Familienphase!!!

Hier herrscht etwas Flaute, wie regelmässige Leser bemerkt haben dürften. Das liegt nur einerseits am schönen Wetter, andererseits aber daran, dass mein Kopf gerade mit anderen Dingen angefüllt, ja, vielleicht zeitweise sogar überfüllt ist. Nicht, dass ich nicht schreiben würde, aber mit der Kreativität hapert es gerade etwas.

Dafür schreibe ich aber zum Beispiel einen sauber strukturierten Text, was mich wahnsinnig Nerven kostet, weil die Abstände ja so und so und der Einzug, verdammt… und wieso ist jetzt dieser Teil wieder rübergerutscht??? Ich sage nur: Lebenslauf.

Mit dem Lebenslauf ist das sowieso so eine Sache. Nicht nur was die Form betrifft, nein, auch der Inhalt desselben stellt ja gewisse Anforderungen an den Denkapparat der Verfasserin oder zumindest an den Teil, wo das Erinnerungsvermögen beheimatet ist. Schliesslich lebe ich schon eine ganze Weile und es ist gar nicht so einfach, sich an alles zu erinnern.

Immerhin macht so eine Aufstellung, die seltsamerweise zwar erst im Primarschulalter beginnt – als ob die Jahre vorher nicht auch prägend gewesen wären, ha!! – durchaus etwas her. Weil man alles, aber auch wirklich alles zusammenklaubt, was irgendwie Eindruck schinden könnte, scheint der Verlauf des Lebens auf den dritten Blick gar nicht so übel. Auf den ersten schon. Und auch auf den zweiten prangt da eine zwar kleine aber unschöne Lücke, wo gähnende Leere herrscht, die weder mit Nachhilfeunterricht noch mit Schreibaufträgen, ja, nicht einmal mit Sonntagsschule gefüllt werden kann.

„Was hat die während der drei Jahre eigentlich gemacht?!“, wird man fragen und zum Schluss kommen: nichts.

„Nichts“ wird das Urteil lauten, auch wenn ich neben die Lücke verschämt „Familienphase“ hingeschrieben habe. Man könnte fälschlicherweise natürlich von einer Grossfamilie ausgehen, was mich vielleicht zum Teil rehabilitieren würde, aber ich habe leider nur ein einziges Kind in die Welt gestellt, was an anderer Stelle zweifelsfrei klar wird. Trotzdem habe ich „Familienphase“ hingeschrieben, denn – irgendetwas muss man ja schreiben. Statt „nichts“.

Es ist nämlich auch nicht so, dass ich nichts gemacht hätte in diesen drei Jahren. Gut, vielleicht nichts, was ich auch noch gern gemacht hätte – neben den vielen innigen Momenten mit meinem Kind natürlich – aber doch so einiges. Ich erinnere mich an lange Fussmärsche, die nur dann ohne Geräuschemissionen verliefen, wenn ich eine zügige Minimumspeed einhielt, an lange Nächte, in denen ich mir vorkam wie der einzige Mensch auf der Erde, an so manchen schmerzlichen Lernprozess, der mich zwar weiterbrachte, aber vorher auch mal durcheinander und aufbrachte, an panische Augenblicke, wo mir fast das Herz stehen blieb vor Schreck – und an andere, wo das selbe aus purer Freude passierte – , an Tage, die morgens um fünf begannen und abends um elf endeten (der Teenager brauchte erstaunlich wenig Schlaf, im Gegensatz zu mir), an die logistische Glanzleistungen, die schon ein gewöhnlicher Einkauf, geschweige denn von einem mehrtägigen Ausflug erforderte und an vieles mehr.

Während dieser drei Jahre habe ich, wenn ich es mir recht überlege, die ersten Schritte auf einem Weg getan, der mich mehr lehrte als alles andere in meinem Leben. Dafür gab es kein Zeugnis, kein Lob, keine Bestätigung, weder Feier- noch Ferientage, ja, sogar an die Zehnuhrpause dachte ich stellenweise wehmütig zurück. Ich fand sie ganz schön anstrengend, diese drei Jahre. Und wenn ich es mir recht überlege, dann sollte ich diese eine Zeile meines Lebenslaufs fett drucken, ev. sogar in roter Farbe und hinter „Familienphase“ noch ein paar Ausrufezeichen setzen.

Dieser Beitrag wurde unter dazwischen abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Familienphase!!!

  1. runningtom schreibt:

    Du kannst diesen Blog Beitrag ja noch als „Anmerkungen zum Lebenslauf“ veröffentlichen.

    Übrigens der fachbegriff für die Familienphase wird auch „Babypause“ genannt.

  2. Renate schreibt:

    BabyPAUSE, haha!!! Selten so gelacht…
    Und – guter Tipp. Ich werd’s unter die Tags nehmen, da wird meine Statistik garantiert in die Höhe schnellen 😉 .

  3. Anhora schreibt:

    Ich hab 10 Jahre Familienpause gemacht, da mehrere Kinder, und ein paar freiberufliche Tätigkeiten konnte ich immer noch einflechten. Sieht gut aus im Lebenslauf, weil … „nur“ Kinderbetreuung – ist nicht gut genug. Nicht in diesem Land. Nicht alle Personalreferenten sind Mütter und wissen, was es bedeutet, Kinder zu haben. Personalreferenten mögen Leute, die trotz Ausstieg aus dem Beruf *Lachen-an* nicht ganz aufgehört haben zu arbeiten *Lachen-aus*.

    Viel Spaß mit deinem Lebenslauf!

  4. Renate schreibt:

    Hauptsache, man hat Spass mit dem Leben! 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s