in einer erfreulich entspannten Atmosphäre.

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Ab auf die Wolke

Klassenzusammenkünfte sind immer etwas Spezielles, aber ganz besonders speziell sind sie, wenn ich als die ehemalige Lehrerin hingehe. Während sich die Klassenmitglieder hie und da noch gesehen haben, sind für mich, sagen wir mal, 25 Jahre vergangen und ich sehe mich völlig fremden Menschen gegenüber, die ich als Kinder in Erinnerung hatte.

An dieser Stelle muss ich zwar gestehen, dass ich der Erinnerung etwas nachhelfen musste. Als mich die Einladung zu dem Treffen erreichte, erkannte ich zwar den Namen der ehemaligen Schülerin, konnte sie aber nicht sofort der richtigen Klasse zuordnen. Welcher Jahrgang war das gewesen?
Und zu welcher Truppe gehörte sie nochmal?

Drei Klassenzüge, viele Jahre als gelegentliche Stellvertretung, dazwischen mal ganz was anderes und viele Interviews, sechs weitere Jahre an mehreren ständig variierenden Klassen sowie seit kurzem wieder eine eigene waren meinem eh schon dürftigen Gedächtnis nicht zuträglich gewesen. All die Namen hätten schon lange mal zwecks Sicherung in irgendeine Cloud hochgeladen werden müssen!

Also ging ich auf Schatzsuche, stiess dabei tatsächlich auf eine Kiste mit der Aufschrift „90-93“ und in der Folge so manchen Ausruf des Entzückens aus.
Genau!
Diese Klasse war’s gewesen!
Und das hatten wir zusammen erlebt!
Und das hatten sie darüber geschrieben!

Während ich die Bilder und die Texte anschaute, kam so vieles wieder zurück und so kam es dann auch, dass ich (fast) alle der Anwesenden auf Anhieb wieder erkannte. Die elegante Geschäftsfrau, der weltmännische Firmeninhaber, die fidele Verkäuferin, der promovierte Doktor (oder gar Professor?), die passionierte Gesundheitsberaterin, der selbstständige Outdoor Spezialist …sie alle, einige nun schon selber Eltern, hatten noch etwas von den ehemaligen Kindern in sich, die mir so ans Herz gewachsen waren, und die gehen zu lassen mir wahnsinnig schwer gefallen war.

Sie wiederzusehen aber war nun nicht mehr traurig, sondern die reinste Freude. Einmal mehr, wie bei anderen Gelegenheiten auch, war ich beeindruckt, was für tolle Menschen ich vor mir hatte.
Und Hand aufs Herz: Egal wie gut oder wie schlecht ich meinen Job machte und mache, egal welch grosse Mühe ich mir gebe – aber oft eben auch welche habe – aufs Leben der Kids hat das wohl jetzt nicht den grössten Einfluss. Das finde ich irgendwie entspannend.
Ich bin ja gar nicht für alles verantwortlich. Ich bin nur ein kleines Teilchen im ganzen Mosaik. Wenn es eins ist, das zum Gelingen des Ganzen beitragen kann, dann will ich es zufrieden sein und weiter daran arbeiten.
Nur schon einer potenziellen zukünftigen Klassenzusammenkunft wegen lohnt sich das allemal. 

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Wie früher

 

Meine Freundin hatte sich eine Überraschung für mich ausgedacht und Überraschungen sind, so finde ich, die besten Geburtstagsgeschenke.

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Wir gingen es im wahrsten Sinne des Wortes und gezwungenermassen langsam an, denn das Restaurant, in dem wir uns trafen, machte seinem Namen alle Ehre.

Als wir nach beinahe zwei Stunden endlich unseren Hunger gestillt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Salzhaus, wo die Musikgruppe, die meine Überraschung war, zum Glück auch noch nicht am Start war. Wir hatten also noch genug Zeit zu bemerken, dass wir mit Sicherheit die Ältesten auf dem Terrain waren, aber dann wurde es schon dunkel, und die Rockband begann zu spielen.

