Begegnung unerwünscht

Ich liebe es, ins Kino zu gehen. 
Vermutlich habe ich diese Vorliebe von meinem Vater geerbt, in dessen Tasche meine Mutter manchmal ein Kino Ticket fand, nachdem er eigentlich hätte zur Abendschule gehen sollen. Ingenieur ist er dann doch geworden, aber die Liebe zum Kino blieb, und noch heute erinnere mich mit leichter Wehmut an den allerletzten Film, den wir zwei zu zusammen gesehen haben: „Unheimliche Begegnung der dritten Art“.
Lange Jahre hatte ich keinen Fernseher zu Hause; da war der Kinobesuch schiere Notwendigkeit, um keine filmischen Entzugserscheinungen zu kriegen. Aber auch heute, bei veränderter Ausgangslage, mag ich es, ins Kino zu gehen, und das liegt nicht nur am Film selber.
Es ist das ganze Paket, das es mir angetan hat und mein Herz höher schlagen lässt. Wenn immer möglich meide ich die kleinen Säle, in denen man sich in einem Heimkino wähnt, und setze mich viel lieber in einen der grossen, wo einen die Dunkelheit verschluckt, sobald vorne das Licht angeht. Schön, wenn man zu zweit ist und sich gemütlich aneinander kuscheln kann, aber auch schön, wenn man allein ist, denn es gibt kaum etwas Besseres, als im Kinosessel zu fläzen, ein Eis zu schlecken und sich völlig legitim andere Leute anzugucken. 
Ich liebe es, andere Leute zu beobachten! 
Das ist auch der Grund, weshalb mich die Pausen mitten im Film nie gestört haben. Ganz im Gegenteil; mit der Vorfreude auf den zweiten Teil im Hinterkopf guckt es sich noch viel angenehmer.

Seit kurzem allerdings hat meine Kinoliebe einen kleinen Dämpfer erfahren, denn: Die Pausen sind nicht mehr, was sie mal waren.
 Das gilt leider auch fürs Kino.

Einem modernen Menschen des 21. Jahrhunderts sind zehn unverplante Minuten nicht mehr zuzumuten, also überbrückt man dieses schwarze Loch mit visuellen Oberflächlichkeiten, denn sonst könnte sich der Mensch ja langweilen. Oder noch schlimmer: etwas denken.

Die Methode übrigens ist sehr effektiv; Langeweile – der Quell der Kreativität – kommt nicht auf und auch das Denken wird im Keim abgewürgt. Wie manipulierbar bin ich kleines Menschlein doch!
Anstatt dass ich genüsslich fremde Schmusereien oder Streitigkeiten mitverfolge, die überaus interessante Vielfalt an Erscheinungsbildern meiner Artgenossen in mir aufnehme oder sogar mal – Gott behüte – ein paar Worte mit den unbekannten Nachbarn wechsle – wandern meine Augen, wie von einem Magnet angezogen, nun immer öfter zur Leinwand, wo mir – ist man sich der Ironie bewusst? – „Wissen das niemand braucht“ eingetrichtert wird und mein Gehirn zumüllt.

In „unheimliche Begegnung der dritten Art“ übrigens soll es Spielberg darum gegangen sein, sich auf das Unbekannte einzulassen und der Kommunikation untereinander wieder mehr Bedeutung zuzumessen.
Science Fiction halt.

devilstower3_01

 

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