Die Wende

Was ist bloss mit mir los?!

Ich gebe zu, meine Gefühle zu Michèle Roten waren stets ambivalenter Natur. Zwar musste ich von Beginn weg neidisch anerkennen, dass die Frau schreiben kann, bloss hat mir nicht immer gefallen, worüber sie schrieb. Über diese Hassliebe habe ich mich hier schon an anderer Stelle ausgelassen.

Mittlerweile sind ein paar Jahre ins Land gegangen, beide sind wir älter geworden und woran es genau liegt weiss ich auch nicht, aber: Ich mutiere allmählich zum Fan. Schon mehrmals sind mir ihre erstklassigen Reportagen im „Tagi-Magi“, bei dem sie mittlerweile zum Redaktionsteam gehört, aufgefallen. Sie geht auch heikle Themen auf eine zwar ernsthafte, aber erfrischend lockere Art an, wie gerade die jüngste Nummer bewies. Ausserdem hat sie mir mit dem Artikel über den in die Ecke gestellten Feminismus, der – okay, ein bisschen Promotion muss wohl sein und ist legitim – im Zusammenhang mit ihrem neusten Buch steht, den Nagel auf den Kopf getroffen.

JAWOHL!!!, es war nicht immer meine freie Wahl, dass ich jahrelang nicht arbeiten ging, dafür zu Hause das Kind alleine schaukelte und alle meine Hobbies über ein Jahrzehnt lang und von heute auf morgen aufs Eis legte. Auch wenn ich mir – so viel Selbstkritik muss sein – verdammt grosse Mühe gab, es so aussehen zu lassen.

Auch ich fühle ein leichtes Unwohlsein, wenn ich die jungen Frauen von heute betrachte und gewahr werde, wie sehr sie sich auf Äusserlichkeiten reduzieren, wie sehr sie zu gefallen suchen (wem??) und wie oft sie sich selber dabei verleugnen. Und ja, ich glaube tatsächlich, dass meine Generation mitschuldig an dieser Entwicklung ist, weil wir uns bequem zurücklehnen konnten, dank der „Emanzen“ vor uns, die uns den Weg ebneten, mit denen wir uns letztlich aber nicht zu sehr identifizieren wollten.

Das neue Buch der Roten, „Wie Frau sein“, das diesen Widerspruch unter die Lupe nimmt, könnte mir – da bin ich mir fast sicher – gefallen.

Und jetzt werde ich nochmals drüber schlafen, mir dann einen Ruck geben, mir versichern, dass es so schlecht nicht ist, im Laufe seines Leben seine Meinung oder gar seine Präferenzen zu ändern und dann … dann werde ich wohl oder übel dieses Buch bestellen. Hier.

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2 Antworten zu Die Wende

  1. evaunterwegs schreibt:

    Das Bild ist klasse! Lese sehr gerne diesen Blog, weiter so.

  2. schreibschaukel schreibt:

    Oh, vielen Dank auch. Dann sollte ich wohl wieder etwas mehr schreiben… 😉

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