Ich war jetzt gar nicht so vertraut mit ihr, obwohl ich das eine oder andere Lied schon mal gehört hatte, was daran liegt, dass ich in jüngster Zeit – jedenfalls wenn ich in der Schweiz bin – nicht mehr die gängigen Radiostationen höre. Was wiederum daran liegt, dass ich alt geworden bin. Was mir an diesem Konzert auch ein bisschen klar wurde. Aber da ging’s ja zum Glück nicht um die Radiostation sondern um ein richtig g…utes Konzert.
Trotzdem und obwohl wir uns über die laute Jugend wunderten, die offenbar gar nicht des Zuhörens wegen gekommen war – was sich nur schon deswegen gelohnt hätte, weil die Band in Schweizerdeutsch singt und so grossen Erfolg damit hat, dass sie demnächst im Hallenstadion auftritt – fanden wir es toll und genossen das Konzert und dachten ein bisschen wehmütig an die Zeiten zurück, als wir noch ganz oft an solche Konzerte gingen.
Und nicht aus dem Rahmen fielen.
Weil wir da auch noch jung waren.

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Still gestanden

„Es gibt keinen schöneren Monat als den November!“, sagte er und ging von dannen.

Ich war baff. Klar schien in diesem Moment die späte Sonne aufs Schönste durch die an den Bäumen verbliebenen Blätter und klar, auch ich liebe es, durch Laubhaufen im Wald zu schlurfen. Aber… der „schönste“ Monat?!
Der Mann, den ich beim Spazieren gekreuzt hatte, meinte es ernst, so glücklich, wie er ausgesehen hatte.

Beim Weitergehen kreisten meine Gedanken um den Monat November. Schon seit ich denken kann, ist der auf meiner Monatsprioritätenliste ganz unten angesiedelt. Der Sommer unwiderruflich vergangen. Weihnachten noch allzu fern (in meiner Jugend) oder schon omnipräsent (seit die Welt vom Konsum regiert wird).
Ob es jemals wieder Frühling werden wird?!

Im November bin ich gefährdet, in eine depressive Stimmung zu geraten und nie wurde mir das so bewusst wie vor einem Jahr, als ich Zeit in Hülle und Fülle hatte. Nicht mal zum regelmässigen Schreiben konnte ich mich durchringen, dabei hatte mir doch Jahre zuvor das sogenannte „Novemberschreiben“ die Tage erhellt und beim ersten Durchlauf war ich vor lauter Begeisterung tatsächlich auf die erforderlichen 50000 Wörter gekommen, auch wenn das Projekt bis heute unfertig blieb.

Und nun ist es also wieder November geworden. Meine Stimmung ist für die Jahreszeit im grünen Bereich. Sie könnte womöglich sogar NOCH besser werden, wenn … ich endlich mal wieder etwas schreiben würde. Dass ich einmal mehr ausgerechnet die Tätigkeit vernachlässigt habe, die mir am meisten Energie gibt, dafür gibt es keine Entschuldigung. Weder dass ich wieder einen festen Job habe, noch, dass er mich fordert und schon gar nicht, dass ich es wie immer zu exzessiv angehe.
Ich laufe dabei Gefahr, die wichtigen Dinge aus den Augen zu verlieren und eins davon – soviel sollte ich doch endlich gelernt haben – ist für mich das Schreiben.

Work Life Balance (interessant übrigens, dass es nicht Life Work Balance heisst…) ist das Stichwort und Schreiben gehört für mich für mich zum zweiten Teil.  
Ich kriege schliesslich auch kein Bares dafür. 

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Schatten im Ferienidyll

Ich hab was im Auge. Seit Tagen schon. Es nervt gewaltig. So muss sich ein Tinnitus anfühlen, nur dass meiner visueller statt auditiver Natur ist.

Wie jedes Übel nahm auch dieses irgendwann seinen Anfang, und das war Freitagmorgen, in der Turnstunde. Eigentlich schon vorher, denn weil es der letzte Schultag war, hatten wir schon eine halbe Stunde früher abgemacht, damit die Zeit für ein Burgenvölkerball reichte, was sie sonst nie im Leben tut. Ein grosser Teil des Reizes dieses Spiels besteht darin, dass man den ganzen Geräteraum ausräumt, damit jede Mannschaft eine Festung errichten kann. Wenn die Sachen aus Platzgründen so akkurat verstaut sind wie in unserem, ist das schon ohne Zeitfaktor eine logistische Glanzleistung.

