Lieber spät als nie

Es gibt Entscheidungen, wo ich mir aufgrund meiner Unfähigkeit, endlich mal einen Entschluss zu fassen, eine Entscheidungshilfe erschaffen muss. Ab und zu ist das dann zufallsorientiert, aber manchmal, so stelle ich fest, steckt auch viel Aufwand dahinter. So wie im vorliegenden Fall. Obwohl sich diesmal der Aufwand extrem gelohnt hat, nicht nur bezüglich der Entscheidungsfindung.

Es muss lange her sein, dass ich mir zum ersten Mal Gedanken machte über die Organspende. Ich vermute mal, das war vor über dreissig Jahren, als ich aufgrund meines damaligen Hobbys meine Unfallversicherung anpasste und einen Exit Ausweis ins Portemonnaie steckte, für den Fall der Fälle. Damit tat ich mich nicht schwer, aber die Frage mit der Organspende konnte ich für mich bis heute nicht schlüssig beantworten. Obwohl ich es eigentlich eine gute Sache fand, blieb da dieses vage, nicht zu benennende Unbehagen zurück, weshalb ich die Sache immer wieder aufschob.

Vermutlich ist es nur logisch, dass es einen sanften Schubs des Twenagers (mein eigenes Fleisch und Blut, wie man so schön sagt) brauchte. Er fand, Organspende sei eine gute Sache und füllte für sich, ohne mit der Wimper zu zucken, das Formular aus. Auf meine zaghaften Fragen und Einwände hatte er pragmatische und überzeugende Antworten parat. Er ist eben nicht nur mein, sondern auch des Handyman’s Fleisch und Blut.
Wo mein KInd so forsch voranschritt, konnte ich natürlich nicht weiter zaudern. Drum hab ich jetzt auch so einen Wisch. Und selbst wenn ich hoffe, dass er noch lange nicht zur Anwendung kommt –  jetzt ist die Sache endlich mal vom Tisch.

Der Tewnager seinerseits brauchte zwar keine Entscheidungshilfe, aber es gab doch einen Katalysator. Und wie er haarscharf analysierte: Vielleicht ist gar nicht so wichtig, ob die Initiative zur Organspende (Widerspruchslösung) zustande kommt oder ob sie, falls das der Fall ist, dereinst angenommen oder verworfen wird. Wichtig ist, dass man darüber redet, sich damit auseinandersetzt, und diesbezüglich tut die Initiative schon jetzt gute Dienste.
Vielleicht gibt es dann mehr Leute, die aktiv eine bewusste Entscheidung treffen. Und die nicht erst ein Kind grossziehen müssen, um Organspender zu werden…

 

 

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4 Antworten zu Lieber spät als nie

  1. Flohnmobil schreibt:

    Ich hatte schon vor 30 Jahren einen Organspender-Ausweis im Portemonnaie. Mittlerweile habe ich ihn durch eine aktuellere Version ersetzt, bin aber so überzeugt wie damals, dass das eine gute Sache ist.

  2. anneinsideoffice schreibt:

    Ich habe den schon eine Weile, also seit wir bei meiner Mutter entscheiden mussten, ob wir sie künstlich ernähren lassen sollen. Da war ich immens froh, ihre Meinung dazu gekannt zu haben.
    Die Giraffe hat den auch und der jüngste Sohn, der Beluga auch. Der Spatz mochte weder daran denken, noch darüber reden, rannte immer aus dem Zimmer als es die Giraffe ( Tochter) vor etwa 10 Jahren spannend fand und öfters thematisierte.
    Was bei mir eine feinfühlige Achillessehne ist, ist bei ihm noch extremer.
    In 10 Jahren mag er evtl darüber reden, falls nicht, passt das auch 😉

    • schreibschaukel schreibt:

      Es ist ja auch nicht nötig, dass wir nun alle Organspender werden. Bloss die, die eigentlich schon immer „wollten“ (so wie ich…), die werden aufgrund der Diskussion vielleicht etwas entscheidungsfreudiger, und dann ist das doch auch schon was..

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