Flashback

Letzte Woche wurde ich nach längerer Zeit wieder zur Kirchgängerin; gleich zweimal war ich dort.
Es war eine eher kleine Kirche die mir optisch sofort gefiel. Schlicht gehalten, hell, mit schönen Glasfenstern, der Chor spärlich möbliert, aber mit einer kunstvollen Kuppel geschmückt.
Ein Raum, in dem man atmen konnte.

Obwohl der Anlass kein erfreulicher war, konnte ich mich beim zweiten Mal auf die entspannende Atmosphäre einlassen. Dazu trug auch der Pfarrer bei, ein stattlicher und behäbiger Mann, für den, so schien es mir, Stress ein Fremdwort zu sein scheint.
Am gestrigen Sonntag drehte sich passend zum Ferienbeginn alles um die Vorzüge der Pause, von der lustigen Anekdote zu Beginn über die Lesung zum modernen Gleichnis, und auch in der Predigt strich er die Wichtigkeit einer regelmässigen Auszeit heraus. Damit war nicht bloss Niederlegung der Arbeit gemeint, denn häufig machen wir uns in der Freizeit ja fast noch den grösseren Stress als im Job.

Wäre die Predigt vor 50 Jahren vielleicht noch fehl am Platz gewesen, so hatte sie nun schon fast revolutionären Charakter.
Damals waren die Sonntag noch geruhsam; die Pause wurde eingehalten. Ich erinnere mich an das träge Voranschreiten der Stunden, die allwöchentliche Sonntagsrituale, ein bisschen langweilig vielleicht, aber eben auch erholsam durch ihre unerbittliche Regelmässigkeit. Über die Strassen legte sich eine eigentümlich Ruhe, alles wurde leiser, langsamer. Der Alltag mit der damit verbundenen Mühsal verschwand für eine Weile hinter einem Schleier. Der sonntägliche Soft Filter.

Uns modernen Menschen wäre so etwas nicht mehr zuzumuten. Wir wollen auch am Sonntag einkaufen und unseren Freizeitbeschäftigungen nachgehen können, ja, gerade am Sonntag sind oft sogar noch aktiver als während der Woche. Wir wollen das Bestmögliche herausholen aus dieser Zeit, die ganz uns gehört.

Ein bisschen schade ist das schon, dachte ich gestern, und sehnte mich einen Moment lang nach den langweiligen, aber eben auch entspannenden Sonntagen meiner Kindheit zurück.

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