Gedankenblink

Neuerdings beginne ich meinen Tag ab und zu mit einem Blink. Damit meine ich nicht den Moment, wo ich zum ersten Mal meine Augen öffne und feststelle, dass es schon wieder recht spät ist, sondern die Möglichkeit, mir mit dem ersten Kaffee eine Zusammenfassung von Blinkist zu gönnen.
Das Startupunternehmen aus Berlin polarisiert. Während die Einen begeistert sind von der Idee, die Kernausagen eines Buches in kurzer Zeit serviert zu bekommen, schimpfen andere über die „schwachsinnige und anspruchslose Häppchenkultur“.

Während die Diskussion in vollem Gange ist, geniesse ich einfach schon mal die Vorzüge von Blinkist, wo es tonnenweise Zusammenfassungen populärwissenschaftlicher Bücher gibt. Dass Ratgeber aller Art eine geheime Leidenschaft von mir sind, darüber habe ich schon an anderer Stelle geschrieben. 
Gerade in dieser Sparte kommt mir Blinkist sehr entgegen und die Gratis Version der App reicht mir dazu völlig. Interessiert mich der vorgeschlagene Blink des Tages, dann lese ich ihn. Auf nüchternen Magen ist das allemal besser verdaulich als die geballten Weltgeschehnisse und auch wenn ich damit noch nicht das Buch gelesen habe, gibt es mir einen Denkanstoss und bringt mich eventuell sogar auf die Idee, etwas tiefer in ein Thema einzutauchen. Vielleicht sogar dazu, ein Buch zu lesen. Wenn auch nicht zwingend das geblinkte.

So ist zum Beispiel der gestrige Blink im Laufe des Tage immer wieder in meinen Gedanken aufgeblitzt. „Curious“ (Ian Leslie) hiess das zusammengefasste Buch und die Thematik fiel bei mir auf fruchtbaren Boden.

Als ich klein war, versuchte man mir beizubringen, dass Neugier eine schlechte Eigenschaft ist. „Es goldigs Nüteli“ (ein goldenes Nichts) bekam ich jeweils zur Antwort, wenn ich unangebrachte Fragen stellte. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass Fragen beinahe nie unangebracht sein können, ja, dass Fragen oft wichtiger sind als Antworten und dass eine gesunde Neugier dem Vorankommen im Leben nur förderlich sein kann.
Genau darum ging es in dieser Blinktüte und natürlich auch darum, dass es verschiedene Arten von Neugier gibt. Aufs Internet bezogen heisst das (den Blink geblinkt): Zielloses Rumsurfen gleich verdummend, gezielte (und vor allem nachhaltige) Wissenserweiterung gleich erhellend. 

Der Dankanstoss, der mich immer noch beschäftigt, ist einer, der mich mal wieder an die Schule erinnert. („Man kann dich zwar aus der Schule nehmen, aber die Schule nicht aus dir“, sagt der Humus, und damit hat er vielleicht recht.)
Das Schulsystem, den Veränderungen in der Gesellschaft unterworfen, entwickelt sich ständig, einiges zum Guten, anderes auch zum Schlechten, und es ist nie über alle Zweifel erhaben. Auch ohne dass ehemalige Absolventen desselben es sich zum Hobby machen, Wasserstoffbomben zu basteln. Es ist also legitim, Zweifel zu haben und Dinge zu hinterfragen, ja, es ist sogar Pflicht.
Und in diesem Blink nun fand ich nun einen Grund für ein latentes Unbehagen, dass mich schon seit längerer Zeit piekst.

-Neugier ist die Grundvoraussetzung fürs Lernenwollen.
-Um neugierig zu werden, braucht es einen Grundstock an Wissen.
-Die Möglichkeit, dass „Wissen“ jederzeit verfügbar ist, erstickt die Neugier.

Diese drei Aussagen – so man ihnen denn zustimmen mag, was ich tue – miteinander verknüpft bilden ein hochexplosives Minenfeld in Bezug auf die neuen Lehrpläne, wo es immer weniger um Inhalt und immer mehr um Kompetenzen geht. Wo schon Mittelstufenschüler für Vorträge die copy paste Methode anwenden und wo die schiere Fülle an zu verarbeitenden Informationen es oft verunmöglicht, in die Tiefe zu gehen.
Ob „neugierig sein“ auch zu einer der Kompetenzen gezählt wird?
Das muss ich mir noch genauer überlegen. Das geht nicht in einem Blink.
Aber der war immerhin dafür verantwortlich, dass ich mir überhaupt Gedanken mache.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter dazwischen, Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Gedankenblink

  1. Myriam schreibt:

    Ich muss zugeben, dass Blinkist bisher völlig an mir vorbeigegangen ist – jetzt werde ich es mir aber gleich mal herunterladen.

    Warum? Weil du mich neugierig darauf gemacht hast! Und auch darum muss ich dir Recht geben: Neugier ist wichtig, Neugier ist ein Antrieb, Neugier ist der Quell so vieler guter Momente und Neugier müsste eigentlich verpflichtend früh (und dann immer wieder neu) geweckt und gefördert werden.

    Sonst wird doch alles irgendwie ganz schnell fad und langweilig und gleichgültig.

    Liebe Grüße,
    Myriam

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s