Lesewetter

In gute Bücher, sagt man, müsse man sich erst „hineinlesen“. Damit wurde ich schon als Kind vertröstet, wenn ich mein aktuelles langweilig fand. Aus unerfindlichen Gründen ist mir das Lesen dennoch geblieben. Ich hatte vermutlich das Glück, viele nicht ganz so gute verschlingen zu dürfen. Trotzdem rate ich den Kindern in der Schule, ein Buch, das ihnen nicht gefalle, irgendwann auch wieder wegzulegen. Schliesslich gibt es genügend andere, die einem den Spass an der Sache nicht vorzeitig verderben, wie gut oder schlecht sie auch immer sein mögen.

Ob es sich um ein gutes oder schlechtes Buch handelt, ist sowieso subjektiv. Was dem einen gefällt, an dem findet ein anderer nichts und kollektive Lobpreisungen machen mich immer eher misstrauisch.

Darum kann ich auch nur für mich selber sprechen, aber bei mir verhält es sich so, dass ich schon auf den ersten Seiten merke, ob ich ein Buch mag oder nicht. Und tatsächlich gibt es solche die, kaum halte ich sie in der Hand, zum absehbaren Lieblingsbuch werden.

Schon auf der zweiten Seite streifte mich diesmal das Gefühl, einen Schatz an Land gezogen zu haben und jetzt, ein paar Seiten weiter, drossle ich bereits das Tempo, um den Lesegenuss möglichst lange hinauszuzögern.

Es ist nicht das erste Buch, das ich von Alex Capus lese und (ha!) auch nicht die erste Liebesgeschichte. Es ist aber eine, möchte ich behaupten – obwohl ich sie noch gar nicht kenne – die ihren Namen verdient.
Während ich mir im zarten Kindesalter, an langweiligen Regentagen während der sommerlichen Schulferien so ziemlich alle Bücher von Konsalik zu Gemüte führte und damit praktischerweise auch die Sache mit der Aufklärung abgehakt war, mag ich es heute dezenter. Die allzu plakativen LiebesSzenen, die auch in akzeptable Bücher verkaufstechnisch relevant eingestreut werden, öden mich ein bisschen an. So genau will ich es gar nicht wissen; habe ich nicht meine eigene Fantasie? Wenn aber in einem Buch, das sich durch erzählerische Schönheit, eine Fülle an sehr genauen Beobachtungen gepaart mit erfrischendem Humor und viele kleine, liebenswerte, tiefgründige Details hervortut auf Seite 74 schlicht und einfach steht: „Und dann küssten sie sich.“ …dann bekommt man einen Moment lang eine Ahnung davon, was es mit der Liebe auf sich haben könnte.

Und jetzt geh ich weiterlesen.

Léon und Louise  von Alex Capus

Dieser Beitrag wurde unter auf abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Lesewetter

  1. bayernpauline schreibt:

    Ja, liebe Renate, Du hast ja soooooo was von Recht! Diesen Band sollte ich mir auch mal wieder anschauen. Viel Spaß beim Weiterlesen. Schönen Samstag und liebe Grüße von Pauline 😀

  2. notiznagel schreibt:

    Da darf es ruhig etwas länger dauern, mit dem Lesewetter.
    Danke für den Buch-Tipp.

  3. whateveralter schreibt:

    Liegt bei dir echt Schnee? Hier ist tollster Sonnenschein und Frühling, aber lesen werde ich jetzt trotzdem 😉

  4. Pingback: Wetter am 20. April 2013 | Running Tom

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s