Es piept

Es gibt da diese Gesundheitspraxis, die ich, seit Jahren schon, ab und zu besuche. Nichts gegen die Schulmedizin, die mir in akuten Krisen schon eine grosse Hilfe war. Handelt es sich aber um diffuse Beschwerden, dann suche ich Rat an diesem Ort, dessen Namen ich hier nicht preisgeben werde, weil ich sonst noch länger auf einen Termin warten muss.

Da ich kürzlich sowohl am einen als auch am anderen Ort war, stellte ich fest, dass der Untersuchungsablauf im Grunde ein sehr ähnlicher ist. Während in er Hausarztpraxis mittlerweile der Computer im Zentrum des Geschehens steht, ist es in der Gesundheitspraxis ein geheimnisvolles Gerät, das interessante Piepstöne von sich gibt, wenn mit seiner Hilfe die Resonanz auf verschiedene Essenzen getestet wird. Obwohl äusserst umstritten und von rational denkenden Menschen höhnisch verspottet, bringen diese geheimnisvollen Piepstöne, im Gegensatz zum Computer übrigens, Erstaunliches zutage.
Geheimnisse ade.

„Ist es möglich?“, fragt der Therapeut, „dass Sie in letzter Zeit weniger Fleisch, Eier und Milch zu sich nehmen? Mit Ihren Eiweissbausteinen sieht es nicht so gut aus.“ Während man noch in sich geht und realisiert, dass man den Speisezettel in letzter Zeit tatsächlich unmerklich verändert hat, folgt schon die nächste Enthüllung: “ Vor zweieinhalb Monaten hat Sie etwas aus der Bahn geworfen – kann das sein?“
Tatsächlich, es kann.
Auch das mit den Halsschmerzen vier Wochen zuvor kommt hin. Sogar die selbstzerstörerische Phase, wo man sich wieder mal bis zur Erschöpfung überfordert hat, bleibt nicht verborgen und als der Therapeut wie immer zu den Bachblüten greift, lauscht man ergeben seinen die Piepstöne begleitenden Gedankengängen: „Sie setzen sich zu sehr unter Druck.“ Nach fünfzehn Jahren DER Running Gag während der Untersuchung – dieser verdammte Perfektionismus!
Da bisher alles so erstaunlich ins Schwarze getroffen hat, ist man nunmehr auch offen für zwar wohlwollende, aber doch kritischere Töne. Während man selber nämlich davon ausgegangen ist, unter Schuldgefühlen zu leiden, ist es genau umgekehrt: Man sieht sich in der Opferrolle. Das muss erst mal verdaut werden. Um solches besser zu bewerkstelligen, bekommt man eine Tropfenmischung mit auf den Weg inklusive der Zusicherung, bald werde man auch wieder besser schlafen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich kein allzu rationaler Mensch bin, aber bei mir wirken diese Tropfen Wunder. Ob das bloss dem Placebo Effekt zuzuschreiben ist, interessiert mich nicht – Hauptsache, die Problemzone lichtet sich.

Mit dem Schlafen allerdings klappt es bisher noch nicht so gut. Anders als die Medikamenten, die man aus der Hausarztpraxis mitbekommt, kommen die Tropfen nämlich mit einer unausgesprochenen Auflage daher: Ändere etwas bei dir selber. Und so macht man sich, während man nicht schlafen kann, Gedanken, was zu ändern sei und das – selbst, wenn man noch nicht viel besser schläft – ist eigentlich das Beste am Ganzen.

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