Nein, ich tu’s nicht

Mit Entscheidungen tue ich mich oft schwer, egal ob es jetzt grundsätzliche oder unwichtige sind. Meist überlege ich hin und her, wäge ab zwischen Vor- und Nachteilen und manchmal dauert dieser Prozess so lange, dass sich die Entscheidung letztlich erübrigt.

Dennoch gelingt es mir hin und wieder, eine zu treffen und so verkünde ich aufgrund monatelanger Überlegungen mit Überzeugung: Nein, ich werde mir kein Facebook-Profil erstellen.

Auf die Idee gekommen war ich wegen meines Blogs, der mich immer wieder dazu gedrängt hat, ich möge ihn doch endlich, zeitgemäss, vernetzen. Er neigt zu einem gewissen Narzissmus, mein Blog, der sich in einem übersteigerten Geltungsbedürfnis äussert. Vermutlich versprach er sich von der Sache mehr Besucher, was weiss ich, jedenfalls beschied ich ihm barsch: „Kommt nicht in Frage.“ Das wäre ja noch schöner, wenn mein Blog vor mir ein Facebook-Profil hätte! Als nächstes stellte sich also folgerichtig die Frage nach einem Profil von meiner Wenigkeit, bloss, um die Hierarchie zu wahren, versteht sich. Dazu hatten mir schon mehrmals Freunde geraten, denn, so redeten sie mir ins Gewissen, es wäre auf diese Weise viel einfacher, miteinander in Kontakt zu bleiben. Das leuchtete mir ein und da ich manchmal sogar Mühe bekunde, mit mir selber in Kontakt zu bleiben, spielte ich vorübergehend mit dem Gedanken, zwei verschiedene Profile zu erstellen, um den Kontakt mit mir selber vermehrt pflegen zu können und mir nicht eines schönen Tages unversehens abhanden zu kommen.

Nun bezog ich aber einen weiteren Faktor in meine Überlegungen mit ein, einen, der heute eine wesentliche, wenn nicht die wichtigste Rolle überhaupt spielt: den Zeitfaktor. Ich staune jeden Tag wieder aufs Neue, dass es viele Leute gibt, die regelmässig meinen Blog lesen (was mich ganz nebenbei ausserordentlich freut!). Da es aber noch mehr Zeit kostet, einen zu schreiben, als ihn zu lesen, staune ich manchmal auch über mich selber. Ich meine – woher nehme ich eigentlich die Zeit, jeden Tag einen neuen Text zu schreiben? Wo doch auch in meiner Vorratskammer oft gähnende Leere herrscht?

Die Wahrheit ist, dass ich das aus reinem Eigennutz tue. Während des Schreibens werden mir häufig Dinge klar, die sonst nur in Form von sehr vagen Gedanken herumschwirren. Indem ich sie mir sozusagen aus der Luft greife und zwischen die Tasten klemme, werden sie für mich begreiflich. Ich muss also einmal mehr deklarieren, auch wenn das unklug sein sollte: Ich schreibe vor allem für mich selber.

Dazu brauche ich aber einen Rahmen, in dem ich mich wohl fühle und der, so glaube ich, wäre für mich auf Facebook nicht gegeben. Ohne das jetzt wertend zu meinen: Die Kommunikation dort ist oberflächlicher und geht schneller vonstatten. Man mag so mehr Kontakte knüpfen, aber den Kontakt zu mir, befürchte ich, würde ich dann ganz verlieren; nur schon aus Zeitgründen, weil ich dann noch mehr vor meinem Laptop sässe.

Darum bin ich also zur Entscheidung gekommen, mir kein Facebook-Profil zu erstellen. Obwohl ich diesbezüglich geblufft habe. So richtig klar geworden ist mir das nämlich – einmal mehr – erst während ich diesen Text geschrieben habe.

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11 Antworten zu Nein, ich tu’s nicht

  1. Flohnmobil schreibt:

    Eine weise Entscheidung. Ver(sch)wende deine Energie lieber für solche Blog-Beiträge. Das erspart dir zwar langfristig einige hundert Freunde, aber …
    … du hast ja mich 😉
    Mich wird’s garantiert auch nie auf Facebook geben.

  2. Bredenberg schreibt:

    Facebook? Was um Himmelswillen ist Facebook?

  3. Ich werd´s tun – aber erst, wenn alle anderen es getan haben, als Allerletzte. Nur – weil ihr es nie tun werdet, werden es nie alle anderen getan haben. Dann kann ich es ja auch weiter nicht tun.

  4. Tamar schreibt:

    Nun ja, ich will dich ja nicht von deiner Entscheidung abhalten, aber ich habe mein Facebook-Profil einzig und alleine dazu eingerichtet, dass mehr Leute meinen Blog lesen. Damit sich der Aufwand, der für mich gar keiner ist, noch etwas mehr lohnt.
    Aber wie du heute bei mir lesen kannst, zweifle ich noch immer daran, ob es eine weise Entscheidung war, ein Facebook-Profil zu erstellen.

  5. Renate schreibt:

    Obwohl der Gedanke an mehr Leser reizvoll ist, lasse ich’s. Bin ja schon gereizt genug. 😉
    Und – gute Besserung!
    http://beautifulvenditti.wordpress.com/2010/11/21/da-liegt-der-hund-begraben/

  6. wholelottarosie schreibt:

    Ich bin vor längerer Zeit zu dem gleichen Entschluss gekommen. Facebook – ein dickes NEIN für mich! Hat man eigentlich so viel Zeit, z.B. 500 „Freunde“ so gut kennenzulernen, dass man sie als Freunde bezeichnen kann? Kommt es denn auf die Menge der Freunde an? LG von Rosie

  7. Renate schreibt:

    Zur Menge kommt mir noch in den Sinn: Wenn man die wesentlichen Dinge in diesem ganzen Freundesgemenge miteinander abgleicht hat man am Schluss in der Schnittmenge womöglich gar nichts…nein, nein, davon lasse ich lieber die Finger.

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