ÖV-tauglich

Ich war ja nun schon mehrmals hier, aber gestern doch tatsächlich zum ersten Mal – Schande über mich – mit dem Bus unterwegs. Bisher war ich entweder mit dem Humus im Auto unterwegs, streifte zu Fuss durch die Gegend oder nahm eins der grünen Räder, die man überall ausleihen kann. Gestern aber wollte ich mich zur Abwechslung mal mitten ins Getümmel stürzen, der Humus hatte anderes zu tun, und obwohl seit meinem letzten Besuch erfreulicherweise überall neue Radstreifen entstanden sind, hatte ich keine Lust darauf, mit dem Rad mitten ins verkehrsreiche Zentrum zu fahren. Ich liebe mein Leben. Also stellte ich mich mutig der vermeintlichen Herausforderung, das hiesige ÖV zu benutzen. Ich hatte es mir als schwierig vorgestellt, weil die Stationen nur hebräisch oder allenfalls noch arabisch angeschrieben sind. Und bei aller Liebe zu diesem Land – diese Hieroglyphen werde ich nie entziffern können.

Ich hätte mir aber gar keine Sorgen zu machen brauchen. Erstens sind die Leute hier, auch wenn sie auf den ersten Blick ab und zu etwas schroff rüberkommen, sehr hilfsbereit, und zweitens hat man heute ja Google. Mit Google maps, auch offline benutzbar, sehe ich genau, wo ich aktuell bin bzw. wohin ich mich bewege. Fast ein bisschen angsteinflössend ist das, aber eben auch sehr praktisch, weil ich dann weiss, wo ich aussteigen muss, um an mein gewünschtes Ziel zu kommen. Ausserdem führt mich die App auch von überall wieder zu einem tauglichen Bus, der mich zurück bringt. Wie haben die Menschen das bloss in prägooglischer Zeit gemacht?!

Die Busse selber kommen übrigens in regelmässigen Abständen und das Prinzip ist einfach, weil man dem Fahrer für jede Fahrt – zumindest innerhalb der Stadt – denselben Betrag bezahlt. Kein Vergleich zum komplizierten Vorgang, in Zürich ein gültiges Ticket zu erstehen (also eines, wo man dann nicht doch noch Gefahr läuft, eine Busse zu bezahlen, weil man sich für die falschen Zonen oder die falsche Zeitdauer oder eine falsche Vergünstigung oder den falschen blöden Spruch zwecks Entschuldigung entschieden hat), der sogar Einheimische überfordern kann.

Die Fahrer sind auch sehr entspannt und multitasking (das müssen sie vermutlich, wenn sie nicht vorzeitig eine Herzattacke erleiden wollen). Sie können gleichzeitig fahren, Tickets herausgeben, mit dem Kopf zur Musik wippen, einem mitten auf der Kreuzung im Weg stehenden Gefährt ausweichen und nebenbei auch noch ein bisschen Konversation machen. Naja, vielleicht nicht alle, aber es gibt sie, diese Multitalente und nur schon sie sind eine Fahrt mit dem Bus wert.

Ich bin jetzt auch in Tel Aviv ÖV-tauglich.
Ist aber auch keine Kunst.

IMG_2609.JPG

 

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2 Antworten zu ÖV-tauglich

  1. Yael Levy schreibt:

    Schön hast du positive Erfahrungen mit dem ÖV gemacht. Ich kann mich gut an meine Erfahrungen vor vielen Jahren erinnern und wie ich jeweils immer noch anständig und verdattert Schlange stand, während der Bus schon wieder abfuhr, nachdem die Israelis ihn aus allen Richtungen bestürmt und bestiegen hatten…

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