Das perfekte Dinner

Warum Kochsendungen wie „Das perfekte Dinner“ dermassen Zulauf haben, ist mir ein Rätsel. Könnte natürlich daran liegen, dass Kochen nicht so meins ist. Essen schon, aber. Wie gut deshalb, dass auch ich, sogar ohne Zuhilfenahme eines Fernsehers, in den Genuss eines perfekten Dinners kam, von dem ich noch lange zehren werde. Das liegt nicht allein an der hübsch anzusehenden Portion Safranrisotto, die in meinem Kühlschrank darauf wartet, verputzt zu werden. Ein „Bhaltis“ des Gastgebers, das seinem Namen leider Gottes nur äusserst kurzzeitig gerecht werden wird. Schade, dass ich wieder mal den Fotoapparat zu Hause vergessen hatte, weshalb an dieser Stelle nur unwürdige Worte den knackigen Salat, die selbstgemachten Ravioli, besagten Hauptgang und das luftig leichte Schokoladenmousse beschreiben können.

Nun lebt ein perfektes Dinner nicht nur von der Nahrung an sich, sondern von allem Drumherum; es muss mit Hingabe angerichtet und entsprechend präsentiert werden und – nicht zu unterschätzen – mit anregenden Gesprächen gewürzt sein. Nicht zu vernachlässigen ist auch die entsprechende Stimmung, allem voran spielt hier die Musikwahl eine grosse Rolle.

In dieser Beziehung nun war dieses Dinner nicht bloss perfekt sondern …ja nun, perfekter geht ja irgendwie nicht. Leider. Manchmal sind Worte eben doch unzureichend.

Es war nämlich so, dass ich die Musik zwischen den einzelnen Gängen selber machen konnte. Zum Glück konnte nur ich sie hören, was auch besser war. Man muss sich das so vorstellen: Immer wenn der begnadete Koch in der Küche werkelte, durfte ich mir die Kopfhörer aufsetzen und mich ans E-Piano setzen, wo ich mit meinen mitgebrachten Noten ein bisschen herumexperimentierte. Es ist nämlich so, dass ich mein Klavier doch sehr vermisse und deshalb baldmöglichst einen den übrigen Mietern zumutbaren Ersatz benötige. Ein elektronisches Klavier ist, wie ich jetzt weiss, eine gute Alternative. Obwohl der dynamische Anschlag nicht ganz an den der verbotenen Elfenbeintasten herankommt – es hat was, mit Kopfhörern zu spielen. Die akustische Wirkung ist gewaltig. Je nachdem für welche Klangoption man sich entscheidet wähnt man sich in einem barocken Palazzo oder in Notre Dame daselbst. Ziemlich cool auch die Variante „Rockpiano“.

Den Höhepunkt des perfekten Dinners bildete dann der zweite (musikalische) Nachtisch, als der Gastgebers, der schon in jungen Jahren Bandmusiker war, noch ein paar Ohr- und Herzwärmer zum Besten gab. Ich hätte stundenlang zuhören können. Das zeigte mir, wozu ein E-Piano taugt, wenn jemand wirklich gut spielen kann.

Aber gut; nicht alle verfügen über dasselbe Mass an Talent, sei es punkto Klavierspielen oder Kochen. Man muss sich eben zu helfen wissen. Sollte ich dereinst im Besitz eines E-Pianos sein, werde ich einfach regelmässig meinen überaus geschätzten Freund einladen, der nämlich nicht nur gut backen kann.

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4 Antworten zu Das perfekte Dinner

  1. Flohnmobil schreibt:

    Zum Glück muss man, um zu deinem Freundeskreis gehören, nicht Musik spielen können. Meine Chancen wären da äusserst gering und mit sämtlichen Kochkünsten nicht aufzuwerten.

  2. notiznagel schreibt:

    Ich werde einfach regelmässig in deinem Blog lesen, um mein Talent in punkto Schreiben ein kleines bisschen anzuheben. Vom Musik machen lass ich die Finger, Kopfhörer hin oder her.

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