Bad hair night

Der Tag war gekommen. Der Tag, der keinen Aufschub mehr zulässt. Während andere dieses Ereignis frühzeitig und seriös planen, warte ich damit bis zu zum letzten Moment, wenn ich nur noch zwei Möglichkeiten habe: Wenn ich das Haus verlasse, auf direktem Weg einen Frisör anzusteuern, oder aber zu Hause zu bleiben. Allein. Und nicht mehr in den Spiegel zu gucken.

Bei solch kurzfristiger Planung muss man natürlich Abstriche machen, aber seit ich zu diesem praktischen Laden gehe, wo man auch unangemeldet hereinschneien kann und wo ich die letzten paar Male leidlich zufrieden war, ist das kein Problem.
Ausserdem ist es unnötig, für einen Frisörbesuch ein Vermögen auszugeben, wenn es auch anders geht.

Das obligate „Ist es recht so?“  bejahte ich, weil ich das immer tue, aus purer Höflichkeit, und auch deshalb, weil ich die genaue Ursache meines vagen Unbehagens nicht benennen konnte.
Zu Hause aber, als ich meine Frisur endlich mal in Ruhe und von allen Seiten taxieren konnte, wurde mir klar, was mich störte: Ich sah aus wie meine eigene Grossmutter in den frühen Achzigerjahren.

Da es mittlerweile nach Ladenschluss und also zu spät war, um nochmals zurückzugehen, tat ich das, was man nie tun sollte: Ich griff selber zur Schere. Es konnte ja nicht so schwer sein, ein bisschen Pepp in diese viel zu akkurat geschnittene Frisur zu bringen. Schwierig war es tatsächlich nicht, das Schneiden ging mir erstaunlich leicht von der Hand, zu leicht vermutlich, denn eine halbe Stunde später stand fest: So würde ich nicht mehr aus dem Haus gehen können. Es sei denn verhüllt mit einer Burka.
Ich hab aber keine.
Ich will auch keine!
Nie!!
Also blieb ich zu Hause und ging früh ins Bett, wo ich eine schlaflose Nacht verbrachte.

Am nächsten Morgen rief ich bei einem renommierten Geschäft an, wo ich früher, als meine finanziellen Verhältnisse das noch zugelassen hatten, Kundin gewesen war und tatsächlich hatte mein ehemaliger Frisör einen Termin frei.
Kein Wunder; er hat aufgrund seines Könnens auch den teuersten Tarif.
Egal – das war ein Notfall, da schaut man nicht aufs Geld, und deshalb scheute ich mich nicht, kleinlaut den etwas peinlichen Gang anzutreten, dorthin, wo ich nach dreijähriger Abwesenheit mit einigem Erstaunen, aber dennoch gnädig empfangen wurde.

Eine Dreiviertelstunde später verliess ich das Geschäft wieder, die Haare sehr viel kürzer als vierundzwanzig Stunden zuvor, das Portemonnaie um einiges leichter, aber glücklich.
Ich konnte mich wieder sehen lassen.

Das nächste Mal werde ich meinen Frisörtermin frühzeitig planen. Und nicht geizen, was die Ausgaben betrifft. Günstiger, als zweimal hinzugehen, ist es selbst beim teuren Hairstylisten.
Und nervenschonender auch.

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11 Antworten zu Bad hair night

  1. mrsweasly schreibt:

    du hast dir nicht selbst die haare geschnitten? boah.. wie mutig. okay, es ging daneben, aber mutig alle mal 🙂

  2. runningtom schreibt:

    Ich könnte mir eigentlich auch mal selber die Haare schneiden. mehr als einen 6mm Kamm bräuchte ich dazu nicht. Genau so hat es die Friseuse gestern nämlich auf meinen Wunsch auch getan. Allerdings kann sie natürlich ihr Werk von allen Seiten angehen, was ich selber eben nicht könnte…

  3. Flohnmobil schreibt:

    Das nächste Mal kommst du zu mir. Ich habe heute grad dem Mitbewohner die Haare geschnitten und sooo schwierig kann deine neue Frisur ja auch nicht sein…
    … ich meine, du dürftest nun ja einiges vom eigenen Anblick gewohnt sein. 😆

  4. T.M. schreibt:

    „Aufhübschzone“, das ist aber gleich ziemlich dick aufgetragen. Wie mein Klassenkamerad in der Schule immer sagte: aus einer Krähe wird nie eine Elster. Wir haben hier im Dorf einen „Schnittpunkt“, das benennt klar, was möglich ist und was nicht.

    P.S.: Ich kannte mal ein Studio „Hairmony“. irgendwann hat jemand hinten ein „e“ eingefügt, um klarer zu machen, worum es geht.

  5. schreibschaukel schreibt:

    Wie wär’s mit „Grobschnitt“?
    (Obwohl ich die Band gern mochte, früher.)

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