Neue Buslinie

Ich wohne am Rande der grossen Stadt und seit heute – darüber freuen sich alle – fährt ein Bus von hier direkt bis an den Hauptbahnhof. Nicht irgendein Bus ist es, sondern just die Nummer 31, eine Linie, die für mich sowohl symbolträchtigen als auch emotionalen Charakter hat. War es doch im 31er, dass sich mein Weg zum zweiten Mal mit jenem des Humus kreuzte. Was Folgen hatte, wie mein treues Lesepublikum bemerkt haben dürfte.

„Halt dich fest“, sagte der Twenager zu mir, als er zum Frühstück erschien – früher als erwartet – du glaubst nicht, was mir passiert ist. Er war auf einer Party gewesen und als sich in den frühen Morgenstunden die Müdigkeit bemerkbar gemacht hatte, war er seine Optionen bezüglich Heimreise durchgegangen. Anstatt mit Taxi und Nachtbus zu jonglieren, so sah er zu seiner Freude, würde er bloss eine Dreiviertelstunde später, kurz vor fünf Uhr, den allerersten 31er der Geschichte nehmen können, dessen Route unweit von seinem aktuellen Standort vorbeiführte und der ihn fast vor die Haustüre befördern würde. Also tanzte er noch ein bisschen weiter und machte sich dann auf zur Bushaltestelle. Es waren nur wenige Leute im Bus, die sich alle zu kennen schienen; einer von ihnen knipste beständig mit seinem Fotoapparat und die Stimmung war aufgeräumt. Als der Bus zum Hegibachplatz kam, wo er bis anhin wendete, sprach eine Frau den einzelnen Fahrgast weiter hinten an. „Fahren Sie auch mit uns bis nach W.?“, fragte sie, worauf der Twenager etwas perplex bejahte. „Dann“, so strahlte ihn die Frau an, „sind Sie der allererste Fahrgast auf dieser neuen Linie.“ Alles anderen waren offensichtlich Offizielle oder Journalisten.

„Und, kommst du jetzt in der Zeitung?“, fragte ich meinen Sprössling, doch dieser wehrte entschieden ab. So etwas hätte er sich verbeten. Es reicht ja schon, wenn er ab und zu hier erwähnt wird. Gefreut hat sich der Twenager trotzdem darüber, dass er so bequem nach Hause fahren konnte. Auch wenn es etwas Nerven brauchte. Auf der allerersten Fahrt und unter Beobachtung wollte der Busfahrer alles richtig machen und so stoppte er an jeder einzelnen Station, ungeachtet der Tatsache, dass um diese Zeit niemand aus- oder einsteigen wollte. „Es war ein bisschen stop and go“, meinte der Twenager, „aber wenigstens war es schön warm.“

Und das war ja auch der Grund gewesen, warum ich vor vier Jahren spontan und ungeplant in den 31er gestiegen bin.
Zum Glück.
Es lebe der 31er!

452Endstation? Das war einmal.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter auf abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Neue Buslinie

  1. faehrtensuche schreibt:

    Habe mit Vergnügen gelesen! 🙂
    „Es lebe der 31er!“ – Jetzt gleich doppelt!!! 😀

  2. schreibschaukel schreibt:

    🙂
    Heute ist er bereits ein paar Stunden ausgefallen – wegen des Schneefalls.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s