Klimaschutz

Der Vorsprecher tut sein Bestes, um die Masse zu mobilisieren und ihnen die wichtigsten Sprüche beizubringen, die sie auf dem folgenden Marsch skandieren sollen. Die Menschen sind in Scharen gekommen, mit Kind und Kegel, der ganze Helvetiaplatz ist voll. Während dem Vorsprecher schon nach wenigen Minuten die Stimme einbricht, kommt die Menge langsam auf den Geschmack. Sprachlich darf man keine zu hohen Anforderungen stellen – ich finde es in einem Anflug von Grössenwahn sehr schade, dass man nicht mich gefragt hat, denn die etwas hölzernen Sprüche schmerzen mich in meinem Autorenherz – aber die Stimmung ist ausgelassen und schliesslich ist es ja für einen guten Zweck. 

Der Twenager und ich profitieren von nahe gelegenen Musikboxen und nach dem langen Stehen gefällt es uns sehr, ein bisschen zu tanzen, auch wenn es uns irritiert, dass aus unerfindlichen Gründen zwei verschiedene Ghettoblaster von den entgegengesetzten Seiten des Platzes in die Gegend röhren. Eine Klima Battle? Wir befinden uns ziemlich genau dazwischen und entscheiden uns für die Oldies. Auch, weil auf der anderen Seite laut Twenager, der ab und zu in der Samsung Halle jobbt, gerade eine deutsche Band singt, die seines Erachtens Nazi Tendezen aufweist. Aber so genau hat man das wohl nicht recherchiert.

Auch unser Tag steht im Zeichen des Umweltschutzes, denn wir sind auf dem Flohmarkt. Ist ja viel umweltfreundlicher, die alten Sachen zu verklickern, als sie einfach wegzuschmeissen. Schon seit vielen Stunden sind wir hier, denn bereits kurz nach sechs Uhr mussten wir uns vor dem Tor einfinden. Normalerweise bringt mich um diese Zeit an einem Samstagmorgen nichts ausser Hause, aber ab und zu muss man über seinen Schatten springen, um eine neue Erfahrung zu machen. Diese hat es in sich, da hatte der Twenager, der das vor einem Jahr schon mal mit einer Freundin durchexerziert hatte, nicht zu viel versprochen. „Du wirst sehen, das ist eine sehr bunt gemischte Klientel“, hatte er gesagt und mich vorsichtshalber gebrieft. „Die wollen nix bezahlen – wegen des Geldes müssen wir das also nicht machen.“

Recht hatte er gehabt, denn mehr als ein Trinkgeld springt bei der Aktion nicht heraus, dafür aber jede Menge Spass. Abgesehen vom frühen Aufstehen natürlich. Man kommt mit den verschiedensten Leuten in Kontakt, hat herzerwärmende, erheiternde und manchmal auch irritierende Begegnungen. Kurz bevor sich der Klima-Demo Zug in Bewegung setzte, gingen die Emotionen am höchsten. Eine Laufkundin hielt mir einen längeren Vortrag darüber, wie schädlich die AKW’s für unsere Umwelt seinen – während sie direkt daneben gegen das CO2 anschrien – und eine andere schalt mich, weil ich ihr widersprach, als sie mir sozusagen verbot, jemals Grossmutter zu werden. Weil es zu viele Leute gibt. Und die Welt sowieso im Eimer ist. Der Blick auf den Helvetiaplatz hätte ihr zwar Recht geben sollen, aber hey – ich kann mir trotzdem vorstellen, Grossmutter zu werden!
Es war also sehr interessant, mit den Leuten zu reden und ganz nebenbei verkauften wir noch ein paar unserer alten T-Shirts, auch wenn wir sie am Ende fast gratis abgaben. Was tut man nicht alles für den Klimaschutz. Aber meine Devise ist ja sowieso: Jeder soll’s auf seine Weise tun.

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