Raus aus dem Zug!

Ab und zu ist da dieses starke Gefühl: Dieser Traum war wichtig. Er will dir was sagen.
Diese Gewissheit, dass ich gerade etwas Bedeutsames entdeckt habe, löst jeweils ein Gefühl von Erhabenheit aus, das mir im Wachzustand leider vollkommen abgeht.
Möglicherweise geht es kreativen Genies so, die davon berichten, der Durchbruch sei ihnen im Schlaf gelungen. Sie seien aufgewacht und zack!, hätte sich die Lösung des Problems, über dem sie so lange gebrütet hätten, quasi auf einer mentalen Leinwand präsentiert.
Anders als ich greifen sie dann umgehend zu Papier und Stift und halten die Vision fest.

Ich aber, kein Genie, nehme mir fest vor, den Traum nicht zu vergessen und mich diesmal ganz bestimmt daran zu erinnern. Dann schlafe ich weiter.
Am nächsten Morgen weiss ich dann zwar noch, dass ich irgendwann in der Nacht DIE Offenbarung hatte, aber die Tür, die dorthin führt, die ist leider wieder zu.

Diesmal war es anders. Der Traum hatte nicht Erhabenheit, sondern Angst in mir ausgelöst. Mit klopfendem Herzen lag ich in der Dunkelheit und für einmal siegte die Vernunft. Ich machte Licht, klaubte mich aus der warmen Bettdecke und ging daran, die kurz zuvor noch völlig real erscheinende Begebenheit zu notieren, bevor sie im Nebel des Vergessens verschwinden würde.

Ich bin in einem Zug, der in die Station einläuft. Mein Abteil liegt direkt neben der Tür. Als der Zug hält, öffnet sich diese und ich sehe unmittelbar davor einen kleinen Jungen stehen. Freudig rufe ich seinen Namen und breite schon die Arme aus, um ihn zu herzen, da kommt mir in den Sinn, dass ich ja noch Gepäck dabei habe. Viel Gepäck. Ich hieve eine Tasche von der Ablage, hänge mir eine weitere um und greife zur Gitarre, die in der Ecke steht. Auch unter der Sitzbank hat es Taschen, gefüllt mit Schuhen und anderem Kram. Soviel Gepäck – wie soll ich das bloss bewältigen?
Der Zug rollt bereits wieder an und mir wird klar, dass Eile angesagt ist. Aus der Not heraus beginne ich, ein Gepäckstück nach dem andern hinauszuwerfen, auf den Bahnsteig. Erst die grosse Tasche, dann die Gitarre – der Zug rollt immer schneller – und als eine der kleineren Taschen umkippt und sich ihr Inhalt über den Boden verteilt, werfe ich die Schuhe einzeln zur Tür hinaus. Der Zug legt an Geschwindigkeit zu immer schneller fährt er wie soll ich das noch schaffen hinauszuspringen ohne mir was zu brechen ich will aber doch aussteigen es ist noch immer nicht alles Gepäck draussen und verdammt der kleine Junge steht draussen was mach ich denn jetzt ich schaff es nicht mehr!

Das ist der Moment, wo ich zum Glück aufwache. Mit klopfendem Herzen.

Anders als sonst lässt die Erleichterung, die sich einstellt, wenn man gewahr wird „Es war ja bloss ein Traum“, auf sich warten. Dieser war so realistisch und ausgesprochen klar. Es wäre direkt schwierig, ihn NICHT richtig zu deuten. Es geht nicht bloss um einen Traum, es geht um mein Leben.

Also dann.
Weiss ich, was ich zu tun habe.
Einerseits.
Andererseits.
Welcher von den Zügen, in die ich in den vergangenen Jahren gestiegen bin, ist eigentlich gemeint?
Vielleicht leg ich mich erstmal schlafen.

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5 Antworten zu Raus aus dem Zug!

  1. Flohnmobil schreibt:

    Ui, viel Stoff zum verarbeiten. Zum Glück stehen Ferien an.

  2. Anhora schreibt:

    Auf jeden Fall schleppst du zuviel Gepäck mit dir rum. Ist doch schade, weil es dich daran hindert, zu dem Kind zu kommen. Also rate ich dir als fachlich ungeprüfte Traumexpertin: Ballast abwerfen. 🙂

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