Brisante Enthüllungen

Die Sache mit diesem Wikileaks hat mich ins Grübeln gebracht. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, so sage ich mir, bis man auch in seinen eigenen vier Wänden nicht mehr sicher ist, wo man sich ungezwungen über Freunde, Nachbarn und Bekannte auszutauschen pflegt. Weil mir an meinen Beziehungen sehr viel liegt, habe ich mich schweren Herzens entschlossen, ein paar Zugeständnisse an die Ehrlichkeit zu machen denn, sehen wir den Tatsachen ins Auge, es ist doch immer besser, man erfährt Unangenehmes auf direktem Weg als häppchenweise durchs Internet! Wo auch alle anderen mitlesen können!! Vorausschicken möchte ich, dass meinen vielleicht hie und da unbedachten Äusserungen kein böser Wille innewohnte und ich niemanden damit verletzen wollte. Wenn’s jetzt doch passiert, tut mir das leid.

Also (tiefes Luftholen):

  • Es stimmt nicht, dass ich den Pullover meiner Freundin Britta* toll finde. Er ist scheusslich und ich würde ihn nie anziehen (sie sollte es auch nicht tun), aber wo sie doch sonst schon viel hübscher ist als ich…
  • Herrn Moser von den Herbstzeitlosen Nachrichten finde ich einen eingebildeten Gockel. Was denkt der sich eigentlich? Statt immer so belehrend zu tun, sollte er endlich lernen, seine Krawatte ordentlich zu binden.
  • Ich mag die selbstgemachten Gnocchi von Tante Ida nicht. Sie lösen bei mir einen unmittelbaren Brechreiz aus, weil sie mich an in einer Pfütze schwimmende Engerlinge erinnern.
  • Ich finde es die Höhe, dass die elegante Lady vom Haus schräg vis-à-vis der Bushaltestelle nach 14 Jahren noch immer so tut, als hätte sie mich noch nie gesehen. Ist es denn so schwierig, endlich mal „Grüezi“ zu sagen?!
  • Die Witze von Hermann finde ich nicht nur nicht lustig, ich finde sie absolut ätzend. Wie kann man nur so unlustig lustig sein!
  • Ich mag den kleinen Lümmel, der immer so frech grinst und mir hinterrücks Tannzapfen um die Ohren schmeisst, nicht. Ich tu nur so!
  • Ich könnte die Hundefrau, deren Dogge mir ab und zu auf Augenhöhe ins Gesicht geifert mit der Leine derselben erwürgen wenn sie zuckersüss flötet: „Wie süss – Püppi mag Sie…!“
  • Ich hasse den Busfahrer, der mir jedes dritte Mal lässig zuwinkt, nachdem er die Türen geschlossen und vor meiner Nase abgefahren ist.

So, ich denke, fürs Erste reicht das. Zu gegebener Zeit werden weiter Enthüllungen dazukommen, aber ich will es nicht übertreiben. Es ist mir jedoch ein grosses Anliegen, allen zu versichern – meiner Freundin Britta, Herrn Moser, Tante Ida, der schrägen Lady, Hermann, dem Rotzlümmel, Püppis Frauchen (nicht Püppi, der nicht!) und auch dem Busabfahrer, dass sie mir trotz allem wichtig sind. Wir sollten uns jetzt auf das Wesentliche konzentrieren und unsere Beziehungen nicht unter diesen Kinkerlitzchen leiden lassen. Gerade in diesen schweren Zeiten, wo weltweit die diplomatischen Beziehungen den Bach runter gehen.

*sämtliche Namen nicht geändert, weil erfunden

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4 Antworten zu Brisante Enthüllungen

  1. runningtom schreibt:

    Die Tage von Wikileaks sind wohl gezählt…. wo doch sowieso immer mehr Informationen gleich im Internet veröffentlicht werden… Wer braucht da noch Wikileaks 🙂

  2. Renate schreibt:

    Genau, es genügt doch, wenn man ab und zu auf der Schreibschaukel vorbei schaut. 😉

  3. der Muger schreibt:

    Ich würde gerne ein Bild vom Pullover deiner Freundin Britta sehen. Und wenn’s geht, gerne auch eins der Britta ohne Pullover.

  4. Renate schreibt:

    Es gibt natürlich kein Bild, weder von Britta noch vom Pullover. Du musst also deine eigene Vorstellungskraft bemühen – an der es dir ja offensichtlich nicht mangelt 😉 .

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