Auf geht’s

Bildung wird nicht in stumpfer Fron und Plackerei gewonnen, sondern ist ein Geschenk der Freiheit und des äusseren Müssigganges; man erinnert sich nicht, man atmet sie ein; verborgene Werkzeuge sind ihretwegen tätig, ein geheimer Fleiss der Sinne und des Geistes, welcher sich mit scheinbar völliger Tagedieberei gar wohl verträgt, wirbt stündlich um ihre Güter, und man kann wohl sagen, dass sie dem Erwählten im Schlaf zufliegt. (Thomas Mann in „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“)

Nein, zu den Erwählten zähle ich mich nicht, weshalb ich trotz des grösseren Schlafpensums nicht gescheiter aufwache, als ich eingeschlafen bin (um nicht zu sagen weniger dumm), aber alles andere kann ich unterschreiben. Es ist eine Wohltat für den Geist, sich mal für längere Zeit in die Hängematte zu begeben und während meiner ebenda gemächlich vor sich hinschaukelt, fühlt er sich lebendig wie schon lange nicht mehr.

Gestern kam er allerdings kurzzeitig aus dem Takt. Das Arbeitszeugnis war eingetroffen und hatte ihn unbarmherzig daran erinnert, dass es irgendwann mit der Schaukelei wieder vorbei sein dürfte.
Es war schon lange überfällig gewesen, das Zeugnis, und ich hatte begonnen mir ernste Gedanken zu machen. War meine Performance in der betreffenden Bildungsanstalt so dürftig gewesen, dass es an Worte fehlte, um sie zu beschreiben? Um meinen tief verankerten und sich allmählich regenden Selbstzweifeln nicht die Möglichkeit zu geben, meinen fröhlich herumtänzelnden Geist zu pulverisieren, fragte ich sicherheitshalber mal nach, ob ich noch eins kriegen würde. Ein Zeugnis. Und siehe da, das Nachfragen hatte sich gelohnt – man sollte das öfters tun – und es war bloss irgendwo liegengeblieben. Ein Teil meines Geistes, derjenige, der sich Zweifeln gegenüber äusserst renitent zu verhalten pflegt, war da bereits zur Einsicht gekommen, dass höhere Mächte am Werk waren, um mir einen Wink mit dem Zaunpfahl zu geben, dass an Arbeiten in Zukunft überhaupt nicht mehr zudenken sei. Aber nichts da. Nun habe ich also ein Zeugnis. Schade eigentlich. Aber so gerührt war ich beim Lesen, dass ich mich am liebsten gleich hingesetzt und eine Bewerbung verfasst hätte, aus dem alleinigen Grund, es auf der Stelle zur Anwendung bringen zu können, so dass mindestens eine Person, bevor sie es zur Seite legen, von meinen Verdiensten erfahren würde.

Aber das geht nicht. Ich fühle mich meiner Bildung und meinem Geist verpflichtet. Lieber schliesse ich mich Felix Krull an, der sich eben auf den Weg nach Frankreich macht und verpasse meiner Schreibe vorübergehend ein paar Schnörkel. Mein Geist will noch nicht aus der Hängematte heraus, sondern es gelüstet ihn angesichts des heranziehen Herbst nach einer Verlängerung des Sommers. Heute wird das Auto startklar gemacht und morgen geht es Richtung Süden. Ich bin gespannt, welche Güter dort auf mich warten. Alles ist möglich, lässt man das Gewohnte hinter sich. Und während die einen vom Schicksal dazu gezwungen werden,  haben andere bloss  Lust auf Veränderung. Was wohl dabei herauskommt? Mehr demnächst demnächst in diesem Blog – oder auch in einem anderen. Vielleicht kommt es ja im Rahmen dieser Exkursion zu einer gewinnbringenden Blog Fusion.
Leinen los.

 

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4 Antworten zu Auf geht’s

  1. Flohnmobil schreibt:

    Braucht es für Fusionen amigs nicht zuerst Aktionärs-Versammlungen?

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