Heiss ist die Suppe am besten

Das Unheil kam gleich zu Beginn des Abends über mich, und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Selber hatte ich zwar keine Kürbissuppe bestellt, sondern einen Salat, aber als die Lehrtochter des Hauses mir diesen von hinten her servieren wollte, kam die sich ebenfalls (noch) auf dem Tablett befindliche Suppe ins Rutschen und …den Rest kann man sich denken.
Ich kann berichten, dass sie, was ja nicht immer der Fall ist, wirklich schön heiss war und auch was die Menge betrifft, so hatte man sich nicht knauserig gezeigt. Der Inhalt des Tellers reichte locker, um über die Stuhllehne gehängte Jacke, Pullover und Schal sowie meine restliche Garderobe – Hemd, T-Shirt, Jeans und Schuhe gleichmässig einzusauen. Ich kann die Gaststätte wirklich empfehlen: Man speist gut und üppig dort.
Sofort war eine zweite Bedienung zur Stelle, man rieb und putzte an mir herum, leider mit mässigem Erfolg, während ich selber mich knapp zurückhielt und mich für einmal nicht für etwas entschuldigte, wofür ich nichts konnte, aber immerhin gebührendes Mitgefühl mit der peinlich berührten Lerhtochter bekundete. Es fiel mir nicht schwer, mich in ihre Haut zu versetzen.

Glücklicherweise wohnte ich nur sieben Autominuten entfernt, weshalb ich es vorzog, meinen Salat und die anwesenden Eltern erstmal stehen zu lassen und mich für eine halbe Stunde zu entschuldigen. Als ich wiederkam, in frischen Kleidern, hatte ich kaum die erste Gabel zum Mund geführt, als ein zweiköpfiges Komitee sich hinter mir aufstellte (ich zuckte nur kurz zusammen, entspannte mich dann aber, als ich keine Suppe sah), und sich die bedauernswerte Lehrtochter im Beisein ihrer Chefin nochmals hochoffiziell entschuldigte. Ich sagte wahrheitsgetreu, dass mir solches wohl täglich passieren würde, hätte ich denn diesen Beruf ergriffen und winkte ab, als man mich um die Rechnung der chemischen Reinigung bat. Ach was, meinte ich, das sei ein Fall für die Waschmaschine und sowieso – hier wuchs ich nun über mich selbst hinaus – sei ich ja sicher heute Abend eingeladen, nicht wahr?
Und so war es dann auch. Allerdings getraute ich mich in Anbetracht dieser lobenswerten Tatsache dann nicht mehr, einen Kaffee zu bestellen, obwohl ich gerne einen gehabt hätte, und ich wurde auch nicht danach gefragt. Mein Salat, Wein und Mineralwasser waren wohl auch so schon teurer als die chemische Reinigung. Und die Kürbissuppe, die hatte man ja auch abschreiben müssen.

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4 Antworten zu Heiss ist die Suppe am besten

  1. anneinsideoffice schreibt:

    Hattest du keine Verbrennungen? So eine heisse Suppe könnte auch durch eine Bluse noch zu leichten Verbrennungen führen, denke ich mal.
    Chemische Reinigung wäre wohl eher teuerer als das was du gegessen hast, vor allem weil das zum Selbstkostenpreis des Restaurants noch billiger war. Aber schön dass du lieb reagiert hast und auch schön dass sie sich so offiziell entschuldigt haben.

  2. Anhora schreibt:

    Wäre dir das in den USA passiert, wärst du jetzt Millionärin! 😉

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