Glück gehabt!

„Mann – das geht ja schnell hier“, sagt der Mann neben mir erfreut zu seiner Frau und fischt seinen Koffer vom Rollband. Da kann ich ihm nur beipflichten, denn meiner steht auch schon neben mir, obwohl ich erst gerade zum Band gekommen bin. Bei der Passkontrolle ging es heute so schnell, dass ich kaum mitgekommen bin. Gefühlsmässig stehe ich immer noch auf der anderen Seite der Grenze. Der Mann gehört zu einer grossen Reisegruppe, in deren Reihen aufgeräumte Stimmung herrscht. Es drängt sich die Vermutung auf, dass es sich um eine christiliche Reisegruppe handelt. Dass der heilige Geist bereits auf dem Flughafen seine Wirkung tut, hätte man wohl nicht gedacht.

Eine halbe Stunde später stehe ich immer noch hier. Ausser mir steht noch der Humus da und beobachtet die seit zehn Minuten immer gleichen zwei vorbeifahrenden Koffer. Seine Stimmung war schon besser. Ein Mann mit einem Putzwagen schlurft an uns vorbei, sonst ist nicht viel los.

Einer der zwei Koffer sieht demjenigen des Humus’ recht ähnlich und tatsächlich: Auf Anfrage wird bestätigt, dass sein Koffer Tel Aviv erreicht hat und eigentlich hier ist.
Offenbar hat ihn schon jemand anders mitgenommen. Immerhin: Wir gehen davon aus, dass der Koffer nicht verloren ist. Spätestens heute Abend wird irgendwo im heiligen Land eine Person den Schock ihres Lebens haben.

Der Humus kümmert sich um die Formalitäten und dann verlassen wir den Flughafen Ben Gurion, um mit dem Taxi eine Weile im vorabendlichen Stau zu stehen. Die Fahrt ist dennoch kurzweilig, was dem vielseitig interessierten Taxifahrer zuzuschreiben ist, mit dem mein Gefährte – nun endlich wieder in seiner Muttersprache – über Musik, Literatur, Politik, Gott und die Welt diskutieren kann. Worüber man halt so spricht in Israel. Unterdessen versuche ich, hier und da ein Wort aufzuschnappen. Es sind schon mindestens fünf mehr als beim letzten Mal, was mich freut.

Da seine Schweizer Klamotten hier, wo gerade „cham sin“ (in Form einer ausserordentlichen Hitzewelle) angesagt ist, völlig untauglich sind, besteht unser nächster Schritt darin, die nötigsten Sachen für einen Mann einzukaufen, damit er während der nächsten 24 Stunden über die Runden kommt.
Das ist erstaunlich wenig.
Keine Katastrophe, wenn so ein Koffer mal nicht kommt.
Es sei denn … es wäre meiner gewesen!!!

IMG_0296

„ahava“ – Liebe

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2 Antworten zu Glück gehabt!

  1. Anhora schreibt:

    Ich hoffe, ihr kriegt den richtigen Koffer bald wieder. Viel Spaß euch beiden! 🙂

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