Smile

In Museen gehe ich nicht allzu oft und meistens halte ich es da auch nicht lange aus. Es sei denn …sie treffen einen Nerv irgendwo tief in mir drin. Während ich Fakten zu Wissenschaft, Geschichte oder Kultur, so interessant und wichtig sie auch sein mögen, sehr schnell wieder vergesse, weil sie in meinem Hirn bedauerlicherweise nur auf der Durchreise sind, siedeln sich emotional besetzte Themen langfristig an. Meist sind es spezielle Personen, denen das gelingt, Personen, deren Lebensgeschichte mich zu fesseln vermag.

Das Schloss Chillon gestern brachte mich zum Staunen. Seine Lage, seine Erhabenheit, seine Geschichte – beeindruckend. Erstaunt hat mich aber auch, dass ich mich praktisch an nichts erinnern konnte, obwohl ich doch schon einmal da gewesen war. Aber gut – es hat ja auch Vorteile, wenn man schöne Dinge im Leben immer wieder wie beim ersten Mal geniessen kann!

Der Museumsbesuch heute dagegen wird nicht so schnell im Nebel des Vergessens verschwinden. So gut gefallen hat es mir in der Villa Manoir de Ban, dass ich viel länger blieb als die vorhergesagten zweieinhalb Stunden.

Als Kind hatte ich seine Filme lustig gefunden, um Jahre später erst zu realisieren, welch grossartiges Werk Charlie Chaplin der Welt vermacht hat und was für ein vielseitiger und begabter und auch mutiger Mann er war. Er stand immer ziemlich weit oben auf der Liste meiner Leitfiguren, nicht zuletzt seines einzigartigen Humors wegen, in dem sich oft die ganze Gefühlspalette widerspiegelt.

Es war also nicht so, dass ich nichts wusste über diesen Charlie Chaplin. Aber dennoch habe ich in Chaplin’s World viele neue Seiten an ihm entdeckt, solche, die ihn mir noch sympathischer machen. Zum Beispiel, dass er auch privat immer für einen Spass zu haben war, was man nun nicht von allen Komikern behaupten kann. Vor allem andern aber, dass es wohl seine Liebe zum Leben und zu den Menschen oder überhaupt allen Lebewesen war, die seine Filme so überaus menschlich gemacht hat.

Unzählige Filmausschnitte habe ich heute gesehen – bei vielen hatte ich ein freudiges déjà vu – und während mir sonst bei alten Filmen immer klar wird , dass wir heute in einer anderen Zeit leben, und ich dann manchmal ein bisschen enttäuscht bin, weil ich sie so viel besser in Erinnerung hatte, fand ich einmal mehr: Die Filme von Charlie Chaplin sind aktuell wie eh und je und haben nichts von ihrem Zauber eingebüsst.

Tatsächlich nicht gewusst habe ich, dass der geniale Allrounder oft auch seine Filmmusik selber komponierte, obwohl er keine eigentliche Musikausbildung genossen hatte. Auch in diesem Genre war er, wie bei so vielem, ein Autodidakt.

Wer hat zum Beispiel gewusst, dass die Musik zum folgenden Lied, das 1954 durch den Text des Duos John Turner/Geoffrey Parson und die Interpretation von Nat King Cole ein bleibender Hit wurde, bereits 1936 von Chaplin für „Moderne Zeiten“ komponiert wurde?
Ich nicht. Aber DAS werde ich so schnell nicht wieder vergessen.

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2 Antworten zu Smile

  1. Yael Levy schreibt:

    Schloss Chillon ist sehr eindrücklich. Vor allem die “Toiletten”, eine Bank mit laaaaangem Loch bis in den See.
    Chaplin und sein Werk sind tatsächlich bewunderswert. Das Buch „Zwei Herren am Strand“ von Michael Köhlmeier hat mir Chaplin noch näher gebracht.

    • schreibschaukel schreibt:

      Mi einer ähnliche Toilette hab ich als Kind in unserem Feriendomizil selber Erfahrungen gemacht. Vermutlich war die im Schloss Chillon sogar noch etwas angenehmer!
      Und danke für den Tipp: Das kommt auf meine to read Liste.

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