Zapperlot!

Es geht nichts über ein Konzert im „Zappa“.

Die Türen öffnen sich kurz nach acht Uhr, beinahe zwei Stunden vor Konzertbeginn. Obwohl es recht eng ist – vier Leute werden um einen kleinen Tisch platziert – spricht nichts dagegen, die Wartezeit mit einem Essen zu überbrücken. Bisher wurden wir auch kulinarisch nie enttäuscht. Nach Joni Rechter in Herzlia und Matti Caspi in Tel Aviv, zwei grossartigen Konzerten, entschieden wir uns diesmal für Avi Singolda and Friends. Wie gut!

Avi Singolda ist ein israelischer Gitarrist, der auf seinem Instrument – bzw. auf den verschiedenen Gitarren, die er während des Konzert zur Hand nimmt – ein Virtuose ist. Es ist kaum zu glauben, wie er, während er etwas Lustiges erzählt (ich verstehe leider praktisch nichts, aber das Publikum amüsiert sich sehr), von einem Song zum anderen springt, den er kurz anspielt (weil er sich nicht für einen von den unzähligen, die er meisterhaft zu spielen versteht, entscheiden kann?) um dann schliesslich zum nächsten zu kommen, so dass die „Friends“, allesamt auch ausgesuchte Musiker und Musikerinnen, einsetzen können. Die Übergänge samt Lichtshow sind perfekt und in diesen Momenten steigert sich die Stimmung im Saal, wo sowieso schon Glücksgefühle in geballter Form die Atmosphäre anreichern, nochmals und das Publikum tut das, was hierzulande üblich ist: Es singt mit.

Es sind Songs, die Leute aus meiner Generation in ihre Jugend zurück katapultieren. Gary Moore, Santana, Led Zeppelin, Chuck Berry, Nancy Sinatra, Cliff Richards, Elvis Presley, Deep Purple, The Shadows,… es war das musikalische Paradies schlechthin. Dazwischen immer wieder auch ein Block mit israelischen Songs und orientalisch angehauchtem Rock vom Feinsten.

Auch wenn es sich um Covers mit einem sehr persönlichen Stil handelte – sie waren nicht weniger gut als die Originale. Und Avi Singolda, das unermüdliche Energiebündel, der ohne Pause an die zwei Stunden spielte, konnte sich auf seine Truppe verlassen. Was für Musiker! Was für Stimmen! Was für eine Ausstrahlung! Vor allem aber: Wie viel Spass alle daran hatten, hier zusammen zu musizieren.

Mitten im Konzert tat Avi Singolda das, was er immer tut: Er holte einen jungen Nachwuchsmusiker, so um die 14 Jahre dürfte er gewesen sein, auf die Bühne. Und obwohl dieser um diese Zeit eigentlich im Bett hätte sein sollen, spielte er auf seiner Gitarre das Stück von Dire Straits so gut, dass das Publikum ihn lautstark feierte.
Es ist immer wieder beeindrucken mitzuerleben, wie hierzulande Jugendliche ermutigt und gefördert werden. Die Chancen, dass aus diesem noch etwas scheuen Jungen dereinst ein gefeierter Musiker wird, der charismatisch die Bühne rockt, stehen gut.

Eins der letzten Stücke – da waren schon längst alle am Tanzen – war „Smoke on the Water“. Ich dachte daran, dass ich erst vor kurzem in Montreux am See sass und jetzt hier im Nahen Osten bin, und wie sehr ich beides mag, die Schweiz und Israel; wie glücklich ich mich schätzen kann, vom Leben dort platziert und später hierhergeführt worden zu sein, und dann – dann dachte ich nichts mehr sondern tanzte einfach bis zum Schluss des Konzerts.

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2 Antworten zu Zapperlot!

  1. faehrtensuche schreibt:

    Ich könnte mir vorstellen, dass mir das auch gefallen hätte! 🙂

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