Welche Rolle spielen wir?

„Hausmütterchen trifft Supermann – Geschlechterbilder gestern und heute“ verhiess die Anschrift an der Tür. Eine von vielen, die anlässlich der Eröffnung der Pädagogischen Hochschule zum Eintreten einlud. Da ich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich gerade üppig mit dem Thema konfrontiert bin, trat ich ein und nahm mir Zeit für die zwei Kurzfilme zum Thema mit anschliessender Diskussion.

Beim ersten Film stellte sich relativ schnell das Gefühl ein wie bei diesen schwarzhumorigen Witzen, wo ich nicht anders kann, als zu lachen, innerlich aber Gänsehaut kriege.
Es war ein Werbefilm für den Beruf der „Stewardess“ der anno 1967 in der Wochenschau im Kino gezeigt wurde. Obwohl ich diese Zeit doch selber erlebt habe – da kam ich eben in die Schule – konnte ich kaum fassen, was ich sah – und hörte. Wie gönnerisch und von oben herab über „unsere Mädchen“ geredet wurde, ihnen bei allem, was sie für die zukünftige Sicherheit der Passagiere lernen mussten, ein kompetenter Mann erklärte, wie das zu machen sei. Wie betont wurde, dass ihnen das Wickeln eines Babys – Grossaufnahme auf das Puppengesicht und den verzückten Blick der betreffenden Frau – natürlich eher entsprach, als eine Rutschbahn aufzublasen – viel zu technisch, das! – und wie absolut unerlässlich ausreichender Charme und ein angenehmes Äussere sei. Hier folgte das Finale mit detaillierten Aufnahme von AugenbrauenzupfenundAugenlidstrichmalenundLidschattenundLippenstiftauftragen. Wie gesagt: Erst lachte ich, dann kam die Gänsehaut. Weil: So anders ist es gerade in diesem Metier heute ja nicht. Es ist immer noch die Ausnahme, dass eine Pilotin im Cockpit sitzt. Anders als bei der Cockpitcrew zählt bei den Flugbegleitern auch das Aussehen. (Der Handyman hatte meines Wissens jedenfalls nie einen Beauty-Workshop!) Und gefühlsmässig gibt es nach wie vor mehr männliche als weibliche MC’s.

Im zweiten Film ging es um eine männliche Hebamme (eine sehr gute, übrigens). „Geht das? Ist das den Frauen denn zuzumuten?“, wurde in der nachfolgenden Diskussionsrunde provokativ gefragt. Die Frage war logisch, aber auch komisch. Ich erinnerte mich daran, wie mich in meinen jungen Jahren niemand gefragt hatte, ob ich mich in die Hände eines männlichen Gynäkologen zu begeben wünschte – Frauen gab es damals in diesem Beruf nur sehr wenige. Geschlechterrollen haben also auch etwas mit Hierarchie zu tun.

Ebenfalls zu denken gab die Bemerkung einer Kindergärtnerin, dass zwei ihrer drei Mitstudenten inzwischen das Handtuch geworfen hätten; zu blöd sei es ihnen geworden, sich stets des Verdachts auf Pädophilie erwehren zu müssen.

Ich muss gestehen, ich habe mich hinter dieser Türe ein wenig erschrocken.
Mir ist wieder einmal bewusst geworden, wie viel es noch zu tun gibt, bis Männer und Frauen gleichberechtigt sind (nicht zu verwechseln mit gleichgeschaltet). Bedenklich finde ich, dass es heute zwar subtiler abläuft, die Botschaften aber mehrheitlich dieselben sind. Man schaue sich bloss die gängige Werbung an!

Und ja: Ich bin für Quoten. In der Politik, im Spital, auf dem Bau, im Kosmetikstudio und auch im Kindergarten. Vielleicht werden unsere Urururenkel einst, wenn sie andere Vorbilder vor Augen haben, das mit der Gleichberechtigung gebacken kriegen.

Dieser Beitrag wurde unter ab abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Welche Rolle spielen wir?

  1. T.M. schreibt:

    Quoten? Im Kindergarten? OK, dann aber auch bei der Kehrrichtabfuhr, unter Tage und auf dem Bau. Gut wäre es ja beim Militär – wenn auch Frauen der Wehrpflicht unterlägen, hätte man auf der Stelle eine Quote von 50%. Wie jetz, Sie haben schon ein Kind – und?

