Feuerprobe

Nach fast fünf Wochen konnte ich mich als motorisierte Verkehrsteilnehmerin heute entspannen. Endlich darf ich wieder selber ans Steuer. Es wurde auch Zeit. Nicht nur für meine eigenen Nerven, auch für die meiner Mitmenschen.

Ich bin eine schlechte Beifahrerin, davon konnte schon der Handyman ein Lied singen, was einer gewissen Ironie nicht entbehrt, weil er es war, der mir vor langer Zeit das Fahren beigebracht hat. Vorher hatte ich zwar auch schon einen Führerschein, fuhr aber nur, wenn es sich nicht vermeiden liess und sprach vorher für alle Fälle noch ein Gebet.
„Dich hat einzig zu interessieren, was vor dir passiert“, schärfte er mir ein, „die hinter dir können dir nämlich Wurscht sein.“ Als ich diesen Grundsatz mal verinnerlicht hatte, reichte die Kapazität sogar noch, um etwas weiter voraus zu schauen, womit die Fahrerei plötzlich sehr entspannt vonstatten ging.

Ich wünschte, ich wäre im restlichen Leben so gelassen wie in meinem Auto auf dem Weg von A nach B, wo mich fast nichts erschüttert und ich nur in Ausnahmesituationen hysterisch werde. Es ist, als sei ich ein anderer Mensch, wenn ich Auto fahre.

Das gilt aber eben nur, wenn ich das Steuer in der Hand habe. Ich bin ein Kontrollfreak. Als Beifahrerin ängstige ich mich vor jeder Kurve, bei jedem sich verringernden Abstand, vor Fussgängerstreifen und Verkehrsampeln, wenn es regnet oder wenn die Sonne blendet und beim Twenager halte ich zusätzlich noch nach sich ins Auto verirrten Spinnen Ausschau, weil das unseren vorzeitigen Tod bedeuten könnte. Ich leide, und die Fahrer, die leiden mit. Weil ich meinen Mund nicht halten kann. Weil ich zwar weiss, dass es daneben ist – und auch nicht nötig – und es aber trotzdem tue. Meinen schlimmsten Feinden würde ich keine Beifahrerin wünschen wie ich es bin und meinen Lieben …denen rechne ich es hoch an, dass sie es trotzdem ab und zu ertragen.
Gut, dass ich jetzt wieder selber fahren darf.
Man will es sich ja nicht mit ALLEN verscherzen!

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2 Antworten zu Feuerprobe

  1. Flohnmobil schreibt:

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass mein Fahrstil einen Beitrag zu diesem Blog geleistet hat.

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