Interessenkonflikt

Gestern war das Schätzi zum ersten Mal hier. Das Schätzi, muss man wissen, gehört zum Teenager wie der Schaum zum Bad und wenn es nach dem Teenager ginge, dann wäre das Schätzi immer hier.

Ich hätte nichts dagegen.

Vom ersten Moment an war ich dem Schätzi sehr zugetan, was sich schon nach kurzem in einem Alptraum offenbarte. In diesem kam der Teenager plötzlich mit einem anderen, mir unbekannten Schätzi daher (er hätte sich die Sache jetzt anders überlegt und das Schätzi ausgetauscht) und das richtige Schätzi war sehr traurig und hing in den Seilen. Ich selber war auch völlig aus dem Häuschen, aber zum Glück immer noch in meinem Traum, und am Morgen nahm ich den Teenager sofort ins Verhör und nahm ihm händeringend das Versprechen ab, unter gar keinen Umständen das Schätzi auszutauschen ohne mich vorher zu fragen, worauf er mich liebevoll drückte und mir dies versprach.

Das Schätzi ist wahninnig gut erzogen und seit es dem Teenager mit bestem Beispiel vorangeht, kommt es tatsächlich vor, dass dieser seinen Teller selber abräumt oder sogar etwas kocht. Das Zimmer des Teenagers ist nun ordentlich und seit neustem punktet er mit einem erstklassigen Schokoladenkuchen. Wie viele Jahre habe ich mich bemüht, den Teenager zu sozialisieren, mit mässigem Erfolg! Da taucht das Schätzi auf und drückt irgendeinen Knopf, der mir entgangen ist und – plötzlich ist alles kein Problem mehr.

Ich hätte auch aus einem anderen Grund nichts dagegen, wenn das Schätzi öfters bei uns nächtigt, weil: Wenn es da ist, schläft der Teenager endlich mal genug. (Ich ahne gerade das eine oder andere verstohlene Grinsen …aber nein, so ist es!!!) Das Schätzi braucht nämlich sehr viel Schlaf und weil der Teenager sich keine Minute von seinem Schätzi trennen mag, hat das den schönen Nebeneffekt dass er, selbst wenn er nicht sofort einschläft, immer noch um Dekaden mehr schläft als sonst.

Wenn es also nach dem Teenager und mir ginge, könnte das Schätzi direkt hier einziehen, aber uns fragt natürlich keiner. Das Schätzi hat nämlich, genau wie der Teenager, eine Mutter, die sich um dasselbe sorgt. Und genau wie ich möchte sie ihr Kind ohne Augenringe sehen und ja – es überhaupt sehen, weil sie es nämlich sehr lieb hat. Wofür ich vollstes Verständnis habe.

Man nennt das, glaube ich, einen Interessenkonflikt.

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