Frei, freier, am freisten

Beim Zappen begegnet man in jüngster Zeit immer wieder mal einer jungen Frau, die es innert Rekordzeit zu grossem Ruhm gebracht hat. Die Rede ist von Nora Illi, der wohl prominentesten Konvertitin der Schweiz. Ganz sicher ist man natürlich nicht, ob unter der schwarzen Verhüllung tatsächlich die Richtige steckt, der Anblick derselben ist nämlich einzig ihrem angetrauten Ehemann, seines Zeichens ebenfalls Konvertit und Sprecher des Islamischen Zentralrats Schweiz, vorbehalten. Dieser Verein wurde im Oktober im letzten Jahr gegründet und man staunt ob seiner Effizienz: so jung und schon so unbeliebt.

Nora Illi also pilgert von Fernsehstudio zu Fernsehstudio und steht für ihre Freiheit ein. Die Freiheit, sich unter einem schwarzen Zelt zu verbergen. Damit, so ihr Argument, entziehe sie sich dem mühsamen Wettbewerb, dem eine Frau heutzutage ausgesetzt sei; ausserdem wolle sie es vermeiden, die Männer zu reizen. Wo sie recht hat, hat sie recht. Das ganze Getue um die Schönheit geht einem ja wirklich ab und zu auf die Nerven. Trotzdem konstatiere ich ein bisschen neidisch: Gott, muss die Frau schön sein! Wo sie doch die Männerwelt schon durch ihren blossen Anblick total aus dem Konzept bringt.

Vor allem aber hat sie es geschafft – ohne ihr Gesicht zu zeigen – so bekannt wie ein bunter Hund zu sein. Alles in schwarz. Hut ab, bzw. Schleier auf, kann man da nur sagen.

Selber möchte ich allerdings davon absehen, denn meine Recherchen haben zutage gefördert: Es sieht sehr komisch aus, wenn die Burkaträgerin, möchte sie in der Öffentlichkeit ihren Durst löschen, das Glas erst hinter den Vorhang befördern muss. Man hat ja auch seinen Stolz.

Trotzdem bin ich, das sei hier festgehalten, nicht für ein Burkaverbot. Unter anderem, weil die meisten nicht genau wissen, was das ist. Gehört dazu nur das Kopftuch (stört eigentlich nicht, kann sogar modisch aussehen)? Oder ist das volle Programm gemeint? Mit Gitter vor den Augen oder ohne?

Begrüssen würde ich dagegen ein Vermummungsverbot, denn mir ist wirklich etwas unheimlich zumute, wenn ich mein Gegenüber nicht sehen kann. Da spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Bankräuber mit einem Strumpf über dem Kopf, einen Silvesterklaus aus dem Appenzellerland oder eben um eine Burkaträgerin handelt. Wobei man, was den Klaus betrifft, aus offensichtlichen Gründen hier vielleicht eine Ausnahme machen müsste, um das Schweizer Brauchtum nicht zu gefährden. ( Um politisch korrekt zu bleiben, könnte man ja auch den anderen Gruppierungen einen Tag zugestehen. Zum Beispiel so: Die Burka ist am Tag des Frühlingsbeginns erlaubt – da sind die Männer besonders reizbar – und jeden letzten Mittwoch im September darf man eine Bank ausrauben.)

Gedanken mache ich mir jetzt nur darüber, ob ich für Fieldo the cat eine Burka massschneidern soll. Weil er nämlich so wahnsinnig schön ist, zieht er immer wieder unsere Blicke auf sich. Mitten in der jeweiligen Tätigkeit müssen wir dann innehalten und kommen nicht umhin, ihn ein bisschen zu streicheln. Wo er doch viel lieber schlafen möchte! Eine Burka wäre hier vielleicht die Lösung.

Ob Fieldo the cat das allerdings als Freiheit empfinden würde, daran hege ich grosse Zweifel.

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2 Antworten zu Frei, freier, am freisten

  1. Tamar schreibt:

    Wunderbar, dieser Text! Einfach gelungen.

  2. Renate schreibt:

    Vielen Dank – das tut echt gut… (ich hab‘ gerade eine dieser
    „Was soll das alles ich kann es ja eh nicht und sollte endlich etwas Vernünftigeres machen“-Phasen.

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