Weihnachtsmorgen im Wandel der Zeit

Schon manchen Weihnachtsmorgen hab ich über all die Jahre erlebt und immer noch scheint er mir etwas Besonderes. Der Weihnachtsbaum steht nun ziemlich allein da, die Geschenke sind ausgepackt, und selbst weil ich aufgrund meiner Erkältung nicht viel mitkriege – der Duft von Weihnachten sitzt an einem Ort meines Gehirns, wo er für ewig bleiben wird.

Schon als Kind hab ich diese Ruhe nach dem Sturm gemocht. ein bisschen Melancholie war mit dabei, weil der grosse Moment vorüber war, aber es war gut, etwas runterzukommen.

Die Zeiten ändern sich und auch wieder nicht. 
Damals spielte ich selbstvergessen mit meinen Geschenken oder las in den neuen Büchern, bis man mich suchen kam. Auch heute geniesse ich diese Ruhe am Weihnachtsmorgen und tue etwas, worauf ich mich gefreut habe. Ich lese weiter in der umfangreichen Biographe von Sylvie Simmons über Leonard Cohen (I’m your man) und geniesse die Möglichkeit, parallel dazu im Internet zu stöbern, die vielen Protagonisten zu sehen, die Musik anzuhören.

Aktuell ist es ein legendärer Auftritt an einem Festival auf der Isle of Wight im Jahr 1970, als ich gerade mal 10 war. Das Festival lief völlig aus dem Ruder, die (zu)zahlreichen Besucher waren aufgrund ihres Drogenkonsums, der sich umgekehrt proportional zur Schlafdauer während mehrerer Tage in dem Hexenkessel verhielt, am Durchdrehen, hatten währen Jimi Hendrix’ Konzert fast die Bühne abgefackelt. Die Situation drohte zu eskalieren, manche der Musiker fürchteten um ihr Leben, als man mitten in der Nacht Leonard Cohen und seine Band auf die Bühne holte.
Er liess sich Zeit, viel Zeit, Und dann war er da, in seinem komischen Safari-Anzug, sprach und sang in einer Art super slow motion, weil er, genau wie die Zuhörer, wahrscheinlich völlig high war, und es folgte eine Stunde, die in der Musikszene als Mysterium gilt, und mit seiner Musik, die viel besser in einen kleinen Club passen würde, zähmte er die wildgewordene Menge und verzauberte sie, obwohl er dabei aussieht, als würde er gleich aus den Schuhen kippen.
Und wie Joan Baez, die übrigens auch an diesem Festival war und versuchte, die Wogen zu glätten, so schön sagt: Nicht immer versteht man seine Texte bis ins Letzte, nicht immer scheinen sie Sinn zu machen, aber seine Musik kommt von so tief drin, dass sie auf ihre Art spricht. 
Zu allen, die sich die Zeit nehmen und zuhören.

 

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2 Antworten zu Weihnachtsmorgen im Wandel der Zeit

  1. runningtom schreibt:

    Man sollte die guten Musiker möglichst live erleben, solange es noch geht. Zum Glück wurden Tonkonserven erfunden und laufend verbessert, um uns auch in Zukunft ermöglichen, ihrer Sprache durch die Musik zu lauschen.

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