„Usem Bächli äs Lächli“

Schon klar, ist man nicht immer gut drauf.
Ein Stimmungstief ist aber für mich Privatsache. Schon in jungen Jahren verzog ich mich, wurde das Tränenrisiko zu gross, in mein Zimmer, über das ich glücklicherweise verfügte. Zwei, drei Mal reichte es nicht mehr, weil ich zu weit weg war von diesem meinem Zimmer, aber das war nicht weiter schlimm, weil es sich meist um Liebeskummer handelte und in der Regel derjenige die Heulerei abbekam, der auch dafür verantwortlich war. Selber schuld!

Mit den Jahren wird die Haut dicker (die mentale zumindest, die andere wird dünner…) und so war das öffentliche Weinen sowieso kein Thema mehr. Bis neulich. Da wollten es sehr ungünstige Umstände, dass eine laut schluchzende Frau Schreibschaukel zu sehen (und zu hören!) war und zwar tatsächlich im öffentlichen Raum. Nicht wegen Liebeskummer, ganz nebenbei bemerkt.

Es war vermutlich derselbe Effekt wie bei diesem Fernsehjournalist, der aufgrund eines unkontrollierbaren Lachanfalls seinen Job verlor, nur war mir eben nicht zum Lachen. Meinen Job verlor ich auch nicht, glücklicherweise, bloss ein bisschen die Fassung, weshalb ich mich an der Palme festhielt, die ich im Arm trug. Sie war völlig vertrocknet, jedoch nicht der Grund für meine Heulerei, aber vermutlich rein optisch das Tüpfelchen auf dem i – ich muss ein Bild für Götter abgebeben haben, wie ich da so über dieser Palme schluchzte – und im Nachhinein finde ich die Vorstellung selber so lustig, dass ich darüber lachen muss, wann immer ich daran denke.

Dass ich an einem Ort in Tränen ausgebrochen war, wo ich sonst für mein strahlendes Lächeln bekannt bin, hat den einen oder die andere ein klein wenig verstört, weswegen man sich jetzt dort öfters erkundigt, wie es mir geht, äusserst nett zu mir ist und ich eigentlich bloss noch darauf warte, dass der rote Teppich ausgerollt wird, wenn ich am Ort meiner momentanen Fassungslosigkeit vorspreche.

Wieso musste ich eigentlich so alt werden um zu entdecken, welche ungeheure Macht ein paar lausigen Tränen haben?


Dieser Beitrag wurde unter dazwischen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu „Usem Bächli äs Lächli“

  1. Flohnmobil schreibt:

    Da habe ich leider etwas zu spät diesen Blog gelesen, sonst hätte ich meine Neugierde stillen können.
    ❓ ❓ ❓

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s