Die Sache mit den Codes

Manchmal lernt man mehr über die eigenen nationalen Eigenarten, wenn man im Ausland ist. Sehr erhellend und auch amüsant war kürzlich ein Gespräch mit unserer Gastgeberin. Sie war unlängst für eine Woche in Luzern gewesen. „Eine wunderschöne Stadt“, sagte sie, um gleich darauf anzumerken: „Und wie organisiert ihr Schweizer seid.“ Sie sagte das völlig neutral, im eigentlichen Sinne hätte es als Kompliment durchgehen können, aber ich hab nun mal sehr feine Antennen. „Du meinst, wir sind nicht so flexibel?“, fragte ich sie, eine gebürtige Schwedin. Und jetzt, wo ich das Stichwort gegeben hatte, brach es aus ihr heraus. „Du hast das gesagt, nicht ich, aber …“ und darauf folgte eine sehr ergötzliche Geschichte betreffend der Codes.

Im Leben eines Schweizers spielen Codes eine zentrale Rolle; sie sind von grosser Wichtigkeit. Nicht nur, wenn man seinen Brilliantschmuck, der, sagen wir, im Safe der Nationalbank lagert, ab und zu bestaunen will, nein, auch das gewöhnliche Fussvolk hat sich regelmässig mit Codes herumzuschlagen. Das Schöne daran ist, dass es diesbezüglich keine Klassengesellschaft gibt. Man kann in einem schicken Gourmet Restaurant speisen, so wie unsere Gastgeberin sich das gewohnt ist, aber mit der Vorspeise gibt’s auch einen Code. An dieser Stelle der Erzählung verstummte die Dame des Hauses kurzzeitig; um die Überraschung, die sie in jenem Moment verspürt hatte, nochmals voll auszukosten.
„Und dann war ich endlich unten und natürlich hatte ich den verd… (hier gingen meine Finger mit mir durch – so etwas würde sie nie sagen, das passt nicht zu ihr) wieder vergessen und musste nochmals hoch.“ Ich bewunderte sie für ihren Humor, mit dem sie über die Sache hinwegging und uns zum Lachen brachte, denn gleichwohl sie eine interessante und sehr attraktive Frau ist, so verfügt sie über eine in vielen Jahre erworbene reiche Lebenserfahrung, die ihre Freude am Treppensteigen etwas schmälert.
Die Lebenserfahrung hatte ihr in dem Moment aber nicht weitergeholfen. Ohne Code geht es nun mal nicht. Und auch eine Dame muss irgendwann mal auf die Toilette.

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5 Antworten zu Die Sache mit den Codes

  1. runningtom schreibt:

    Also ich hab ja vielleicht trotz meines schon fortgeschrittenen Alters noch nicht so enorm viel Lebenserfahrung, aber… bei Toiletten und Codes in Restaurants kommen mir nur Schnellimbisse in den Sinn. In den besseren Restaurants brauchte ich bislang noch nie einen Code für die Toilette. Aber vielleicht fehlt mir wirklich ein bisschen die Lebenserfahrung oder ich hab eben noch nie in einem wirklich feinen Restaurant diniert.

  2. Sybille Lengauer schreibt:

    warte, warte, warte – man bekommt nach der bestellung einen code überreicht und nur mit diesem kommt man auf die toilette? habe ich das richtig verstanden?

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