Ausgeliefert

Schon einmal habe ich die Vorzüge meines Lieblings-Dienstleistungsunternehmens gelobt. In diesen Tagen verhält es sich anders. Überall lobt die Post sich selber. Zum Beispiel in einem halbseitigen Inserat in meiner Tageszeitung oder auf Tafeln entlang der Strasse. Sie streicht darin die Tatsache heraus, dass sie momentan wahnsinnig viele Pakete, Karten und Briefe verschickt, pünktlich wie immer – Schöne Weihnachten und Danke für mein Vertrauen. Bitte! Gern geschehen. Ich habe ja (noch) keine andere Wahl. Darum zahle ich auch widerspruchslos das hohe Porto, um mitzuhelfen, die teuren Inserate und Werbetafeln zu finanzieren. Wenn doch meine Sendungen dafür pünktlich ankommen.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass ich sie meinerseits pünktlich aufgebe. Guten Mutes trabe ich deshalb mit einem Paket, das meiner Ansicht nach glatt als Brief durchgehen könnte, am 14. Dezember auf die Post. Acht Tage, denke ich, sollten für eine fristgerechte Lieferung reichen. Ich schicke es ja nicht nach Äquatorialguinea (das gibt es, jaja, die Hauptstadt heisst Malabo) sondern bloss auf die andere Seite der Grenze. Die nette Frau hinter der Glasscheibe runzelt die Stirn und wiegt besorgt den Kopf. Um ganz sicher zu gehen, eröffnet sie mir, müsse ich das Paket per Express schicken. Aha. Auf meine scheue Frage, was das kosten würde, nennt sie einen Preis, der mich blass werden lässt. Ich überschlage kurz: Es wäre billiger, wenn ich das Paket selber ausliefern würde. (An dieser Stelle deshalb der dringende Hinweis: Es lohnt sich NICHT, sich selber zu verschicken um Reisekosten zu sparen!). Weil ich etwas unentschlossen vor dem Schalter stehe und die Leute in der Schlange ungeduldig werden, schlägt sie mir vor, das Paket wenigstens per A-Post zu schicken. Dann, so meint sie, würde es mit grosser Wahrscheinlichkeit noch vor Weihnachten am Zielort ankommen. Das würde – ich rechne schon wieder – eine Verspätung von höchstens zwei Tagen ausmachen. Nicht optimal, aber besser als gar nicht. Nach dem Preis frage ich diesmal nicht – so viel mehr als B-Post kann es ja nicht sein – und der Deal ist gemacht.

Diesmal aber habe ich mich verrechnet. Gründlich. Das Porto kostet beinahe so viel wie der Inhalt des Pakets, was ich verhältnismässig viel finde – vor allem in Anbetracht der Auslieferungsdauer.

Vier Tage später erreicht mich die frohe Botschaft: Das Paket ist angekommen. Vier Tage zu früh! Die Post hat sich selber übertroffen!! Oder mich überlistet… Jedenfalls nochmals: Bitte für das Vertrauen. Es wird nicht wieder vorkommen.

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4 Antworten zu Ausgeliefert

  1. Das Porto war bestimmt deshalb so hoch, weil die Post die Behandlungskosten tragen muss für denjenigen, der sich jetzt vier Tage lang in´s Knie beisst, bis er das Päckchen öffnen darf.

  2. Renate schreibt:

    Das fehlt noch, dass die Post auch ins Gesundheitwesen einsteigt. Aber ein Pflaster findet sich bestimmt in ihrem breitgefächerten Sortiment. 😉

  3. Flohnmobil schreibt:

    Ach ja, der Gemischtwarenladen, der sich früher mal POST genannt hat. Solange ich meine Briefe nicht mit Gummibärchen frankieren kann, werde ich wohl oder übel auf deren Dienstleistung zurückgreifen müssen.

  4. Renate schreibt:

    Um die Gummibärchen wär’s aber auch schade. Obwohl ich die lieber schleck‘ als Briefmarken!

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