„What a truly magnificent view“

Es ist mein letzter Abend in Montreux. Da ich nach vier Tagen schon etwas vertraut mit den Gegebenheiten bin, habe ich den idealen Platz gefunden, wo ich den heutigen Sonnenuntergang geniessen kann, ohne Gefahr zu laufen, wegen des Wetterwechsels von den Wellen in den See gespült zu werden. Obwohl die Bar nur schlecht besetzt ist und ich einen Platz am Fenster finde, ist es laut. Das liegt daran, dass es die Bar des Casinos ist.

Im Casino war ich übrigens nicht um zu spielen – für den Einsatz leiste ich mir lieber ein gutes Essen – sondern weil ich am Morgen das ehemalige Studio der Gruppe Queen besucht habe.

Jetzt sitze ich also hier und schaue auf die eindrückliche Kulisse, die Freddie Mercury nur zwei Wochen vor seinem Tod zu einem Lied inspiriert hat, von dem er eiligst und in einer einzigen Session Melodie und Text aufnahm, was seinen Bandmitgliedern ermöglichte, den Song vier Jahre später herauszubringen. Eine Art Grabmal für den unvergessenen Sänger.

Und obwohl er im Lied den Winter besingt, fühle ich, was er empfand, als er aus dem Studio über den See blickte. Nicht bis ins Letzte vielleicht, denn ich gehe davon aus, dass ich noch ein paar Jahre leben werde, während ihm klar war, dass es dem Ende entgegen geht.

Trotzdem mischt sich Freude über die vor mir ausgebreitet Schönheit mit Melancholie. Ich bin ein bisschen traurig wegen Freddie Mercury und auch wegen meines Cousins, dem einzigen von allen, den ich gekannt habe, der mir viel bedeutet hat, und der fast zur selben Zeit an derselben fiesen Krankheit starb. Und während ich so auf den heute stürmischen See blicke, in dem sich die letzten Sonnenstrahlen brechen, kommen mir noch andere Menschen in den Sinn, die mein Leben auf die eine oder andere Weise bereichert haben und nicht mehr da sind. Der letzte musste sich erst vor zwei Wochen verabschieden, obwohl er sehr am Leben hing und noch viel vorgehabt hätte.

Immerhin – falls es einen Ort gibt, wo man sich wieder trifft, stehen die Chancen auf erstklassige Musik gut. Aber trotzdem ist es schön, dass ich sie mir vorerst noch auf Youtube anhören kann.

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2 Antworten zu „What a truly magnificent view“

  1. anneinsideoffice schreibt:

    Bei schlechtem Wetter kann msn am Genfersee vergessen, dass es nur ein See ist.

  2. Anhora schreibt:

    Was für eine schmerzhaft schöne Musik … Freddy Mercury vermisse ich heute noch, wie auch manche anderen Menschen, die gehen mussten. Da gehts mir wie dir und wohl uns allen.
    Hab einen schönen Tag.

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