Kein Buch zum Träumen

So. Ausgelesen das Buch. Es war schuld daran, dass ich in letzter Zeit viel zu lange wach war nachts. Manchmal konnte ich es einfach nicht weglegen – nur noch ein Kapitel … manchmal beschäftigte es mich noch eine Weile danach.

Es stimmt, ich hab oft lachen müssen während des Lesens, aber je weiter ich las, desto öfters blieb mir das Lachen im Hals stecken und jetzt, wo ich das Buch zugeklappt habe, bin ich reichlich betrübt. Es ist ja nicht so, dass ich eine Offenbarung erlebt habe; so manches wusste ich schon über die absurden Vorgänge im Lande Israel. Einiges, das ich bereits aus Erzählungen kannte, ist für mich aber fassbarer geworden, womit ich nicht unbedingt „verständlicher“ meine.

Wie nur ist es möglich, dass dieses Land noch da ist, ja, dass es eine Erfolgsgeschichte dieses Ausmasses wiederspiegelt. Trotz all seiner Widersprüchlichkeiten und Probleme?

Als des Humus’ Eltern vor rund 70 Jahren in Israel ankamen, hatten sie nichts als ihr nacktes Leben, wofür sie sich allerdings von schreiben konnten, und es war nicht einfach, sich in der kargen Wüstenlandschaft einzurichten, die sich so sehr unterschied von dem, was sie einst ihre Heimat genannt hatten. Aber auch den Nachbarn ging es ja nicht besser, und so nahm man das oft beschwerliche Leben in den kleinen, schnell erbauten Betonhäusern ohne jeglichen Komfort hin und fing nochmals von vorn an.
Der Humus erinnert sich gern an seine Kinderzeit. „Wir waren frei“, sagt er, denn die Erwachsenen hatten andere Sorgen, „und die staubigen Strassen unseres Quartiers waren unser Spielplatz.“
Aus diesen staubigen Strassen mit ihren wilden Kindern sind mehrheitlich äusserst erfolgreiche Menschen hervorgegangen, die als Künstler, Wissenschaftler oder erfolgreiche Unternehmer brillierten (und ja, klar meine ich auch die Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Unternehmerinnen – wir sprechen von Israel!), sei es im Land selber oder irgendwo sonst auf der Welt. Kaum einer oder eine ohne einen Doktortitel und einige haben bedeutende Erfindungen gemacht, von denen heute die ganze Welt profitiert.

Eine Erfolgsgeschichte, wie gesagt. Die Frage ist bloss – wie lange noch? Das fragt man sich bang, wenn man dieses Buch gelesen hat und vor allem auch – warum sind so viele Leute auf der ganzen Welt und leider auch im Land selber daran interessiert, diese Geschichte enden zu lassen?

Ich kann das Buch sehr empfehlen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit würde man dann ein paar bisherige Ansichten über Bord schmeissen und zu neuen Einsichten gelangen. Aber vermutlich – leider – wird die Mehrheit daran gar nicht interessiert sein und deshalb auch das Buch nicht lesen wollen. Was wirklich schade ist.

9783518466841xl

 

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2 Antworten zu Kein Buch zum Träumen

  1. faehrtensuche schreibt:

    Bei „Allein unter Amerikanern“ (denkt man nicht, aber es ist so), ist es ebenso „erstaunlich“, wie viel Israel einem dort begegnet. … Israel in dem Sinn, dass die überwiegende Mehrheit – den Eindruck bekommt man unweigerlich – sich für die Palästinenser einsetzt. Was das für Israel bedeutet, brauche ich glaube ich nicht näher auszuführen! …
    Wenn es möglich ist, auch das einmal lesen! (Ich kann allerdings nicht versprechen, dass die Nächte dabei kürzer werden! 😉 )

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