Wie gut. Oder auch nicht.

2017-09-05-PHOTO-00001978Wie gut, dass der Twenager noch Semesterferien hat und fast ein wenig zuviel Zeit.
Wie gut, dass wir in der Schweiz wohnen, wo man „einen Stein werfen kann und da wo er runter fällt, ist es schön“.
Wie gut, dass das Wetter gestern perfekt war.

Vor grosszügig gerechnet zwei Dekaden hätte ich den Twenager arg erschreckt mit dem Vorschlag, seine damals noch kleinen Wanderschuhe im freien Gelände zu bewegen.
Wandern – bäh.
Nun aber stiess die Idee, jetzt endlich mal den Etzel zu erklimmen, auf Begeisterung. Unsere Route, Teil des berühmten Jakobswegs, bot uns famose Aussichten und einen willkommenen Abstand von der Zivilisation.
Nun ja, ganz ohne Technik ging es natürlich nicht, denn ein paar schöne Bilder wollten wir schon machen. Das brachte uns auf den Gedanken, wie selbstverständlich das Handy (und auch anderes) heute für uns ist, während vor noch nicht langer Zeit nur sehr phantasievolle Menschen sich das überhaupt vorzustellen wagten. Für mich hatten die Macher von Raumschiff Enterprise das Handy „erfunden“, ja mehr noch: Mit einer Person zu sprechen, die weit weg ist und sie dabei sogar zu sehen!! … wie abgefahren war das denn?!

Ich hab mich ein bisschen schlau gemacht und meiner Erinnerung nachgeholfen: 1998 ging Google online (9800 Suchanfragen pro Tag versus mehr als 3 Milliarden heute), 2001 wurde Wikipedia aufgeschaltet und 2004 (the)Facebook; auch YouTube gibt es „erst“ seit 2005.
Da war der Twenager zehn Jahre alt.
Mit anderen Worten: In den letzten 20 Jahren hat sich einiges getan, nebst der Tatsache, dass der Twenager die Liebe zum Wandern entdeckt hat.

Auch ich kann mir ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen und ich werde schnell nervös, wenn der Router mal spinnt. In meiner jetzigen Situation geniesse ich es ganz besonders. Ich muss nicht mal aus dem Haus gehen, um an der Quelle zur Wissensvermittlung aller Art zu sein und habe genügend Zeit, das auch auszunützen.

Manchmal gibt mir das aber auch wieder einen Dämpfer. Als ich nach der herrlichen Wanderung von gestern heute dem neusten Podcast von Sam Harris (mehr zu seiner Person in einem nächsten Post) lauschte, wurde mir wind und weh. Es geht um den Klimawandel und zu Wort kommt Joseph Romm, eine anerkannte Koryphäe auf diesem Gebiet. Will man ihm glauben – und er machte einen sehr vernünftigen Eindruck auf mich – dann ist es nicht fünf vor, sondern schon fünf nach zwölf. Eigentlich schon weit nach Mitternacht. Und ich komme nicht umhin, mich zu fragen, wie wohl unsere Welt aussieht, wenn zwei weitere Dekaden vergangen sein werden.

Falls morgen die Sonne scheint, gehe ich wieder wandern. Wer weiss, was in zwanzig Jahren ist…

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2 Antworten zu Wie gut. Oder auch nicht.

  1. runningtom schreibt:

    Wir standen gestern exakt da, wo noch vor zwei Jahren der Morteratsch Gletscher hin reichte. Und jetzt sieht man ihn da in etwa 200m (es mögen auch 300m sein) Distanz..
    Der ganze Gletscherweg (Sende Glacier) veranschaulicht auf eindrückliche Weise wie schnell der Rückzug des Gletschers voranschreitet.
    Mag sein, dass wir unsere Umwelt und damit uns selber bald zerstört haben werden.
    Immerhin, die Erde wird sich erholen und ohne uns wohl besser dran sein.

    • schreibschaukel schreibt:

      Dazu fällt mir ein …ähm …Witz ein. Treffen sich zwei Planeten; fragt der eine: „Wie geht’s?“ „Schlecht“, sagt er andere, „ich hab grad Menschen.“
      Geniesst eure Woche trotzdem noch 😉 .

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