Schwierige Aufgabe

Mit der Aufsichtspflicht ist es so eine Sache. Logischerweise gehen die Eltern davon aus, dass ein Kind während der regulären Schulzeit beaufsichtigt ist und gerade als Mutter kann ich die Gewährleistung dieses Prinzips nur unterstützen. Trotzdem gibt es Momente, wo man an seine Grenzen kommt. Sehr unangenehme ist es zum Beispiel, ein Kind weiterhin beaufsichtigen zu müssen, das sich fortlaufend übergibt – für das Kind auch, ganz nebenbei – weil grad niemand Zeit hat, sich um dasselbe zu kümmern und es deshalb mit einer Plastiktüte in der Hand in die Schule geschickt hat. (Das ist mir vor Jahren tatsächlich mal untergekommen).

Neuerdings, musste ich feststellen, kommt mir mein Alter in die Quere, wenn es darum geht, meiner Aufsichtspflicht nachzukommen. Als ich nämlich kürzlich in einer Turnstunde bemerkte, dass ein Knirps wutentbrannt zur Turnhallentür stürzte, weil er sich gerade über einen anderen Jungen enerviert hatte, da war es schon zu spät. Obwohl ich Sportlichkeit mimend meine Laufschuhe anhatte, war er schneller, als ich hinter ihm her die Treppe hoch sprintete, und bevor ich’s mich versah, rollte er auf seinem Trottinett davon.

Ich hätte ein Fahrrad entwenden und ihm nachfahren können, aber da waren ja noch die anderen zwanzig Kinder, die jetzt allein in der Turnhalle waren. Unter meiner Aufsicht. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als kleinlaut die Mutter des Flüchtigen zu informieren, dass ihr Kind aufgrund der unerfreulichen Umstände vorübergehend nicht unter Aufsicht stand (man kann sich heute gar nicht genügend absichern!).

Als ich wieder aus dem Lehrerzimmer kam, von wo ich telefoniert hatte, weil es in der Turnhalle, wo ich gerade nicht meiner Aufsichtspflicht nachkommen konnte, leider weder ein Telefon noch Empfang fürs Natel gibt, war er aber schon wieder da. Allerdings befand er sich nun auf der Kletterstange, von wo er partout nicht herunterkommen wollte.

Um es kurz zu machen: Es dauerte lange, bis die Dinge wieder ihren gewohnten Lauf nahmen.

Glücklicherweise brachte sich in der sich vorübergehend selbst überlassenen Klasse, welche ja den unsäglichen Gefahren einer Turnhalle ausgesetzt war, niemand um, so dass alles ein gutes Ende nahm. Trotzdem frage ich mich seither ernsthaft, wie ich die mir auferlegte Aufsichtspflicht noch vollumfänglich gewährleisten kann, so dass niemand Schaden nimmt.
Auch ich selber nicht.

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8 Antworten zu Schwierige Aufgabe

  1. mrsweasly schreibt:

    das wird niemals voll gewährleistet sein, das ist leider so und es ist auch okay so. wir sind alle menschen und keiner hat mehr als zwei arme und beine und zwei augen. bei so vielen kindern ist immer die gefahr das du zum falschen zeitpunkt am anderen ende des zimmers bist. beim elternabend meiner tochter, hat ein vater darauf bestanden, dass an jedem kletterspiel im garten eine erzieherin ist, dass geht einfach nicht. mach dir keine gedanken, du bist mensch….

  2. Flohnmobil schreibt:

    Scheint eine ausserordentlich bewegende Turnstunde gewesen zu sein.

  3. Anhora schreibt:

    Ich denke mal, du bleibts fit durch solche Herausforderungen, körperlich und mental. 😉

  4. notiznagel schreibt:

    Alle Türen verrammeln geht wahrscheinlich auch nicht? Sonst endet die entbrannte Wut noch zu oberste auf der Kletterstange und der Knirps droht sich in die Tiefe zu stürzen.

    • schreibschaukel schreibt:

      Ui ja. Ich musste mal ein Mädchen von zuoberst evakuieren, dass es plötzlich mit der Angst gekriegt hatte. Da war ich aber noch sehr viel jünger! Heute käme ich da wohl gar nicht mehr hoch.

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