Inspirierende Lektüre

Wenn ich eins gelernt habe in diesem Jahr, das ich mir praktisch freigenommen habe, dann dies: Schöpferische Produktivität verhält sich nicht proportional zur verfügbaren Zeit. In meinem Fall verhält sie sich allenfalls umgekehrt proportional dazu, ganz generell aber vor allem sehr ungünstig zum Müssiggang. Und dieser nun – man könnte ihn auch als Trägheit bezeichnen – ist leider mit meiner Person untrennbar verbunden. Vermutlich müsste ich mir mal überlegen, warum das so ist, aber das ist anstrengend.

Immerhin aber mache ich mir überhaupt Gedanken. Noch ist nicht alles verloren. Und die Inspiration für meine unüblichen gedanklichen Liegestützen kommt daher, wo sie meisten herkommt: von einem Buch.

Während ich nämlich schon seit Monaten Happy Hour feiere – Im Stil von: ein Tag arbeiten, zwei Tage frei – bringen andere nicht nur Familie, Job, Haus und Garten sowie ein beeindruckendes Sportprogramm auf die Reihe, und schaffen es, nicht durchzudrehen, wenn zusätzlich und höchst unerwünscht noch das Schicksal an der Tür klingelt, nein – sie schreiben auch noch ein Buch darüber.

Nun gibt es ja unzählige solcher Erfahrungsberichte und die reichen erfahrungsgemäss von leidlich gut bis zu Glückspost Niveau, weshalb die Hand vielleicht beim Griff nach „Krebs und eine Kakerlake“ kurz zögert. Aber da schaltet sich dann schon das Hirn ein, registriert den originellen Titel und meldet eine erfreuliche und belebende Dissonanz: Welch „hässliche“ Worte – aber wie umwerfend schön das lautmalerisch klingt!

Das Buch selber ist auch umwerfend: bedeutsames Thema (dramatisch – jede normale Frau kriegt dabei das Nervenflattern) aber trotzdem immer wieder witzig. Tatsache, es ist lustig, das Buch, im Ernst jetzt. Ich habe doch tatsächlich öfters lachen müssen, und wenn ein Buch das schafft, während es mich gleichzeitig auch zu berühren vermag, dann hat es gewonnen.

Übrigens ist es auf der Skala von leidlich gut bis Glückspostniveau nicht vertreten, Pech gehabt, denn es ist nicht leidlich gut, sondern sehr gut geschrieben. Und das, obwohl die Autorin sich an einer Stelle darüber sorgt, dass ihr deutsches Sprachvermögen allmählich einrostet. An dieser Stelle habe ich mich stirnrunzelnd gefragt, wie sie wohl schreiben würde, wenn sie ihren Alltag nicht schon seit dreissig Jahren in einer Zweitsprache bewältigen müsste, die mit ihrer Muttersprache einzig das kratzende „ch“ gemeinsam hat. Vermutlich wäre das Buch dann viel teurer, weil es ein Anwärter auf den Schweizer Literaturpreis wäre. So aber ist es erstaunlich günstig, und das ist fast ein bisschen schade, weil die Leute dann womöglich denken, es sei auch nicht viel wert.


Was für ein Irrtum! 


Auch wenn man keinen Krebs und nichts für Kakerlaken übrig hat: Dieses Buch ist ein spannender Blick durchs Fenster in den privaten Garten einer bemerkenswerten Frau, die sehr offen und mit feinem Humor über ein schicksalhaftes Jahr ihres Lebens schreibt.
Und das ist, ganz nebenbei, auch ohne Krebs und Kakerlake ziemlich interessant.

Ins Buch klicken und mehr erfahren:

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2 Antworten zu Inspirierende Lektüre

  1. anneinsideoffice schreibt:

    Ich schaue gleich ob ich es mir auf den Kindle laden kann. Denn Ich lese immer und überall und in den Ferien viel.

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