Ultimative Kur

Gestern war ich mal wieder in Konstanz. Ein bisschen Luftveränderung würde nicht schaden um dem Novembermief zu entkommen, dachte ich. Direkt nach dem Black Friday und noch vor dem Weihnachtsrummel wäre es vielleicht möglich, die Stadt zu geniessen, ohne auf Schritt und Tritt über andere Schweizer zu stolpern. 
Ausserdem hatte ich das dringende Bedürfnis, mal wieder Reibekuchen zu essen. Reibekuchen, die mir meine Mutter in meiner Kindheit jeweils am Geburtstag gemacht hatte sind für mich ein klasse Stimmungsaufheller. Was mich betrifft, so könnte man damit glatt die Pharmaindustrie in den Ruin treiben.

Erst verordnete ich mir aber einen Kaffee und ein köstliches Hefegebäck, dessen Namen ich leider schon wieder vergessen habe, aber: So was gibt’s nur bei den Nachbarn. Dann stürzte ich mich zusammen mit anderen Einkaufstouristen – ich war dann doch nicht die einzige – in den Drogeriemarkt, die übliche Pflichtroutine. Dort schlitterte ich an der Kasse knapp am GAU vorbei, weil ich mir nicht mehr sicher war über den Code meiner Kreditkarte, den ich schon länger nicht mehr gebraucht hatte und von dem ich aber soviel wusste: Wenn’s nicht auf Anhieb klappt, dann nimmer mehr. Es war dann zum Glück die richtige Zahl, die ich mit zitternden Fingern eintippte, hinter mir eine endlos lange Schlange und im Portemonnaie gähnende Leere, im Gegensatz zum Laufband, das mit allem möglichen bestückt war. Der vorübergehende Adrenalinschub muss sich in meiner Aura verdichtet haben, denn der junge Mann, der gleich nach mir seine Einkäufe verstaute, wünschte mir mitfühlend noch einen frohen Einkaufstag.

Anschliessend war mir nicht mehr zum Einkaufen und ich machte das, was ich sonst auch immer mache: Einen Spaziergang durch die Altstadt.
Es war grau und nass und kalt, ich schlenderte gemütlich übers Kopfsteinpflaster und sah den Schaustellern zu, die damit beschäftigt waren, ihre Stände für den Weihnachtsmarkt startklar zu machen; es herrschte eine geschäftige Stimmung. An jeder zweiten Ecke sah ich auch Männer und Frauen am Boden kauern und auf einer Decke ihre tägliche Arbeit verrichten. Sie gehören wohl zu einem organisierten Bettelunternehmen, dachte mein skeptisches Ich (es ist ja noch nicht Weihnachtszeit – da wäre es vielleicht mitfühlender). Einer hob sich von den anderen ab, weil er fröhlich da sass und laut sang, mit einer schönen Stimme übrigens, und wir winkten uns lachend zu.

Mein Spaziergang endete wie immer am Seeufer, das verlassen dalag, gesäumt von schön geschmückten Schiffen, die zur Adventsfahrt einladen. Mein Lieblingslokal war leider geschlossen, also machte ich mich auf die Suche nach einem anderen. Ohne Reibekuchen würde ich diese Stadt nicht verlassen!
Es war dann kein einfaches Unterfangen, welche zu finden. Sushi, Pizza, Döner, Thailändisch, Chinesisch, Bio Food, Irish Pub – Konstanz bietet was das Herz begehrt, aber einfache Reibekuchen gibt’s nicht an jeder Ecke.

Ich fand sie dann doch, meine persönliche Thearpiestube und die Reibekuchen waren genau so wie sie zu sein hatten: goldbraun und knsuprig gebraten. Dem Himmel sei Dank. Ich bin für zwei weitere graue Novembertage gewappnet!

Reibekuchen-201020453925

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