Jungbrunnen

Der Humus fühlt sich in Tel Aviv immer ein bisschen älter. Das liegt am demographischen Unterschied. Während er schwört, dass ihm in der Schweiz ab und zu noch Frauen hinterher gucken, fühlt er sich in Israel unsichtbar, da altersmässig aus dem Fokus gerückt.
Europa, seine Rede, entwickle sich allmählich zu einem Altersheim, und das kann man vom heiligen Land nun wirklich nicht behaupten. Familien und junge Leute wo man hinschaut. Mutter von drei Kindern zu sein und daneben noch 100% zu arbeiten ist nicht aussergewöhnlich. Kinder gehören in Israel zum Leben wie der Kaffee zum Frühstück, im Gegensatz zur Schweiz, wo man sich allerlei Gedanken macht, bevor man sich endlich traut. Wo Kinder auf der Speisekarte des Lebens allenfalls unter Nachtisch fungieren. Es geht ja auch ohne. Fühlt man sich vielleicht sogar etwas leichter.
Hier dagegen ist die Gründung einer Familie, könnte man meinen, der eigentliche Sinn des Lebens. Umso erstaunlicher deshalb, wie erfolgreich auch in beruflicher Hinsicht viele Muttis sind.

Im Gegensatz zum Humus fühle ich mich während meiner Besuche hier  jünger und zwar der Musik wegen, die überall in der Luft hängt, in jedem Cafe und in jedem Restaurant oder auch im Einkaufszentrum und die ich ziemlich gut finde.

Mein Lieblingsradio beispielsweise (88FM) kommt mit einer gelungenen Mischung aus israelischen Liedern und lange vermissten Oldies daher. 
Wann hab ich an einer heimischen Radiostation zuletzt Songs von Led Zeppelin, den Doors, von Carol King, den Pretenders oder Blood Sweat and Tears gehört? Oder all die vielen unbekannten und eigentlich viel schöneren Lieder von den Beatles? Wann hat Mick Jagger mal nicht „I can’t get no…“ geröhrt, sondern sanft wie ein Lamm „Angel of my heart“ gesungen? Und auch wenn Fredy Mercury für immer ein Champion bleibt – bei uns krieg ich höchstens alle Jubeljahre einmal „Who wants to live forever?“ auf die Ohren. Aber auch die einheimischen Interpreten, in der richtigen Dosis dazwischen gestreut, sind mir mittlerweile vertraut und ans Herz gewachsen.

Während daheim ein aus geschätzten zwanzig bis dreissig aktuellen Charts Songs gekochter Einheitsbrei zäh aus dem Lautsprecher fliesst, ist das hiesige Radio ein Quell der Freude und lässt mich gefühlte 40 Jahre jünger werden.
Vielleicht ist nicht nur das Kinder kriegen, sondern auch das Kinder haben deshalb einfacher?  Weil: 
Ist es mal zu laut, dann dreht man einfach das Radio auf und die Welt ist wieder – schön.

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