Ich bin entspannt

Normalerweise bin ich in einem Zustand der äussersten Gespanntheit, immer in Startposition für alle möglichen und unmöglichen Ereignisse. Um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, bedarf es, jedenfalls wenn man in meiner Haut steckt, einer sorgfältigen mentalen Vorbereitung. Zusammen mit meinem Hang zu einem gewissen Überaktionismus kostet mich das deutlich mehr Energie, als mich die Bewältigung der im Leben doch immer überraschenden Ereignisse in unvorbereitetem, dafür aber gelassenem Zustand kosten würden.
Die Rechnung ist einfach, das Ergebnis, welches nicht zu meinen Gunsten ausfällt, eindeutig und obwohl mir das so klar ist wie ein Bergsee im Frühsommer – ich bin meist sehr unentspannt.

Die Ferien haben mir gutgetan. In Ruhe die nötigen Arbeiten erledigen, vor allem aber auch: abschalten. Das geht am besten woanders und die Suche nach dem verlorenen Sommer war in unserem Falle erfolgreich und wohltuend.

Jetzt bin ich entspannt.

Nach drei Jahren gehöre ich an meiner Schule schon zu den Alteingesessenen. (Ganz zu schweigen davon, dass mir mit Schrecken klargeworden ist: Ich bin von jetzt an die Älteste!! Wie konnte es DAZU kommen??) Der Klassenzug ist nach einem Jahr auf Kurs. Nun können wir auf der Arbeit des vergangenen Jahres aufbauen. Ich habe anfangs Ferien schon einiges vorbereitet und kann den gemeinsamen Team Tagen nächste Woche gelassen entgegenschauen. Mein Schulmailprogramm habe ich seit zwei Wochen nicht geöffnet – ein neuer Rekord.

Kaum wieder zu Hause beginnt aber auch schon wieder das Gedanken Karussell. Wie geht es nach den Ferien weiter? Gibt es neue Massnahmen oder werden wir irgendwann wieder normal unterrichten können? Was wird mit unserer immer kleiner werdenden Klasse passieren? Wie können wir diejenigen Kinder, die sich schwer tun, besser unterstützen? Wie allen gerecht werden?

Noch bin ich entspannt.

Was wäre, wenn ich in diesem Zustand verharren würde? Wenn ich endlich einsehen würde, dass ich einen recht guten Job mache, niemandem mehr etwas beweisen muss und mir die Freiheit herausnehmen darf, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren? Auf die schönen Seiten meines Berufs? Lernen würde, die lästigen Seiten vermehrt zu ignorieren?

Dafür ist es nie zu spät. Aber viel Zeit habe ich nicht mehr. Ich bin nämlich im Endanflug, da dies voraussichtlich mein letzter Klassenzug sein wird.

Der Endanflug, nun im fliegerischen Sinn, kann sehr schön sein. Hat man sein Ziel erreicht und ist auf sicherer Höhe, dann kann man es so richtig geniessen. Die Luft ist ruhig, die Aussicht wunderschön und man hat Zeit, sich alles etwas genauer anzusehen. Sanftes Abgleiten ist angesagt.  Ein bisschen aufpassen muss man natürlich schon, denn gerade wenn der Stress nachlässt, läuft man auch Gefahr, Fehler zu machen. Ist man sich dessen aber bewusst, dann findet man im besten Fall zu diesem Zustand wonniger Erhabenheit, den ein Endanflug in den Abendhimmel mit sich bringt.

Mein Mantra für kommende Stresssituationen wird deshalb sein: Entspann dich – du bist im Endanflug.

Bin mal gespannt, ob mir das gelingt!

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