Ferienkompatibel

Man will ja nicht mit jedem in die Ferien fahren. Schon vor Jahrzehnten hat mir ein guter Freund geraten, mit der neuen Liebe möglichst bald zu verreisen. Nach zwei Wochen hätte sich die Sache dann vielleicht erledigt, bevor man allzu viel habe investieren müssen. Hätte man die zwei Wochen allerdings schadlos überstanden, dann gäbe es unter Umständen Hoffnung für eine gemeinsame Zukunft.

Fährt man mit Freunden in die Ferien, dann rollt man das Feld praktisch von hinten auf. Man macht sich nicht gross Gedanken über eine gemeinsame Zukunft, schliesslich hat man ja bereits eine gemeinsame Vergangenheit. 

Dabei ist es eine Feuerprobe für jede Freundschaft, teilt man für zwei Wochen Tisch und Bett miteinander. Während man sich in Bezug auf die Schlafstätte relativ gut arrangieren kann, sehe ich den Knackpunkt vor allem in den Tischgewohnheiten. Zu oft war ich mit Leuten unterwegs, denen Essen nicht dasselbe bedeutet wie mir. Während die einen ihren Fuss höchstens in einen Gourmet Tempel setzen, würden andere am liebsten ganz aufs Essen verzichten und sehen es als lästige Zeitverschwendung an. Vor allem Letzteres ist für mich ein No-Go, da meine physische Hülle regemässiger Nahrungszufuhr bedarf. Sonst ist der Friede schnell gefährdet, wie erprobte Reisegefährten von mir aufgrund leidvoller Erfahrung  wissen und deshalb immer eine Notration mit sich führen, die sie mir schnell in den Mund schieben können, wenn ich unausstehlich werde. Das klingt lustiger als es ist, denn verpassen sie den richtigen Moment, kann es schon vorkommen, dass ich mich in horizontaler Lage wieder finde, eine ansehnliche Zahl japanischer Touristen um mich herum, die denken, es handle sich um eine spezielle Performance. (Diese Szene entspringt übrigens nicht meiner beneidenswerten Phantasie, sondern hat sich so eins zu eins ereignet, am hochheiligen Weihnachtstage in Washington. Es war da nicht ganz einfach, ein vernünftiges Restaurant zu finden.)
Wie auch immer – ich muss essen. Und zwar nicht nur morgens und abends, wie das gewisse Leute in den Ferien tun.

In dieser Hinsicht nun, es ist mir eine Freude, dies zu berichten, sind die gemeinsamen Ferien mit Frau Flohnmobil eine Offenbarung. Da gibt es keine langen Diskussionen und keine Kompromisse, nein, ein Blick genügt und schon steuern wir im schönsten Einvernehmen die nächste Futterstation an. Und heute Abend, da sind wir uns ebenfalls einig, gönnen wir uns nochmals eins von diesen erstklassigen französischen Menüs.
Mit allem drum und dran.
Bon appétit!

IMG_2183

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter auf abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Ferienkompatibel

  1. Flohnmobil schreibt:

    Und weil wir heute Abend eines dieser erstklassigen französischen Restaurants angesteuert haben und erstklassig und ziemlich französisch gegessen haben, schreibe ich diesen Kommentar nun rundum zufrieden und so gut wie reichlich verpflegt.

  2. Myriam schreibt:

    Ich habe festgestellt: Gemeinsames Reisen ist ein Glücksspiel. Ich bin schon mit einer Freundin verreist, die ich seit Jahren kannte und habe zwei Wochen nur gelitten aber dann wiederum mit einer Kollegin, mit der ich gerade mal zwei Monate zusammengearbeitet hatte und das war einer der genialsten Urlaube aller Zeiten. 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s