Die Aktion war grad in vollem Gange, als mir die schwankenden Markierungsstäbe auf ihrem rollenden Untersatz auffielen. Hoppla, das kann ins Auge gehen, dachte ich, und das tat es dann auch. In meins. Just in dem Moment nämlich, als ich das Risiko eliminieren wollte, indem ich das Gefährt aus der Gefahrenzone schob, rammte schon jemand den Mattenwagen hinein, worauf einer der Stäbe umfiel und ergo gegen mein linkes Auge prallte.

Bereits fünf Minuten später war alles wieder im grünen Bereich; die Linse lokalisiert und wieder an den richtigen Platz befördert, der Schmerz abgeklungen – alles paletti.
Die böse Überraschung kam drei Stunden später kurz vor Mittag, als plötzlich ein dunkler Schatten in meinem Auge hin und her zu huschen begann. Davon irritieret fragte ich in der benachbarten Apotheke über Mittag nach, was man davon halte. Das könne man doch sicher vernachlässigen, oder? Das gebe sich bestimmt wieder? Nein, könne man nicht. Das müsse unter fachkundige Augen, sofort, man wisse nie, die Netzhaut und so, hier – eine Telefonnummer wurde mir ausgehändigt – nehme man auch Notfälle, am besten solle ich mich da gleich melden.

Ich konnte für fünf Uhr einen Termin abmachen. Ging ich halt statt nach Hause, um für die Ferien zu packen, noch kurz in die Stadt zum Augenarzt, der sich an illustrer Adresse befand, nämlich am Bellevue. Dort war die Hölle los, denn Jonny Depp wurde erwartet. Er würde sogar, liess man mich wissen, an exakt dieser Tür, also der von der Augenarztpraxis, vorbeigehen, auf seinem Weg in die Kronenhalle. Das war mir gerade ziemlich egal. Erstens weil ich sowieso nichts mehr sah – aus aktuellem Anlass hatte ich meine Kontaklinsen entfernen müssen. Zweitens hatte ich immerhin kein Veilchen davongetragen und das sollte auch so bleiben. Drittens machte ich mir angesichts der grosszügigen Lounch ein bisschen Sorgen wegen des Preises und beschloss, mich doch zu informieren, wie das an meiner neuen Arbeitsstelle mit der Unfallversicherung läuft. Obwohl es daselbst schon ein so langwieriger Vorgang ist, ein paar Bastelartikel abzurechnen, dass man sie lieber gleich selber bezahlt.

Wenig später beschied mir der vermeintliche Augenarzt – er war aber bloss ein Assistent? – dass meine Sehkraft noch ganz toll sei (zusammen mit den Korrekturlinsen, versteht sich). Und noch etwas später checkte eine Augenärztin meine Netzhaut und konnte fürs Erste Entwarnung geben. Zwei kleine Blutungen, ja, aber kein Loch. Das klang gut. Der Schatten habe etwas mit dem Glaskörper zu tun, der sich teilweise von der Netzhaut gelöst habe. Das passiere bei vielen irgendwann im Alter – wie bitte?! – aber bei mir sei dieser Prozess infolge des Schlags eventuell beschleunigt worden. Da könne man jetzt eigentlich grad nichts machen, aber in zwei Wochen müsse ich bitte unbedingt nochmals zur Kontrolle kommen, um die Netzhaut zu überprüfen.
Anschliessend wurde ich in die Ferien entlassen, allerdings mit der Auflage, mich innerhalb von 24 Stunden in einer Klinik zu melden, falls ich Blitze sehen würde, überhaupt nichts mehr sehen würde, oder es schwarze Russflöckchen schneien würde. Eigentlich rechne sie nicht damit, aber sie müsse mich halt aufklären, meinte die Ärztin begütigend.

Wenn sie gewusst hätte, dass sie eine hypochondrisch veranlagte Person vor sich hatte.

Meine Ferien werden im wahrsten Sinne des Wortes etwas getrübt von dem hartnäckig herumschwirrenden Schatten in meinem linken Auge. Leider ist mein Hirn noch nicht so weit, ihn einfach zu ignorieren. Statt dessen sehe ich immer wieder klitzekleine Russflöckchen und während ich mich noch frage, ob die jetzt meiner Einbildung zuzuschreiben sind oder dem italienischen Smog oder bloss dem Umstand, dass ich mir endlich mal wieder eine anständige Sonnenbrille leisten sollte, sind schon längst 24 Stunden vergangen und die Sache ist sowieso gelaufen.

Aber am Gardasee ist es schön. Sehr sogar.

