Lange Weile

Das Schulmaterial ist verstaut, der Keller bei dieser Gelegenheit auch aufgeräumt worden und erstaunlicherweise gibt es jetzt mehr Platz als zuvor.
Gut.
Nun habe ich Zeit, Langeweile im Sinne des Wortes, und beinahe reflexartig stelle ich auf den Trödelmodus um.
Was ich doch alles hätte machen können, an einem Tag wie heute, an dem ich überhaupt keine Verpflichtungen hatte. Die angefangene Geschichte von gestern zu Ende bringen, endlich mal wieder Klavier spielen oder Gitarre üben, ein paar neue Wörter lernen, das soll ja gut fürs Gehirn sein, eine Wanderung machen oder doch wenigstens an den See fahren, bei diesem schönen Sommerwetter.
Stattdessen war ich gemütlich und zu Fuss im Quartierladen einkaufen, habe viel zu lange gelesen auf dem Balkon, mein Fahrrad auf Vordermann gebracht, es dann ausprobiert, indem ich im Wald herumgefahren bin, wo ich auf einer Bank weitergelesen habe. 

Und schon habe ich ein schlechtes Gewissen.

Ist das nicht ein bisschen dürftig für einen SAMSTAG? So einen schönen SAMSTAG?
Aber – zum Teufel nochmal.


Ist das denn nichts? Wie lange hat mein Fahrrad unbenutzt dagestanden? Ich habe es fast nicht mehr erkannt unter der dicken Staubschicht. Wie herrlich war es, durch den sommerlichen Wald zu fahren und ganz allein, am Rande einer Lichtung, in diesem tollen Buch weiterzulesen.
Was soll daran falsch sein, in den Ferien?

Es ist schon interessant, wie ich mich selbst sabotiere und gar nicht so einfach, mich nach diesem vollgepackten Jahr aufs Zeithaben einzulassen und einfach mal ohne wenn und aber zu geniessen, ohne den Eigenanspruch, irgendwie produktiv sein oder die Stunden möglichst gewinnbringend verbringen zu müssen. Was für ein Unterschied, ob es sich um eine freie Woche oder um eine Woche der Freiheit handelt!
Mir scheint, es wurde allerhöchste Zeit dafür.
Ich arbeite daran.

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2 Antworten zu Lange Weile

  1. Anhora schreibt:

    Manche Psychologieratgeber empfehlen ja, regelmäßig einen Termin mit sich selbst auszumachen: Ein Stunde, oder zwei, die mit keinerlei Verpflichtungen und „ich sollte mal“ gefüllt werden dürfen, sondern nur mit dem, was gerade glücklich macht. Hab ich eine Zeitlang gemacht, und inzwischen läufts wie von selbst. 🙂

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