Die beste Therapie

Ab und zu gibt es neben dem obligaten „Grüezi“ einen erstaunten Blick auf meinen rechten, dekorativ blau geschmückten Arm, der, obwohl ich mich um einen dynamischen Rhythmus bemühe, ein bisschen trübe an mir hängt. „Alle Achtung“, scheinen die Blicke zu sagen, „dass du damit im Walt herumläufst.“ Die ersten paar Male habe ich mich anschliessend zu Hause vor den Spiegel gestellt und genau hingeschaut, aber nein: Ich sehe nicht aus, als ob ich demnächst das Zeitliche segnen würde. Ich sehe im Gegenteil grad ziemlich okay aus, was den Wochen an der Sonne sowie dem Umstand zu verdanken ist, dass ich wieder mehrere Stunden am Stück schlafe und nur noch ein bis zweimal pro Woche von der Schule träume. Ich verjünge mich praktisch stündlich.
Wieso also die erstaunten Blicke? Es ist ja mein Arm, der geschient ist, und nicht ein Bein. Die Krücken, mit denen ich mich anfangs Jahr nach der Hüftopperation herumschlagen musste, sind in die hinterste Ecke des Kellers verbannt worden und da bleiben sie hoffentlich auch.

Was für ein Genuss, einfach wieder losmarschieren zu können! Ich habe das grosse Privileg, am Rand einer ausgedehnten Grünzone zu leben. Eigentlich könnte ich in jeder Richtung gehen, aber klar – ich habe meine Lieblingsroute. Sie führt fast ausschliesslich durch den Wald und obwohl ich sie fast jeden Tag gehe, erlebe ich sie immer wieder anders und jedes Mal gibt es Neues zu entdecken an Formen, Farben, Gerüchen und Geräuschen. Gerade jetzt sind die verschiedenen Grüntöne besonders intensiv; das Zusammenspiel ihrer Farbschattierungen ist wunderschön. Bereits fallen überall die Blätter, schon bevor sie sich richtig verfärbt haben und obwohl mich das immer etwas melancholisch stimmt, weil ich den Sommer nun mal lieber mag als den Winter, ist es schön, durchs am Boden liegende Laub zu schlurfen.

Wie gerne ich diesen Wald mag. Und auch wenn – nein: gerade weil – mein eingezurrter Arm ein bisschen nervt, weil nicht alles so schnell geht, wie ich es gern hätte, dann ist die ultimative Kur, um wieder gute Laune zu kriegen, ein ausgedehnter Streifzug durch den Wald. Es ändert ganz einfach die Perspektive – der Blick richtet sich wieder nach oben.

Weshalb ich jeweils fröhlich zurückgrüezie und mir ein aufmunterndes und beschwichtigendes Lächeln nicht verkneifen kann.

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4 Antworten zu Die beste Therapie

  1. anneinsideoffice schreibt:

    Gut machst du das, dich durch den Wald und die Natur zu bewegen, wenn du es kannst, auch mit dem Arm in der Schiene!
    Uns tut es auch so gut und in letzter Zeit liest man auch, dass der Wald, die Bäume Stoffe in die Luft absondern, welche uns gesund halten!Also lebst du echt in einem sehr gesunden Bereich!
    Obschon ich das mit der Gesundhaltung eher auch über die Psyche sehe, denn ich liebe den Blick in die Natur, die Sonnen Untergänge, die Felder, den Jahreszeitzyklus draussen und das gehört doch zu unserem genetischen Erbe!

  2. Yael Levy schreibt:

    Liebe Grüsse an den grünen Wald! Ich liebe und vermisse ihn!

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