Ab auf die Wolke

Klassenzusammenkünfte sind immer etwas Spezielles, aber ganz besonders speziell sind sie, wenn ich als die ehemalige Lehrerin hingehe. Während sich die Klassenmitglieder hie und da noch gesehen haben, sind für mich, sagen wir mal, 25 Jahre vergangen und ich sehe mich völlig fremden Menschen gegenüber, die ich als Kinder in Erinnerung hatte.

An dieser Stelle muss ich zwar gestehen, dass ich der Erinnerung etwas nachhelfen musste. Als mich die Einladung zu dem Treffen erreichte, erkannte ich zwar den Namen der ehemaligen Schülerin, konnte sie aber nicht sofort der richtigen Klasse zuordnen. Welcher Jahrgang war das gewesen?
Und zu welcher Truppe gehörte sie nochmal?

Drei Klassenzüge, viele Jahre als gelegentliche Stellvertretung, dazwischen mal ganz was anderes und viele Interviews, sechs weitere Jahre an mehreren ständig variierenden Klassen sowie seit kurzem wieder eine eigene waren meinem eh schon dürftigen Gedächtnis nicht zuträglich gewesen. All die Namen hätten schon lange mal zwecks Sicherung in irgendeine Cloud hochgeladen werden müssen!

Also ging ich auf Schatzsuche, stiess dabei tatsächlich auf eine Kiste mit der Aufschrift „90-93“ und in der Folge so manchen Ausruf des Entzückens aus.
Genau!
Diese Klasse war’s gewesen!
Und das hatten wir zusammen erlebt!
Und das hatten sie darüber geschrieben!

Während ich die Bilder und die Texte anschaute, kam so vieles wieder zurück und so kam es dann auch, dass ich (fast) alle der Anwesenden auf Anhieb wieder erkannte. Die elegante Geschäftsfrau, der weltmännische Firmeninhaber, die fidele Verkäuferin, der promovierte Doktor (oder gar Professor?), die passionierte Gesundheitsberaterin, der selbstständige Outdoor Spezialist …sie alle, einige nun schon selber Eltern, hatten noch etwas von den ehemaligen Kindern in sich, die mir so ans Herz gewachsen waren, und die gehen zu lassen mir wahnsinnig schwer gefallen war.

Sie wiederzusehen aber war nun nicht mehr traurig, sondern die reinste Freude. Einmal mehr, wie bei anderen Gelegenheiten auch, war ich beeindruckt, was für tolle Menschen ich vor mir hatte.
Und Hand aufs Herz: Egal wie gut oder wie schlecht ich meinen Job machte und mache, egal welch grosse Mühe ich mir gebe – aber oft eben auch welche habe – aufs Leben der Kids hat das wohl jetzt nicht den grössten Einfluss. Das finde ich irgendwie entspannend.
Ich bin ja gar nicht für alles verantwortlich. Ich bin nur ein kleines Teilchen im ganzen Mosaik. Wenn es eins ist, das zum Gelingen des Ganzen beitragen kann, dann will ich es zufrieden sein und weiter daran arbeiten.
Nur schon einer potenziellen zukünftigen Klassenzusammenkunft wegen lohnt sich das allemal. 

IMG_3532

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter auf, Konserve, Fundstück, Uncategorized abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Ab auf die Wolke

  1. Yael Levy schreibt:

    Tja, gut vorbereitet ist eben schon halb gewonnen! Schön, dass du von diesem Abend auch noch ein moralisches Resümee mit nach Hause nehmen konntest.

  2. Flohnmobil schreibt:

    Ich hab dich noch nie in weissen Hosen gesehen…. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s