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Ferienhoch

Doch, auch ich hab das eine oder andere Talent. Es ist an der Zeit, dass ich das auch würdige. Leider gehöre ich zu den Leuten, die ihr Lichtlein nicht nur unter den Scheffel, sondern lieber gleich in den Keller stelle. Werde ich gelobt, so erkläre ich wie aus der Pistole geschossen, warum eigentlich gar kein Grund besteht, mich zu loben. Das ist ein Reflex, den zu unterdrücken es mir einfach nicht gelingen will.
Jemand mag meinen Pulli – wo hab ich denn den gefunden? Ist ein Schnäppchen aus dem Ausverkauf. Meine Augen leuchten grad so schön? Die Sonne steht eben im richtigen Winkel. Meine Haarfarbe gefällt jemandem? Ach, ich bin einfach zu faul zum Färben. Die Figur ist ok? Veranlagung – ich bin ja so was von undiszipliniert. Der Schulleiter gibt mir eine gute Rückmeldung nach seinem Besuch? Statt mir selber auf die Schulter zu klopfen und mich zu freuen, ängstigt mich das. Jetzt hat er zu hohe Erwartungen. Beim nächsten Mal merkt er bestimmt, was ich für eine Pfeife bin.

Ab und zu treffe ich zum Glück auf Leute, die sich davon nicht beeindrucken lassen. So wie die Schulleiterin, als es mal um eine Vikariatsstelle ging. „Kein Mann hätte sich so präsentiert wie du (weil ich viel lieber auf meine Schwächen als auf meine Stärken hinweise) !“, sagte sie, „aber zum Glück hab ich auf mein Bauchgefühl gehört.“

Nun ja. Vielleicht bin ich ja nicht die einzige mit dieser Marotte? Oder zumindest nicht die einzige Frau? Oder jedenfalls nicht die einzige Frau AUS MEINER GENERATION?

Aber.

Ich habe tatsächlich ein paar Talente. Eins davon, das ist mir gerade eben wieder klar geworden, besteht darin, andere sich gut fühlen zu lassen. „Sie sind so richtig gut drauf“, sagte die Bedienung eben, als ich zum Frühstück ging. „Da fühl ich mich auch gleich besser.“
Mir passiert das nicht zum ersten Mal. Gut, es gibt sie auch, die Zeitgenossen, die etwas irritiert darauf reagieren, wenn man ihnen direkt in die Augen blickt und dabei vielleicht sogar noch, Gott behüte, lächelt, oder – wie vermessen – gar Laut von sich gibt. Aber die meisten mögen das. Und lächeln womöglich sogar zurück.
Wie schön! Ich sollte mein Talent fördern. Steht das nicht sogar irgendwo in der Bibel?
Schönen Sonntag euch allen.

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Auf dem Weg in den Süden.

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Ich übe mich im logischen Denken

Ich sitze auf dem Balkon und nerve mich ein bisschen und die Biene macht ganz schön viel Lärm. Was wohl die Nachbarn denken? Dass ich mich mit einer Biene herumschlage? Normalerweise ärgert man sich wenn schon um diese Jahreszeit über Wespen, aber Bienen?
Eigentlich ärgere ich mich auch gar nicht richtig, oder wenn, dann eher über mich selber. Die Biene macht einfach (noch) nicht, was ich will. Und auch wenn das ja mein Alltag ist – weil: Die Kids in der Schule machen leider auch nicht immer, was ich will – so nervt es, wie gesagt. Ich wiederhole mich. Es geht aber ja auch grad um „Schleifen“.

Aber keine Bange, ich krieg das noch hin. Am Schluss wird die Biene den Nektar auf allerkürzestem Weg aus den Blüten holen, keinem Monster zum Opfer fallen und das – jawohl – anhand einer minimalen Anzahl von Befehlen. Die Zuversicht stirbt nicht.

Und wer jetzt nicht mehr mitkommt, worum es geht: Willkommen im Club. Ich hab da auch das eine oder andere Fragezeichen. Ich lerne nämlich gerade Programmieren. Naja – so ganz einfach (kurz gelacht) halt. Teil meiner Ausbildung fürs neue Schulfach. Das Gute daran: Man übt damit das logische Denken. Und DAS wiederum könnte der Grund sein für …ach – egal!

Bild: Hussein Twabi, Wikipedia

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