    Nein, ich mache mich nicht lustig. Ich halt’s für vernünftig, verschiedene Voraussetzungen (körperlich, sozial, die Sache mit dem Kinderkriegen) auch durchaus zu berücksichtigen und ernstzunehmen. Wer welchen Beruf ergreift und wieviel er darin arbeitet, wird man drum nicht gut mit Quoten regulieren können. Möglich muss alles sein, sofern die Voraussetzungen gegeben sind, d.h. Chancengleichheit. Und gleicher Lohn für gleiche Arbeit muss ein Prinzip sein. Die Diskussion um Quoten geht eigentlich am Thema vorbei.

  2. schreibschaukel schreibt:

    Ich fände das mit den Quoten auch bloss eine (zugegeben,schlechte) Notlösung. Sie würde aber vielleicht dazu führen, dass sich langfristig die Verhältnisse ändern und sich aufgrund der dann bestehenden jedes Kind zugestehen würde, den Beruf anzustreben, der ihm am meisten zusagt.
    Ich meine, mal ehrlich: Was würden Sie denken, wenn Ihnen ein Mann eröffnet, er sei Kosmetiker? Warum frage ich mich beim Friseur, der so gebildet, belesen und interessiert ist unwillkürlich, warum er eigentlich Friseur geworden ist? Daran sollten wir vielleicht arbeiten.
    Beim Militärdienst neige ich zur „Nullquote“.
    Und: Geht eine Diskussion nicht immer ums Thema herum? 😉

  3. T.M. schreibt:

    Es gibt Diskussionen, die bleiben schon ziemlich gut beim Thema. Es gibt aber eben gerade in der Politik auch welche, wo die Fronten oft seit Jahrzehnten verhärtet sind, die dienen dann insgeheim ganz anderen Interessen, persönlicher Profilierung beispielsweise, oder blindem Aktionismus, wir tun jetzt etwas, hauptsache schnell!!! Und Aktionismus war in deutschen Rand-Ministerien noch immer herzlich willkommen, wenn es darum ging, den Eindruck zu erwecken, man tue dort wichtige Dinge.

  4. lesbomat schreibt:

    Was ist mit der seit Jahrhunderten bestehenden Männerquote die sicherstellt, dass unfähige Männer die Chefjobs kriegen, obwohl es qualifiziertere Frauen dafür gäbe? Das Gewinsel der Männer hör ich mir nicht länger an, die haben einfach Angst, dass ihre Privilegien davonschwimmen. Und wenn man vom Bau und der Müllabfuhr spricht, Jobs vor denen sich Frauen angeblich drücken: Denkt mal lieber an die ganze unbezahlte reproduktive Scheißarbeit, die von Frauen unentgeltlich geleistet wird. Viele von denen wären froh, den sicheren Arbeitsplatz und die gute Rente zu bekommen für ihre Plackerei in der Waschküche, am Altenbett und im Haushalt.

  5. schreibschaukel schreibt:

    Ich hätte es zwar nicht so drastisch ausgedrückt, aber ich ertappe mich dennoch beim Zustimmungnicken! Gerade Pflegeberufe sind körperlich auch sehr anstrengend.
    Eigentlich wäre es doch schön, wenn wir dahinkämen, dass alle, auch die Männer, begreifen würden, dass bei einer echten Gleichberechtigung alle gewinnen und niemand verliert.

  6. lesbomat schreibt:

    Schreibschaukel, das stimmt nicht. Männer haben Privilegien und deshalb bedeutet Gleichberechtigung für sie wirklich und tatsächlich den Verlust derselben. Ist doch klar, dass sich die meisten dagegen wehren. Ich würde das auch tun. Deshalb ist der Staat gefragt, denn wenn ein Stärkerer einem Schwächeren auf den Kopf haut, muss auch die Staatsmacht das Ungleichgewicht regulieren. Von den Männern zu erwarten, dass sie freiwillig die unbezahlte Hausarbeit übernehmen und die gutbezahlten Jobs abgeben, ist doch ein wenig utopisch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s