Strich oder kein Strich, das ist hier die Frage

Weihnachten hin oder her – gestern verknurrten wir den Teenager zum Film „Schindlers Liste“, der im Fernsehen lief. Keine leichte Kost, aber gerade deshalb nach wie vor aktuell. Der Film, obwohl in schwarzweiss gedreht, malt nicht ebenso sondern differenziert. Der Antiheld, ein recht zweifelhafter und allein auf den eigenen Profit bedachter Geselle, mutiert fast widerwillig zum Gutmenschen. Während der Krieg bei vielen Menschen das Schlechte zum Vorschein bringt, scheint es also auch andersrum zu funktionieren. So oder so hat der Film ein Stück Zeitgeschichte zum Inhalt, das wir zwar gern vergessen würden, aber nicht sollten. Auf keinen Fall nämlich sollte man vergessen, wohin die Manipulation der Massen führen kann, gerade weil wir uns auch heute noch viel zu leicht manipulieren lassen.

Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten – „Ist jetzt der ganze Film schwarzweiss?“, moserte der Teenager leicht genervt – zog uns die Geschichte in ihren Bann. Mich, weil ich sie schon kannte, den Teenager, weil er sie noch nicht kannte.

Immerhin gab es einmal trotz aller Tragik einen Lacher zu verbuchen. Das war, als die Kamera zum ersten Mal aufs Eingangstor von Schindlers Fabrik schwenkte. „Deutsche Emailwarenfabrik“ war da in altmodisch geschwungenen Buchstaben zu lesen. Den Teenager riss es fast aus dem Sofa: „Ist das die Möglichkeit?“, wunderte er sich, „gab es da schon …“

Aber nein, damals gab es natürlich noch kein E-mail, bloss Email. Und nachdem wir dem Teenager mit dem Hinweis auf die Badewanne schlüssig erklärt hatten, was das ist, entspannte er sich wieder. Jedenfalls so weit, wie sich das bei dem aufwühlenden Film, der auch heute während des Nachtessens wieder viel zu reden gab, machen liess.

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6 Antworten zu Strich oder kein Strich, das ist hier die Frage

  1. Inch schreibt:

    Ja, ein wichtiger Film! Hier gehen die Kinder ja mit 14 noch zur Jugendweihe. Und da gehört der Besuch der Gedenkstätte Buchenwald zum Vorprogramm. Ein wichtiger Besuch. Und wichtig, dass es dann Erwachsene gibt, die den Kindern die auftretenden Fragen beantworten.
    In Auschwitz war ich übrigens vor ein paar Jahren zum ersten Mal. In Krakow dagegen schon öfter. Was mich an Krakow nach wie vor verstört, ist, dass das Jüdische Viertel, Kazimierz, erst nachdem Spielberg dort war, wieder als jüdisches Viertel restauriert wurde. Mit Koscheren Restaurants und Klezmerkonzerten. Sogar auf die Friedhöfe kann man jetzt. Vor ein paar Jahren waren die noch verschlossen und die Tore öffneten sich nur gegen Bares – und unter dem Mürrisch-Misstrauischen Blick des Hausmeisters, der hinter jedem Einlass begehrenden Besucher einen lebenden Juden vermutete.

  2. schreibschaukel schreibt:

    Ich war noch nie an einem solchen Ort und sollte das vielleicht bei Gelegenheit nachholen. Allerdings fürchte ich mich auch ein wenig davor. Wenn ich nur schon an den Besuch im Internationalen Rotkreuzmuseum in Genf zurückdenke – da wird mir gleich anders.

  3. maldrueberreden schreibt:

    Dieser Film ist in vielfacher Hinsicht meiner Meinung nach pädagogisch wertvoll: Er beleuchtet den Alltag und die Verbrechen des 3. Reiches. Er zeigt, daß man Menschlichkeit selbst in babarischen Zeiten üben kann – kurz um sensibilisiert so für tätigen Humanismus. Super!!!

  4. schreibschaukel schreibt:

    Oder anders gesagt: Seine Botschaft ist immer noch, auch für uns, „alltaugstauglich“ ;-).

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