Entschleunigung

Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Ich fläze bequem ihm grossen Sessel und lasse mir mit geschlossenen Augen die Sonne, die unser Wohnzimmer flutet, ins Gesicht scheinen. Eben habe ich noch mit einer Schülerin gechattet – Arbeit und Freizeit fliessen momentan ineinander. Es gibt keine festen Arbeitszeiten mehr beim Homeschooling. Die Einzelgespräche per skype oder whatsapp  und die vielen kleinen Lebenszeichen sind ein Highlight meiner derzeit computerorientierten Arbeit. Manchen Kindern fühle ich mich beinahe näher als im lärmigen Klassenzimmer, wo ich immer zu wenig Zeit für alle und alles habe. 

Der Humus hört verschiedene Versionen von „Ne me quitte pas“ und klimpert ein paar Akkorde dazu. Langgestreckt auf dem Sofa erholt sich der Twenager vom heutigen Tag: Der Vortrag per Videokonferenz fürs Forschungskolloquium lief rund und er ist erleichtert. Eine weitere Hürde ist erfolgreich überwunden.

Wir sind alles etwas schlapp, weil wir das mit einem ausgiebigen Apéro gefeiert haben. In der Sonne. In aller Ruhe. Weil wir mehr Zeit haben als sonst.

Ich spüre, wie die allgemeine Entschleunigung in meinem Nervensystem angekommen ist. Könnte es sein, dass ich dereinst einen klitzekleinen Aspekt des Shutdowns vermissen werde? Ich weiss, das darf ich nicht laut sagen, nicht mal denken. Und trotzdem…

Dieser Beitrag wurde unter auf abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Entschleunigung

  1. Yael Levy schreibt:

    Doch, das darfst du. Geniesse es! Die Zeiten sind verrückt, aber vielleicht sind sie ja da, damit wir daraus etwas Gutes lernen?
    Wir dürfen zurzeit überhaupt nirgendwo mehr hin gehen, deshalb liebe Grüsse aus meinem Garten, bei blauem Himmel, Blütenduft und Vogelgezwitscher!

    • schreibschaukel schreibt:

      Ihr seid nun auch schon um einiges länger eingeschlossen und wir dürfen immerhin noch im Wald spazieren gehen. Nach den ersten drei Wochen hier ahne ich aber bereits, dass drei weitere Wochen (oder neun, zwölf,…wie viele noch??) nicht mehr ganz so gemütlich sind. Gestern war ich kurz in der Schule, um einigen Kindern Material herauszugeben und es war surreal: das leere Schulhaus, der Abstand zwischen uns..
      Und wie du bei dir schreibst: Man darf nicht nachdenken. Und nicht zu oft Nachrichten schauen…
      Alles Gute und weiterhin starke Nerven.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s