Schnell gehalten

„Können Sie mal schnell halten? Ich muss mal.“
Ich war etwas verblüfft, im ersten Moment. „Ich hab aber noch ganz nasse Hände“, sagte ich zaghaft, weil das Lufttrocknen derselben noch in der Anfangsphase war. „Macht nichts, es ist ja auch nass.“
Gut.
Nahm ich es also.
Ich weiss schliesslich, wie unangenehm es ist, wenn man muss, aber nicht kann und obwohl es in fast jedem Klo einen Haken für die Handtasche gibt – die Kinderablage fehlt meistens.
Und da stand ich nun also, im Schwimmbad, in den Armen ein Kind, gewickelt in Windeln, und es war schön. So schön war es, sogar aus der Nähe, dass ich mich für einen Moment ein ganz klein wenig nach der Zeit zurücksehnte, als der Twenager im Kaulquappen Stadium gewesen war. Obwohl der auch heute ziemlich schön ist, aber trotzdem.
Dieses Gefühl hielt aber wie gesagt nur ganz kurz an, denn es hat doch auch seine Vorteile, dass man ungehindert seinen Bedürfnissen nachgehen kann. Während die Kindesmutter für einmal genau das tat, kamen ihr Sprössling und ich miteinander ins ins Gespräch. Das ging von null auf hundert, denn man kann sich wohl anschweigen, wenn man sich gegenüber im Bus sitzt, aber in so einer Situation, sich in den Armen liegend, inklusive Hautkontakt, wäre das irgendwie doof.
Es sei nicht verraten, worüber wir geplaudert haben, nicht alles wird hier öffentlich gemacht, aber die Unterhaltung war deutlich entspannter als in anderen vergleichbaren Situationen – sagen wir beim Paartanz mit einem Fremden – und das Kind schien seine Mutter nicht sonderlich zu vermissen. Mit wissendem Blick musterte es mich und die Umgebung und machte sich offensichtlich keine Gedanken darüber, ob seine Mutter je wiederkäme.
„Was, wenn sie tatsächlich nicht wiederkäme“, dachte ich und auch, „was, wenn ich nicht mehr da wäre, wenn sie wiederkäme?“. Ich stamme aus der Schweiz – da macht man sich, geprägt von einer alle Eventualitäten in Betracht ziehenden Weltanschauung ab und zu solch unnötige Gedanken.
Die Mutter kam dann wieder, nahm mir mit einem dankbaren Lächeln ihr Kind ab und ich ging wieder meiner Wege.
Mit trockenen Händen und einem Lächeln im Gesicht.

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