Zu späte Reue

Ich denke grad über meinen Rücken nach.
Wenn ich es mir recht überlege, so tue ich das selten, ja, eigentlich nie. Das liegt daran, dass er nicht in meinem unmittelbaren Gesichtsfeld liegt. Meine Vorderseite steht mir definitiv  näher. Dort wird jede kleinste Veränderung konstatiert, erfreut oder frustriert, je nachdem, aber der Rücken, der kann sehen, wo er bleibt.

Das hat meinem Rücken, vermute ich mal, nicht gefallen und er hat sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern. Anfangs ist er moderat vorgegangen. Es war bloss so ein kleiner Stubs im Sinne von „Hallo, ich bin auch noch da.“
 Damit hatte er allerdings keinen Erfolg. Erstens hab ich bloss am Auto einen Rückspiegel und die Morgentoilette mache ich für gewöhnlich nicht dort drin, zweitens ist mir das leichte Zwacken hier und dort schlicht durch die Lappen gegangen. Es war eine hektische Woche und irgendwie klappte es mit der Kommunikation zwischen meinem Rücken und meinem Hirn nicht. Erst als alle Leitungen frei waren, kam die Meldung nach oben: Es schmerzt. Da war es aber schon ein bisschen spät, denn jetzt war mein Rücken richtig sauer und hatte bereits zu  härteren Mitteln gegriffen.

Was dazu geführt hat, dass ich nun (endlich) über meinen Rücken nachdenke. Er hat also alles richtig gemacht.

Heute beginnt das Nachdenken häufig mit einem Klick auf Google – ich bin da keine Ausnahme – weil das ja auch viel einfacher ist, als selber nachzudenken

Ich gab also den Begriff „Rücken“ ein und erhielt prompt über 44 Milliarden Treffer. Scheint so, als gäbe es eine ganze Menge Leute, die nicht über ihren Rücken nachdenken. Das tröstet mich ein bisschen. Man vergleicht sich ja grundsätzlich gerne mit anderen, obwohl man sich natürlich bloss mit sich selber vergleichen sollte.

Hätte ich mich frühzeitig mit mir selber verglichen, so hätte ich mir spätestens vorgestern eingestehen müssen, dass ich mich um vieles älter fühlte als, sagen wir, zwei Wochen vorher. Dann hätte ich merken müssen, dass es ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, in bloss zwei Wochen dermassen zu altern, ja, dass es mir nur mit sehr viel Glück vergönnt sein würde, jemals so alt zu werden, wie ich mich gerade fühlte.

Ich gelobe Besserung. Sobald mein Rücken aufgehört hat zu schmollen, werde ich wieder brav meine Yoga-Übungen machen. Ich verspreche es, Rücken. Hoch und heilig. Ich würde sogar eine Verbeugung zur Bekräftigung anfügen, aber leider, leider geht das gerade nicht.

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7 Antworten zu Zu späte Reue

  1. runningtom schreibt:

    Wo es doch so gute Übungen für den Rücken gibt 😉
    Denn auch ein gesunder Rücken kann entzücken.

    • schreibschaukel schreibt:

      Ich wollte die Übungen ja als Link ins Bild basteln, aber auf die Schnelle ging’s mal wieder nicht und ich hatte nicht die nötige Geduld. Der Rücken scheint bis ins Hirn zu strahlen…

  2. runningtom schreibt:

    Notfalls kann man so einen Link ja auch einfach hinschreiben… ist ja nur Text 🙂

  3. Flohnmobil schreibt:

    Ich muss über kurz oder lang mal meinen Rücken mit deinem kurzschliessen. Dann kann meiner deinem erzählen, was man als Rücken so alles machen kann (und was nicht…), damit es deiner – wie es meiner (Holz aalange!) schon seit längerem – nicht mehr tut.

  4. Inch schreibt:

    Jaja, der Rücken und das Hirn. Erst seit mich mein Rücken zu einem Neurochirurgen brachte, und zwar auf einen OP-Tisch, funktioniert das einigermaßen. Der Chirurg hat quasi nicht nur geschnippelt, sondern auch ein paar Leitungen frei gelegt. In letzter Zeit scheinen die zwar manchmal etwas verstopft zu sein, aber 4 Jahre ging das jetzt gut

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