Weihnachtsgeschichte

Nanu – ein Aprilscherz?

Kein Aprilscherz ist es leider, dass der Verwaltungspräsident der Migros es für altmodisch hält, dass in der Migros kein Alkohol verkauft wird. Vermutlich rechnet sich das heutzutage nicht mehr…

Ich bin mit der Migros aufgewachsen; als ich klein war, kam jeweils noch der Migroswagen ins Dorf. Die Philosophie, die hinter der Sache steckt und die auf den Gründer Gottlieb Duttweiler zurückgeht – der mit seiner innovativen Idee in der ersten Zeit viel Unwillen erntete -, lernte ich erst als Erwachsene kennen und schätzen. Natürlich hat sich vieles verändert – auch in der Migros. Trotzdem stimmt es mich traurig, dass nun auch einer der letzten Grundsteine vielleicht dran glauben muss – und damit langfristig wohl auch die Marke „Migros“.

Als kleine Hommage an ihren Gründer deshalb – als Frühblüher sozusagen – eine Weihnachtsgeschichte. Ich habe sie einst anlässlich eines Wettbewerbs geschrieben; die Vorgabe lautete dahin, dass man verschiedene genau definierte Produkte im Text unterbringen musste. Ich hatte übrigens keinen Erfolg mit meiner Geschichte, aber jede Wette: Dem Herrn Duttweiler hätte sie gefallen. Wenngleich er sich wohl sehr wundern würde, was sein ehemaliges Unternehmen heutzutage feil bietet.

Aus der Not geboren (R. St. 2009)

So kräftig musste der Nikolaus droben im Himmel niesen, dass sämtliche Engel zusammenzuckten, Petrus missbilligend die Stirn runzelte und der liebe Gott erstaunt um sich blickte.

„Tschuldigung“, schniefte Nikolaus. Raphael war sofort zur Stelle und fühlte die Stirn des Nikolaus. „Du glühst ja“, rief er aus, „ab ins Bett mit dir!“

Nikolaus wehrte sich: „Wie stellst du dir das vor?“, wetterte er, “ Jetzt, wo der 6. Dezember vorüber ist, gilt es, die Weihnachtsüberraschungen vorzubereiten. Guck dir all diese Wunschzettel an! Denkst du, das Zeug kommt von alleine angerollt?“ „Papperlapapp“, schnitt ihm der Erzengel das Wort ab. „Für die Gesundheit des himmlischen Personals bin ich zuständig. Du kommst unter die Decke! Sonst fällst du an Weihnachten aus, und das Christkind muss die ganze Arbeit alleine machen.“ Dieses Argument überzeugte den Nikolaus, denn für das Christkind hatte er eine Schwäche und jedes Jahr freute er sich unbändig auf seinen ehrenamtlichen Einsatz als Weihnachtsmann, wenn er zusammen mit dem Christkind die Geschenke ausliefern durfte. Wohl oder übel verzog sich Nikolaus also mit einer Tasse Tee ins Bett.

Währenddessen trommelte Raphael sämtliche Engel des Himmel zusammen, die grossen wie die kleinen, und eröffnete mit ernster Stimme: „Plan B. IHR besorgt diesmal die Geschenke.“

Unter den Engeln brach ein Tumult aus, denn der Wunschzettel waren viele. „Um Gottes Willen“, stammelte einer, „wo sollen wir denn all das herkriegen? Das schaffen wir nie innert nützlicher Frist.“ Da drängte sich einer der kleinen Engel vor– er war erst seit 47 Jahren im Himmel – und erhob das Wort. Das hatte er schon früher, auf der Erde, gut verstanden. „Genossen …“, so sprach er (ein paar Engel stiessen sich an und verdrehten die Augen. Es war allgemein bekannt, dass Dutti, so hiess der kleine Engel, den Himmel gerne genossenschaftlich organisiert hätte. Doch da ihn alle ganz gut leiden mochten, liessen sie ihn ausreden). „Ich kenne einen Ort auf der Erde, genauer: ein kleines Land namens Schweiz.“ Hier legte er eine bedeutungsvolle Pause ein. „Gehet hin und ihr werdet ein Geschäft finden namens „Migros„. Die anderen Engel lauschten jetzt ehrfürchtig. „In der Migros, so sage ich euch, bekommt ihr alles, was auf diesen Wunschzetteln steht. Ausserdem …“, – jetzt ging sein früheres Dasein als Unternehmer mit ihm durch -, „sind die Preise fair und ihr unterstützt damit die Kultur des Landes.“ Dutti sagte das alles nicht ohne Stolz, denn wie gesagt, er war recht neu im Himmel und hatte sich noch nicht ganz abgewöhnen können, auf seine früheren Leistungen stolz zu sein. Der liebe Gott, der mitgehört hatte, warf ihm zwar einen vielsagenden Blick zu, aber weil er wusste, dass Dutti ein gutes Herz hatte, verzichtete er auf einen Tadel.

So kam es, dass eine Schar Engel unerkannt einen Grosseinkauf in der Migros tätigte. In ihren Einkaufswagen türmten sich die unterschiedlichsten Dinge. Da war der „Snoopy“ Mädchen Pyjama, den die kleine Sue sich so sehnlichst wünschte, weil sie fest daran glaubt, dass Snoopy ihre schlechten Träume vertreiben würde. Die Tüte feinster Backschokoladenwürfel lag ganz obenauf, war sie doch eine dringende Bestellung aus der himmlischen Küche. Die technisch begabteren Engel des Nofallteams studierten interessiert die Gebrauchsanweisungen des Stabmixers – der Bamix de Luxe 180 hätte selbst den anspruchsvollsten Küchenchef zufrieden gestellt – und des Brezeleisens. Wieder zurück im Himmel, bearbeiteten sie Petrus so lange, bis er einem Probelauf zustimmte, so dass jeder zu einem hauchzarten, puderbestäubten Bricelet kam. Nie war es im Himmel schöner gewesen. Am meisten aber rissen sich die Engel in der Zeit vor Weihnachten um das Bodyshape Trampolin. Denn wenn sie sich auch keine Gedanken mehr um ihre Figur machen mussten – man war hier schliesslich im Himmel! – so hatten sie doch jede Menge Spass damit.

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4 Antworten zu Weihnachtsgeschichte

  1. runningtom schreibt:

    Auch Schokoladeosterhasen gibts ja in der Migros. Wollen wir doch hoffen, dass nicht wieder ein Brand im Lager die ganzen Vorbereitungsarbeiten zunichte macht.

  2. schreibschaukel schreibt:

    Und stell dir bloss vor, wie der Alkohol brennen würde! 🙂

  3. Flohnmobil schreibt:

    Ich glaube auch, dass bei Dutti aus Scherzen Schmerzen würden, wenn er sähe, in welche Richtung sich sein Lebenswerk entwickelt.

  4. schreibschaukel schreibt:

    Alles würde ihm bestimmt nicht gefallen.

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