Abenteuer aus erster Hand

Nicht zum ersten mal bin ich in den Genuss einer Off Road Tour gekommen und so hatte ich schon eine Ahnung davon, was mich erwarten würde. Trotzdem werde ich mich bei Y. entschuldigen müssen. Weil ich es aufgrund seines abenteuerlichen Fahrstils abgelehnt hatte, in sein Ultraleicht Flugzeug zu steigen und jetzt aber weiss: Das war noch gar nichts, damals.
Mit U. wird das nur halb so wild dachte ich. Jemandem, der sich zeit seines Lebens beruflich um das Wohl anderer gekümmert hat, kann ich mich bedingungslos anvertrauen.

Die Grösse des Jeeps hätte mich vielleicht stutzig machen sollen, doch nichtsahnend setzte ich hinein und gab grünes Licht für die „spannendere“ Variante, als unter den Insassen eine Abstimmung erfolgte. In der Folge bereute ich das, denn was jetzt kam, brachte mich an die Grenzen meiner Abenteuerlust.
Die atemberaubende Aussicht aus der Höhe ist nur halb so bezaubernd, wenn zwischen ihr und mir ein steiler Abgrund liegt, welcher ziemlich nah ist, nämlich unmittelbar hinter der Fensterscheibe, während ich hin und her geworfen werde im Jeep, der auf einer schmalen Piste den Berg hoch baggert. Auch dass wir uns im Rad wechseln schon vor ein paar Stunden hatten üben konnten, beruhigte mich nur bedingt, denn auf einer Geröllhalde mit der aktuellen Steigung dürfte das doch etwas schwieriger werden.

Trotzdem konnte ich die Wahl unseres Exkursionsleiters und Fahrers nachvollziehen, der es viel besser fand, von dieser Seite den Berg hochzufahren, sei es auch rumpliger, als von der anderen. Es war ein einmaliger Moment, als wir über die Krete kamen und plötzlich das ganze Jordantal mit dem See Genezareth vor uns hatten. Allerdings kamen just in diesem Moment von der anderen Seit zwei Köpfe in Sicht und ich duckte mich reflexartig, da ich es in schweizerischer Manier beschämend fand, ausgerechnet hier zwei Wanderern zu begegnen. Ein surrealer Moment!
Die beiden waren unterwegs auf dem Trail von Israel, zuckten aber nicht mit der Wimper, als sie uns sahen, sondern winkten freundlich. „Die sind sich daran gewöhnt“, sagte U. und wies darauf hin, dass er Wanderer oft frage, ob er ihren Abfall mitnehmen solle oder sie Wasser bräuchten oder er ihnen sonstwie behilflich sein könne.

Nachdem wir eine Weile die fantastische Aussicht genossen hatten, war die nächste Herausforderung, aus der Pampa wieder zurückzufinden. „Waze“ in Ehren, aber in dieser Steinwüste war weder auf Daliah noch auf Jane noch auf sonstwen Verlass und am Schluss mussten Karte und Kompass her. Die kleine Reisegruppe beriet sich angeregt in der Landessprache, was meine Nerven zusätzlich strapazierte, weil ich herzlich wenig verstand. Da mir der Humus versicherte, wir befänden uns nach wie vor auf israelischem Gebiet und die Sonne noch über dem Horizont stand, verschob ich meine übliche Hysterie auf später, obwohl ich es ein bisschen bereute, mich am Morgen für die Wandersandalen und nicht für die Turnschuhe entschieden zu haben. Damit wäre ich bestimmt besser dran, so dachte ich, würden wir die Nacht hier verbringen müssen, wo es sicher jede Menge Schlangen gab.

Kurz darauf passierten wir einen Militärstützpunkt. „Sieht aus, als gehöre das zum Iron Drome“, bemerkte der Humus und ganz ehrlich – das fand ich jetzt auch nicht so beruhigend.
Allein – vermutlich war wieder mal meine Imagination mit mir durchgegangen und alles nur halb so wild. Auch wenn ich froh war, als ich in der Ferne die ersten Häuser entdeckte und die Zivilisation wieder in greifbarer Nähe war – es war ein toller Ausflug!

Und die Einladung zu einem Tripp mit dem Ultraleichtflugzeug, die sollte ich bei Gelegenheit vielleicht doch annehmen.

IMG_2974

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter auf abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Abenteuer aus erster Hand

  1. faehrtensuche schreibt:

    „… die Einladung zu einem Tripp mit dem Ultraleichtflugzeug, die sollte ich bei Gelegenheit vielleicht doch annehmen.“ …
    Unbedingt!!!

  2. Anhora schreibt:

    Gütiger Himmel, für diesen Ausflug gebührt dir die Tapferkeitsmedaille! Ich glaub ich wär hysterisch geworden. Aber dann wieder … was für ein Erlebnis. 🙂
    Schisser-Grüßle über die Grenze,
    Anhora

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s