Tausendundzwei

1001 Nacht war vor vielen Jahren eins meiner Lieblingsbücher.
Von aussen recht unscheinbar war das Buch für mich die reinste Schatztruhe. Nicht nur waren die Geschichten äusserst spannend, nein, die Bilder, die mir eine farbenprächtige und unbekannte Welt erschlossen, weckten meine Sehnsucht. Nicht so sehr nach fremden Ländern als danach, auch so schön zu sein wie die nymphenhaften Frauen, deren perfektes Äusseres durch zarte Schleier verhüllt war, die selbiges, anders als die wieder in die Mode gekommenen ortstypischen Outfits, noch schöner zur Geltung brachten. 

So schön wollte ich auch sein!
 Zu meiner Entschuldigung sei gesagt: Ich war noch sehr jung. Sonst hätte ich mir vielleicht auch gewünscht, so schön, vor allem aber, so klug zu sein wie Scheherazade.
Klug war sie nämlich, und wie, denn es gelang ihr mit einem cleveren Trick, einen Frauenhasser zu bekehren und die Sache zu einem guten Ende zu bringen.
Obwohl … ich verspürte schon damals eine gewisse Dissonanz bezüglich des Happyends. Der Mann hatte ja schon etliche andere Frauen um die Ecke gebracht und nur, weil sie vielleicht (so wie ich) nicht so schön und sprachgewandt wie Scheherazade waren, war das kein Pappenstiel. (Das Wort Kavaliersdelikt war damals noch nicht in meinem Sprachgebrauch.) Fortan von seiner schlechten Gewohnheit zu lassen, machte ihn in meinen Augen auch von einem auf den 1001.Tag nicht zu einem guten Menschen. Und so einen hatte die schöne Scheherazade jetzt an der Backe!

Der Grund, warum mir 1001 Nacht durch den Kopf geistert, ist übrigens nicht der bedauerliche Umstand, dass die Nachrichten vermuten lassen, Misogynie sei wieder auf dem Vormarsch, sondern mein Blog.

1001 Sachen habe ich während der letzten Jahre getextet, anfänglich in deutlich höherer Frequenz. Ob auch Scheherazade irgendwann die Iden ausgegangen wären? Hätte sie womöglich schon früher mit Erzählen aufgehört, hätte sie nicht im wahrsten Sinne des Wortes das Messer am Hals gehabt?

Ich weiss es nicht und kann sie nicht fragen, weil es sie ja gar nicht gegeben hat.
Meinen Blog dagegen gibt es immer noch und dies ist der 1002. Beitrag seit seiner Entstehung.

Mal sehen, wie viele es noch werden. Ein paar dürften es schon noch sein, trotz zwischenzeitlicher Flaute. Aber schliesslich hängt mein Leben nicht davon ab.
Und das ist auch ganz gut so.

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4 Antworten zu Tausendundzwei

  1. Anhora schreibt:

    Glückwunsch! 1002 Geschichten, das sind viele Gedanken und Facetten, die hier ihren Platz gefunden haben. Schön, dich zu lesen! 🙂

  2. anneinsideoffice schreibt:

    Genau und bist du während den Schulferien wieder beim Humus? Das Bild des Meeres deutet gerade darauf hin.

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